Tellonym

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Tellonym
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Was Deine Freunde denken
Sprachen Deutsch, Englisch, Spanisch, Französisch, Italienisch, Portugiesisch, Rumänisch, Russisch, Schwedisch, Türkisch, Arabisch
Betreiber Callosum Software GmbH
Benutzer über 13 Millionen Nutzer
Online Apr. 2016
https://tellonym.me/

Tellonym (Wortneuschöpfung, aus englisch to tell (sagen) und deutsch anonym) ist eine kostenlos angebotene, werbefinanzierte, plattformübergreifende Messaging App um Fragen beantworten zu lassen.[1] Dabei ermöglicht Tellonym auf einfachem Weg Feedback zu erhalten und unterstützt die Anonymität der Feedback-Gebenden sowie den Schutz der Empfänger vor ungewollten Veröffentlichungen.[2] Dem steht die Möglichkeit gegenüber auch ungefragt Rückmeldungen zu geben oder zu erhalten. Auf dem Portal sind derzeit über 13 Millionen deutschsprachige Benutzer angemeldet (Stand: März 2019), was ungefähr einem Drittel der insgesamt 40 Millionen Benutzer weltweit entspricht. Der Rest stammt vor allem aus den Vereinigten Staaten, Großbritannien und Brasilien. Eine Million Menschen nutzen die App täglich, ein Drittel in Deutschland.[3] Gegründet wurde tellonym.me von der Entwicklerfirma Callosum Software um Maximilian Rellin, Max Fehmerling, Johannes Sorg und Birger Naß.[4] Christopher Obereder trat zudem als Chief Marketing Officer in Erscheinung.[5]

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Vergleichbare Projekte wurden mit ask.fm 2010 gestartet, während der Mitbewerber Sarahah aus Saudi-Arabien ebenfalls 2016 begann.[6] Das Projekt Tellonym startete im April 2016. Im Mai 2017 waren 700.000 Nutzer angemeldet.[7] Bis Juni 2018 waren 2 Millionen Benutzer registriert.[8] Der Google App Store gibt derzeit 13 Millionen Anmeldungen an.[9] Nach den Erhebungen des Jugend-Internet-Monitor 2018 in Österreich benutzen 12 Prozent der 11- bis 17-Jährigen die App.[10]

Auf Alexa erreicht die App in Frankreich Platz 2572, in Deutschland Platz 4652 und in Brasilien Platz 23.125.[11]

Technologie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Nachrichten bei Tellonym nennen sich Tells. Das Profil eines Nutzers besteht aus nichts anderem als dessen Benutzernamen. Mit Hilfe des Profils wird Feedback gesammelt, zur eigenen Person, zur Arbeit, zu beliebigen Fragen. So lässt sich Tellonym als eine Art Umfrage-Tool nutzen.[12] Neben Freunden kann jeder über einen öffentlichen Link zum persönlichen Profil gelangen und dort Kommentare hinterlassen. Das erleichtert das Hinterlassen von verletzenden oder belästigenden Kommentaren, die im Gegensatz zu anderen Plattformen jedoch nicht sofort erscheinen, sondern erst durch eine Antwort des Empfangenden öffentlich sichtbar werden.[2] Um andere Benutzer zu bewerten, ist kein eigenes Profil, bei dem Name oder E-Mail-Adresse angegeben werden müssten, notwendig. Der Anbieter behält sich vor, die Nachrichten und IP-Adressen der Endgeräte zu einer eventuell notwendigen Übermittlung an Strafbehörden vorzuhalten. Die App prüft jede verschickte Nachricht individuell und ermittelt ein potentielles Risiko basierend auf den enthaltenden Worten, der Benutzungshistorie des Sendenden, den Sicherheitseinstellungen des Empfangenden und vorherigen Entscheidungen des Moderationsteams. Durch diese Prüfung werden Nachrichten entweder direkt zugestellt, von Moderatoren vor Auslieferung geprüft oder direkt gelöscht.[2] Zudem ermöglicht es die App, einen benutzerbasierten Wortfilter mit maximal zehn Worten einzurichten, der verhindert, dass „Tells“, welche die aufgelisteten Worte enthalten, an den Benutzer gelangen. Dieser Wortfilter kann in der Praxis unwirksam werden, da er bereits durch den Austausch von Einzelbuchstaben umgangen werden kann. Der Absender kennt allerdings weder die benutzerbasierten Wörter noch wird er über die etwaige Blockierung seiner Nachricht informiert. Mit Hilfe einer Timerfunktion kann der Absendezeitpunkt der Nachricht geplant werden.[13]

Verknüpfung mit anderen Medien[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Tellonym wird am häufigsten über Instagram verbunden, obwohl sich eine direkte Verbindung der Datenbanken nicht herstellen lässt.[14] Zur Verbreitung werden auch WhatsApp, Snapchat und die Timeline von Twitter verwendet.[15] Die App kann im Google Play Store für Android-Geräte und im App Store für iOS-Geräte kostenlos heruntergeladen werden. Im Google Play Store ist die App laut USK-Einschätzung ab 12 Jahren geeignet und enthält Werbung. Der App Store gibt eine Altersfreigabe ab 17 Jahren. Die App benötigt Zugriff auf die Identität, die Kontakte, Medien wie Fotos und Dateien, die Kamera, die Geräte-ID und Anrufinformationen.

Notfallvorsorge[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In Deutschland gehört Tellonym nicht zu den im NetzDG angesprochenen Plattformen. Das heißt, sie sind nicht verpflichtet offenkundig strafbare Inhalte nach spätestens 24 Stunden und weniger eindeutig strafbare Inhalte nach spätestens sieben Tagen zu löschen.[16] Auf Grund von erhöhtem Cyber-Mobbing auf der Plattform sperrten die Kommunen Herøy, Hareid, Vestfold og Telemark, Ulstein, Vanylven, Volda und Ørsta in Zusammenarbeit mit dem SSIKT im Jahr 2018 die App und die Webanwendung aus den kommunalen Netzwerken.[17]

Kontroversen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Möglichkeit, „Tells“ anonym zu formulieren, kann dazu missbraucht werden, Nutzer zu beschimpfen oder zu belästigen.[18] Dies kann bis zu Cybermobbing führen. Da der Benutzeranteil von Tellonym zu 70 Prozent aus heranwachsenden Mädchen besteht,[3] werden diese besonders häufig durch anonyme Beleidigungen verunsichert.[19] Bereits mehrfach wurde die Messaging App Tellonym aufgrund der Tatsache anonym Nutzer über Tells zu beschimpfen von den renommierten Medien, wie dem Tagesspiegel[19], der FAZ[3] und der Spiegel[20] in Kritik gestellt.

In ihrem Jahresbericht 2018 dokumentierte Jugendschutz.net auf Tellonym „vielfach […] drastische Beleidigungen oder gar Aufforderungen zum Suizid“.[21][22][23] Der Anbieter hat mittlerweile digitale Mechanismen zur Prävention von Suizid und Amoklauf implementiert, die eine Kontaktaufnahme mit den Nutzern selbst, den Eltern und professionellen Hilfsorganisationen einschließt.[2]

Im Dezember 2020 ereignete sich ein Gerichtsprozess auf Grund sexueller Belästigung mehrerer Schülerinnen in Burg. Eine Zeugin soll dabei vor ihrer Anhörung anonyme Drohnachrichten auf der Plattform Tellonym bekommen haben. Nach den Auskunftsersuchen der Polizei stellte sich jedoch heraus, dass sie sich ein Teil der Nachrichten selber geschrieben haben soll.[24]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Tellonym – die Geständnis-Plattform. In: Schau hin! c/o denkwerk b_projekte für bildung und prävention gGmbH, abgerufen am 16. November 2020.
  2. a b c d Wie wir unsere Nutzer schützen. In: Tellonym. Callosum Software GmbH, abgerufen am 30. Juli 2020 (englisch).
  3. a b c Antje Schmelcher: App unterstützt Hatespeech: Es war noch nie leichter, gemein zu Mädchen zu sein. In: Frankfurter Allgemeine Zeitung. Frankfurter Allgemeine Zeitung GmbH, 10. April 2019, ISSN 0174-4909 (faz.net [abgerufen am 16. November 2020]).
  4. Georg Räth: Sie erreichen Millionen Nutzer – jetzt wurden Viral-Gründer auf sie aufmerksam. In: Business Insider. Axel Springer SE, 6. September 2018, abgerufen am 30. Juli 2020.
  5. Georg Räth: 5 Jugendliche haben in kurzer Zeit eine Viral-App mit Millionen Nutzern gebaut. In: Business Insider. Axel Springer SE, 19. September 2017, abgerufen am 28. Mai 2021 (deutsch).
  6. Georg Räth: Tellonym: Berliner Start-up landet Viral-Hit mit Feedback-App. In: Die Welt. Axel Springer SE, Berlin 2. Oktober 2017 (welt.de [abgerufen am 28. Mai 2021]).
  7. Sebastian Meineck: Tellonym-App: "Ich finde dein Gesicht nicht hübsch". In: Der Spiegel (online). DER SPIEGEL GmbH & Co. KG, 6. Mai 2017, abgerufen am 28. Mai 2021.
  8. Tellonym - was ist das? In: klicksafe.de. Abgerufen am 28. Mai 2021.
  9. Tellonym: Anonyme Fragen bei Google Play. In: Google Play. Abgerufen am 28. Mai 2021.
  10. Jugend-Internet-Monitor 2018. In: SaferInternet Österreich. Österreichische Institut für angewandte Telekommunikation, 23. März 2018, abgerufen am 28. Mai 2021.
  11. tellonym.me Competitive Analysis, Marketing Mix and Traffic - Alexa. In: Alexa Internet. Alexa Internet Inc., abgerufen am 28. Mai 2021 (englisch).
  12. Tellonym: Anonymes Feedback einsammeln. In: Focus. Deutsche Presse-Agentur, 22. Dezember 2016, abgerufen am 29. Mai 2021.
  13. Felix Stoll: Tellonym: Was ist das? Einfach erklärt. In: Chip (Zeitschrift). Chip Communications GmbH, 24. März 2020, abgerufen am 28. Mai 2021.
  14. Martin Maciej: Tellonym mit Instagram verbinden: So klappts. In: GIGA. Ströer Media, 21. März 2018, abgerufen am 28. Mai 2021.
  15. Christian Geisler: App der Woche: Anonyme Nachrichten mit Tellonym versenden, in: Neue Westfälische Zeitung vom 18. November 2016.
  16. Angela Wiese: Lehrer-Mobbing in Bielefeld: So reagieren Instagram und Tellonym. In: Haller Kreisblatt. Haller Kreisblatt Verlags-GmbH, 8. Dezember 2017, abgerufen am 28. Mai 2021.
  17. Malin Saue Johansen: Syv kommuner har sperret for bruk av app etter varsler om mobbing. In: TV 2 (Norwegen). TV 2-Gruppe, 25. Oktober 2018, abgerufen am 28. Mai 2021 (norwegisch).
  18. Nicole Schmidt: Tellonym – Was du über den Dienst wissen solltest! In: Das Elternhandbuch. Heike Lorenz, 9. September 2018, abgerufen am 28. Mai 2021 (deutsch).
  19. a b Fatina Keilani: Hilfe, meine Tochter ist auf Tellonym. In: Der Tagesspiegel. Stephan-Andreas Casdorff, Giovanni di Lorenzo, 27. März 2019, abgerufen am 28. Mai 2021.
  20. Sebastian Meineck: Tellonym-App: "Ich finde dein Gesicht nicht hübsch" - DER SPIEGEL - Netzwelt. In: Der Spiegel (online). Der Spiegel GmbH & Co. KG, abgerufen am 16. November 2020.
  21. Jugendschutz im Internet – Bericht 2018. In: jugendschutz.net. jugendschutz.net gGmbH, 2018, abgerufen am 12. August 2020.
  22. Stefan Krempl: Sexueller Missbrauch und Cyber-Mobbing: Jugendschützer rügen Tumblr und TikTok. In: heise online. Heise Medien, 31. August 2019, abgerufen am 28. Mai 2021.
  23. Michael Kroker: Cybermobbing bei Tellonym: „Mach doch Selbstmord!“ In: Wirtschaftswoche. Handelsblatt Media Group, 19. Juni 2018, abgerufen am 28. Mai 2021.
  24. Thomas Pusch: Zeugin bedrohte sich selbst. In: Volksstimme. Mitteldeutsche Verlags- und Druckhaus GmbH, 8. Dezember 2020, abgerufen am 5. Februar 2021.