Tupolew Woron

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f2
Tupolew Woron
Typ: unbemanntes Spionageflugzeug
Entwurfsland: Sowjetunion 1955Sowjetunion Sowjetunion
Hersteller:

Tupolew

Stückzahl: 0
Lockheed D-21 als Vorlage der Woron

Die Tupolew Woron (russisch Ворон, Kolkrabe) war ein geplantes überschallschnelles unbemanntes Aufklärungsflugzeug des sowjetischen Herstellers Tupolew, das das Konzept der Lockheed D-21 aufgriff.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bei der ersten Mission einer Lockheed D-21 am 9. November 1969 erreichte die Drohne ihr Zielgebiet und konnte das Kernwaffentestgelände Lop Nor in der Volksrepublik China[1] fotografieren, kehrte aufgrund einer Fehlfunktion des Navigationssystems jedoch nicht mehr um und stürzte schließlich in der Sowjetunion ab. Die Überreste wurden geborgen und von der sowjetischen Flugzeugindustrie analysiert. Mit der Direktive Nummer 57 vom 19. März 1971 beauftragte der Ministerrat der UdSSR das OKB Tupolew, das den Tarnnamen MMZ Opyt trug und bereits mit den Drohnen Jastreb-1, Jastreb-2, Reis und Strisch Erfahrung im Drohnenbau hatte, damit, die D-21 unter Verwendung sowjetischer Materialien, Triebwerke und Ausrüstung nachzubauen. Das Projekt erhielt den Namen Woron (Rabe). Es stand unter direkter Leitung von Alexei Tupolew, dem Sohn von Andrei Tupolew. Die Woron war als Aufklärungsplattform geplant, die im Verbund mit anderen luft- und bodengestützten Aufklärungsmitteln zu einer gesamtheitlichen strategischen Aufklärung beitragen sollte. Der Autopilot sollte das Fluggerät entlang einer mittels Wegpunkten vorprogrammierten Route führen. Die Navigation erfolgte auf inertialer Basis. Zur Aufklärung stand als Nutzlast lediglich eine hochauflösende Kamera zur Verfügung, die an der Unterseite befestigt worden wäre. Die Drohne sollte von einer Tupolew Tu-95 aus gestartet werden. Dies ist vergleichbar mit der Modifikation der D-21, die von einer Flügelstation einer B-52 gestartet werden konnte, jedoch konnte eine B-52 eine D-21 unter jedem Flügel mitführen, während bei der Tu-95 eine Woron halb versenkt im Bombenschacht mitgeführt worden wäre. Auch der Einsatz der geplanten Bomberausführung der Tupolew Tu-144 als Gegenstück zur Kombination SR-71/D-21 sowie dem späteren projektierten Bomber, der dann als Tupolew Tu-160 produziert wurde, war vorgesehen. Die Woron sollte mit einem RD-012-Triebwerk mit 1.350 kgp Schub ausgerüstet werden; andere Quellen sprechen von einem 3Ts4- (RD-07K)-Triebwerk aus dem OKB-670 von Michail M. Bondarjuk. Das OKB-670 nutzte dafür auch das relativ gut erhaltene Marquardt RJ43-MA-11-Triebwerk der D-21. Nach dem Lösen vom Trägerflugzeug sollte die Woron durch den abwerfbaren Booster mit einer Leistung von 47.500 kgp auf Überschallgeschwindigkeit beschleunigt werden. Die Woron war lediglich für eine einzige Mission vorgesehen. Nach Erfüllung ihrer Mission sollten die gesammelten Daten in einer wiederverwendbaren Sektion, die die Aufklärungstechnik beinhaltete, vom Rest der Drohne getrennt werden und am Fallschirm sicher zu Boden gleiten, vergleichbar mit dem Verfahren bei der Jastreb-1-Drohne.

Es wurde auch ein bodengestützter Start der Woron angedacht, der von einem Sattelzuganhänger aus mit dem Booster durchgeführt werden sollte. Dieses Projekt wurde aber bald wieder verworfen, da damit die Einsatzfähigkeit in Bezug auf Reichweite dem Start von einem Trägerflugzeug aus weit unterlegen gewesen wäre. Die Arbeiten an dem Projekt Woron dauerten mehrere Jahre an. Es kam aber nie zum Bau, dennoch ergaben sich aus dem Projekt wertvolle Erkenntnisse und brauchbare Materialien für zukünftige Überschall-Flugkörper. Der Grund, warum die Woron nicht gebaut wurde, liegt darin, dass die sowjetische Regierung der Annahme war, dass Aufklärungssatelliten ein effektiveres Aufklärungsmittel sind als die Woron-Drohne.

Technische Daten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Lockheed D-21 mit Boostern
  • Länge: 13,07 m
  • Spannweite: 5,8 m
  • Höhe: 2,08 m
  • Flügelfläche: 37 m²
  • Leermasse: 3.900 kg
  • Masse Drohne: 6.300 kg
  • Masse mit Booster: 14.120 kg
  • Höchstgeschwindigkeit: 3500–3800 km/h
  • Dienstgipfelhöhe: 23.000–26.400 m
  • Reichweite: 4600 km

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Jefim Gordon, Sergei & Dmitri Komissarow: U.S. Aircraft in the Soviet Union and Russia. Midland Publishing, 2009, ISBN 978-1-85780-308-2, S. 245 f.
  • Jefim Gordon & Wladimir Rigmant: OKB Tupolev. Midland Publishing, 2000, ISBN 1-85780-214-4, S. 325–327.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. D-21 Drone – Tagboard / Senior Bowl. In: spyflight.co.uk. Abgerufen am 19. Februar 2013.