U-Bahn-Linie 6 (Wien)

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Zug der Type „T“ in der südlichen Endstation Siebenhirten

Die U-Bahn-Linie U6 gehört zum Netz der Wiener U-Bahn und verbindet den südlichen 23. Bezirk Liesing mit dem nördlich gelegenen 21. Bezirk Floridsdorf. Die Strecke führt dabei großteils entlang des Wiener Gürtels. Mit 24 Stationen und einer Streckenlänge von insgesamt 17,4 Kilometern ist sie die zweitlängste (bis 2. September 2017 die längste) U-Bahn-Linie Wiens. Sie ist seit 1996 die zweite U-Bahn-Strecke, die das nördliche Donauufer erreicht hat. Die durchschnittliche Reisezeit zwischen den beiden Endstationen Siebenhirten und Floridsdorf beträgt 34 Minuten. Ihre Kernstrecke mit den in den 1980er Jahren aufwändig sanierten Stationen entlang des westlichen Gürtels wurde gegen Ende des 19. Jahrhunderts erbaut und zählt daher zu den ältesten Teilen des Wiener U-Bahn-Netzes, während die nördlichen und südlichen Außenstrecken erst in den 1990er Jahren errichtet wurden.

Zu den Stoßzeiten in der Früh und am Nachmittag wird an Werktagen jeder zweite Zug erst ab/nur bis Alterlaa geführt. Grund hierfür ist einerseits die schwache Auslastung der südlichen U6, andererseits die Abstellhalle, die sich in Alterlaa befindet. Damit ist die U6, neben der U1 und der U2, eine von drei U-Bahn-Linien, deren Züge nicht immer bis zur Endstation fahren. Weitere Besonderheiten der U6 sind, dass sie länger oberirdisch als unterirdisch fährt und dass sie nicht mit Stromschiene, sondern mit Oberleitung betrieben wird. Die U6 ist die meistbefahrene U-Bahn-Linie Wiens mit fast 130 Millionen Fahrgästen jährlich.[1] Ihre Signalfarbe ist ockerbraun.

Verlauf[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Siebenhirten ↔ Floridsdorf
Streckenlänge: 17,339 km
Spurweite: 1435 mm (Normalspur)
Stromsystem: 750V =
Maximale Neigung: 45 
Höchstgeschwindigkeit: 80 km/h
   
   
0,000 Siebenhirten
   
   
0,771 Perfektastraße
   
1,419 Erlaaer Straße
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Abstellanlage Rößlergasse
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2,348 Alterlaa
   
3,620 Am Schöpfwerk
   
   
   
4,141 Tscherttegasse
   
Anschlussgleis WLB
   
   
   
5,191 Bahnhof Meidling Train Austria.svg Stammstrecke (Wien) S-Bahn Wien S-Bahn Wien Logo Wiener Lokalbahn.svg
   
   
6,004 Niederhofstraße
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U4 von Hütteldorf
   
6,582 Längenfeldgasse eingehaust
   
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U4 nach Heiligenstadt
   
Brücke über die Zeile (220,212 m), Wienfluss
   
   
7,337 Gumpendorfer Straße
   
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ehemaliger Stadtbahn-Tunnel bis 1990
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8,022 Westbahnhof Train Austria.svg S-Bahn Wien U3
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BSicon .svgBSicon uetKRWg+l.svgBSicon uextKRWr.svg
   
   
   
8,776 Burggasse-Stadthalle
   
   
9,268 Thaliastraße
   
   
9,717 Josefstädter Straße
   
10,352 Alser Straße
   
   
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BSicon .svgBSicon uHST.svgBSicon uSTR.svg
10,869 Michelbeuern-AKH
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Betriebsbahnhof Michelbeuern
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Anschlussgleis Straßenbahn
   
BSicon uhHST.svg 11,546 Währinger Straße-Volksoper
   
BSicon uhHST.svg 12,236 Nußdorfer Straße
BSicon .svgBSicon uehABZgl.svgBSicon uexhSTReq.svg
nach Heiligenstadt bis 1996
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12,935 Spittelau Train Austria.svg S-Bahn Wien U4
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Verbindungskurve bis 1991
BSicon uhWSTR.svg U6-Donaukanalbrücke, Donaukanal
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BSicon utHST.svg 13,728 Jägerstraße
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BSicon utHST.svg 14,518 Dresdner Straße
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BSicon uhHST.svg 15,319 Handelskai Train Austria.svg Stammstrecke (Wien) Vorortelinie
BSicon uhWSTR.svg Georg-Danzer-Steg, Donau
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BSicon uhWSTR.svg Neue Donau
BSicon uhHST.svg 16,170 Neue Donau
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BSicon utBHF.svg 17,347 Floridsdorf Train Austria.svg Stammstrecke (Wien)
   

Von Siebenhirten bis Längenfeldgasse[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die U6 beginnt in Hochlage bei der Station Siebenhirten im 23. Bezirk, Liesing. Von dort verläuft sie parallel zur Triester Straße bzw. Altmannsdorfer Straße Richtung Norden. Es folgen die Stationen Perfektastraße und Erlaaer Straße, ehe die Station Alterlaa erreicht wird. Hier befindet sich eine Abstell- und Revisionshalle. In den Hauptverkehrszeiten beginnt jeder zweite Zug hier. Nach der Station Alterlaa schwenkt die Trasse Richtung Nordosten und überquert die Altmannsdorfer Straße sowie den Altmannsdorfer Ast der Südosttangente. Es folgen die Stationen Am Schöpfwerk und Tscherttegasse. Nach Letzterer befindet sich eine Gleisverbindung von der U6 zur Badner Bahn, ehe die Trasse in einem Tunnel verschwindet. Es folgt die erste unterirdische Station Bahnhof Meidling. Ab hier verläuft die Trasse parallel zur Meidlinger Hauptstraße zur Station Niederhofstraße. Danach schwenkt die Trasse in Richtung Osten und erreicht die Station Längenfeldgasse, die sich parallel zum Wienfluss erstreckt. Hier besteht die Möglichkeit, zur Linie U4 umzusteigen.

Von Längenfeldgasse bis Spittelau[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nach der Station Längenfeldgasse geht die Trasse wieder in Hochlage über und schwenkt wieder Richtung Norden, überquert auf der Brücke über die Zeile die Wienzeile sowie den Wienfluss und erreicht schließlich die Station Gumpendorfer Straße in Hochlage. Im Anschluss verläuft die Trasse in Tieflage des Gürtels. Es folgt die unterirdische Station Westbahnhof sowie die Station Burggasse-Stadthalle in Tieflage, ehe die Trasse wieder leicht ansteigt. Die nächste Station Thaliastraße befindet sich in etwa auf Straßenniveau; sie weist nicht das klassische Stadtbahn-Design auf, da sie erst 1980 errichtet wurde. Die Stationen Josefstädter Straße und Alser Straße befinden sich auf den Stadtbahnbögen. Vor der nächsten Station Michelbeuern sinkt die Trasse wieder auf Straßenniveau. Hier befindet sich auch der Betriebsbahnhof der Linie U6. Im Anschluss erhebt sich die Trasse wieder auf die Stadtbahnbögen und folgt dem Gürtel weiter zu den Stationen Währinger Straße-Volksoper und Nußdorfer Straße. Im Anschluss schwenkt die Trasse Richtung Osten und erreicht die Station Spittelau, wo zu S-Bahn, Regionalbahn und zur Linie U4 umgestiegen werden kann.

Von Spittelau bis Floridsdorf[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nach der Station Spittelau überquert die U6 den Donaukanal und verschwindet in einem Tunnel. Es folgen die unterirdischen Stationen Jägerstraße und Dresdner Straße. Danach erhebt sich die Trasse aus dem Tunnel und erreicht in Hochlage die nächste Station Handelskai. Hier kann zu den Linien der S-Bahn-Stammstrecke sowie zur Vorortelinie S45 umgestiegen werden. Die U6 überquert im Anschluss die Donau und die Neue Donau auf einer eigenen Brücke, parallel zur Nordbahnbrücke. Es folgt die Station Neue Donau, direkt im Naherholungsgebiet Donauinsel, ehe die Trasse wieder in einem Tunnel verschwindet und die Endstation Floridsdorf erreicht.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Station Josefstädter Straße zu Zeiten der Dampfstadtbahn
Netz der Stadtbahn. Die braune Linie entspricht im Wesentlichen dem Mittelteil der heutigen U6.
Abzweigstelle Nussdorfer Straße im Jahr 1980, der Zug fährt geradeaus nach Heiligenstadt, rechts die Strecke Richtung Friedensbrücke

Stammstrecke[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Mittelteil der Strecke, auch Stammstrecke genannt, verläuft die U6 auf der Trasse der ehemaligen Gürtellinie der Wiener Stadtbahn, die 1898 als Dampfbahn eröffnet wurde. Sie führte von der Station Meidling Hauptstraße bis zum Bahnhof Heiligenstadt. Später wurde ein Verbindungsbogen zur Donaukanallinie von der Station Nußdorfer Straße zur Station Friedensbrücke errichtet. 1925 wurde die Strecke von der Stadt Wien übernommen und elektrifiziert. Im gleichen Jahr wurde auch die gemischte Straßenbahn- und Stadtbahnlinie 18G eingeführt, die bis 1945 an der Gumpendorfer Straße zwischen den beiden Systemen hin- und herwechselte.

Im Zuge des U-Bahn-Baues in den 1970er Jahren wurde die Gürtellinie zunächst nicht miteinbezogen und verblieb als Stadtbahn. 1980 wurde die neue Station Thaliastraße errichtet. Schließlich entschloss man sich doch, die Gürtellinie auch ins U-Bahn-Netz einzugliedern. Ab 1985 verkehrten die Züge der Gürtellinie Richtung Süden nurmehr bis zur Station Gumpendorfer Straße.

Südlich der Wientalquerung wurde die alte Abzweigung von der Wientallinie abgerissen und neu gebaut. An dieser Stelle wurde die Station Längenfeldgasse als neuer Knotenpunkt zwischen U4 und U6 errichtet. Von dieser wurde eine neue Tunnelstrecke zur Station Bahnhof Meidling gebaut. Der Boden unter dem Fernmeldeamt Meidling zwischen Niederhofstraße und Arndtstraße wurde mit kalter Kalzium-Chlorid-Sole vereist, um ein Absetzen, vor allem ein ungleichmäßiges Absinken der Fundamente zu minimieren.[2]

1987 wurde außerdem die neue Station Michelbeuern beim Allgemeinen Krankenhaus eröffnet. Am 7. Oktober 1989 wurde die verlängerte Strecke erstmals als U6 in Betrieb genommen und führte vom Bahnhof Meidling bis zur Nußdorfer Straße und von dort abwechselnd weiter nach Heiligenstadt oder zur Friedensbrücke. Damit war die Wiener Stadtbahn endgültig Geschichte. 1990 wurde im Zuge des Baues der Linie U3 die Trasse der U6 im Bereich des Westbahnhofes weiter nach Osten verschwenkt und eine neue unterirdische Station Westbahnhof zwischen den Gürtelfahrbahnen errichtet. Bereits 1991 begannen die Bauarbeiten für die Verlängerung der U6 nach Floridsdorf und der Ast zur Friedensbrücke wurde eingestellt.

Außenäste[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

1980: Die Linie 64 fährt als Schnellstraßenbahn nach Siebenhirten

In den 1970er Jahren wurde die Schnellstraßenbahn Linie 64 errichtet, die vom Westbahnhof nach Siebenhirten führte. Bis Meidling benutzte sie das bestehende Straßenbahnnetz. Ab dort verlief sie kurz auf der Strecke der Badner Bahn und zweigte nach der Wienerbergstraße auf die heutige U6-Trasse ab. Sie führte als „Premetro“ auf einer eigenen Hochtrasse weiter nach Siebenhirten. 1983 wurde mit dem Bau des Tunnels um die Station Bahnhof Meidling begonnen. Der südliche Teil umfasst neben den zwei seitlichen Streckentunneln eine zusätzliche Tunnelröhre für ein Kehrgleis. Alle drei wurden in NÖT-Bauweise errichtet. Die Eisenbahngleise wurden in offener Bauweise unterquert, wofür etliche Hilfsbrücken aus Stahl für den starken Bahnverkehr zum Einsatz kamen.[2] 1995 wurde die Hochstrecke nach Siebenhirten mit dem neuen Tunnel verbunden und auf U-Bahn-Betrieb umgestellt. Die U6 wurde somit bis Siebenhirten verlängert.

Ein Jahr später wurde der neue Nordast von der Station Nußdorfer Straße nach Floridsdorf eröffnet und gleichzeitig die alte Strecke nach Heiligenstadt eingestellt. Im Zuge dieser Verlängerung wurden auch die Stationen Spittelau entlang der Franz-Josefs-Bahn und der U4 sowie die Station Handelskai an der S-Bahn-Stammstrecke errichtet.

In den 1980er-Jahren sahen die Planungen auch eine Variante vor, welche die U6 via U4-Station Friedensbrücke und S-Bahn-Station Traisengasse nach Floridsdorf geführt hätte. Diese Idee wurde allerdings im Laufe der Zeit verworfen.

Derzeit ist kein weiterer Ausbau der U6 geplant. Realistisch wäre in absehbarer Zeit eine Verlängerung von Floridsdorf bis zum in Bau befindlichen Krankenhaus Nord bzw. weiter nach Stammersdorf.

Gegenwart[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Stationen Gumpendorfer Straße, Burggasse, Josefstädter Straße, Alser Straße, Währinger Straße und Nußdorfer Straße sind heute noch beinahe im Originalzustand der Architektur Otto Wagners erhalten. Es wurden lediglich die Bahnsteige verlängert und Aufzüge eingebaut.

Im Sommer 2011 wurde erstmals in der Geschichte der Wiener U-Bahn eine Strecke über eine längere Zeit eingestellt. Von Mitte Juli bis Ende August war die U6-Strecke WestbahnhofAlser Straße gesperrt. Grund hierfür war die Sanierung der U-Bahn-Station Josefstädter Straße, welche auch ein Durchfahren der Station unmöglich machte. Als Ersatz wurde die Straßenbahn-Sonderlinie „E“ eingerichtet, welche zwischen Westbahnhof und Nußdorfer Straße verkehrte. Seit 29. August 2011 verkehrt die Linie U6 wieder auf der gesamten Strecke, die Station Josefstädter Straße blieb noch bis 25. November 2011 gesperrt, die Sanierungsarbeiten dauerten noch bis 2013 an.[3]

Am 5. Oktober 2013 wurde die Station Philadelphiabrücke in Bahnhof Meidling umbenannt. Damit erfolgte eine Angleichung an die Bezeichnung des ÖBB-Bahnhofs.[4]

Wiental-Viadukt: Brücke der U6 über die Wienzeile und den Wienfluss

Architektur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Während man im Wiener U-Bahn-Netz grundsätzlich ein möglichst durchgängiges Liniendesign anstrebt, zeichnen sich die Stationen der U6 als einzige durch ihren Stilmix aus. Die heutige U6 ist über einem Zeitraum von mehreren Jahrzehnten entstanden, einige ihrer Stationen sind signifikant für ihre Zeit und haben auch architektonischen Wert.

Die Gürtelstrecke der U6 ist Teil der alten Stadtbahn, wie sie von Otto Wagner geplant war. In dieses Projekt waren zeitweise bis zu siebzig Mitarbeiter unter der Leitung von Joseph Maria Olbrich eingebunden. Die Planungen umfassten Unterbau, Hochbauten (Stützmauern, Brücken, Tunnelportale, Viadukte, Stationen) und Details (Geländer, Gitter, Tore, Möbel, Beleuchtungskörper etc.) aller Stadtbahnlinien. Es entstanden nach sechs Jahren Bauzeit neben Viadukten, Brücken und Galerien auch (auf der heutigen U6) sechs Stationen, die in einem Übergangsstil zwischen Späthistorismus und Jugendstil gehalten sind. Diese Stationen stehen mittlerweile allesamt unter Denkmalschutz.[5] Die Stationen am Gürtel stehen an Stelle von Toren des Linienwalls. Mit Ausnahme der Stationen Burggasse und Westbahnhof sind sie als Hochbahnstationen ausgeführt. Sie sind massige, klassizierende Baukörper mit Eckpylonen oder pylonartigen Eckrisaliten. Die Eingänge liegen in der Mitte der Baukörper und sind meist mit dorischen Säulen markiert.[6] Die Tiefbahnstationen (von denen es auf der U6 nur mehr die Station Burggasse gibt, die ursprüngliche Station Westbahnhof ist nicht mehr erhalten) sind einfache Torbauten, deren Hauptakzent eine Traggitterkonstruktion über den Eingängen ist. Sie wird von Metallpfeilern durchbrochen. Letztgenannte Elemente sind, wie die Fensterrahmen und Überdachungen, in der für Wagner charakteristischen Farbe „Resedagrün“ (RAL 6011) lackiert.

Völlige Neubauten entlang der Kernstrecke sind die 1980 errichtete Station Thaliastraße (Architekten: R. Keimel und W. Höfer), welche im Wesentlichen mittels Sichtbeton- und braun getönten Glaselementen gestaltet wurde und die 1987 in Betrieb genommene Station Michelbeuern. Letztere wurde wie die im südlichen Abschnitt gelegenen Stationen Längenfeldgasse, Niederhofstraße und Bahnhof Meidling (allesamt 1989 eröffnet) von Kurt Schlauss gestaltet. Die Bodenfliesen und das in grün gehaltene Inventar ihrer Stationsgestaltung sind als Anspielung an die Architektur Otto Wagners zu verstehen.

Architektonisch bemerkenswert sind auch die weiteren Stationen des Südastes, der 1995 fertiggestellt wurde. Zwar wurde dabei nur eine als Hochbahn geführte Straßenbahnlinie adaptiert, mit Ausnahme der Station Alterlaa (Architekten: Friedrich Winkler, Harry Glück, Kurt Hlaweniczka, Requat & Reinthaller) wurden aber völlig neue Stationsgebäude errichtet. Es handelt sich um die Stationen (von Süd nach Nord): Siebenhirten, Perfektastraße, Erlaaer Straße, Am Schöpfwerk und Tscherttegasse. Auch der Betriebsbahnhof Rößlergasse ist hier dazuzuzählen. Die Planungen wurden von Johann Georg Gsteu 1990 begonnen - zu dieser Zeit war die technische Planung im Wesentlichen schon abgeschlossen. Gsteu machte sich eine neue Technik der Verformung von Aluminiumtrapezblech (das sogenannte Einziehverfahren) zu Nutze, das die Konstruktion verschieden geformter Bögen erlaubte. In der Kombination mit blau lasiertem Beton und Glas ergibt sich eine markante Signalwirkung. Ein besonders auffälliges Element sind die oben abgerundeten Aufzugstürme.[7] Da Gsteu lediglich die Fassaden der bereits geplanten Bauwerke überarbeitete, ist ihr Inneres im gewohnten Paneeldesign der Architektengruppe U-Bahn (AGU) gestaltet.

Wesentlich umfangreicher die Handschrift der AGU trägt hingegen der nördliche Streckenast (Spittelau – Floridsdorf). Die Hochstationen sind dabei allesamt großvolumige, lichtdurchflutete Bauten und bekamen eine auffällige Primärkonstruktion aus Raumfachwerkträgern, die vor den Fassaden und über den Bahnsteigdächern positioniert wurden. Die Tiefstationen und ihre Aufnahmegebäude sind im von der Linie U3 bekannten Erscheinungsbild ausgeführt.[8]

Sanierung der historischen Hochbauten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die historischen Aufnahmegebäude, die Otto Wagner als „weiße Paläste“ konzipierte, benötigen naturgemäß einen größeren Erhaltungsaufwand als die Neubaustationen. Besonders die verputzten Wandflächen leiden unter der enormen Verkehrslast von heute. Darüber hinaus wurde der Einsatz von schmutzabweisender Farbe von Seiten des Bundesdenkmalamtes untersagt, da diese luftdichte Farbe die Ableitung der Feuchtigkeit aus dem alten Mauerwerk verhindere.[9]

Im Rahmen des Umbaus der Stadtbahn zur U-Bahn wurden das erste Mal nennenswerte Erneuerungsarbeiten an den Bauwerken durchgeführt. Fliesenbeläge wurden neu verlegt, die Schauflächen der Stationen instand gesetzt und Aufzüge eingebaut. Im Rahmen eines mehrjährigen Sanierungsprogramms wurden ab dem Jahr 2000 dann erneut die Oberflächen in den historischen Bauten erneuert; nicht jedoch in den Stationen Burggasse – Stadthalle und Josefstädter Straße. Letztgenannte wurde in den Jahren 2011 bis 2013 umfassend generalsaniert. Im Laufe der Arbeiten traten allerdings unerwartet substanzielle Schäden an dem Bauwerk zu Tage, die den Bauablauf nachhaltig verkomplizierten und letztlich auch eine Prüfung der Causa seitens des Stadtrechnungshofes nach sich zogen. Offenbar waren die massiven Feuchtigkeitsschäden unter den Bahnsteigen durch langjährig mangelhaft durchgeführte Überwachungs- und Instandhaltungsarbeiten verursacht worden. Die Wände unter den Bahnsteigen waren demnach statisch nicht mehr geeignet Belastungen aufzunehmen. Zusätzlich kritisierte der Bericht den „unbefriedigenden bis schlechten Bau- und Erhaltungszustand“ der in den 2000er Jahren sanierten Stationen bzw. den Zustand der Station Josefstädter Straße nur ein Jahr nach Abschluss der Bauarbeiten.[10][11]

Die Generalsanierung der übrigen Stationen, welche in Abstimmung mit dem Bundesdenkmalamt erfolgen, greift nun wesentlich tiefer in die Substanz der Objekte ein, als jene der letzten Jahrzehnte. Seither durchgeführt wurden Arbeiten an den Stationen Burggassse – Stadthalle (2013) und Alser Straße (2014 – 15); geplant bzw. laufend sind Arbeiten in den Stationen Währinger Straße - Volksoper (2016 – 17) und Nußdorfer Straße (2018 – 19). Bis 2020 soll auch noch die Außenfassade an der Gumpendorfer Straße erneuert werden.[12]

Fuhrpark[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Type E6 (links) wurde 2008 von der Type T1 (rechts) abgelöst.

Auf der Linie U6 verkehren andere Fahrzeuge als auf den Linien U1–U4. Grund dafür ist, dass sich mit der Umstellung von Stadtbahn auf U-Bahn im Jahr 1989 lediglich die Bezeichnung änderte, jedoch keine Adaptierung der Strecke auf Betrieb mit Stromschiene oder Linienzugbeeinflussung durchgeführt wurde. Das System mit straßenbahnähnlichen Fahrzeugen, optischen Signalen und Betrieb mit Oberleitung wurde von der Stadtbahn übernommen. Die Stadtbahnfahrzeuge der Typen E6 und c6 verkehrten nun auf der U6. Im Volksmund wird diese Linie daher bis heute oft als Stadtbahn bezeichnet. 1995 wurden neue Niederflurfahrzeuge der Type T beschafft. Diese verkehrten erst im Verbund mit den älteren Hochflurfahrzeugen, so dass sich in jedem Zug ein Niederflurwagen befand. Später wurden auch reine T-Züge eingesetzt. Seit 2008 kommt eine Weiterentwicklung dieser als Type T1 zum Einsatz. Ein Zug wird aus vier T oder T1-Wagen gebildet. Es können auch T und T1-Wagen kombiniert eingesetzt werden. Ende 2008 wurden die alten Stadtbahnfahrzeuge der Typen E6 und c6 ausgemustert. Seitdem verkehren auf der U6 nur mehr Niederflurwagen der Typen T und T1.

Direkt neben der Station Michelbeuern befindet sich der gleichnamige Betriebsbahnhof der Linie U6. Dieser wurde 1927 errichtet und schon von der Stadtbahn benützt. Südlich der Station Alterlaa wurde ab 1994 die Abstellanlage Rößlergasse errichtet.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Ferdinand Klasz, U6 - Wiens längste U-Bahn. Eine Dokumentation zu Planung, Bau und Betrieb der U6 sowie allgemeine Informationen über die Wiener U-Bahn. Wien 1996.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: U-Bahnlinie U6 (Wien) – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Wiener Linien und Bombardier machen U6 fit für die Zukunft
  2. a b 40 Jahre U-bahn-bau in Wien, Bau der U6 von der Stadtbahn zur U-bahn (Video), 1989, media Wien (beziehungsweise MA13, Landesbildstelle Wien)
  3. U6-Station Josefstädter Straße öffnet am 1. Einkaufssamstag
  4. Umbenennung: "Philadelphiabrücke" wird zu "Bahnhof Meidling"
  5. Denkmalgeschützte Objekte in Wien (PDF; 627,5 KB)
  6. Dehio Wien II–IX & XX, Wien, Anton Schroll Verlag, 1993, S. 98/99
  7. August Sarnitz: Architektur in Wien. 700 Bauten. Wien 2008, Springer Verlag, S. 528
  8. U6 Teilstück Spittelau – Floridsdorf; nextroom abgerufen am 14. Mai 2016
  9. Alser Straße: Hinweistaferl soll Vandalen abhalten vom 15. Dezember 2015
  10. Rechnungshofbericht zur Sanierung Josefstädter Straße abgerufen am 15. Mai 2016
  11. U6-Station: Schäden jahrelang übersehen vom 5. Dezember 2015
  12. Neuer Glanz für die Station Alser Straße abgerufen am 15. Mai 2016