Ulrich Wotschikowsky

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Unterschrift von Ulrich Wotschikowsky

Ulrich Wotschikowsky (* 8. März 1940 nahe Cottbus in Brandenburg; † 30. August 2019)[1] war ein deutscher Wildbiologe und Forstwissenschaftler.[2] Mit der Wiedereinwanderung und Etablierung der Wölfe in Deutschland erlangte er aufgrund seiner Forschungstätigkeit sowie seiner Beteiligung an den Wolfsmanagementplänen mehrerer deutscher Bundesländer Bekanntheit als Wolfsexperte und war als solcher ein gefragter Ansprechpartner.[3][4]

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ulrich Wotschikowsky wurde 1940 in der Nähe des brandenburgischen Cottbus als Kind einer Familie mit sorbischen Wurzeln geboren und lebte zuletzt im bayerischen Oberammergau. In den 1960er Jahren absolvierte ein Studium der Forstwissenschaft und arbeitete anschließend in der Bayerischen Staatsforstverwaltung,[5][6] wo er 1973 zum stellvertretender Leiter des wenige Jahre zuvor gegründeten Nationalparks Bayerischer Wald avan­cie­rte und für Wildtiermanagement und Öffentlichkeitsarbeit verantwortlich war,[2][3] bevor er 1978, aufgrund von Meinungsverschiedenheit über die Zielsetzung des Nationalparks,[2] als Forstoberrat aus dem Staatsdienst ausschied.[7]

Beginnend mit dem Jahr 1983 war Wotschikowsky – nach einer Zwischenstation als Redakteur der Hamburger Jagdzeitschrift „Jäger[2] – als freiberuflicher Wildbiologe tätig, u. a. als Projektleiter der Wildbiologischen Gesellschaft München.[6] Schwerpunkte seiner dortigen Tätigkeit waren Projekte zu Jagd- und Schalenwildmanagement und zu großen Beutegreifern (Luchs, Bär, Wolf).[3] Zwischen 1983 und 1992 leitete er im Revier Hahnebaum im Auftrag des Landes Südtirol ein Forschungsprojekt zu Rehen in den Alpen und unterrichtete zugleich an der örtlichen Jagdschule.[3] Über zwei Monate hinweg betrieb er am Wolfsprojekt Finlayson im Yukon Feldforschung an der Seite des kanadischen Biologen und Wolfsforschers Bob Hayes, dessen Buch „Wolves of the Yukon“ er später ins Deutsche übersetzte.[3][8]

Wotschikowsky war früher Befürworter, Mitinitiator und Gründungsmitglied des Ökologischen Jagdverbands (ÖJV).[2][9] Aufgrund eines aus seiner Sicht zu unversöhnlichen Auftretens der damaligen Vereinsführung gegenüber der übrigen Jägerschäft und um seine Unabhängigkeit zu wahren, gab er im Jahr 1998 seinen Austritt aus dem Verband bekannt, betrachtete den ÖJV aber weiterhin als positive Erscheinung und wichtiges Gegengewicht zu den traditionellen Jagdverbänden, bei denen „der Stachel ÖJV [...] gewirkt hat wie Sporen bei einem müden Gaul.“[2][9]

Als Mitglied der Large Carnivore Initiative for Europe (LCIE) war Wotschikowsky Teil einer von Luigi Boitani geleiteten europäischen Expertengruppe für große Beutegreifer innerhalb der Species Survival Commission (SSC) der International Union for the Conservation of Nature (IUCN).[10] LCIE berät die Europäische Kommission bezüglich der fünf großen Beutegreifer Europäischer und Iberischer Luchs, Wolf, Bär und Vielfraß.[11]

Seit Ende August 2014 betrieb er die Internetseite woelfeindeutschland.de, auf der er gemäß eigenem Anspruch „aktuelle, kritische und kompetente Information über das Wolfsgeschehen in Deutschland“ und dem Ausland bereitstellte.[12][13][2]

Im Privatleben war Wotschikowsky aktiver Jäger, Hundeführer (Wachtelhund), Angler und Kanufahrer.[3][14]

Am 30. August 2019 ist er nach schwerer Krankheit einem Krebsleiden erlegen.[15] Mehrere Zeitungen und Interessensverbände, darunter die Süddeutsche Zeitung,[5] die Tageszeitung Die Welt,[16] die Zoologische Gesellschaft Frankfurt (ZGF),[15] die Gesellschaft zum Schutz der Wölfe (GzSdW)[17] und der Ökologische Jagdverband (ÖJV),[18] veröffentlichten Nachrufe auf ihn.

Auszeichnungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Für seine Verdienste um die Wiederansiedlung des Luchses in Bayern erhielt er 2018 den mit 10.000 Euro dotierten Förderpreis „Wilde Alpen“ der Gregor Louisoder Umweltstiftung.[3]

Veröffentlichungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Promberger, C., Dahlström, M., Wotschikowsky, U., Zimen, E., Wabbakken, P. (1993). Wolves in Sweden and Norway. Pages 8–13 in C. Promberger and W. Schroder, editors. Wolves in Europe – Status and perspectives. Munich Wildlife Society, Ettal, Germany
  • Wotschikowsky, U. (1996). Die Rehe von Hahnebaum. Wildbiologische Ges. München, Ettal
  • Hayes, R.D., Baer, A.M., Wotschikowsky, U. & Harestad, A.S. (2000) Kill rate by wolves on moose in the Yukon. Canadian Journal of Zoology, 78, 49–59.
  • Fischer, A., Wotschikowsky, U. (2004) Wald und Schalenwild in den Isarauen – Waldökologisch-wildbiologisches Gutachten für das Rotwildgebiet Isarauen. Hrsg.: Wissenschaftszentrum Weihenstephan für Ernährung, Landnutzung und Umwelt der Technischen Universität München und Bayerische Landesanstalt für Wald und Forstwirtschaft, 109 S. ISBN 978-3-933506-28-3.
  • Wotschikowsky, U., Simon, O., Elmauer, K. und Herzog, S. (2006): Leitbild Rotwild – Wege für ein fortschrittliches Management. Deutsche Wildtier Stiftung (Hrsg.). Hamburg; 30 S.
  • Wotschikowsky, U. (2006). Wölfe, Jagd und Wald in der Oberlausitz. Endbericht. Vauna. 52 S.
  • Kaczensky, P., Kluth, G., Knauer, F., Rauer, G., Reinhardt, I., Wotschikowsky, U. (2009). Monitoring von Grossraubtieren in Deutschland. BfN-Skripten 251.
  • Reinhardt, I., Kaczensky, P., Knauer, F., Rauer, G., Kluth, G., Wölfl, S., Huckschlag, D., Wotschikowsky, U. (2015): Monitoring von Wolf, Bär und Luchs in Deutschland. BfN-Skripten 413.
  • Ulrich Wotschikowsky: Das Gamswild. Hrsg.: ÖJV, Ökologischer Jagdverein Bayern, 2018
  • Ehrhart, S., Lang, J., Simon, Olaf., Hohmann, U., Stier, N., Nitze, M., Heurich, M., Wotschikowsky, U., Burghardt, F., Gerner, J., Schraml, U. (2018). Ungulate management in Germany's forested national parks: Analysis and recommendations. Natur und Landschaft. 93. 485–493.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Gedenkseite von Ulrich Wotschikowsky. In: trauer.sueddeutsche.de. 4. September 2019, archiviert vom Original am 4. September 2019; abgerufen am 4. September 2019 (archivierte Todesanzeige).
  2. a b c d e f g Wildbiologe und Wolfsexperte: Wotschikowsky, Ulrich | alpha-Forum | ARD-alpha | Fernsehen | BR.de. In: Bayerischer Rundfunk. 10. März 2016, abgerufen am 27. November 2018.
  3. a b c d e f g Förderpreis Wilde Alpen 2018. Gregor Louisoder Umweltstiftung, 2018, abgerufen am 26. November 2018.
  4. Katharina Schmid: Wildtiere in Bayern – „Die Wölfe werden uns Konflikte bereiten“. In: Süddeutsche Zeitung. 19. Mai 2018, abgerufen am 27. November 2018.
  5. a b Nachruf - Ulrich Wotschikowsky ist gestorben. In: Süddeutsche Zeitung. 1. September 2019, archiviert vom Original am 1. September 2019; abgerufen am 1. September 2019.
  6. a b Claus-Peter Lieckfeld: Wer ist Wolfsite? Wer ist Wotsch? In: Wolfsite – Forum Isegrim. Abgerufen am 27. November 2018.
  7. DNB, Katalog der Deutschen Nationalbibliothek. In: Deutsche Nationalbibliothek (DNB). Abgerufen am 27. November 2018.
  8. Musik und Fragen zur Person – Der Wildbiologe Ulrich Wotschikowsky. In: Deutschlandfunk. 15. August 2015 (deutschlandfunk.de [abgerufen am 27. November 2018]).
  9. a b Josef-Markus Bloch: Wildbiologe verläßt den ÖJV. In: OÖ Landesjagdverband (Hrsg.): Der OÖ. Jäger. Nr. 78. St. Florian Juni 1998, S. 28 (zobodat.at [PDF; abgerufen am 5. September 2019]).
  10. Large Carnivore Initiative for Europe > About LCIE > Who are we? Large Carnivore Initiative for Europe, abgerufen am 27. November 2018 (englisch).
  11. Ulrich Wotschikowsky: LCIE in Trient: Hybridisierung im Mittelpunkt. In: Wolfsite – Forum Isegrim. 23. März 2018, abgerufen am 27. November 2018.
  12. Ein Forum für Isegrim - Wölfe in Deutschland. In: Wolfsite – Forum Isegrim. 27. August 2014, abgerufen am 6. September 2019 (deutsch).
  13. Impressum - Wölfe in Deutschland. In: Wolfsite – Forum Isegrim. Abgerufen am 28. November 2018.
  14. Jürgen Vogler: "Wotsch" ist tot. In: wolfsmonitor.de. 31. August 2019, archiviert vom Original am 31. August 2019; abgerufen am 31. August 2019 (deutsch).
  15. a b Ein Freund und Wolfsfreund ist gegangen. In: Zoologische Gesellschaft Frankfurt. Archiviert vom Original am 4. September 2019; abgerufen am 4. September 2019.
  16. Eckhard Fuhr: „Ein Leben ohne Wildtiere wäre armselig“. In: WELT. 3. September 2019, archiviert vom Original am 5. September 2019; abgerufen am 5. September 2019.
  17. Peter Blanché: Ulrich Wotschikowsky verstorben. In: Gesellschaft zum Schutz der Wölfe. Archiviert vom Original am 5. September 2019; abgerufen am 5. September 2019.
  18. Eckhard Fuhr: „Ein Leben ohne Wildtiere wäre armselig“ - Zum Tod von Ulrich Wotschikowsky. In: Ökologischer Jagdverband. Archiviert vom Original am 5. September 2019; abgerufen am 5. September 2019.