Uslowoje (Kaliningrad, Krasnosnamensk)

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Siedlung
Uslowoje
I. Rautenberg
II. (Groß) Kamanten
III. Barachelen (Brachfeld)

Узловое
Föderationskreis Nordwestrussland
Oblast Kaliningrad
Rajon Krasnosnamensk
Erste Erwähnung 1818 (Rautenberg)
Frühere Namen I. Rautenberg (bis 1946)
II. Groß Kamanten (bis 1895),
Kamanten (bis 1946)
III. Barachelen (bis 1938),
Brachfeld (1938–1946)
Bevölkerung 562 Einwohner
(Stand: 14. Okt. 2010)[1]
Zeitzone UTC+2
Kfz-Kennzeichen 39, 91
OKATO 27 218 802 005
Geographische Lage
Koordinaten 54° 51′ N, 22° 17′ OKoordinaten: 54° 51′ 10″ N, 22° 17′ 10″ O
Uslowoje (Kaliningrad, Krasnosnamensk) (Europäisches Russland)
Red pog.svg
Lage im Westteil Russlands
Uslowoje (Kaliningrad, Krasnosnamensk) (Oblast Kaliningrad)
Red pog.svg
Lage in der Oblast Kaliningrad‎

Uslowoje (russisch Узловое, deutsch Rautenberg (Ostpr.), auch: (Groß) Kamanten, sowie: Barachelen, 1938 bis 1945 Brachfeld, litauisch Rautenberkis, auch: Kamantei) ist ein Ort im Nordosten der russischen Oblast Kaliningrad. Er liegt im Rajon Krasnosnamensk und gehört zur kommunalen Selbstverwaltungseinheit Stadtkreis Krasnosnamensk

Geographische Lage[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Uslowoje liegt an einer Nebenstraße, die Lunino an der Fernstraße A 198 und Sabrodino (Lesgewangminnen, 1938 bis 1946 Lesgewangen) mit Wesnowo (Kussen) an der Fernstraße R 508 verbindet. Bis in die ursprüngliche Kreisstadt Neman (Ragnit) sind es 30, zur nachmaligen Kreisstadt Sowetsk (Tilsit) 40 Kilometer, und die heutige Rajonshauptstadt Krasnosnamensk (Lasdehnen, 1938–1946 Haselberg) liegt 18 Kilometer weit entfernt.

Von 1893/94 an war „Rautenberg (Ostpr.)“ Bahnstation an der eingleisigen Bahnstrecke von Tilsit nach Stallupönen (1938–1946 Ebenrode), die nach 1945 nicht wieder in Betrieb genommen wurde.

Ortsname[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Namensgebung Rautenbergs leitete sich wohl von der Person des Gottfried Rautenberg ab, der im Jahre 1772 das Gelände vom Gutsbesitzer Hofer in Groß Skaisgirren[2] gekauft hatte. Die Familie Rautenberg war aus dem heute niedersächsischen Gebiet zwischen Hildesheim und Celle nach Ostpreußen ausgewandert.[3]

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Rautenberg[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ruine des ehemaligen Genossenschafts-Gebäudes im Ortszentrum

Bei der Gemeinde Rautenberg[4] handelt es sich um eine relativ späte kommunale Gründung. Auf einer Karte von 1818 war der Ort noch nicht verzeichnet. Erst 1818 wurde er in einem Dokument des Regierungsbezirks Gumbinnen als Ansiedlung mit drei Feuerstellen und 18 Einwohnern genannt – zur Domäne Lesgewangminnen (1938 bis 1946 Lesgewangen) gehörig.

Am 30. Juni 1876 endlich wurde die selbständige Gemeinde Rautenberg im damaligen Landkreis Ragnit gegründet, in deren südöstlichsten Teil an der Grenze zum Kreis Pillkallen (1939–1945 Landkreis Schloßberg) gelegen. Zum Gemeindebezirk gehörten die Wohnplätze Antagminehlen (1938–1945 Kernwalde), Friedrichswalde und Kamanten (bis 1895 Groß Kamanten).

Seit seiner Gründung bis zum Jahre 1945 war Rautenberg Verwaltungssitz und namensgebender Ort des 21 Landgemeinden bzw. Gutsbezirke umfassenden Amtsbezirks im Regierungsbezirk Gumbinnen der preußischen Provinz Ostpreußen[5]. Im Jahre 1925 lebten hier 278 Einwohner, deren Zahl bis 1939 auf 580 anstieg.

Im Herbst 1944 zwang das Kriegsgeschehen die Bevölkerung von Rautenberg zur Flucht. Mit dem gesamten nördlichen Ostpreußen kam das Dorf unter sowjetische Administration.

Amtsbezirk Rautenberg[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Am 15. April 1874 wurde der bis 1945 bestehende Amtsbezirk Rautenberg[5] aus 20 Landgemeinden und einem Gutsbezirk gebildet. Er wurde zunächst vom Amtsvorsteher aus Groß Skaisgirren verwaltet, das Amtsdorf Rautenberg wurde erst 1876 eine selbständige Gemeinde:

Name (bis 1938) Name (1938–1945) Name (ab 1947/1950) Bemerkungen
Landgemeinden:
Alt Moritzlauken Alt Moritzfelde Kortschagino 1930 in die Landgemeinde Birkenfelde eingegliedert
Alt Wingeruppen Windungen Dunaiskoje
Antagminehlen Kernwalde -- 1928 in die Landgemeinde Rautenberg eingegliedert
Baltruschatschen Balzershöfen Jakowlewo
Barachelen Brachfeld Uslowoje 1879 in die Landgemeinde Groß Skaisgirren eingegliedert
Birkenfelde Birkenfelde --
Czuppen Schuppen Dunaiskoje
Friedrichswalde Friedrichswalde -- 1928 in die Landgemeinde Rautenberg eingegliedert
(Groß) Kamanten Kamanten Uslowoje 1928 in die Landgemeinde Rautenberg eingegliedert
Groß Skaisgirren Großschirren Dunaiskoje,
jetzt: Sorokino
1928 nach Karohnen eingegliedert
Grünfelde Grünfelde -- 1879 in die Landgemeinde Groß Skaisgirren eingegliedert
Karalkehmen Karlen Kaschtanowka
Karohnen Karohnen Korobowo
Klein Skaisgirren Lichtenrode (Ostpr.) --
Kubillehnen Kuben Kusmino
Laugallen
(Kirchspiel Rautenberg)
Kleehausen Mostowoje
Neu Moritzlauken Moritzfelde --
Neu Wischteggen Henndorf Priwolnoje
Welnabalis
(ab 1927: Jägerfeld)
Jägerfeld --
Gutsberzirk:
Lindenthal Lindenthal -- 1928 in die Landgemeinde Karalkehmen eingegliedert

Am 1. Januar 1945 gehörten noch 13 Gemeinden zum Rautenberger Amtsbezirk: Balzershöfen, Birkenfelde, Henndorf, Jägerfeld, Karlen, Karohnen, Lichtenrode, Kleehausen, Kuben, Moritzfelde, Rautenberg, Schuppen und Windungen.

(Groß) Kamanten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der kleine seinerzeit Groß Kamanten[6] genannte Gutsort liegt 1 Kilometer nordwestlich von Rautenberg und gehörte zum Amtsbezirk Rautenberg[5] im Kreis Ragnit (ab 1922: Landkreis Tilsit-Ragnit) im Regierungsbezirk Gumbinnen der preußischen Provinz Ostpreußen. Ab 1895 fiel die Zusatzbezeichnung „Groß“ weg. Am 30. September 1928 schlossen sich der Gutsbezirk Kamanten und die Landgemeinden Antagminehlen (1938 bis 1946: Kernwalde), Friedrichswalde und Rautenberg zur neuen Landgemeinde Rautenberg zusammen. So wie die Muttergemeinde kam auch Kamanten 1945 zur Sowjetunion.

Barachelen (Brachfeld)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das einstige Barachelen[7] liegt ein Kilometer östlich von Rautenberg. Bereits am 15. Dezember 1879 schloss sich die Landgemeinde Barachelen mit Groß Skaisgirren (1938 bis 1946: Großschirren, ab 1946 russisch: Dunaiskoje, jetzt: Sorokino) und Grünfelde zur neuen Landgemeinde Groß Skaisgirren zusammen. Bis 1945 gehörte diese zum Amtsbezirk Rautenberg[5]. Aus politisch-ideologischen Gründen zur Vermeidung fremdländisch klingender Ortsnamen erhielt Barachelen am 3. Juni 1938 die Umbenennung in „Brachfeld“. 1945 kam auch dieser Ort zur Sowjetunion.

Uslowoje[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Jahre 1947 erhielt Rautenberg die russische Bezeichnung „Uslowoje“ und wurde gleichzeitig dem Dorfsowjet Tolstowski im Rajon Krasnosnamensk zugeordnet.[8] In der Folge wurden auch die Orte Barachelen und Kamanten zu Uslowoje gezählt.[9] Später gelangte Uslowoje in den Dorfsowjet Wesnoswki. Von 2008 bis 2015 gehörte Uslowoje zur Landgemeinde Wesnoswkoje und gehört seither zum Stadtkreis Krasnosnamensk.

Kirche[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Kirchengebäude[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Jahre 1867 begann man in Rautenberg mit dem Bau einer Kirche. Sie entstand auf den Grundmauern eines Pferdestalls des Gutsbesitzers Hofer in Groß Skaisgirren. 1876 wurde das Gotteshaus eingeweiht.

Es handelte sich um ein schlichtes, rechteckiges Gebäude mit einem Giebelturm als Träger für eine Glocke. Es bot etwa 500 Menschen Platz. Im Kriege wurde die Kirche nur unwesentlich in Mitleidenschaft gezogen. Nach 1945 diente sie als Lagerhalle und verfiel. 1998 standen von dem Gebäude nur noch Ruinenreste, die abgerissen und beseitigt wurden.

Kirchengemeinde/Kirchspiel[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Vor 1945 war die Bevölkerung Rautenbergs, Kamantens und Barachelens (Brachfelds) [10] fast ausnahmslos evangelischer Konfession. Die erst späte Gründung einer Kirchengemeinde führte dazu, dass man ab 1866 ein Kirchspiel Friedrichswalde bildete, für das ein Gebäude auf dem Gelände des Gutsbesitzers Liebe als Gotteshaus genutzt wurde.

Das Kirchspiel Friedrichswalde entstand durch Umpfarrungen von Orten aus den bereits bestehenden Kirchspielen Budwethen (1938–1946 Altenkirch, seit 1946: Malomoschaiskoje), Kraupischken (1938–1946 Breitenstein, seit 1946: Uljanowo) und Kussen (seit 1946: Wesnowo). Das nachmalige Kirchspiel Rautenberg, zu dem auch Kamanten und Barachelen gehörten, war bis 1919 Teil des Kirchenkreises Ragnit, danach der Diözese Ragnit im Kirchenkreis Tilsit-Ragnit in der Kirchenprovinz Ostpreußen der Kirche der Altpreußischen Union.

Infolge des Zweiten Weltkrieges und dem Verbot aller kirchlichen Aktivitäten in der Sowjetunion erlosch die Kirchengemeinde Rautenberg. Erst in den 1990er Jahren bildeten sich in der Oblast Kaliningrad wieder evangelische Gemeinden. Die Uslowoje am nächsten liegende ist die in Sabrodino (Lesgewangminnen, 1938–1946 Lesgewangen), die zur ebenfalls neu errichteten Propstei Kaliningrad[11] in der Evangelisch-Lutherischen Kirche Europäisches Russland gehört.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Fußnoten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Itogi Vserossijskoj perepisi naselenija 2010 goda. Kaliningradskaja oblastʹ. (Ergebnisse der allrussischen Volkszählung 2010. Oblast Kaliningrad.) Band 1, Tabelle 4 (Download von der Website des Territorialorgans Oblast Kaliningrad des Föderalen Dienstes für staatliche Statistik der Russischen Föderation)
  2. 1938–1946 Großschirren, nach 1950: Dunaiskoje, heute Sorokino
  3. Ob es einen Bezug zum Dorf Rautenberg bei Hildesheim gibt, ist nicht bekannt.
  4. Karl Detlefsen, Rautenberg - eine Dorfchronik
  5. a b c d Rolf Jehke, Amtsbezirk Rautenberg
  6. Dietrich Lange, Geographisches Ortsregister Ostpreußen (2005): Kamanten
  7. Barachelen
  8. Durch den Указ Президиума Верховного Совета РСФСР от 17 ноября 1947 г. «О переименовании населённых пунктов Калининградской области» (Verordnung des Präsidiums des Obersten Rats der RSFSR "Über die Umbenennung der Orte des Gebiets Kaliningrad" vom 17. November 1947)
  9. Gemäß dem amtlichen Ortsverzeichnis der Oblast Kaliningrad von 1976
  10. Werner Metschulat, Das Kirchdorf Rautenberg
  11. Ev.-luth. Propstei Kaliningrad