Dobrowolsk

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Zur Navigation springen Zur Suche springen
Siedlung
Dobrowolsk
Pillkallen (Schloßberg)

Добровольск
Flagge Wappen
Flagge
Wappen
Föderationskreis Nordwestrussland
Oblast Kaliningrad
Rajon Krasnosnamensk
Erste Erwähnung 1510
Frühere Namen Schlosbergk (1516),
Pikaln (nach 1545),
Pillkallen (bis 1938),
Schloßberg (1938–1946)
Siedlung seit 1947
Bevölkerung 1693 Einwohner
(Stand: 14. Okt. 2010)[1]
Höhe des Zentrums 70 m
Zeitzone UTC+2
Telefonvorwahl (+7) 40164
Postleitzahl 238743
Kfz-Kennzeichen 39, 91
OKATO 27 218 804 001
Geographische Lage
Koordinaten 54° 46′ N, 22° 31′ OKoordinaten: 54° 46′ 0″ N, 22° 31′ 0″ O
Dobrowolsk (Europäisches Russland)
Red pog.svg
Lage im Westteil Russlands
Dobrowolsk (Oblast Kaliningrad)
Red pog.svg
Lage in der Oblast Kaliningrad‎

Dobrowolsk (russisch Добровольск, deutsch Pillkallen, 1938–1945 Schloßberg, litauisch Pilkalnis, polnisch Pilkały) ist eine Ortschaft im Rajon Krasnosnamensk in der russischen Oblast Kaliningrad. Die Siedlung gehört zur kommunalen Selbstverwaltungseinheit Stadtkreis Krasnosnamensk. Bis 1945 war sie die Kreisstadt des ostpreußischen Kreises Pillkallen (1939 bis 1945 Kreis Schloßberg).

Geographische Lage[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Ortschaft liegt im Osten der historischen Region Ostpreußen, etwa 45 Kilometer nordöstlich von Insterburg (Tschernjachowsk), 55 Kilometer südöstlich von Tilsit (Sowetsk) und 125 Kilometer östlich von Königsberg i. Pr. (Kaliningrad). Bis zur Grenze nach Litauen zur Ortsstelle des untergegangenen Ortes Kutusowo (Schirwindt) sind es 23 Kilometer. Die beiden Nachbarstädte Gumbinnen (Gussew) und Stallupönen (1938 bis 1946 Ebenrode, russisch Nesterow) sind 30 bzw. 15 Kilometer entfernt.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Pillkallen im östlichen Ostpreußen, nordöstlich von Gumbinnen, südöstlich von Tilsit und östlich von Königsberg i. Pr., auf einer Landkarte von 1908
Marktplatz (Aufnahme 2005)
Bankgebäude der Ostpreußischen Landschaft in Pillkallen (1914)

Der ältere Name Schlosbergk (erstmals am 14. September 1516 im Hausbuch von Ragnit urkundlich erwähnt) weist auf eine prußische Fliehburg. Später hieß die Erhebung Mühlenberg. Der Name Pillkallen (1545 anlässlich eines Erbschaftsstreits erwähnt) lässt auf spätere litauische Siedler schließen (litauisch pilkalnis: aufgeschütteter Hügel, Grabhügel, Hünengrab, Schloss- oder Burgberg; dagegen prußisch pilgarbis). Seit 1549 war Pillkallen ein Kirchdorf im vorherigen Marktflecken.

Friedrich Wilhelm I. gab Pillkallen und Gumbinnen im Jahre 1725 Stadtrechte. Die Pest 1709 bis 1711 brachte große Verluste. Danach kamen Neusiedler aus Nassau. 1756 weihte man eine aus Feldsteinen gebaute evangelisch-reformierte Pfarrkirche ein, die jedoch 1819 einging.

Ab 1818 war Pillkallen war eine Kreisstadt im Regierungsbezirk Gumbinnen.

Am Anfang des 20. Jahrhunderts hatte Pillkallen eine evangelische Kirche, eine Präparandenanstalt, ein Amtsgericht, eine Reichsbanknebenstelle, eine Eisengießerei, Maschinenfabrikation und eine Ziegelei.[2]

Pillkallen, wie auch Gumbinnen, wurde 1914 von den Russen fast völlig zerstört. Die Partnerstadt Breslau half beim Wiederaufbau.

Im Rahmen der Umbenennung von Orten in Ostpreußen im Jahr 1938 wurde der Gemeindename in Anlehnung an den früheren Namen in Schloßberg geändert. Im Jahr 1945 gehörte Schloßberg zum Landkreis Schloßberg im Regierungsbezirk Gumbinnen der Provinz Ostpreußen des Deutschen Reichs.

Am 15. Januar 1945 besetzte die Rote Armee im Zuge des Zweiten Weltkriegs Schloßberg. Im Sommer 1945 wurde Schloßberg gemäß dem Potsdamer Abkommen vorläufig unter sowjetische Verwaltung gestellt.

Im Jahr 1947 wurde von der sowjetischen Verwaltungsbehörde für Schloßberg die Ortsbezeichnung Dobrowolsk eingeführt,[3] und die Stadtrechte wurden entzogen. Die Funktion eines regionalen Zentrums ging an das nahe gelegene Krasnosnamensk (früher Lasdehnen und Haselberg) über. Dobrowolsk wurde zunächst Sitz eines Dorfsowjets bzw. Dorfbezirks und im Jahr 2008 Sitz einer Landgemeinde. Seit 2016 gehört der Ort zum Stadtkreis Krasnosnamensk. Der Ort und die Umgebung sind immer noch weitgehend zerstört.

Bevölkerungsentwicklung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

bis 1945
Jahr Einwohner Anmerkungen
1872 1.230 ohne die Garnison (eine Schwadron Husaren)[4]
1802 1.290 [5]
1810 1.142 [5]
1816 1.057 davon 1.035 Evangelische und 22 Katholiken (keine Juden)[5]
1821 1.374 [5]
1875 2.386 [6]
1890 2.869 davon acht Katholiken und 34 Juden[6]
1905 4.290 davon 23 Katholiken[2]
1910 4.347 [6]
1933 5.005 [6]
1939 5.833 [6]
seit 1945[7]
Jahr Einwohner
2002 1.555
2010 1.693

Verkehr[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Ortschaft liegt im Kreuzungsbereich der drei russischen Regionalstraßen R 508, R 509 und R 510.

Im Jahre 1894 erhielt die Stadt Anschluss an die Bahnstrecke Tilsit–Stallupönen, die nach dem Zweiten Weltkrieg zuerst für den Personenverkehr, dann auch für den Güterverkehr geschlossen und nicht mehr in Betrieb genommen wurde. Von Pillkallen aus gab es vor 1945 außerdem Bahnverbindungen über Grumbkowkeiten (1938 bis 1946: Grumbkowsfelde, heute russisch: Prawdino) bzw. Kiauschen (1938 bis 1946: Wetterau) nach Lasdehnen (1938 bis 1946: Haselberg, russisch: Krasnosnamensk) und Schirwindt (Kutusowo) bzw. Doristhal (Rasino). Diese Linien, betrieben von der Pillkaller Kleinbahn, wurden nicht reaktiviert.

Dorfsowjet/Dorfbezirk Dobrowolski 1947–2008[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Dorfsowjet Dobrowolski (ru. Добровольский сельский Совет, Dobrowolski selski Sowet) wurde im Juli 1947 eingerichtet.[3] Nach dem Zerfall der Sowjetunion trug die Verwaltungseinheit den Namen Dorfbezirk Dobrowolski (ru. Добровольский сельский округ, Dobrowolski selski okrug). Im Jahr 2008 wurden die verbliebenen Orte des Dorfbezirks mit zwei Ausnahmen in die neu gebildete Landgemeinde Dobrowolskoje übernommen; die beiden Orte Saratowskoje und Schelannoje gelangten in die Landgemeinde Wesnowski.

Ortsname Name bis 1947/50 Bemerkungen
Bolotnikowo (Болотниково) Szameitkehmen/Schameitkehmen, 1938–1945: „Lindenhaus“ Der Ort wurde 1947 umbenannt.
Denissowo (Денисово) Duden, 1938–1945: „Dudenwalde“ Der Ort wurde 1947 umbenannt und vor 1988 verlassen.
Dmitrowo (Дмитрово) Eymenischken-Wassaken, 1938–1945: „Stutbruch“ Der Ort wurde 1950 umbenannt und vor 1975 verlassen.
Dobrowolsk (Добровольск) Pillkallen, 1938–1945: „Schloßberg“ Verwaltungssitz
Drosdowo (Дроздово) Schwarballen, 1938–1945: „Grundweiler“ Der Ort wurde 1947 umbenannt und war zunächst in den Dorfsowjet Wesnowski eingeordnet. Er wurde vor 1975 verlassen.
Filatowo (Филатово) Stablaugken Der Ort wurde 1947 umbenannt und war zunächst in den Dorfsowjet Wesnowski eingeordnet. Er wurde vor 1988 verlassen.
Kustarnikowo (Кустарниково) Birkenfelde/Birkenhof Der Ort wurde 1950 umbenannt und war zunächst in den Dorfsowjet Wesnowski eingeordnet. Er wurde vor 1988 verlassen.
Kutusowo (Кутузово) Schirwindt Der Ort wurde 1947 umbenannt und zunächst in den Dorfsowjet Pobedinski eingeordnet. Im Jahr 1997 wurde er in den Dorfbezirk Dobrowolski aufgenommen.
Losowoje (Лозовое) Salten Der Ort wurde 1950 umbenannt und war zunächst in den Dorfsowjet Nowouralski eingeordnet. Er wurde vor 1988 verlassen.
Lugowoje (Луговое) Blumenthal Der Ort wurde 1947 umbenannt und war zunächst in den Dorfsowjet Tolstowski eingeordnet. Er wurde vor 1988 verlassen.
Lukaschowka (Лукашовка) Schmilgen und Petereithelen [Gut], 1938–1945:zu Schleswighöfen“[8] Der Ort wurde 1950 umbenannt und war zunächst in den Dorfsowjet Nowouralski eingeordnet. Er wurde vor 1988 verlassen.
Medwedkino (Медведкино) Mingstimmen, 1938–1945: „Wiesenbrück“ Der Ort wurde 1947 umbenannt und war zunächst in den Dorfsowjet Wesnowski eingeordnet. Er wurde vor 1988 verlassen.
Mirny (Мирный) Der etwas nördlich der ehemaligen Ortsstelle Szieden/Schieden neu entstandene Ort wurde 1997 in den Dorfbezirk Dobrowolski aufgenommen.
Nisowoje (Низовое) bei Schmilgen[9] Der Ort wurde 1950 umbenannt und war zunächst in den Dorfsowjet Nowouralski eingeordnet. Er wurde vor 1975 verlassen.
Poscharskoje (Пожарское) Doblendszen/Doblendschen, 1938–1945: „Kayserswiesen“ Der Ort wurde 1950 umbenannt und war zunächst in den Dorfsowjet Nowouralski eingeordnet. Er wurde vor 1975 verlassen.
Pskowskoje (Псковское) Petzingken, 1938–1945: „Hainort“ Der Ort wurde 1950 umbenannt.
Saltykowka (Салтыковка) Antmirehlen/Werben Der Ort wurde 1947 umbenannt und vor 1975 verlassen.
Saratowskoje (Саратовское) Groß Schorellen, 1938–1945: „Adlerswalde“, und Klein Schorellen[10] Der Ort wurde 1947 umbenannt und war zunächst in den Dorfsowjet Nowouralski eingeordnet.
Schanino (Шанино) Schackeln, 1938–1945: „Mittenbach“ Der Ort wurde 1947 umbenannt und war zunächst in den Dorfsowjet Wesnowski eingeordnet. Er wurde vor 1975 verlassen.
Schelannoje (Желанное) Henskischken, 1938–1945: „Hensken“ Der Ort wurde 1947 umbenannt.
Schelesnodoroschnoje (Железнодорожное) Karczarningken/Blumenfeld Der Ort wurde 1950 umbenannt.
Schtschedrino (Щедрино) Schaaren, 1938–1945: „Scharen“ Der Ort wurde 1947 umbenannt und vor 1988 verlassen.
Sokol (Сокол) Kellmischkeiten, 1938–1945: „Stubbenheide“ Der Ort wurde 1950 umbenannt und war zunächst in den Dorfsowjet Nowouralski eingeordnet. Er wurde vor 1975 verlassen.
Tretjakowo (Третьяково) Sodargen Der Ort wurde 1997 in den Dorfbezirk Dobrowolski aufgenommen.
Tuschino (Тушино) Groß Tullen, 1938–1945: „Reinkenwalde“ Der Ort wurde 1947 umbenannt und vor 1988 verlassen.
Welikolukskoje (Великолукское) Jutschen, 1938–1945: „Weidenbruch“ Der Ort wurde 1950 umbenannt und war zunächst in den Dorfsowjet Nowouralski eingeordnet. Er wurde vor 1988 verlassen.
Woronzowo (Воронцово) Weidenfeld (Neudorf, Karklaugken und Piptrurig) Der Ort wurde 1947 umbenannt und war zunächst in den Dorfsowjet Nowouralski eingeordnet. Er wurde vor 1975 verlassen.

Auch die Orte Grieben (ru. Gribanowo), Jentkutkampen/Burgkampen, Kiebarten/Tiefenfelde (ru. Kirsanowka) und Schwirgallen/Eichhagen wurden per Erlass vom November 1947 in den Dorfsowjet Dobrowolski eingeordnet. Der Ort Jentkutkampen/Burgkampen wurde allerdings ebenfalls in den Rajon Nesterow eingeordnet, wohin offenbar vor Ort auch die drei weiteren Orte eingegliedert wurden.

Landgemeinde Dobrowolskoje 2008–2015[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Lage der Landgemeinde Dobrowolskoje im Rajon Krasnosnamensk

Die Landgemeinde Dobrowolskoje (ru. Добровольское сельское поселение, Dobrowolskoje selskoje posselenije) wurde im Jahr 2008 eingerichtet.[11] Ihr gehörten auf einer Fläche von etwa 640 km² 19 Siedlungen mit 4140 Einwohnern an (Stand 2010).[12] Die Siedlungen gehörten vorher zu den Dorfbezirken Dobrowolski, Pobedinski und Prawdinski. Zum Ende 2015 wurde die Gemeinde aufgelöst und deren Siedlungen in den Stadtkreis Krasnosnamensk eingegliedert.

Ortsname deutscher Name
Bolotnikowo (Болотниково) Szameitkehmen (Lindenhaus)
Dobrowolsk (Добровольск) Pillkallen (Schloßberg)
Kutusowo (Кутузово) Schirwindt
Leskowo (Лесково) Rammonischken (Hagenfließ)
Lossewo (Лосево) Groß Augstutschen (Rehwalde) und Kiauschen (Wetterau)
Mirny (Мирный) Szieden (Schieden)[13]
Mitschurino (Мичурино) Lasdinehlen (Sommerswalde)
Nikitowka (Никитовка) Uszpiaunen (Kiesdorf)
Nowouralsk (Новоуральск) Uszpiaunehlen (Fohlental)
Ostrogoschskoje (Острогожское) Uszbördszen (Karpfenwinkel), Waldlinden und Rucken
Paporotnoje (Папоротное) Plonszöwen (Waldhufen) und Sturmen
Pobedino (Победино) Schillehnen (Schillfelde), Inglauden (Inglau) und Strunzlaugken (Strunzhof)
Poltawskoje (Полтавское) Groß Rudszen (Mühlenhöhe) und Neu Rudszen
Prawdino (Правдино) Grumbkowkeiten (Grumbkowsfelde)
Pskowskoje (Псковское) Petzingken (Hainort)
Scharowo (Жарово) Szardehlen (Scharden) und Martingken (Martingen)
Schelesnodoroschnoje (Железнодорожное) Karczarningken (Blumenfeld)
Tretjakowo (Третьяково) Sodargen
Wyssokoje (Высокое) Alxnupönen (Altsnappen)
Ehrenmal für die Gefallenen des Zweiten Weltkrieges in Dobrowolsk

Wappen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Blasonierung: „Über silberner Zinnenmauer mit offenem Tor auf grünem Boden in Rot drei goldene Windmühlen nebeneinander“.[14]

So erscheint das Wappen auf dem einzigen bekannt gewordenen Siegel der Stadt Pillkallen 1724.[15]

Gutshöfe[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Zum Kreis Pillkallen (Schloßberg) gehörten vor 1945 folgende Gutshöfe:

  • Nowischken (1935 bis 1945 Brämerhusen, russisch: Beregowoje, nicht mehr existent) gehörte seit 1818 der Familie Braemer und zuletzt von 1932 bis 1945 Hans Waldemar Karl Friedrich Braemer, zusammen mit den Vorwerken Nathalwethen (1938 bis 1945 Brämerswalde) und Neuhof. Das Gut hatte 856 Hektar, davon 200 Wald und 400 Ackerland, Wiesen und Weiden. Das Gutshaus war im Ersten Weltkrieg zerstört und danach um ein Stockwerk höher wieder aufgebaut worden. Ein großer Teil wie Parkett, Treppen und Möbel wurden aus eigenem Holz gebaut. Durch Familie, Hausangestellte und Feldarbeiter hatte die Ortschaft 180 Einwohner.[16]
  • Doristhal (russisch: Rasino, nicht mehr existent) mit 250 Hektar war ebenfalls viele Generationen im Besitz der Familie Braemer. Zuletzt gehörte es Karl Friedrich Walter Braemer, dem Cousin des Hans Waldemar Braemer.
  • Kummetschen (1935 bis 1945 Fichtenhöhe, nicht mehr existent) mit 330 Hektar war ein weiterer Gutshof der Familie Braemer. Dieser war zuletzt Eigentum des Arno Braemer, dem Onkel des Waldemar Braemer.
  • Szameitkehmen (1938 bis 1946: Lindenhaus, heute russisch: Bolotnikowo) mit ca. 250 Hektar war ein Gutshof der Familie Steiner. Seit etwa Mitte des 18. Jahrhunderts war er im Besitz dieser Familie. Haupteinnahmequelle war die Zucht von Trakehnern für die Wehrmacht (Remontepferde). Remonten wurden auf einem eigenen Remontemarkt in Szameitkehmen der Remontierungskommission zum Verkauf gestellt. Weitere Gutsbetriebe der Familie waren das Rittergut Waldaukadel (russisch: Stepnoje, nicht mehr existent) mit etwa 260 Hektar und das Rittergut Reuschendorf (polnisch: Ruska Wieś) im heutigen Polen mit etwa 600 Hektar. Das Gut unterhielt auch eine Brennerei und ein Sägewerk. Dieses Rittergut befindet sich heute im Besitz des polnischen Landwirtschaftsministeriums und ist noch erhalten. Die Pferdezucht war neben der Viehzucht erstrangig. Die Viehzucht (Rittergut Waldaukadel) war zugeschnitten auf Milcherzeugung und den Verkauf von Bullen und Sterken[17] auf der Auktion der Ostpreußischen Herdbuchgesellschaft in Insterburg (russisch: Tschernjachowsk).

Kirche[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Evangelisch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Hauptartikel: Kirche Pillkallen

Kirchengebäude[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Wohl bereits 1559 existierte in Pillkallen eine evangelische Kirche[18]. Diese schlichte Fachwerkkirche wurde 1644 niedergebrannt und 1650 neu aufgebaut. Aufgrund schwerer Bauschäden musste das Gebäude jedoch abgerissen werden. Zwischen 1756 und 1758 entstand dann ein verputzter Feldsteinbau[19], der erst im Jahr 1910 einen Turm erhielt. Zur Ausstattung gehörten wertvolle Holzschnitzereien aus der Kirche von 1650.

Im Zweiten Weltkrieg wurde das Kirchengebäude beschädigt und 1945 abgetragen. An der Stelle der Pillkaller Kirche steht heute in Dobrowolsk ein russisches Siegesdenkmal.

Kirchengemeinde[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Pillkaller evangelische Kirchengemeinde wurde 1559 gegründet.[20] Im Jahr 1925 zählte die Pfarrei 10.012 Gemeindeglieder, die in mehr als 30 Kirchspielorten lebten. Zuletzt taten hier zwei Pfarrer ihren Dienst. Die Kirchengemeinde Pillkallen war die zweitälteste im Kirchenkreis Pillkallen (Schloßberg).

Aufgrund von Flucht und Vertreibung der einheimischen Bevölkerung sowie der restriktiven Religionspolitik der Sowjetunion brach in Pillkallen/Schloßberg resp. Dobrowolsk das kirchliche Leben ein. Heute liegt Dobrowolsk im Einzugsgebiet der in den 1990er Jahren neu entstandenen evangelisch-lutherischen Gemeinde in Babuschkino (Groß Degesen). Sie gehört zur Kirchenregion Gussew (Gumbinnen) der Propstei Kaliningrad[21] (Königsberg) in der Evangelisch-lutherischen Kirche Europäisches Russland.

Kirchenkreis Pillkallen (Schloßberg)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Vor 1945 war Pillkallen resp. Schloßberg zentraler Ort und namensgebend für einen Kirchenkreis innerhalb der Kirchenprovinz Ostpreußen der Evangelischen Kirche der Altpreußischen Union. Die eingegliederten Orte gehörten zum Kreis Pillkallen, einige aber auch zum Kreis Gumbinnen und zum Kreis Stallupönen (Ebenrode). Sie waren neun Pfarreien zugeordnet:[20]

Name Änderungsname
1938 bis 1946
Russischer Name
Groß Schorellen Adlerswalde (Ostpr.) Saratowskoje
Groß Warningken Steinkirch Sabolotnoje
Kussen Wesnowo
Lasdehnen Haselberg Krasnosnamensk
Mallwischken Mallwen Maiskoje
Pillkallen Schloßberg Dobrowolsk
Schillehnen Schillfelde Pobedino
Schirwindt Kutusowo
Willuhnen Ismailowo

Reformierte Kirchengemeinde[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Zwischen 1733 und 1819 bestand in Pillkallen neben der lutherischen noch eine evangelisch-reformierte Kirchengemeinde, die sich hauptsächlich aus eingewanderten Hugenotten rekrutierte. Sie war eingebettet in den reformierten Kirchenkreis Königsberg (Preußen). Das Kirchengebäude ging 1819 an die lutherische Gemeinde, deren zweiter Pfarrer es als Pfarrhaus bezog.

Als reformierte Geistliche amtierten in Pillkallen:

  • Christian August Burghardt, 1733–1939
  • Karl Collins, 1740–1768
  • Samuel Bestvater, 1768–1800
  • Karl Georg Kretschmar, 1800–1804
  • Karl Gillet, 1804–1807
  • Christian David Möhring, 1807–1819.

Katholisch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die zahlenmäßig sehr geringe katholische Bevölkerung Pillkallens hatte in der Stadt kein eigenes Kirchengebäude, sondern gehörte zur weitflächigen Pfarrei in Bilderweitschen (1938 bis 1946 Bilderweiten, heute russisch: Lugowoje). Sie war dem Dekanat in Tilsit (heute russisch: Sowetsk) unterstellt und gehörte zum Bistum Ermland.

Kulinarische Spezialität[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Pillkaller

Persönlichkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Söhne und Töchter des Ortes[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Dobrovolsk – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

in der Reihenfolge des Erscheinens
  • Johann Friedrich Goldbeck: Volständige Topographie des Königreichs Preussen. Teil I: Topographie von Ost-Preussen. Königsberg/Leipzig 1785, S. 30, Ziffer 6).
  • August Eduard Preuß: Preußische Landes- und Volkskunde oder Beschreibung von Preußen. Ein Handbuch für die Volksschullehrer der Provinz Preußen, so wie für alle Freunde des Vaterlandes. Gebrüder Bornträger, Königsberg 1835, S. 469–70, Nr. 84.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Itogi Vserossijskoj perepisi naselenija 2010 goda. Kaliningradskaja oblastʹ. (Ergebnisse der allrussischen Volkszählung 2010. Oblast Kaliningrad.) Band 1, Tabelle 4 (Download von der Website des Territorialorgans Oblast Kaliningrad des Föderalen Dienstes für staatliche Statistik der Russischen Föderation)
  2. a b Meyers Großes Konversations-Lexikon. 6. Auflage, Band 15, Leipzig und Wien 1908, S. 877.
  3. a b Wurde umbenannt durch den Указ Президиума Верховного Совета РСФСР от 25 июля 1947 г. «Об административно-территориальном устройстве Калининградской области» (Verordnung des Präsidiums des Obersten Rats der RSFSR «Über die administrativ-territoriale Einrichtung des Gebiets Kaliningrad» vom 25. Juli 1947)
  4. Johann Friedrich Goldbeck: Volständige Topographie des Königreichs Preussen. Teil I: Topographie von Ost-Preussen. Königsberg/Leipzig 1785, S. 30, Ziffer 6).
  5. a b c d Alexander August Mützell und Leopold Krug: Neues topographisch-statistisch-geographisches Wörterbuch des preussischen Staats. Band 5: T–Z, Halle 1823, S. 338–339, Ziffer 451.
  6. a b c d e http://www.verwaltungsgeschichte.de/pillkallen.html
  7. Volkszählungsdaten
  8. Umbenannt wurde nur Schmilgen.
  9. vielleicht der Abbau I (?)
  10. Umbenannt wurde nur Groß Schorellen.
  11. Durch das Закон Калининградской области от 30 июня 2008 г. № 256 «Об организации местного самоуправления на территории муниципального образования „Краснознаменский городской округ“» (Gesetz der Oblast Kaliningrad vom 30. Juni 2008, Nr. 256: Über die Organisation der lokalen Selbstverwaltung auf dem Gebiet der munizipalen Bildung „Stadtkreis Krasnosnamensk“)
  12. Ergebnisse der allrussischen Volkszählung 2010.
  13. Der Ort Mirny entstand nach 1945 allerdings vollkommen neu
  14. Erich Keyser: Deutsches Städtebuch – Handbuch städtischer Geschichte, Band I: Norddeutschland. Stuttgart 1939, S. 106.
  15. Otto Hupp: Deutsche Ortswappen, Bremen 1925.
  16. Georg Hermanowski: Ostpreußen Wegweiser.
  17. norddeutsche Bezeichnung für Kühe, die noch nicht gekalbt haben
  18. Die Pillkaller Kirche
  19. Walther Hubatsch: Geschichte der evangelischen Kirche Ostpreußens, Band 2: Bilder ostpreussischer Kirchen. Göttingen 1968, S. 110, Abb. 486–488.
  20. a b Walther Hubatsch: Geschichte der evangelischen Kirche Ostpreußens, Band 3: Dokumente. Göttingen 1968, S. 485.
  21. Evangelisch-lutherische Propstei Kaliningrad (Memento des Originals vom 29. August 2011 im Internet Archive) i Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe den Link gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.propstei-kaliningrad.info