Krasnosnamensk (Kaliningrad)

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Stadt
Krasnosnamensk
Lasdehnen (Haselberg)

Краснознаменск
Flagge Wappen
Flagge
Wappen
Föderationskreis Nordwestrussland
Oblast Kaliningrad
Rajon Krasnosnamensk
Erste Erwähnung 1521
Frühere Namen Hsselpusch (1521),
Lesdehnen(1557),
Laßdehnen (1740),
Lasdehnen (bis 1938),
Haselberg (1938–1946)
Stadt seit 1946
Fläche km²
Bevölkerung 3522 Einwohner
(Stand: 14. Okt. 2010)[1]
Bevölkerungsdichte 440 Einwohner/km²
Höhe des Zentrums 30 m
Zeitzone UTC+2
Telefonvorwahl (+7) 40164
Postleitzahl 238730
Kfz-Kennzeichen 39, 91
OKATO 27 218 501
Geographische Lage
Koordinaten 54° 57′ N, 22° 30′ OKoordinaten: 54° 57′ 0″ N, 22° 30′ 0″ O
Krasnosnamensk (Kaliningrad) (Europäisches Russland)
Red pog.svg
Lage im Westteil Russlands
Krasnosnamensk (Kaliningrad) (Oblast Kaliningrad)
Red pog.svg
Lage in der Oblast Kaliningrad‎
Liste der Städte in Russland
Stadtansicht von Krasnosnamensk von der Scheschuppe aus

Krasnosnamensk (russisch Краснознаменск, Bedeutung in etwa „Rotbannerstadt“, deutsch bis 1938 Lasdehnen, 1938–1945 Haselberg, litauisch Lazdynai) ist eine Stadt mit 3522 Einwohnern (Stand 14. Oktober 2010)[1] im ehemaligen Ostpreußen, in der heutigen Oblast Kaliningrad, Russland. Die Stadt ist Verwaltungszentrum der kommunalen Selbstverwaltungseinheit Stadtkreis Krasnosnamensk im Rajon Krasnosnamensk.

Geographie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Krasnosnamensk liegt im Osten der Oblast nahe der Grenze zu Litauen inmitten eines vorwiegend landwirtschaftlich genutzten Rajons. Durch Krasnosnamensk fließt die Šešupė (Scheschuppe).

Die Stadt Krasnosnamensk (Lasdehnen/Haselberg)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Eine erstmalige Erwähnung des Ortes fand 1521 statt, damals als Dorf mit dem deutschen Namen „Haselpusch“. Der seit Beginn des 18. Jahrhunderts verwendete Name Lasdehnen ist von dem litauischen Wort „ladz“ abgeleitet, welches „Haselnuss“ bedeutet. Bereits 1578 war im Dorf eine Kirche vorhanden, die jedoch 1661 abbrannte. Der Nachfolgebau musste 1869 wegen Baufälligkeit abgerissen werden. Die heute noch vorhandene Kirche wurden in den Jahren 1874–1877 im neugotischen Stil errichtet. Lasdehnen entwickelte sich zum wichtigsten Marktflecken an der unteren Scheschuppe. 1663 wurde eine Wassermühle in Betrieb genommen, aus der sich bis zum 20. Jahrhundert eine der größten Mühlen im Kreis Pillkallen entwickelte.

Der Ort wurde 1944/45 im Gegensatz zur damaligen Kreisstadt Pillkallen kaum zerstört und übernahm seither deren Funktionen.

Amtsbezirk Lasdehnen/Haselberg (1874–1945)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Zwischen 1874 und 1945 war Lasdehnen resp. Haselberg Amtssitz und namensgebend für einen Amtsbezirk im Kreis Pillkallen (Kreis Schloßberg) und im Regierungsbezirk Gumbinnen der preußischen Provinz Ostpreußen[2]:

Name Änderungsname
1938 bis 1946
Russischer Name Bemerkungen
Lasdehnen Haselberg (Ostpr.) Krasnosnamensk
Neuhof-Lasdehnen Altbaum Smolenskoje 1929 in den Amtsbezirk Jucknaten umgegliedert
Sallehnen Sallen
Schilleningken Ebertann Chlebnikowo

Stadtgemeinde Krasnosnamensk 2008–2015[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Lage der Stadtgemeinde Krasnosnamensk inmitten des gleichnamigen Rajons

Die Stadtgemeinde Krasnosnamensk wurde am 30. Juni 2008 gegründet.[3] Neben dem Amtssitz Krasnosnamensk umfasste sie zwei Siedlungen. Im Jahre 2010 zählte sie 3.893 Einwohner. Ende 2015 wurde die Stadtgemeinde aufgelöst und deren Orte in den neu gebildeten Stadtkreis Krasnosnamensk eingegliedert.

Zur städtischen Gemeinde gehörten:

Name Deutscher Name Änderungsname
1938 bis 1945
Krasnosnamenskoje Lasdehnen Haselberg
Chlebnikowo Schilleningken Ebertann
Samarskoje Bergershof

Bevölkerungsentwicklung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Jahr Einwohner
1885 1294
1910 1857
1933 2065
1939 2070
1959 2843
1970 2911
1979 3392
1989 3894
2002 3751
2010 3522

Anmerkung: Volkszählungsdaten

Kirche[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Evangelisch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die einst evangelische und heute orthodoxe Kirche in Krasnosnamensk
Hauptartikel: Kirche Lasdehnen
Ehemalige Pfarrkirche[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die einst evangelische Pfarrkirche steht auf einem zur Scheschuppe steil abfallenden Hügel in einiger Entfernung zum Stadtzentrum. Im Jahre 1578 war hier bereits eine Kirche vorhanden. Sie brannte 1661 ab. Ein Nachfolgebau musste 1869 wegen Baufälligkeit geschlossen werden. So entstand in den Jahren 1875 bis 1877 ein neugotischer Ziegelbau[4] mit Apsis und hohem Turm. Auch der Innenraum zeigte neugotischen Stil. Über dem mittleren Teil des Kirchenschiffes ist die Decke gewölbt.

Die Kirche wurde nach dem Zweiten Weltkrieg zweckentfremdet und als Lagerhalle genutzt. Dadurch konnte sie wenigstens vor dem Verfall bewahrt werden. Heute ist die einst evangelische Kirche orthodoxes Gotteshaus.

Kirchengemeinde[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die evangelische Kirchengemeinde Lasdehnen wurde 1578 gegründet[5]. Sie zählte 1925 insgesamt 8.061 Gemeindeglieder, die in einem ausgedehnten Kirchspiel mit mehr als 50 Ortschaften wohnten. An der Pfarrkirche waren vor 1945 in den letzten 70 Jahren zwei Geistliche tätig. Die Pfarrei gehörte zum Kirchenkreis Pillkallen (Schloßberg) innerhalb der Kirchenprovinz Ostpreußen der Kirche der Altpreußischen Union. Infolge von Flucht und Vertreibung der einheimischen Bevölkerung und der restriktiven Relionspolitik der Sowjetunion kam das kirchliche Leben in Krasnosnamensk zum Erliegen. Die heute nächstgelegene und neu entstandene evangelisch-lutherische Gemeinde ist die in Sabrodino (Lesgewangminnen, 1938 bis 1946 Lesgewangen), die zur Propstei Kaliningrad[6] (Königsberg) der Evangelisch-lutherischen Kirche Europäisches Russland gehört.

Katholisch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ein katholisches Gotteshaus hat es in Krasnosnamensk auch vor 1945 nicht gegeben. Der Ort gehörte bis 1945 zur Pfarrei in Bilderweitschen (1938 bis 1946: Bilderweiten, heute russisch: Lugowoje) im Bistum Ermland.

Orthodox[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In den 1990er Jahren bildete sich in Krasnosnamensk eine Gemeinde der russisch-orthodoxen Kirche. Sie übernahm die einstige evangelische Kirche und richtete sie in dem ihr eigenen Stil wieder her. Im Oktober 1992 erfolgte die Weihe der Kirche, die heute den Namen der Apostel Petrus und Paulus trägt. Die Gemeinde gehört zur Diözese Kaliningrad und Baltijsk der russisch-orthodoxen Kirche.

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Neben der neugotischen Kirche blieben einige weitere Bauten aus der Vorkriegszeit erhalten.

Wirtschaft und Infrastruktur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In Krasnosnamensk gibt es kleine Betriebe der Forstwirtschaft und Lebensmittelindustrie (Käsefabrik).

Durch die Stadt führt die Regionalstraße R 508 von Kaliningrad über Snamensk (Wehlau) und Gussew (Gumbinnen) nach Neman (Ragnit), von der hier die R 511 durch den Ostteil des Rajons und weiter nach Nesterow (Stallupönen/Ebenrode) abzweigt.

Persönlichkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Söhne und Töchter des Ortes[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Dietrich Beyrau (* 1. Februar 1942 in Haselberg), deutscher Historiker, Universitätsprofessor

Mit dem Ort verbunden[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Erich Sack (1887–1943) war ein Widerstandskämpfer gegen den Nationalsozialismus. Von 1926 bis zu seinem Tode im Konzentrationslager Dachau war er Pfarrer an der Kirche Lasdehnen.

Verweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b Itogi Vserossijskoj perepisi naselenija 2010 goda. Kaliningradskaja oblastʹ. (Ergebnisse der allrussischen Volkszählung 2010. Oblast Kaliningrad.) Band 1, Tabelle 4 (Download von der Website des Territorialorgans Oblast Kaliningrad des Föderalen Dienstes für staatliche Statistik der Russischen Föderation)
  2. Rolf Jehke, Amtsbezirk Lasdehnen/Haselberg
  3. Durch das Закон Калининградской области от 30 июня 2008 г. № 256 «Об организации местного самоуправления на территории муниципального образования "Краснознаменский городской округ"» (Gesetz der Oblast Kaliningrad vom 30. Juni 2008, Nr. 256: Über die Organisation der lokalen Selbstverwaltung auf dem Gebiet der munizipalen Bildung "Stadtkreis Krasnosnamensk")
  4. Walther Hubatsch, Geschichte der evangelischen Kirche Ostpreußens, Band 2: Bilder ostpreussischer Kirchen, Göttingen, 1968, Seite 109, Abb. 479
  5. Walther Hubatsch, Geschichte der evangelischen Kirche Ostpreußens, Band 3: Dokumente, Göttingen, 1968, S. 485
  6. Evangelisch-lutherische Propstei Kaliningrad

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Krasnosnamensk – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien