Valora

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Dieser Artikel behandelt den Schweizer Handelskonzern. Für das gleichnamige deutsche Wertpapierhandelshaus siehe Valora Effekten Handel.
Valora Holding AG
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Rechtsform Aktiengesellschaft
ISIN CH0002088976
Gründung 1905 / 1986 (Holding)
Sitz Muttenz, Schweiz[1]
Leitung Rolando Benedick
(CEO) und (VR-Präsident)
Mitarbeiter 6'571 (1. JH 2009)
Umsatz 2,932 Mrd. CHF (2008)
Branche Handelskonzern
Produkte Kioskprodukte, Convenienceprodukte, Kaffee, PresseerzeugnisseVorlage:Infobox Unternehmen/Wartung/Produkte
Website www.valora.com

Valora (auch Valora-Gruppe) ist eine europaweit tätige Schweizer Handels- und Logistikholding mit Sitz in Muttenz. Das Konzerndach bildet die Valora Holding AG, in der Valora AG ist das operative Geschäft der weit verzweigten Valora-Gruppe gebündelt.

Unternehmen[Bearbeiten]

Die Unternehmensgruppe umfasst die drei Geschäftsfelder Retail, Services und Trade.

Im Bereich des kleinflächigen Einzelhandels (Valora Retail) tritt das Unternehmen unter den vier Markennamen «k kiosk», «avec.», «Caffè Spettacolo» sowie «Presse und Buch» auf. Am 25. September 2012 wurde bekannt, dass Valora den deutschen Brezelhersteller und -händler «Brezelbäckerei Ditsch» mitsamt dessen Schweizer Tochtergesellschaft «Brezelkönig» mit Sitz in Emmen gekauft hat. Brezelkönig hat in der Schweiz 38 Standorte und in Deutschland ca. 195. Da Valora einen Teil des Kaufpreises mit eigenen Aktien bezahlte, wurde Ditsch mit 18,5 Prozent Großaktionär von Valora.[2]

Der Bereich Pressedistribution wird über Valora Services und der Vertrieb von Fast Moving Consumer Goods (FMCG) über Valora Trade abgewickelt.

Die Valora-Gruppe beschäftigt in Vollzeitstellen gerechnet insgesamt mehr als 6'500 Mitarbeiter und erwirtschaftete 2012 einen Umsatz von 2,848 Milliarden Schweizer Franken.

Geschichte[Bearbeiten]

Die Valora geht auf das 1905 in Olten gegründete Unternehmen «Schweizer Chocoladen & Colonialhaus» zurück, aus welchem die «Merkur AG» entstand. Erst in den 1980er-Jahren erweiterte Merkur das Geschäftsfeld um Restaurants und Verkaufsautomaten (Selecta). Die Merkur AG wurde 1986 in eine Holding (Merkur Holding AG) umgewandelt, die schliesslich 1996 den Namen in Valora Holding AG änderte.

Die Abkehr vom einstigen Kerngeschäft begann 1990 mit der Übernahme der Kiosk AG und der Schmidt-Agence, den beiden grössten Schweizer Kioskketten, die schrittweise unter der Marke Kiosk zusammengeführt wurden und von den bekannten Markenelementen der Merkur-Kette geprägt waren. Die Namensrechte an der Marke Kiosk in der Schweiz liegen durch den Erwerb der Kiosk AG seither grundsätzlich bei der Valora. Mit den Kiosk-Verkaufsstellen expandierte man 1997 nach Deutschland und daraufhin auch nach Luxemburg und Österreich. Die Aktivitäten sind heute in der Geschäftseinheit Valora Retail zusammengefasst, die rund 1500 konzerneigene Standorte umfasst.

Die Verkaufsautomaten-Sparte wurde 1997 als Selecta AG wieder verselbständigt und an die Schweizer Börse gebracht. Bereits 2001 wurde das Unternehmen von der britischen Compass Group komplett übernommen. Der Geschäftssitz der Selecta-Gruppe verblieb in der Schweiz und bis heute sind am Erscheinungsbild der Selecta-Automaten Reminiszenzen an den einstigen Marktauftritt von Merkur zu erkennen.

Nach der breiten Diversifikation in den 1980er- und 1990er-Jahren begann 2003 wieder eine Fokussierung auf die erfolgversprechendsten Geschäftsbereiche. Im Rahmen dieser Restrukturierung verkaufte Valora die auf Confiserieprodukte und Kaffee spezialisierten Merkur-Verkaufsstellen, die seither in stark reduzierter Standortzahl von einem Familienunternehmen aus Ennenda im Kanton Glarus unter der Marke Merkur Confiserien weitergeführt werden.

Im Oktober 2006 bekundete Hachette Distribution Services, eine Tochter des französischen Rüstungs- und Medienkonzerns Lagardère, Interesse an der Valora Holding. Das unverbindliche Übernahmeangebot wurde von Valora als unattraktiv eingestuft und abgelehnt.

Im März 2007 meldete Valora bei der Präsentation der Geschäftszahlen einen Gewinn für das Jahr 2006. Zuvor war unter anderem die Division Valora Imaging an Fotolabo verkauft worden. Im Geschäftsjahr 2005 hatte Valora einen Verlust gemeldet. Als weiterer Restrukturierungsschritt wurde die Absicht bekanntgegeben, die an sich profitablen Produktionsbetriebe der Division Valora Trade möglichst noch im laufenden Geschäftsjahr zu verkaufen.

An der Generalversammlung der Valora Holding vom 29. April 2009 wurde unter anderem eine Herabsetzung des Aktienkapitals sowie die Verlegung des Konzernsitzes von Bern nach Muttenz beschlossen.[3] Die Sitzverlegung wurde 30. April 2009 vollzogen.[1]

Geschäftsbereiche[Bearbeiten]

Valora Retail[Bearbeiten]

Der Geschäftsbereich Valora Retail umfasst das Endkundengeschäft des Konzerns, das rund 55 Prozent zum Konzernumsatz beiträgt. Den Kern bildet die Marke k kiosk, die seit einer Neulancierung optisch keinen Bezug mehr zum einstigen Stammhaus Merkur aufweist. Neben dem üblichen Stammsortiment – Presseerzeugnisse, insbesondere Zeitungen und Zeitschriften, Süsswaren, Tabak und Lotteriespiele (Dienstleistungen)– führen diverse Standorte auch auf die Zielgruppe ausgerichtete Sortimente bestehend aus Büchern, einer begrenzten Auswahl von Lebensmitteln, Imbiss- oder Café-Ecken. Unter der Marke Caffè Spettacolo betreibt Valora eine Kaffeehaus-/Bistrokette. In Deutschland ist Valora Retail grösster Bahnhofsbuchhandel und eröffnet seit 2006 auch Filialen ausserhalb von Bahnhöfen und Flughäfen.

Zum Geschäftsbereich Valora Retail gehört eine Beteiligung an der Cevanova AG, ursprünglich einem Joint-Venture zwischen der Valora, dem Migros-Genossenschafts-Bund und den Schweizerischen Bundesbahnen (SBB), an dem die drei Partner je einen Drittel hielten. Die Cevanova betreibt als Franchiser die Geschäfte unter der Marke avec, die sich insbesondere an mittelgrossen Bahnhöfen finden. Das Grundkonzept war, dass Valora die avec-Geschäfte mit ihrem Kiosk- und Genussmittelsortiment versorgt, die Migros steuert ein Grundsortiment an Lebensmitteln hinzu, während die SBB die Räumlichkeiten an meist nicht mehr personell besetzten Bahnhöfen beisteuern und damit trotz nicht mehr rentablen Billetschaltern über avec weiterhin ein Billetsortiment durch das jeweilige Verkaufspersonal anbieten. Nach Unstimmigkeiten haben sich die SBB Mitte 2005 aus dem Joint-Venture zurückgezogen, an dem die Migros und Valora nun alleine jeweils zur Hälfte beteiligt sind. Im Jahr 2008 wurde diese Zusammenarbeit auch beendet und die bestehenden und geplanten Standorte je zur Hälfte aufgeteilt. Valora übernahm die avec Shops und die Marke avec, Migros die cevanova ag und führt diese Hälfte der damaligen Shops als Migrolino.

Seit September 2012 gehören die deutsche Brezelbäckerei Ditsch mitsamt deren Schweizer Tochter Brezelkönig zu Valora Retail.

Valora Services[Bearbeiten]

Der im Bereich Valora Services zusammengefasste Pressegrosshandel trägt etwa 20 Prozent zum Konzernumsatz bei. Er umfasst die rückwärtige Logistik von Valora Retail über welche die rund 1500 konzerneigenen Standorte mit Presseerzeugnissen versorgt werden, zudem werden rund 7'000 unabhängige Kioske, Tankstellenshops und Einzelhändler mit Pressesortiment beliefert, darunter diverse Bahnhofskioske respektive Bahnhofsbuchhandlungen im benachbarten Ausland.

Valora Trade[Bearbeiten]

Die Division Valora Trade ist eine Distributionsorganisation von Drittmarken (u.a. Ferrero und Kellogg’s) im Fast Moving Consumer Goods (FMCG) Bereich mit Vetriebskanälen im Detail- und Grosshandel, Foodservice, Drogerien, Apotheken und Parfümerien. Das Netzwerk der Valora Trade umfasst sieben Länder (DACH-Länder: Valora Trade Austria, Valora Trade Germany und Valora Trade Switzerland; Nordics-Länder: Valora Trade Denmark, Valora Trade Finland, Valora Trade Norway und Valora Trade Sweden). Zu den Distributionsdienstleistungen der Valora Trade zählen das Key Account Management, Principal Account Management/ Trade Marketing, Aussendienst und logistische Supply Chain. Die Valora Trade übernahm das Unternehmen Engelschiøn Marwell Hauge AS (EMH) im 2010 und erschloss damit den Vertrieb von Kosmetikprodukten in Norwegen. Im 2011 übernahm die Valora Trade Scandinavian Cosmetics (ScanCo) und verschaffte sich den Zugang zur Kosmetikdistribution in Schweden.

Valora Management Services[Bearbeiten]

Valora Management Services ist eine Querdivision, daher Divisionsübergreifend und hat Einwirkung auf alle Bereiche. In der genannten Division sind Bereiche wie Bau und Architektur, Innen- und Aussenlogistik sowie die Liegenschaftsverwaltung und die IT angesiedelt. Zusammengefasst sind dies alles Backgroundbereiche welche keinen Einfluss auf den Mehrumsatz am Retail oder Media Geschäft haben.

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b Eintrag der «Valora Holding AG» im Handelsregister des Kantons Basel-Landschaft
  2. Brezelbäcker Ditsch verkauft sein Unternehmen an Valora. Spiegel Online, 25. September 2012
  3. Medienmitteilung vom 29. April 2009