Vochem

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Vochem
Stadt Brühl
Koordinaten: 50° 50′ 37″ N, 6° 53′ 53″ O
Höhe: 78 m ü. NHN
Einwohner: 4918 (31. Dez. 2017)[1]
Eingemeindung: 1932
Postleitzahl: 50321
Vorwahl: 02232
Pfarrkirche Sankt Matthäus

Vochem ist der nördlichste Stadtteil der Stadt Brühl im Rhein-Erft-Kreis. Er liegt am unteren Hang des Vorgebirges und hat etwa 5.200 Einwohner.

Lage[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Vochem liegt am unteren Osthang der Ville im Vorgebirge und am Westrand der inneren Kölner Bucht. Der Weilerhof mit seinen Ländereien, ehemals Vochem zugehörig, bildet heute die Grenze zum Hürther Stadtteil Fischenich im Norden. Südwestliche Nachbarorte sind die Brühler Stadtteile Kierberg und Heide, Vochem unmittelbar angrenzend liegt Brühl-Nord. Die Brühler Innenstadt liegt etwa zwei Kilometer entfernt.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Römerzeit[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Beim Ausheben eines Kanalschachtes in Vochem in der Römerstraße wurden 1959 unmittelbar nebeneinander ein Sarkophag und ein Bleisarg des späten 3. Jahrhunderts gefunden. Funde und Befunde legte Waldemar Haberey 1962 vor. Im Mai 1972 wurde beim Bau einer Turnhalle in der Sankt-Albert-Straße der Teil eines römischen Gräberfeldes freigelegt.

Merowingerzeit[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Info des Lions Club, Brühl

Eine unweit der Sankt-Matthäus-Kirche gefundene Stele für die christliche merowingische Rignedrudis, heute im Rheinischen Landesmuseum in Bonn ausgestellt, bezeugt nicht nur die in der Merowingerzeit fortgeführte Tradition kunstvoll bearbeiteter Grabsteine, sondern auch die frühe Besiedlung der heutigen Ortschaft Vochem.

Vochem – in früher Zeit um 1067 Vochena, ab 1285 Vochum und um 1304 Voggena genannt – gehörte ehemals zum kurkölnischen Amt Brühl.

Mittelalter[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Ort erlangte im Lauf der Jahrhunderte nur langsam und im geringen Maß einen Bevölkerungszuwachs, da der größte Teil des Grundbesitzes fortdauernd zu den vier bestimmenden großen Gütern des Vochemer Gebietes gehörte.

Dies waren:

Gedenkkreuz für die ehemaligen Besitzer des Fronhofes
  • Der Fronhof, mit 265 alten Morgen Land. Er wurde urkundlich im 11. Jahrhundert erwähnt und gehörte der kurkölnischen Kirche. In einer Urkunde des Erzbischofs Anno II. von Köln, worin die Stiftsgüter benannt werden, welche der von ihm gegründeten Stiftskirche zum heiligen Georg „daselbst“ verliehen werden, heißt es 1067: Wir haben folgende Landgüter aus unserem und des heiligen Petrus Besitz verliehen … Vochem mit allen seinen Einkünften und „Gerechtsamen“ (Gerichtsbarkeit) außer dem Zehnten. Das Stift übertrug seinen Fronhof dem adeligen Geschlecht der von Aldenroide (Aldenrath bei Gleuel), die deshalb fortan auch „von Vochem“ genannt wurden. Pächter des Fronhofes, dieser blieb bis zur Säkularisation im Jahre 1802 Eigentum des Stiftes, übten zugleich auch das Amt des Schultheißen und mit ihm die niedere Gerichtsbarkeit (Hofgeding) aus, die höhere unterstand dem Schöffengericht des Amtes Brühl in Brühl.
  • Die Burg, mit 219 Morgen Acker und 22 Morgen Baumgarten, war ein kurkölnisches Lehen und war als solches qualifiziert, dem Landtag im Stande der Ritterschaft anzugehören. Seine Besitztümer waren für immer von Steuern „eximiert“. Die Burg war viele Jahrhunderte im Besitz des uralten aus Hersel bei Bonn (heute Bornheim-Hersel) stammenden Adelsgeschlechtes der „von Hersel“ (oder Herzelles, Hersellen). Um 1207 wurde von einer Tochter des Hermann von Hersel das Vochem benachbarte Kloster Marien-Benden gestiftet.
  • Der Herrenhaus genannte Hof mit 66 Morgen Land, neben der Burg ein zweites adeliges Haus, war ebenfalls berechtigt zum Landtag im Stande der Ritterschaft. Das Besitztum war ehemals Lehngut des Stifts Vilich.
  • Der Weiler Hof, ein ehemaliger Besitz der Kartäusermönche zu Köln, umfasste noch zur Zeit der Säkularisation 284 Morgen Ackerland, 12 Morgen Baum- und Gemüsegarten, ohne die dazugehörigen Waldungen. Anfang des 14. Jahrhunderts stand an der Stelle ein Herrenhaus, welches von mehreren kleinen Gehöften umgeben war und später zu einem Gut vereint wurde. Dies geht aus einer Urkunde des Jahres 1316 hervor, in der der Besitzer, ein Godecalens de Wilre, mit seinem Sohn Johann als Zeuge vorkommt. Die Äcker des Gutes lagen teils im Vochemer Feld, teils auf jülichschem Gebiet. Das Gut wurde nach der Säkularisation, mit Ausnahme eines Waldstückes von 100 Morgen „in der Vill“ (Ville), welches dem Fiskus verblieb, von den Franzosen an einen Herrn Schöllgen verkauft.

Durch seine Zukäufe ebenfalls säkularisierter Ländereien des Fischenicher Kartäuserhofes wuchs der Besitz auf annähernd 600 Morgen Land. Diese von ihm zu immenser Größe arrondierten Ländereien des Weiler Hofes, veräußerte er später an Rhodius aus Mülheim am Rhein. Nach dessen Tod brachte es die Witwe Rhodius durch Heirat in den Besitz des Friedrich Wilhelm Bendleb, der in einem noch heute vorhandenen parkartigen Garten im Jahre 1869 eine stattliche, ebenfalls erhaltene Villa errichtete. Später ging das gesamte Gut durch Kauf an Hilarius Kreuser, Bergwerkbesitzer in Mechernich (Eifel), über.

Industrialisierung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

1847 wurde Brühl in Einzelgemeinden aufgeteilt, die eigene Kataster, Kassenverwaltungen und Gemeinderäte erhielten. 1876 begann in Brühl die Gewerkschaft Roddergrube als erste im Rheinischen Braunkohlerevier mit der Braunkohleförderung und Brikettfabrikation. Hiervon profitierte auch Vochem durch den Zuzug vieler Arbeitskräfte, die sich rund um die neuen Gruben und Fabriken ansiedelten. Heißt es für die Zeit um 1890 „ein Pfarrdorf mit etwa 100 Häusern“, so begann nunmehr die Ortschaft zu wachsen.

Der Kern der Ortschaft entwickelte sich hauptsächlich an drei Straßenzügen. Entlang der Hauptstraße, welche heute unterbrochen wird durch die Bahntrasse Köln-Euskirchen, und die hochgelegte Straßenführung „Sommersbergbrücke“, und führt dann oberhalb weiter bergan. Weiterhin baute man an der Kierberger Straße und der Weiler Straße zum Weiler Hof führend und weiter nach Fischenich zahlreiche Wohnhäuser.

Neben den in einer Vielzahl errichteten „Kotten“ der „einfachen Leute“ entstanden jedoch auch stattliche Herrschaftshäuser. Beide Formen der Bebauung sind auch heute noch in Vochem zu finden.

1897 feierte man als weitere Neuerung die Eröffnung der durch die Stadt Brühl führenden Vorgebirgsbahn, welche auch in Vochem eine Station erhielt.

20. Jahrhundert[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Vochem wurde für die Braunkohlenindustrie zum Umschlagplatz, seit die neu geschaffene Trasse der Querbahn im Jahr 1901 die Ortschaft mit dem Rheinhafen Wesseling verband.

1920 wurde eine Wagenwerkstatt in Vochem zur Wartung der im Zuge der Aufwärtsentwicklung im Kohlenverkehr beschafften Güterwagen erbaut. Im März 1945 stellten die „Köln-Bonner Eisenbahnen“ aufgrund der Kriegsereignisse den Gesamtbetrieb vorübergehend ein.

Die Deutsche Renault Automobilgesellschaft KG, die sich 1959 am heutigen Standort Brühl-Vochem niederließ, beschäftigte damals 620 Mitarbeiter.

1966 wurde in Vochem eine 540 m lange Gleisüberdachung dem Betrieb übergeben, unter der die mit frisch gepressten Briketts beladenen Kübelwagenzüge zum Auskühlen abgestellt werden konnten. Gleichzeitig diente die Überdachung dem Schutz vor Witterungseinflüssen, so erhielten die Briketts eine größere Festigkeit.

1971 Die Andreaskirche stellte ihren ersten Bauabschnitt fertig. 1988 Die Brücke "Zum Sommersberg" in Brühl-Vochem wurde eingeweiht. 1992 Eröffnung des Fahrzeugmuseums in Brühl-Vochem mit 12 (heute 32) historischen Fahrzeugen. 2001 wurde in Vochem eine P+R-Anlage an der Haltestelle der Linie 18 mit 66 Stellplätzen eröffnet.

Kirchengemeinden[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

St. Matthäus[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Geschichte des dem heiligen Matthäus geweihten Gotteshauses der katholischen Kirchengemeinde beginnt mit dem Bau einer ersten Kapelle im 13. Jahrhundert. Diese Kapelle unterstand wie auch die von Kierberg und Brühl selbst, der „Mutterkirche“ Kendenich. Erst mit der Erhebung Brühls zur eigenständigen Pfarre unter Erzbischof Wigbold von Holte wurde Vochem zur Filiale der Pfarrei Brühl. Anstelle der ersten Kapelle entstand Ende des 13. Jahrhunderts eine erste einschiffige, mit mächtigem Turm versehene Kirche unmittelbar neben der damaligen Burg. Diese Vorgängerkirche, wie die heutige dem heiligen Matthäus geweiht, wurde Ende des 19. Jahrhunderts durch einen neugotischen Bau ersetzt. 1963/65 wurde sie durch den Einbau eines Querschiffes von Hans Joachim Lohmeyer erweitert und ergänzend ausgestaltet mit modernen Bronzeplastiken des Kölner Künstlers Hans Rheindorff.

Andreaskirche[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nach dem letzten Weltkrieg ließen sich viele evangelische Flüchtlinge in Vochem und den benachbarten Ortsteilen nieder. Daher wurde beschlossen, auf dem Gelände des alten Vochemer Fronhofs, Gebäude für eine neue evangelische Gemeinde zu errichten. Der erste Bauabschnitt wurde 1971 fertiggestellt und umfasst das Gemeindehaus mit Saal am Sommersberg. Die anderen geplanten Gebäude (Kirche, Kindergarten, Pfarrhaus) wurden jedoch bis heute nicht errichtet. Ein Provisorium, der Gemeindesaal als Gottesdienstraum, dient etwa 2000 evangelischen Gläubigen in Vochem, Kierberg und Heide als Ersatz.

Eine Schule mit Vergangenheit[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Katholische Grundschule Vochem[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Städtische Katholische Grundschule

Schulunterricht wurde in Vochem seit dem Jahr 1787 erteilt (nach Rosellen). Erster Schulvikar war bis 1797 ein Herr N. Bauer. Von 1805 bis 1815 war nach dem Tod des Lehrers die Stelle vakant, und die Vochemer Kinder gingen nach Kierberg zum Schulbesuch. 1815 wurde der Schulunterricht im Ort wieder aufgenommen. 1830 wurde das Schulgebäude niedergelegt, man kaufte ein Gebäude in Roggendorf, dessen Holzwerk in Vochem wieder aufgerichtet und in Fachwerk als Schule bis 1869 diente. 1869 wurde dieses zweite Schulgebäude zum Abbruch verkauft und ein neues mit zwei Schulsälen und Lehrerwohnungen errichtet. 1874 wurde die bis dahin einklassige Schule in eine zweiklassige umgewandelt.

Verkehr[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Bahnhof Brühl-Vochem liegt an der Vorgebirgsbahn sowie der Bahnstrecke Brühl-Vochem–Köln-Godorf Hafen. Auf erstgenannter Strecke fährt die Stadtbahnlinie 18 der KVB mit Verbindungen in kurzer Taktung zur Stadtmitte und nach Köln und Bonn. Letztgenannte Strecke wird im Güterverkehr und von Betriebsfahrten befahren. Mit öffentlichen Verkehrsmitteln kommt man auch mit der Stadtbuslinie 704 der Stadtwerke Brühl nach Vochem.

Durch Brühl-Vochem verläuft die K7 (L 183).

Literatur / Quellen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Robert Wilhelm Rosellen: Geschichte der Pfarreien des Dekanates Brühl , I. P. Bachem Verlag Köln 1887
  • Website der Stadt Brühl

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Vochem – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. http://offenedaten.kdvz-frechen.de/dataset/6af925ab-855f-457d-b3b8-7904f9faad3a/resource/6af925ab-855f-457d-b3b8-7904f9faad3a