Vollmarshausen

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Vollmarshausen
Gemeinde Lohfelden
Koordinaten: 51° 15′ 39″ N, 9° 33′ 46″ O
Höhe: 212 (180–240) m ü. NHN
Fläche: 7,39 km²[1]
Einwohner: 3406 (2. Apr. 2020)[2]
Bevölkerungsdichte: 461 Einwohner/km²
Eingemeindung: 1. Dezember 1970
Postleitzahl: 34253
Vorwahl: 05608

Vollmarshausen ist ein Ortsbezirk der Gemeinde Lohfelden im nordhessischen Landkreis Kassel und die älteste Siedlung im Söhreraum[3]. Bis heute ist das Ortsbild durch historische Fachwerkhäuser geprägt. Durch den Ort fließt der Wahlebach.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der noch unbefestigte Wahlebach führte entlang der Kasseler Straße und der Linde am Gerichtsplatz, sichtbar auch der Steintisch (1910)

Das Gebiet um Vollmarshausen wurde in der späten Bronzezeit und älteren Eisenzeit (ca. 1200 bis ca. 650 vor Christus) besiedelt, wie das 1951 entdeckte Gräberfeld von Vollmarshausen belegt. Es gehört zu den bedeutendsten Funden aus dieser Zeit in Westeuropa.

Im 10. und 11. Jahrhundert wurden die gerodeten Flächen östlich um Kassel an Kolonisten vergeben, die Felder und Grundstücke wurden in Erbpacht vergeben[4]. Im Jahr 1019 schenkte Kaiser Heinrich II. die Ortschaft dem Kloster Kaufungen. Diese Urkunde gilt heute als die Ersterwähnung Vollmarshausens. Als Pfarrort erscheint Vollmarshausen erstmals im 14. Jahrhundert, und noch 1536 war es eine selbstständige Pfarrei.[5]

Im 17. und 18. Jahrhundert beherbergte die seit dem frühen 14. Jahrhundert erwähnte Obermühle die Waffenschmiede von Johann Jakob Lagemann; der Betrieb wurde 1924 eingestellt, das Gebäude ist jedoch noch erhalten. In der Ortsmitte befindet sich der historische Gerichtsplatz von Vollmarshausen. Die Ursprünge des Schöppenstuhl oder Thingplatz genannten Platzes reichen bis ins Mittelalter.

Bis ins 19. Jahrhundert hatte Vollmarshausen eine Kirche, die aus einer Zeit stammte, als der Ort nur 850 Einwohner hatte. 1835–39 wurde die Evangelische Kirche Vollmarshausen nach Entwürfen von Daniel Engelhard gebaut. Die Formensprache folgt dem Klassizismus, Grundriss und Turm gleichen jedoch einer byzantinischen Basilika. Altargerät, Taufstein, Glocken und der Kelch wurden vom Vorgängerbau übernommen.

1905 wurde die Ziegelwerk Vollmarshausen GmbH gegründet; sie bestand bis Ende 1965, als sich die Lehmvorkommen erschöpft hatten.[6] 1933 erregte der Fall des Volksschullehrers Ludwig Rüdiger Aufsehen, der sich dem Nationalsozialismus widersetzte. Es folgten Verhaftungen. Bereits 1932 hatten Nationalsozialisten im Preußischen Landtag die Verhaftung des Vollmarshausener Bürgermeisters beantragt. Den Krieg überdauerte die Ortschaft ohne materielle Verluste.[7]

Gebietsreform[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Poststempel aus der noch unabhängigen Ortschaft, 1959

Im Zuge der Gebietsreform in Hessen fusionierten am 1. Dezember 1970 die Gemeinden Lohfelden, bestehend aus Crumbach und Ochshausen, und Vollmarshausen freiwillig zur neuen Gemeinde Lohfelden.[8][9] Das bisherige Lohfelden hatte zu diesem Zeitpunkt ca. 8000 Einwohner, Vollmarshausen ca. 3000.

Historische Ortsnamen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In erhaltenen Urkunden wurde Vollmarshausen unter den folgenden Namen erwähnt (in Klammern das Jahr der Erwähnung):[1]

  • Volmareshusun (1019)
  • Volcmereshusun
  • Wolcmereshusin (1229)
  • Volmershusen (1306)
  • Volmarshusin (1351)
  • Fulmershusen (1487)

Territorialgeschichte und Verwaltung im Überblick[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die folgende Liste zeigt im Überblick die Territorien, in denen Vollmarshausen lag, bzw. die Verwaltungseinheiten, denen es unterstand:[1][10]

Bevölkerung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einwohnerentwicklung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Quelle: Historisches Ortslexikon[1]

• 1585: 48 Haushaltungen
• 1747: 55 Haushaltungen
Vollmarshausen: Einwohnerzahlen von 1834 bis 1970
Jahr  Einwohner
1834
  
762
1840
  
807
1846
  
854
1852
  
905
1858
  
865
1864
  
940
1871
  
989
1875
  
1.009
1885
  
1.078
1895
  
1.111
1905
  
1.325
1910
  
1.337
1925
  
1.558
1939
  
1.894
1946
  
2.529
1950
  
2.543
1956
  
2.471
1961
  
2.479
1967
  
2.753
1970
  
2.880
Datenquelle: Histo­risches Ge­mein­de­ver­zeich­nis für Hessen: Die Be­völ­ke­rung der Ge­mei­nden 1834 bis 1967. Wies­baden: Hes­sisches Statis­tisches Lan­des­amt, 1968.
Weitere Quellen: [1]

Religionszugehörigkeit[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Quelle: Historisches Ortslexikon[1]

• 1885: 1065 evangelische (= 98,79 %), 2 katholische (= 0,19 %) und 11 andere Christen (= 1,02 %)
• 1961: 2210 evangelische (= 89,15 %), 216 römisch-katholische (= 8,71 %) Einwohner

Kultur und Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Gerichtsplatz im Siedlungskern ist die älteste Dominante. Wenngleich eine sehr alte Siedlung, prägt die Periode 1790–1830 entscheidend das Ortsbild, als man sich von der Landwirtschaft abwandte. Die meisten Gebäude der denkmalgeschützten Gesamtanlage und nahezu alle der 32 Kulturdenkmäler in Vollmarshausen sind aus der Epoche der beginnenden Industrialisierung und klassizistisch ausgeführt. Auch ein Ziegelwerk im Ort änderte nichts am bevorzugten Bau von Fachwerkhäusern. Ab den 1950er Jahren wurden am Ortsrand Neubaugebiete erschlossen, die mit Reihenhäusern und Einfamilienhäusern bebaut wurden.

2006 wurde der Platz vor der Gaststätte „Zum Grünen Baum“ mit dem historischen Brunnen „An Dippels Born“ neu gestaltet, im ersten Stock des Gebäudes der Gaststätte befindet sich seitdem ein Familienraum.[12]

Regelmäßige Veranstaltungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Unter dem Begriff Lindenfest findet jedes Jahr Anfang August ein Fest in der Ortsmitte statt. 2011 stand dabei die Einweihung des neuen Veranstaltungsraums im ehemaligen Schlauchturm der Freiwilligen Feuerwehr im Mittelpunkt. Ein weiteres Fest ist Ende August die Wir seh’n uns Nacht.

Ortsnickname[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Einwohner von Vollmarshausen werden im nordhessischen Dialekt auch als „Baddschen“ (Pantoffeln) bezeichnet.

Infrastruktur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In Vollmarshausen gibt es eine Grundschule, eine Ortsteilbücherei und eine Kindertagesstätte. Durch den Ort führen die Kreisstraße 8 sowie die Landesstraßen 3203 und 3236.

Persönlichkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Commons: Vollmarshausen – Sammlung von Bildern

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b c d e f Vollmarshausen, Landkreis Kassel. Historisches Ortslexikon für Hessen. (Stand: 16. März 2016). In: Landesgeschichtliches Informationssystem Hessen (LAGIS).
  2. Statistik im Internetauftritt der Gemeinde Lohfelden, abgerufen im April 2020.
  3. August Straub: Nordhessen: Landschaft, Geschichte, Kultur, Kunst, Wirtschaft, Band 1, Glock u. Lutz Nürnberg 1969, S. 176
  4. Angela Pitzschke: Lohfelden. Drei Dörfer - ein Ort. Geschichte und Geschichten, S. 83 1996
  5. Pfarrergeschichte des Kirchenkreises Kassel-Land von den Anfängen bis 1977, Ernst Werner Magdanz, S. 18, Elwert 2002
  6. Angela Pitzschke: Lohfelden. Drei Dörfer - ein Ort. Geschichte und Geschichten, S. 126 1996
  7. Festschrift der SPD Vollmarshausen zum 100 jährigen Bestehen
  8. Zusammenschluss der Gemeinden Lohfelden und Vollmarshausen im Landkreis Kassel zur Gemeinde „Lohfelden“ vom 13. November 1970. In: Der Hessische Minister des Inneren (Hrsg.): Staatsanzeiger für das Land Hessen. 1970 Nr. 48, S. 2253, Punkt 2249 (Online beim Informationssystem des Hessischen Landtags [PDF; 5,6 MB]).
  9. Statistisches Bundesamt (Hrsg.): Historisches Gemeindeverzeichnis für die Bundesrepublik Deutschland. Namens-, Grenz- und Schlüsselnummernänderungen bei Gemeinden, Kreisen und Regierungsbezirken vom 27.5.1970 bis 31.12.1982. W. Kohlhammer, Stuttgart/Mainz 1983, ISBN 3-17-003263-1, S. 400.
  10. Michael Rademacher: Deutsche Verwaltungsgeschichte von der Reichseinigung 1871 bis zur Wiedervereinigung 1990. Land Hessen. (Online-Material zur Dissertation, Osnabrück 2006).
  11. Kur-Hessischer Staats- und Adress-Kalender: 1818. Verlag d. Waisenhauses, Kassel 1818, S. 58 (online bei Google Books).
  12. Neugestaltung des Gebäudes Brunnenstraße 13/13 a. (Nicht mehr online verfügbar.) lohfelden-hessennet, archiviert vom Original am 4. März 2016; abgerufen am 1. Dezember 2016.
  13.  Info: Bitte auf Vorlage:HessBib umstellen, um auch nach 2015 erfasste Literatur zu selektieren!