Waldsiedlung (Altenstadt)

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Waldsiedlung
Gemeinde Altenstadt
Koordinaten: 50° 16′ 8″ N, 8° 57′ 50″ O
Höhe: 127 (122–140) m ü. NHN
Einwohner: 2527 (31. Dez. 2015)[1]
Postleitzahl: 63674
Vorwahl: 06047

Waldsiedlung ist mit fast 2650 Einwohnern nach dem Kernort der größte Ortsteil der Gemeinde Altenstadt im Wetteraukreis in Hessen. Die Siedlung gehört zur Gemarkung Altenstadt.[2]

Lage[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Waldsiedlung liegt in der Gemarkung Altenstadt südöstlich der Kerngemeinde. Östlich des Ortes führt die Bundesautobahn 45 vorbei, westlich die Landesstraße 3189. Am Ortsrand gibt es ein großes Gewerbegebiet direkt an der Autobahn.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Waldsiedlung ist noch ein junger Ort. Er wurde erst 1936 durch den Bau eines Fliegerhorstes begründet. Um diesen besser nutzbar zu machen, wurde in den Jahren 1937/1938 ein 3,9 km langes Anschlussgleis vom Bahnhof Altenstadt in die Waldsiedlung gelegt. Begründet durch diese günstige Verkehrsanbindung siedelten sich namhafte Firmen an, u. a. der Motorradhersteller Münch. Für Waldsiedlung wurde ein Ortsbezirk mit Ortsbeirat und Ortsvorsteher eingerichtet.

Politik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Wahl zum Ortsbeirat
6. März 2016[3]
 %
40
30
20
10
0
35,6 %
32,6 %
17,4 %
14,4 %
Sitzverteilung im Ortsbeirat Waldsiedlung 2016[3]
    
Insgesamt 9 Sitze

Ortsvorsteher der Waldsiedlung ist seit September 2019 der NPD-Funktionär Stefan Jagsch. Die einstimmige Wahl des NPD-Politikers im Ortsbeirat führte zu Irritationen und Entsetzen insbesondere bei jenen Parteien, deren Ortsbeiratsmitglieder für Jagsch gestimmt hatten.[4][5] Norbert Szielasko, Vertreter der CDU, erklärte, er habe für Jagsch gestimmt, da man im Ortsbeirat parteilos agiere und „wir keinen anderen haben – vor allem keinen Jüngeren, der sich mit Computer auskennt, der Mails verschicken kann“.[6] Seit der Ernennung werden in den deutschen Medien zahlreiche Diskussionen zum Mangel an Freiwilligen in der Kommunalpolitik geführt.[7]

Die Wahl des Ortsvorstehers war notwendig geworden, da der bisherige, erst im Juli 2016[8] angetretene Amtsinhaber Klaus Dietrich (FDP) sein Amt niedergelegt hatte.[9] Zur Begründung des Rücktritts heißt es im Protokoll: „Der Grund der Funktionsniederlegung ist die politische Wirkungslosigkeit des Gremiums Ortsbeirat, da hier keinerlei Entscheidungsbefugnis besteht, und durch viele Beispiele belegt, die Unterstützung des Gemeindevorstandes oder gar der Gemeindevertretung nicht gegeben ist. Herr Dietrich verzichtet auf eine detaillierte Darstellung der ihn bewegenden Problematik, bringt aber deutlich zum Ausdruck, dass der Ortsbeirat Waldsiedlung kein nörgelndes, ständig kritisierendes Organ der Verwaltung war und ist, sondern für den Ortsteil und seine Bürger die Stimme erhoben hat.“[10]

Ursprüngliche Verkehrsanbindung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Um den Flugplatz besser mit Baumaterial, Maschinenteilen und Treibstoff zu versorgen, wurden am 1. November 1936 Verträge zwischen der Deutschen Reichsbahn und dem Reichsfiskus Luftwaffe Luftgaukommando XII, Wiesbaden, über den Bau eines 3,9 km langen Anschlussgleises vom Bahnhof Altenstadt (Hess) zum Flugplatz geschlossen. Dazu wurde eine Teilfeldbereinigung mit anschließender Enteignung der benötigten Grundstücke durchgeführt. Als Entschädigung wurden Ersatzland bzw. bei Aufwuchs 3 bis 13 Pfennig pro Quadratmeter gezahlt. Enteignet wurden hierbei 59 Grundstückseigentümer in Altenstadt, 16 in Oberau, letzteren wurden insgesamt 1294,75 RM ausgezahlt.

Nach dem Krieg sollte das Anschlussgleis als Abstellgleis für reparaturbedürftige Güterwagen genutzt werden. Um dies zu verhindern und das Gleis für ansiedelnde Betriebe nutzbar zu erhalten, erwarb die Gemeinde 1946 die Gleise für 78.830 RM. Für den darunterliegenden Bahnkörper wurde bis zum Kauf 1962 Pacht an die Bahn gezahlt. Bedient wurde der Gleisanschluss durch die Deutsche Bundesbahn, welche bis 1949 eine Diesel-Kleinlok, bis 1965 eine Dampflok und ab 1965 wieder eine Diesel-Kleinlok vom Bahnhof Heldenbergen-Windecken aus einsetzte. Durch die unter anderem hohen Betreibergebühren der Deutsche Bundesbahn (einfache Bedienung Altenstadt – Waldsiedlung 44 DM), siedelten sich in der Waldsiedlung weniger Betriebe an als erhofft. Viele Betriebe bestellten Lastzüge oder ließen die Wagen bereits im Bahnhof Altenstadt entladen und das letzte Stück mit dem Lkw transportieren. 1966 wurde der Gleisanschluss nochmal verwendet, um Betonrohre für die Fernwasserleitung in die Waldsiedlung zu transportieren, hierbei wurden in 14 Monaten 1000 Waggons mit Baumaterial transportiert. Da die Zufahrtsstraße in die Waldsiedlung bis Anfang der 1970er Jahre in schlechtem Zustand blieb,[11] wurde der Gleisanschluss erst am 30. Juni 1983 stillgelegt, nachdem für die Schwellen und die vorhandene Brücke eine Sanierung in Höhe von 1 Million Mark nötig gewesen wären und der Güterverkehr lediglich bei noch 145 Waggons im Jahr lag (hauptsächlich Güterwagen für den Holzhandel Sundermann;[12] heute System Holz Handels GmbH). Ab dem 26. April 1984 wurde mit dem Rückbau begonnen. Als einziges Überbleibsel blieb die ehemalige Bahnbrücke über die Nidder erhalten. Auf der Trasse ist heute ein Rad- und Wanderweg angelegt.

Sonstiges[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Ort gibt es ein Dorfgemeinschaftshaus mit angrenzendem Festplatz.

Die Waldsiedlung hat eine sehr große industrielle Nutzfläche, auf der auch das Industriegebiet der angrenzenden Gemeinde Limeshain ihren Platz findet. Durch die nahe liegende Autobahnanbindung zur A 45 ist sie sehr gut für Pendler und Güterverkehr erreichbar und damit prädestiniert als Standort für Zentrallager.

Persönlichkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Mit dem Ortsteil verbunden[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Einwohner nach Ortsteilen, altenstadt.de, abgerufen im April 2016.
  2. Waldsiedlung, Wetteraukreis. Historisches Ortslexikon für Hessen. (Stand: 2. Mai 2011). In: Landesgeschichtliches Informationssystem Hessen (LAGIS).
  3. a b Gemeinde Altenstadt: Bekanntmachung des endgültigen Wahlergebnisses und der Namen der gewählten Bewerberinnen und Bewerber der Wahl zum Ortsbeirat Waldsiedlung am 06. März 2016.
  4. Ein einmaliger Vorgang: NPD-Mann wird Ortsvorsteher in der Waldsiedlung, kreis-anzeiger.de, 7. September 2019, abgerufen am 7. September 2019.
  5. Neonazi mit Stimmen von CDU, SPD und FDP zum Ortsvorsteher gewählt, spiegel.de, 7. September 2019, abgerufen am 7. September 2019.
  6. Rechtsextremist von CDU, SPD und FDP zum Ortsvorsteher gewählt, hessenschau.de, 8. September 2019, abgerufen am 8. September 2019.
  7. Wie umgehen mit NPD und Co im Gemeindeparlament? Kommunal am 11. September 2019
  8. Fühlen uns alleingelassen, kreis-anzeiger.de, 20. Juli 2016, abgerufen am 7. September 2019.
  9. NPD-Politiker mit Stimmen von CDU, SPD und FDP zum Ortsvorsteher gewählt, welt.de, 7. September 2019, abgerufen am 7. September 2019.
  10. NPD-Politiker wird zum Ortsvorsteher gewählt – von CDU, SPD und FDP, watson.de, 8. September 2019, abgerufen am 8. September 2019.
  11. Artikel Frankfurter Rundschau. 30. August 1966.
  12. Artikel Kreis-Anzeiger. 18. Januar 1967.