Weißkirchen (Oberursel)

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Weißkirchen
Früheres Gemeindewappen von Weißkirchen
Koordinaten: 50° 10′ 57″ N, 8° 35′ 50″ O
Höhe: 152 m ü. NHN
Einwohner: 4762 (31. Dez. 2016)[1]
Eingemeindung: 1. April 1972
Postleitzahl: 61440
Vorwahl: 06171
Grundschule

Weißkirchen ist einer der vier Stadtteile der Stadt Oberursel im Hochtaunuskreis in Hessen. Er liegt südöstlich der Kernstadt und grenzt an die Städte Steinbach (Taunus) und Frankfurt am Main. Der Stadtteil wird von dem in der Gemarkung Oberursel entspringenden Urselbach durchflossen, der auf Frankfurter Gebiet in die Nidda mündet.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • 1255: Als Wizenkirchen wird Weißkirchen in einer Abschrift eines Lehensverzeichnisses erstmals urkundlich erwähnt. Die Ortsgründung liegt jedoch vor diesem Zeitpunkt. Deshalb legte die Stadtverwaltung 1980 das Jubiläumsdatum auf den 24. Juni 818 fest.
  • 1622: Weißkirchen wird wie viele Orte auch vom Dreißigjährigen Krieg nicht verschont. So kommt es zur Brandschatzung des Ortes und im weiteren Verlauf mehrfach zu Plünderungen.
  • 1860: Die Homburger Bahn von Frankfurt nach Bad Homburg vor der Höhe nimmt ihren Betrieb auf, und auch Weißkirchen erhält einen kleinen Bahnhof.
  • 1972: Die bis dahin selbständige Gemeinde Weißkirchen wird am 1. April 1972 in die Stadt Oberursel eingemeindet.[2]

Religionen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Kirche St. Crutzen
  • 1310/50: Bau der ersten Kirche
  • 1827: Der Weißkirchener Pfarrer Dr. Jakob Brand wird zum ersten Bischof des neu gegründeten Bistums Limburg berufen.
  • 1955: Bildung der evangelischen Kirchengemeinde Stierstadt/Weißkirchen
  • 1992: Umbenennung der ev. Gemeinde in Versöhnungsgemeinde.

Wappen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Am 3. April 1965 wurde der Gemeinde Weißkirchen im Obertaunuskreis, Regierungsbezirk Wiesbaden, ein Wappen verliehen.

Blasonierung: „In Rot eine silberne Kirche in Vorderansicht mit schwarzer Türöffnung. Auf dem Turm ein goldenes Kreuz, über dem Schiff die Buchstaben W und K in Silber.“[3]

Kultur und Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bauwerke[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Kirche St. Crutzen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die alte katholische Johanniskirche in Weißkirchen wurde nach dem Zweiten Weltkrieg zu klein, da die katholische Bevölkerung durch die Vertriebenen stark wuchs. Daher erfolgte 1961/63 der Bau der heutigen römisch-katholischen Kirche St. Crutzen. Der Name der Kirche geht zurück auf Kirche und Kloster St. Crutzen (Heiliges Kreuz), die in Frankfurt-Kalbach am Riedberg lag.

Der Bau ist von außen ein Betonbau im Stil der 1960er Jahre mit getrenntem Glockenturm. Auffällig ist das aufgefaltete Dach mit den Glasfenstern im oberen Viertel. Auch wenn der Bau von außen unverkennbar ein Werk der Neuzeit ist, befinden sich im Inneren eine Marienstatue mit Kind im Seitenschiff (um 1750) sowie eine Statue der heiligen Barbara am Seiteneingang aus der alten Johanniskirche.[4]

Vereine[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Vereinsring Weißkirchen/Taunus ist eine Interessengemeinschaft von Vereinen und Kirchengemeinden des Oberurseler Stadtteils. Er koordiniert die Veranstaltungstermine und unterstützt die Zusammenarbeit zwischen den Mitgliedsorganisationen.

Gesangverein Germanias 1873 Weißkirchen e. V.

Der älteste der Weißkircher Vereine ist mit seiner Gründung am 31. Dezember 1873 der Gesangverein Germania 1873 Weißkirchen e. V.

Wirtschaft und Infrastruktur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weithin, besonders von Frankfurt aus sichtbar ist der als Weißkircher Wahrzeichen geltende Wasserturm auf dem Versuchsgelände der Firma Mazda, ein Industriedenkmal. In dem 42,2 m hohen Bauwerk speicherte die früher hier angesiedelten Erste Süddeutschen Ceresinfabrik Schütz 200 cbm Wasser. In Form von Dampf diente es zur Verflüssigung der Rohwachse, als Kühlwasser dann zur Verfestigung der hergestellten Kerzen.[5]

AFN-Sender[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Sender Weißkirchen am 25. April 2011, zwei Jahre vor der Abschaltung

In Weißkirchen betrieb das American Forces Network (AFN) von 1951 bis 2013 seinen leistungsstärksten Sender in Deutschland. Gesendet wurde auf Mittelwelle 873 kHz mit einer Sendeleistung von 150 kW.

Die Sendeantenne bestand aus drei gegen Erde isolierten 86 Meter hohen abgespannten Stahlgittermasten, die zwischen 1954 und 1955 errichtet wurden und in einer Reihe mit gegenseitigem Abstand von 140 Metern angeordnet waren. Tagsüber wurde Rundstrahlung angewandt und die Sendeenergie nominell über den mittleren Sendemast abgestrahlt. Nachts wurden für eine stärker gerichtete Abstrahlung alle drei Sendemasten gespeist.[6]

Am 31. Mai 2013 wurde der Sender abgeschaltet. Als Abschaltzeitpunkt war 16:00 Uhr geplant, tatsächlich endete der Betrieb schon um 15:12 Uhr.[7] Begründet wurde die Abschaltung mit zu hohen Energiekosten von rund 400.000 Euro jährlich.[8] Die Masten blieben vorerst noch stehen, sie wurden am 23. April 2015 um 13:00 Uhr durch Sprengung zu Fall gebracht und abgebaut.[9][10] Erst wenige Jahre zuvor war für einen Millionenbetrag ein neuer Sender installiert und die Antennenanlage umgebaut worden.[11]

Der Sender Weißkirchen des American Forces Network hat nichts mit dem ebenfalls abgebauten Sender Weiskirchen des Hessischen Rundfunks (HR) zu tun.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Weißkirchen (Oberursel) – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Einwohnerzahlen im Internetauftritt der Stadt Oberutsel (Taunus), abgerufen am 14. April 2018.
  2. Statistisches Bundesamt (Hrsg.): Historisches Gemeindeverzeichnis für die Bundesrepublik Deutschland. Namens-, Grenz- und Schlüsselnummernänderungen bei Gemeinden, Kreisen und Regierungsbezirken vom 27. 5. 1970 bis 31. 12. 1982. W. Kohlhammer GmbH, Stuttgart und Mainz 1983, ISBN 3-17-003263-1, S. 373.
  3. Genehmigung eines Wappens durch den Hessischen Minister des Innern vom 3. April 1965 (StAnz. S. 436) Seite 4 der PDF-Datei (2,0 MB)
  4. Kirchenführer Hochtaunus, abgerufen am 14. Januar 2016 (S. 58 PDF; 4,8 MB)
  5. Bernd Ochs: Die Firma Georg Schütz GmbH – Erste Süddeutsche Ceresinfabrik in Weißkirchen (Taunus) und ihr Zwangsarbeiterlager, Heft 50-2011 der Mitteilungen des Vereins für Geschichte und Heimatkunde Oberursel e.V. (PDF)
  6. Webseite über den AFN Sender (Memento vom 3. September 2011 im Webarchiv archive.is)
  7. AFN schaltet Mittelwellensender Weißkirchen ab. In: dxaktuell.de
  8. Ein Stück Radiogeschichte geht zu Ende. In: Taunuszeitung, 1. Juni 2013
  9. RadisEins: Abbruch der Mittelwellenantenne Weißkirchen angekündigt (Memento vom 20. April 2015 im Webarchiv archive.is)
  10. Video der Sprengung bei YouTube, abgerufen 20. November 2016
  11. radioeins.de: AFN schaltet 873 kHz ab (Memento vom 1. Juli 2013 im Webarchiv archive.is)