Wendelstein (Berg)

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Wendelstein
Der Wendelstein von Süden

Der Wendelstein von Süden

Höhe 1838 m
Lage Bayern
Gebirge Mangfallgebirge, Bayerische Voralpen
Dominanz 6,58 km → Großer Traithen
Schartenhöhe 740 m ↓ Sudelfeld
Koordinaten 47° 42′ 10″ N, 12° 0′ 44″ OKoordinaten: 47° 42′ 10″ N, 12° 0′ 44″ O
Wendelstein (Berg) (Bayern)
Wendelstein (Berg)
Gestein Wettersteinkalk
Alter des Gesteins Trias
Erstbesteigung unbekannt
Erschließung
Besonderheiten stark bebaut und erschlossen
Der Wendelstein (links) von Norden. Rechts daneben befindet sich der Breitenstein.

Der Wendelstein (links) von Norden. Rechts daneben befindet sich der Breitenstein.

Der Wendelstein von Westen gesehen
Der Wendelstein von Osten (Brannenburg) gesehen, im Vordergrund der Steinberg. Typischerweise scheint der Wendelstein vom Inntal aus betrachtet niedriger zu sein als die benachbarten Gipfel
Sendeanlage Wendelstein des BR
Blick von Bayrischzell zum Gipfel
Der Wendelstein von Süd-Osten gesehen. Im Vordergrund (mit Gipfelkreuz) die Kesselwand. Zwischen Kesselwand und Wendelstein liegt auf etwa 1600 m Höhe der Reindler-Kessel, durch den die Zahnradbahn zur Bergstation führt. Der Eindruck, Kesselwand und Wendelstein würden ein einziges Massiv bilden, täuscht.

Der Wendelstein ist ein 1838 m hoher Berg der Bayerischen Alpen. Er gehört zum Mangfallgebirge, dem östlichen Teil der Bayerischen Voralpen. Er ist der höchste Gipfel des Wendelsteinmassivs. Wegen seiner exponierten Lage bietet er eine sehr gute Aussicht ins Bayerische Alpenvorland und ist umgekehrt im weiten Umkreis zu erkennen. Er liegt zwischen den Flusstälern von Leitzach und Inn. Er ist mit der Wendelstein-Seilbahn und der Wendelstein-Zahnradbahn erschlossen. An seinen nördlichen Ausläufern entspringt der Jenbach, der auf seinem Weg zur Mangfall zur Kalten wird.

Talorte sind unter anderem Bayrischzell, Brannenburg (Zahnradbahn) und Osterhofen (Seilbahn).

Geographie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Geologie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Berg besteht hauptsächlich aus Wettersteinkalk aus der oberen Trias mit Dasycladaceen – dies sind marine Algen, deren Habitat flache Lagunen tropischen Klimas sind.[1] Die Farbe des Gesteins variiert zwischen grauweiß und hellgrau bis gefleckt.

Klima[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Jahresniederschlag liegt bei 1713 mm in der Referenzperiode 1961–90 und ist damit im deutschlandweiten Vergleich extrem hoch, da er in das obere Zwanzigstel der in Deutschland erfassten Werte fällt. An 99 % der Messstationen des Deutschen Wetterdienstes werden niedrigere Werte registriert. Im Zeitraum von 1971 bis 2000 ist der Jahresniederschlag um etwa 40 mm im Vergleich zur Normperiode gesunken.[2] Die meisten Niederschläge fallen mit 199 mm im Juli und damit ca. 2,6-mal so viel wie im trockensten Monat, dem Oktober. Die jahreszeitlichen Schwankungen sind extrem groß. An nur 3 % der Messstationen werden höhere jahreszeitliche Schwankungen registriert.


Klimadaten Wetterwarte Wendelstein
Jan Feb Mär Apr Mai Jun Jul Aug Sep Okt Nov Dez
Temperatur (°C) -4,6 -4,7 -3,0 -0,3 4,1 7,1 9,4 9,4 7,4 4,8 -0,7 -3,3 Ø 2,2
Niederschlag (mm) 130 132 136 151 146 184 199 191 117 76 119 132 Σ 1.713
Sonnenstunden (h/d) 3,2 3,8 4,2 4,4 5,2 5,2 6,1 5,7 5,4 5,3 3,5 3,1 Ø 4,6
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Erschließung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Auf dem Berggipfel des Berges befindet sich mit der Wendelstein-Kapelle, einer Sternwarte, einer Wetterwarte, einem Geopark und einer weithin sichtbaren Sendeanlage des Bayerischen Rundfunks eine reichhaltige Infrastruktur. Etwa hundert Meter unterhalb des Gipfels, auf dem Grat zwischen Wendelstein und Schwaigerwand, liegen der Berggasthof, die Endstationen von Zahnradbahn und Seilbahn, die Betriebsgebäude des Senders, das ehemalige Berghotel (über dem Bahnhof), eine Diensthütte der Bergwacht sowie das bekannte Wendelstein-Kircherl.

Die Gebäude rund um die Bergstationen sind mit dem 100 m höher gelegenen Gipfel über einen befestigten Weg verbunden, der durch zahlreiche Treppen und Serpentinen den Gipfel auch für ungeübte Wanderer ersteigbar macht. Da der Weg im Winter nicht benutzt werden kann, existiert für die Mitarbeiter von Sternwarte, Wetterdienst und Sender in der Mitte des Berges ein Aufzug, der über einen Stollen vom Bahnhof der Zahnradbahn aus erreicht werden kann.

Die 1912 von Otto von Steinbeis erbaute Zahnradbahn ist die älteste noch im Betrieb befindliche Zahnradbahn Bayerns. Seit ihrer Sanierung Anfang der 1990er Jahre verkehren auf ihr moderne Zahnradtriebwagen, durch die sich die Fahrzeit von 55 Minuten auf etwa eine halbe Stunde verkürzte.

In der Nähe der Zahnradbahn-Bergstation liegt die gut erschlossene Wendelsteinhöhle mit einigen Tropfsteinen, in der sich bis weit in den Sommer hinein Eis hält.

Die schöne Panoramasicht vom Gipfel aus und die leichte Erreichbarkeit mit den beiden Bergbahnen haben den Wendelstein trotz seiner relativ dichten Bebauung zu einem der bekanntesten und beliebtesten Berge der Bayerischen Alpen gemacht. Der Berggipfel ist auch zu Fuß unschwer erreichbar. Für den an der Talstation der Wendelsteinbahn in Bayrischzell-Osterhofen beginnenden Weg benötigt man rund drei Stunden Gehzeit bis zum Gipfel.[3]

Wendelsteinkircherl[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Am 1. Juli 1889 wurde auf einem Felsrücken hundert Meter unterhalb des Gipfels der Grundstein für das Wendelsteinkircherl gelegt. Am 20. August 1890 wurde die bis heute höchstgelegene Kirche Deutschlands geweiht. Sie ist der Patrona Bavariae gewidmet und wird vom Erzbistum München und Freising als Nebenkirche der Pfarrei Maria Himmelfahrt in Brannenburg geführt. Die Bezeichnung höchstgelegene Kirche Deutschlands trägt das Wendelstein-Kircherl unangefochten – alle höhergelegenen Gotteshäuser (wie beispielsweise die 1981 geweihte Zugspitz-Kapelle) sind im kirchenrechtlichen Sinne keine Kirchen, sondern nur Kapellen. In der Bergkirche finden im Sommer regelmäßig Messen und Trauungen statt.

Häufig wird das Wendelsteinkircherl auch als Kapelle oder Wendelstein-Kapelle bezeichnet – das ist nicht nur im kirchenrechtlichen Sinne falsch, sondern auch irreführend, denn es gibt neben dem Wendelstein-Kircherl tatsächlich auch noch eine Wendelstein-Kapelle. Diese ist dem heiligen Wendelin geweiht und steht direkt auf dem Gipfel. Diese Gipfelkapelle, ein kleiner Holzbau, ist erheblich älter als das Kircherl; von ihr wird bereits Anfang des 19. Jahrhunderts berichtet.

Bergwetterwarte und Observatorium[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Am Gipfel des Wendelsteins gibt es eine rund um die Uhr besetzte Wetterwarte des Deutschen Wetterdienstes und ein Observatorium des Instituts für Astronomie und Astrophysik der Ludwig-Maximilians-Universität München. Mit durchschnittlich über 120 klaren Nächten im Jahr ist der Standort Wendelstein in Deutschland besonders prädestiniert für solche Anlagen.

Erste Wetterbeobachtungen wurden auf dem Wendelstein in einem an der Gipfelkapelle provisorisch errichteten Observatorium von Paul Schiegg ab Juli 1804 vorgenommen, die Aufzeichnungen wurden jedoch häufig durch Gewitter, Sturm, Schnee und Regen vereitelt. 1883 wurde durch Fritz Erk von der königlich bayrischen meteorologischen Zentralstation München auf 1700 m Höhe die „Meteorologische Station Wendelsteinhaus“ errichtet, welche die erste Alpenstation im königlich bayrischen meteorologischen Stationsnetz war. Die Postbeförderung zu und von dieser Station wurde im Winter durch die Mitglieder des Alpenvereins Wendelsteinhaus und im Sommer durch Touristen durchgeführt. Im Jahre 1962 wurde die heutige Wetterwarte auf dem Gipfel erbaut, diese war rund um die Uhr mit hauptamtlichem Personal besetzt. Nach 130 Jahren der ununterbrochenen Wetterbeobachtung entschied sich der Deutsche Wetterdienst, die Station am 21. September 2012 aus Kostengründen aufzugeben. Damit endeten die Wetteraufzeichnungen am Wendelstein.[4]

Die Sternwarte wurde im Dezember 1939 von Karl-Otto Kiepenheuer als Sonnenobservatorium der Luftwaffe der Wehrmacht gegründet. Durch Beobachtung der Sonnenaktivität sollte eine möglichst genaue Vorhersage der optimalen Frequenzen für den militärischen Funkverkehr ermöglicht werden. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde das Observatorium für den gleichen Zweck von den US-Streitkräften finanziert. Seit 1949 gehört die Anlage zur Universität München. In den sechziger Jahren wurde das Observatorium um einen Koronographen erweitert; mit diesem Gerät konnte nun auch die Sonnenatmosphäre erforscht werden. Wegen der zunehmendem Luftverschmutzung und einer Verlagerung der Forschungsschwerpunkte hin zur Nachtastronomie wurde die wissenschaftliche Sonnenbeobachtung in den 80er Jahren eingestellt. Seit 1988 ist die Anlage eine reine Sternwarte; die Kuppel des Koronografen dient heute nur noch zu Anschauungszwecken. Heute wird vom Wendelstein aus mit Hilfe eines 80-cm-Spiegelteleskops und CCD-Kameras durch Auswertung von Sternbedeckungen nach extrasolaren Planeten gesucht und nach Veränderlichen Sternen in Zwerggalaxien geforscht. Am 21. Mai 2012 wurde das 80-cm-Teleskop von einem Instrument mit zwei Metern Öffnung abgelöst.[5]

Darüber hinaus existierte von 1950 bis 1960 eine Sternwarte auf dem Ostgipfel des Wendelsteins, bestehend aus einer Beobachtungskuppel und einem Wohnhaus. Dort forschte der Astronom Rudolf Kühn. Die Anlage wurde um 1965 komplett abgerissen, lediglich Überreste der Fundamente sind bis heute sichtbar. Dort, wo früher die Beobachtungskuppel stand, wurde später eine Windkraftanlage errichtet, die jedoch 2007 wieder abgebaut wurde. Neben der Sternwarte werden auch 3 Amateurfunkrelaisstationen im 2m, 70cm und 23cm Band betrieben.

Skigebiet[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die beiden Bergbahnen und zwei Schlepplifte erschließen ein kleines, aber anspruchsvolles Skigebiet am Wendelstein. Pläne, eine Verbindung zum Skigebiet Sudelfeld herzustellen, wurden verworfen. Wegen eines Rechtsstreits mit einem Almbauern ruhte der Skibetrieb am Wendelstein von 1995 bis 1997.

Trotz zahlreicher Sprengungen und anderer Baumaßnahmen in den vergangenen 40 Jahren sind die meisten Pisten am Wendelstein schroffe Steilhänge, die nur für geübte Skifahrer geeignet sind. Die gefürchtetste Abfahrt ist die Ostabfahrt, die von der Endstation des Lacherliftes zur Mitteralm führt. Auf 3,8 km Länge überwindet diese Abfahrt 500 m Höhenunterschied. Ähnlich schwierig, wenn auch nur wenige hundert Meter lang, ist die Abfahrt über den so genannten Hotelhang, die das eigentliche Skigebiet von den Endstationen der beiden Bergbahnen aus erschließt – hier muss jeder Skifahrer durch, auch wenn sein Ziel die etwas leichteren Abfahrten rund um die Wendelstein-Almen sind. An den Wendelsteinalmen beginnt auch der Lacherlift, der die Ostabfahrt erschließt. Die Abfahrt vom Hotelhang zu den Wendelsteinalmen führt am so genannten Krematorium vorbei, einer Felswand, die bei schönem Wetter der prallen Sonne ausgesetzt ist. Der Platz wurde deshalb früher von Skifahrern zum Sonnenbaden und Bräunen genutzt – eben um „Leichen zu verbrennen“, daher der makabre Name. Im weiteren Verlauf gibt es zwei Möglichkeiten: einen Steilhang und die etwas leichtere Variante über „Davos“ – „da wo’s“ leichter geht, so der Volksmund.

Sonstiges[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Wendelstein – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien
 Wikivoyage: Wendelstein – Reiseführer

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Geologische Karte von Bayern mit Erläuterungen (1:500.000). Bayerisches Geologisches Landesamt, 1998.
  2. http://www.klimadiagramme.de/Deutschland/wendelstein2.html
  3. Bergtourbeschreibung zum Wendelstein-Gipfel bei hoehenrausch.de
  4. http://www.wetteronline.de/wotexte/redaktion/topthemen/2012/10/1002_ws_Alpenwetterwarte-geschlossen.htm
  5. Universitäts-Sternwarte München: Geschichte
  6. Kyrill von Gersdorff - Helmut Schubert - Stefan Ebert Flugmotoren und Strahltriebwerke 4. Auflage 2007 - Bernard & Graefe Verlag - S.35