Werdum

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Der Titel dieses Artikels ist mehrdeutig. Zum brasilianischen MMA- und BJJ-Kämpfer siehe Fabrício Werdum.
Wappen Deutschlandkarte
Wappen der Gemeinde Werdum
Werdum
Deutschlandkarte, Position der Gemeinde Werdum hervorgehoben
Koordinaten: 53° 40′ N, 7° 43′ O
Basisdaten
Bundesland: Niedersachsen
Landkreis: Wittmund
Samtgemeinde: Esens
Höhe: 2 m ü. NHN
Fläche: 18,45 km2
Einwohner: 741 (31. Dez. 2015)[1]
Bevölkerungsdichte: 40 Einwohner je km2
Postleitzahl: 26427
Vorwahl: 04974
Kfz-Kennzeichen: WTM
Gemeindeschlüssel: 03 4 62 017
Gemeindegliederung: 3 Ortsteile
Webpräsenz: www.werdum.de
Bürgermeister: Friedhelm Hass (SPD)
Lage der Gemeinde Werdum im Landkreis Wittmund
Landkreis Aurich Langeoog Spiekeroog Landkreis Friesland Nordsee Landkreis Aurich Landkreis Friesland Landkreis Leer Wilhelmshaven Blomberg (Landkreis Wittmund) Dunum Esens Eversmeer Friedeburg Holtgast Moorweg Nenndorf (Landkreis Wittmund) Neuharlingersiel Neuschoo Ochtersum Schweindorf Stedesdorf Utarp Werdum |Westerholt WittmundKarte
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Werdum (plattdeutsch Weerm) ist eine Gemeinde und Luftkurort in der Samtgemeinde Esens im Landkreis Wittmund in Niedersachsen.

Geografie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Lage[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Werdum liegt im Harlingerland in Ostfriesland nur wenige Kilometer hinter dem Nordseedeich. Der Küstenort Neuharlingersiel liegt etwa vier Kilometer nördlich, und Esens etwa sieben Kilometer westlich von Werdum.

Gemeindegliederung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Zur Gemeinde gehören neben Werdum die Ortsteile Edenserloog und Gastriege. Weitere Orte in der Gemeinde sind Groß Husum, Klein Husum, Anderwarfen, Wallum und das kleine Warfdorf Nordwerdum. Der Ortskern Werdum ist seit dem Jahr 2000 Luftkurort. Der Außenbereich ist seit 1993 staatlich anerkannter Erholungsort.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Schon 1191 wurde östlich des Dorfes im Ortsteil Edenserloog eine Burg der Herren von Werdum errichtet, die bis heute bewohnt ist. Laut einer Überlieferung stand schon vorher eine Burg des einflussreichen Häuptlingsgeschlechtes auf der Warft der St.-Nikolai-Kirche. Urkundlich erwähnt wird die auf Warften errichtete Siedlung erstmals 1297. Damals lag Werdum am Meer und besaß einen Hafen. Man vermutet, dass am Ort des heutigen Hofes Kapkehörn das Werdumer Siel gelegen hat. Der Ort Werdumer Altendeich weist darauf hin, dass in der Nähe seiner Reihe von Höfen, vermutlich am Verlauf der heutigen Landstraße, einst ein Deich Werdum vor dem Meer schützte.

Die Burg[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Burg im Ortsteil Edenserloog

Die Burg Edenserloog wurde im Mittelalter auf einer Warft erbaut. Die Familie von Werdum, dessen bekanntestes Mitglied Ulrich von Werdum (* 1632; † 1681) war, ließ das einstige Steinhaus im Laufe der Jahrhunderte zu einer Burg mit Wehrtürmen ausbauen und umgab sie mit einem Wassergraben. Im Süden befand sich der Zugang. Später wurde die Burg als landwirtschaftlicher Betrieb genutzt, wobei Anfang des 18. Jahrhunderts der Wohnturm abgebrochen wurde. Der erhaltene Westflügel stammt noch aus dem Mittelalter.[2] Heute ist die in Privatbesitz befindliche Burg bewohnt und kann seit Sommer 2009 besichtigt werden.[3]

Aus dem Dreißigjährigen Krieg gibt es Überlieferungen, die besagen, dass die Burg von den Mansfeldern belagert war. Die Werdumer in der Burg wollte man durch Aushungern zur Übergabe dieser zwingen. Doch mit der List, ihren letzten Schinken mit einer Stange aus dem Schornstein zu zeigen, um zu suggerieren, man habe noch genügend Lebensmittel, zogen die Mansfelder ab.

Werdumer Mühle[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In der Werdumer Mühle, einem 1802 errichteten Erdholländer, richtete der Heimatverein Werdum 1976 ein kleines Heimatmuseum ein. Zu sehen sind Haushaltsgegenstände und landwirtschaftliche Arbeitsgeräte. Die direkt an der Edenserlooger Straße stehende Mühle, ein funktionstüchtiges technisches Denkmal, ist frei zu besichtigen.

St.-Nicolai-Kirche[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

St.-Nicolai-Kirche der ev.-luth. Kirchengemeinde Werdum

Ins 13. Jahrhundert zurück geht die Geschichte der auf einer Warft errichteten St.-Nicolai-Kirche. Sie ist die Kirche der ev.-luth. Kirchengemeinde Werdum, zu der auch Neuharlingersiel gehört. Namensgebend war Bischof Nikolaus von Myra, der zu dieser Zeit als Schutzpatron von Schiffern und Kaufleuten verehrt wurde. Südlich der Kirche schließt sich der Friedhof an. Erste Kirchweihe ist für das Jahr 1327 bezeugt. 1476 ist der östliche gotische Chor, der heutige Altarraum, angebaut worden. Die privat gestiftete Kanzel kam 1670 hinzu. Der Turm wurde erst 1756 bis 1763 errichtet. 1796 wurde das Altarbild gemalt und 1897 die Orgel von Johann Diepenbrock eingebaut. Zwischen 1982 und 1989, sowie 2002 wurden umfangreiche Restaurierungen vorgenommen.[4]

Politik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Gemeinderat[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Rat der Gemeinde Werdum besteht aus neun Ratsfrauen und Ratsherren. Dies ist die festgelegte Anzahl für die Mitgliedsgemeinde einer Samtgemeinde mit einer Einwohnerzahl von 501 bis zu 1000 Einwohnern.[5] Die neun Ratsfrauen und Ratsherren werden durch eine Kommunalwahl für jeweils fünf Jahre gewählt. Die aktuelle Amtszeit begann am 1. November 2016 und endet am 31. Oktober 2021.[6]

Der Gemeinderat wählte das Gemeinderatsmitglied Friedhelm Hass (SPD) zum ehrenamtlichen Bürgermeister für die aktuelle Wahlperiode.[6]

Die Kommunalwahl vom 11. September 2016 ergab folgendes Ergebnis:[7]

Partei Anteilige Stimmen Anzahl Sitze Veränderung Stimmen Veränderung Sitze
Gemeinsam für Werdum 100,00 % 9 +100,00 % +9

Bürgermeister[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nach dem Zweiten Weltkrieg hatte Werdum drei Bürgermeister. Der erste war der in Nordwerdum wohnende Wilhelm Janssen, erst von der englischen Besatzung eingesetzt und bei Wahlen bis 1972 bestätigt. Von 1972 bis 1994 wurde die Gemeinde von Bürgermeister Ferdinand Eden geführt. Im August 1994 trat Eden aus gesundheitlichen Gründen vom Amt zurück. Der Rat der Gemeinde Werdum wählte Friedhelm Hass am 19. August 1994 zum Ratsvorsitzenden, ehrenamtlichen Gemeindedirektor und Bürgermeister.

Wappen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Wappen der Gemeinde zeigt im oberen Teil des Schildes die Burg Edenserloog auf gelben Grund. Darunter befindet sich ein Mühlstein und symbolisiert die noch erhaltene und 2002 durch die Gemeinde restaurierte Kornwindmühle von 1748. Eingerahmt wird der Mühlstein von zwei Getreideähren, die auf die Bedeutung der Landwirtschaft in der Vergangenheit hinweisen. Mühlstein mit Ähren im unteren Teil sind auf blauem Grund abgebildet, wobei das Blau auf die Nähe des Meeres hinweist. Das Blau zu dem im oberen Teil gelben Untergrund verläuft wellenförmig.

Kultur und Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Werdum, Ansicht von Westen
Küstenbrauerei
Freiwillige Feuerwehr

Die Windmühle aus dem Jahre 1748 mit 1976 darin eröffnetem Heimatmuseum und die St.-Nicolai-Kirche aus dem 13. Jahrhundert sind Zeugen der Geschichte Werdums, ebenso wie die in Privatbesitz befindliche Burg im Ortsteil Edenserloog aus dem Mittelalter mit älterem Gewölbe. Werdum besitzt in zentraler Ortslage einen Haustierpark, in dem seit 1998 hauptsächlich vom Aussterben bedrohte Haustierrassen gezeigt werden. Des Weiteren gibt es eine kostenfrei zugängliche Kneipphalle, eine Brauerei mit Bierstube sowie weitere Freizeitanlagen wie Tennisplatz, Fitnesscenter, eine Minigolfanlage und einige Spielplätze. Außerdem verfügt Werdum über eine Freiwillige Feuerwehr.

Sport[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der SV Werdum ist der größte Sportverein im Ort. Er zählt nahezu so viele Mitglieder wie Werdum Einwohner hat. Als Sportarten werden Fußball, Tischtennis, Fitness, Jiu Jitsu, Turnen, Kegeln und vieles mehr angeboten.

Wirtschaft und Infrastruktur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Wirtschaft[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der ländliche Ort Werdum lebt von etwas Landwirtschaft und in hohem Maße vom Tourismus. Es gibt ganze Ferienhaus-Siedlungen mit entsprechender Infrastruktur wie beispielsweise einer Touristeninformation, Kuranlagen, Geschäften und Lokalitäten. Als Luftkurort erhebt Werdum eine Kurtaxe, für die man eine Kurkarte erhält, die auch an mehreren anderen Orten an der Nordseeküste gilt.

Verkehr[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Werdum ist über die Kreisstraße 14 östlich von Esens zu erreichen.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Werdum – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Landesbetrieb für Statistik und Kommunikationstechnologie Niedersachsen, 100 Bevölkerungsfortschreibung – Basis Zensus 2011, Stand 31. Dezember 2015 (Hilfe dazu).
  2. Gedenktafel am Objekt
  3. Magazin "Moin Moin", Ausgabe Juni-Juli 2009
  4. Kirchenkreis Harlingerland: St.-Nicolai-Kirche, abgerufen am 6. Januar 2016.
  5. Niedersächsisches Kommunalverfassungsgesetz (NKomVG) in der Fassung vom 17. Dezember 2010; § 46 – Zahl der Abgeordneten, abgerufen am 29. Dezember 2016
  6. a b Gemeinde Werdum: Gemeinderat, abgerufen am 29. Dezember 2016
  7. Gemeinde Werdum – Gesamtergebnis Gemeinderatswahl 2016, abgerufen am 29. Dezember 2016