Wetzikon-Meilen-Bahn

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Kempten Ochsen–Meilen Schiffsstation
Wagen der Wetzikon-Meilen-Bahn in Kempten
Wagen der Wetzikon-Meilen-Bahn in Kempten
Strecke der Wetzikon-Meilen-Bahn
Lagekarte der WMB. Kartenhintergrund von 2019
Streckenlänge:22,5 km
Spurweite:1000 mm (Meterspur)
Stromsystem:750 Volt =
Maximale Neigung: 65 
Minimaler Radius:25 m
   
−2.4 Kempten Ochsen 566 m ü. M.
   
Kempten SBB
   
Oberwetzikon
   
0.0 Wetzikon SBB 532 m ü. M.
   
2.1 Grüt 547 m ü. M.
   
2.4 Prampel 531 m ü. M.
   
4.0 Gossau 500 m ü. M.
   
5.2 Ottikon (Gossau ZH) 504 m ü. M.
   
5.6 Unterottikon 494 m ü. M.
   
Grüningen Itzikon
   
Grüningen Städtli
   
8.3 Grüningen 465 m ü. M.
   
Grüningen Binzikon
   
Grüningen Holzhausen
   
11.1 Oetwil am See Willikon 558 m ü. M.
   
Uster-Oetwil-Bahn von Uster
   
11.6 Langholz 581 m ü. M.
   
12.3 Stäfa Mühlehölzli 602 m ü. M.
   
15.1 Männedorf Auf Dorf 491 m ü. M.
   
Männedorf Allmend
   
Männedorf Büelen
   
Uetikon Kleindorf
   
16.9 Uetikon Grossdorf 458 m ü. M.
   
Dollikon
   
18.7 Obermeilen 414 m ü. M.
   
19.6 Meilen SBB 420 m ü. M.
   
20.1 Meilen Schiffsstation 411 m ü. M.
Wetzikon am 1. Oktober 1903 anlässlich der Einweihung der Bahn

Die Wetzikon-Meilen-Bahn (WMB), im Volksmund auch Bünzlitrucke genannt,[1] war eine Schweizerische Überlandstrassenbahn, die im Zürcher Oberland von 1903 bis 1950 verkehrte. Die Bahngesellschaft trug den gleichen Namen.

Entstehungsgeschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Aktie über 500 Franken der Elektrischen Strassenbahn Wetzikon-Meilen AG vom 19. April 1904

Bereits 1872 wurde ein erstes Projekt für eine Eisenbahnverbindung an den Zürichsee entworfen. Erst 1889 bildete sich ein Komitee für eine schmalspurige Strassenbahn WetzikonStäfa, das am 29. Juni 1893 die Konzession erhielt. Daneben bestanden Projekte und Konzessionen für eine Uerikon-Bauma-Bahn, eine UsterEgg-Bahn sowie für eine Linie Effretikon–Uster–Stäfa.

Eine Kommission der Kantonsregierung Zürich schlug eine Fusion der Projekte und die Realisierung einer normalspurigen Bahn von Effretikon über Uster–GossauGrüningen nach Hombrechtikon vor. Wetzikon, das befürchtete, westwärts durch diese Bahn und ostwärts durch die Uerikon-Bauma-Bahn umfahren zu werden, wehrte sich und schlug die Erstellung einer schmalspurigen Bahn von Wetzikon nach Meilen vor. Am 24. April 1900 erfolgte die Gründung der Bahngesellschaft und als die Finanzierung gesichert war, begannen im Sommer 1902 die Bauarbeiten der Strecke, die am 1. Oktober 1903 festlich eröffnet wurde.

Bahnstrecke und Betrieb[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ein Zug der WMB vor dem Gasthof Zum Bären in Grüningen

Die Gesamtstrecke der WMB, mit Gleichstrom 750 Volt elektrifiziert war und umgangssprachlich Wurst-Mit-Brot-Bahn genannt wurde, betrug 22,5 Kilometer und führte von Kempten über Wetzikon SBB–Gossau–Grüningen–Oetwil–Langholz–Männedorf Auf Dorf–Uetikon Grossdorf–Meilen SBB bis zur Schifflände in Meilen. In Wetzikon und Meilen fand die Bahn Anschluss an die Bahnstrecken der Schweizerischen Bundesbahnen und im Langholz an die Uster-Oetwil-Bahn. Die Frequenzen und der Güterverkehr entwickelten sich sehr gut und schon kurze Zeit nach Eröffnung mussten ein weiterer zweiachsiger Motorwagen sowie zwei Güterwagen angeschafft werden. Damit hatte die Bahn einen Fahrzeugbestand von drei vierachsigen und fünf zweiachsigen Personentriebwagen, zwei zweiachsigen Gütermotorwagen, drei Personenwagen, neun Güterwagen und drei Dienstwagen. Den Rekord bildete das Jahr 1920 mit 532'345 Reisenden und 11'014 Tonnen Güter.

23 Jahre nach Betriebsaufnahme wurden durch einen Vertrag die Streitereien über die gemeinsame Benützung der Station Langholz beigelegt.

Streckenverkürzungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Anfangs 1931 verlangte die Baudirektion des Kantons Zürich den Abbruch des kurzen Stückes von Meilen SBB hinunter an die Schiffsstation, und nach reiflicher Überlegung stimmte der Verwaltungsrat dieser Streckenkürzung zu. Ab 3. Oktober 1931 verkehrte die WMB nur noch bis zum Bahnhof Meilen, und die Geleise zur Schiffsstation wurden abgebrochen.

Auf der anderen Seite der Strecke verlangte auch die Gemeinde Wetzikon einen Abbruch der Strassenbahn nach Kempten, da sie einer Strassenerweiterung im Wege stand. Experten aber lehnten einen Auto- oder Trolleybus-Betrieb auf diesem Teilstück ab.

Als ab 1935 die Strassen entlang der Bahn asphaltiert wurden, erhoffte man wegen des geringeren Staubes mehr Fahrgäste. Das erwies sich als Trugschluss, weil mehr Leute ihre Fahrräder benutzten. So wurde anlässlich der Generalversammlung vom 14. Mai 1938 erneut über eine Umstellung auf Autobusbetrieb diskutiert. Dem Antrag des Verwaltungsrates auf Einführung eines Autobusbetriebes zwischen Kempten und Wetzikon SBB wurde stattgegeben. Am 15. Mai 1939 wurde der Autobusbetrieb zwischen Kempten und Wetzikon aufgenommen und die Bahnlinie abgebrochen.

Untergang[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ehemaliger Bahnhof Ottikon im Herbst 2009

Trotz der hohen Frequenzen während des Zweiten Weltkrieges zeichnete sich das Ende der Bahn ab, wurde doch am Unterhalt gespart und nur noch das Allernötigste repariert. Auch die engen Strassenverhältnisse in den Dörfern, besonders in Grüningen, und die vielen Unfälle mit Autos zeigten einen dringenden Handlungsbedarf.

Da sich die Wetzikon-Meilen-Bahn, wie auch die Uster-Oetwil-Bahn und die Uerikon-Bauma-Bahn technisch veraltet waren, schlug eine Kommission vor, diese Bahnen durch einen Autobusbetrieb zu ersetzen. Sofort bildete sich ein Aktionskomitee für die Erhaltung der Bahnen im Zürcher Oberland. Am 18. März 1946 genehmigte der Kantonsrat aber seinen Beitrag für die Reorganisation der drei Bahnen im Zürcher Oberland, Aufhebung der Bahnen und Einrichtung von Autobuslinien und nach einem heftig geführten Abstimmungskampf stimmte das Zürcher Volk am 26. Mai 1946 mit einem Verhältnis von 3:2 dieser Reorganisation zu. Noch im gleichen Jahr wurde das Unternehmen Verkehrsbetriebe Zürcher Oberland (VZO) gegründet. Am 13. Mai 1950 schlug für die Wetzikon-Meilen-Bahn die letzte Stunde, sie wurde stillgelegt, abgebrochen und durch die Busse der Verkehrsbetriebe Zürcher Oberland ersetzt.

Altes Trassee mit Viadukt am Panoramaweg oberhalb Männedorf/Stäfa

Fahrzeuge[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Triebwagen
  • CFe 4/4 1 (1903) SIG / MFO, abgebrochen
  • CFe 4/4 2 (1903) SIG / MFO, an Iserlohner Kreisbahn verkauft, später abgebrochen, heute auf dem Areal der Verkehrsbetriebe Zürichsee und Oberland in Grüningen (baugleicher, als CFe 4/4 2 bezeichneter Motorwagen der Trogenerbahn)
  • CFe 4/4 3 (1903) SIG / MFO, an Iserlohner Kreisbahn verkauft, später abgebrochen
  • Ce 2/2 11 (1903) SIG / MFO, 1950 an Dürener Eisenbahn (DEAG)verkauft, später abgebrochen
  • Ce 2/2 12 (1903) SIG / MFO, 1950 abgebrochen
  • Ce 2/2 13 (1903) SIG / MFO, 1950 abgebrochen
  • Ce 2/2 14 (1903) SIG / MFO, 1950 an Dürener Eisenbahn verkauft, später abgebrochen
  • Ce 2/2 15 (1909) SWS / MFO, 1950 abgebrochen
  • Fe 2/2 31 (1903) SIG / MFO, 1950 abgebrochen
  • Fe 2/2 32 (1903) SIG / MFO, 1950 abgebrochen
Personenwagen
  • C 21 (1903) SIG, 1950 abgebrochen
  • C 22 (1903) SIG, 1950 abgebrochen
  • C 23 (1903) SIG, 1950 abgebrochen
Güterwagen
  • K 41 (1903) SIG, 1950 abgebrochen
  • K 42 (1903) SIG, 1950 abgebrochen
  • K 43 (1903) SIG, 1950 abgebrochen
  • K 44 (1908) SWS, 1950 an Forchbahn (FB) verkauft, dort K 25
  • K 45 (1920) SIG[2][3], 1950 an Sernftalbahn (SeTB) verkauft, dort K 36
  • L 51 (1903) SIG, 1950 an Trogenerbahn (TB) verkauft, dort L 53
  • L 52 (1903) SIG, 1950 an Langenthal-Melchnau-Bahn (LMB) verkauft, dort L 45
  • L 53 (1903) SIG, 1950 an Langenthal-Jura-Bahn (LJB) verkauft, dort L 43
  • L 54 (1908) SWS, 1950 an Forchbahn (FB) verkauft, dort L 34"
  • S 61 (1903) SIG, 1950 abgebrochen
  • S 62 (1903) SIG, 1950 abgebrochen

Des Weiteren war ein Fahrleitungs-Montagewagen X 71 vorhanden, der ebenfalls 1950 abgebrochen wurde.

Überreste[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Heute kann man nur noch an wenigen Orten Reste der Streckenführung erkennen, vor allem an Orten, wo die Bahn nicht direkt auf einer Strasse verlief:

  • Serpentinen bei «Uf Dorf» in Männedorf,
  • Bahnviadukt am Panoramaweg oberhalb von Männedorf,
  • Bahndamm zwischen Holzhusen und Grüningen.

In Uetikon gibt es nach wie vor eine «Tramstrasse».

In Grüningen ist seit 1992 der historische Motorwagen CFe 4/4 2 aufgestellt, der aus einem baugleichen Trogenerbahn-Motorwagen (Nr. 23, ex 1), der Serie CFe 4/4 1–5 in den Jahren 1986 und 1987 durch den Verein Tram-Museum Zürich (TMZ) äusserlich hergerichtet wurde.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Werner Neuhaus: Aus den Annalen der Wetzikon-Meilen-Bahn, Th. Gut + Co. Verlag, Stäfa 1978
  • Felix Sutter, Sandro Sigrist: Elektrische Strassenbahn Wetzikon-Meilen, Prellbock Druck & Verlag, Leissigen 1997, ISBN 3-907579-03-8

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Commons: Wetzikon–Meilen-Bahn – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Tramgeschichte. Stadtverwaltung Wetzikon, abgerufen am 13. Oktober 2019.
  2. Buch von Hans Waldburger Das war die Sernftalbahn, Seite 136
  3. www.pospichal.net, Sernftalbahn, Güter- und Dienstwagen