Uerikon-Bauma-Bahn

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Uerikon-Bauma-Bahn
Strecke der Uerikon-Bauma-Bahn
Streckenlänge: ca. 25.2 km
Spurweite: 1435 mm (Normalspur)
Maximale Neigung: 29 
Minimaler Radius: 200 m
Uerikon–Bauma
Strecke – geradeaus
SBB-Rechtsufrige Zürichseebahn von Zürich
Bahnhof, Station
0.00 Uerikon SBB 426 m ü. M.
   
SBB-Rechtsufrige Zürichseebahn nach Rapperswil
   
3.2 Hombrechtikon 498 m ü. M.
   
Beginn Industrieanschlussgleis
   
5.17 Wolfhausen 510 m ü. M.
   
8.00 Ritterhaus-Bad Kämmoos 505 m ü. M.
   
Unterbrochen seit Februar 2014[1]
Abzweig – in Gegenrichtung: nach links
SBB-Glatthalbahn von Rapperswil
Bahnhof, Station
8.7 Bubikon SBB 509 m ü. M.
   
SBB-Glatthalbahn nach Zürich
   
10.4 Dürnten 515 m ü. M.
   
SBB-Bahnstrecke Effretikon–Hinwil von Wetzikon
Bahnhof, Station
13.9 Hinwil SBB 565 m ü. M.
Bahnhof, Station
17,5 Ettenhausen-Emmetschloo 648 m ü. M.
Brücke (groß)
Aabachtobelbrücke (64 m)
   
Eigentumsgrenze SBB / DVZO
Bahnhof, Station
19,6 Bäretswil 696 m ü. M.
Bahnhof, Station
22,4 Neuthal 696 m ü. M.
Brücke (groß)
Weissenbachbrücke (79 m)
Abzweig – in Gegenrichtung: nach links
Tösstalbahn von Rüti
Bahnhof, Station
25,2 Bauma 639 m ü. M.
Strecke – geradeaus
Tösstalbahn nach Winterthur

Die Uerikon-Bauma-Bahn, abgekürzt UeBB, war eine schweizerische Eisenbahngesellschaft, welche die Bahnstrecke BaumaUerikon betrieb. Die ursprünglich als Teil einer Nord–Süd-Verbindung vom Bodensee zur Gotthardbahn geplante Verbindung hatte am Ende nur die Funktion einer Lokalbahn und war von 1901 bis 1948 auf der ganzen Länge in Betrieb.

Geschichte[Bearbeiten]

Vorgeschichte[Bearbeiten]

Der Initiator der Uerikon–Bauma-Bahn war der Spinnereibesitzer Adolf Guyer-Zeller aus Neuthal bei Bäretswil, der mit dieser Bahn den Anschluss der Zürcher Oberländer Gemeinden und seiner Spinnerei in Neuthal an die Gotthardlinie und die Arlbergbahn schaffen wollte. Der tatsächlich ausgeführten Strecke gingen mehrere Ideen und Konzessionsversuche für andere Lösungen voraus. Guyer-Zeller war Verfechter einer Transversale BodenseeZürichsee mit Anschluss an die Gotthardbahn. Sie sollte von Eschlikon über Turbenthal–Bauma–Hinwil an den Zürichsee führen, der entweder mit einer Fähre oder mit dem Seedamm von Rapperswil überquert wird, so dass die Reise am linken Zürichsee-Ufer in Richtung Gotthard fortgesetzt werden kann.

Tösstalbahn[Bearbeiten]

Zuerst unterstützte Guyer-Zeller das 1865 gegründete Tössthalbahn-Comité – eine Kommission zur Planung einer Bahnstrecke durch das Tösstal. Nachdem Guyer-Zeller bemerkte, dass die Planung nur eine Stichbahn von Winterthur bis Bauma ohne Weiterführung nach Süden plante, trat er 1870 aus der Kommission aus.[2]

Töss–Allmann-Bahn[Bearbeiten]

Adolf Guyer-Zellers Eisenbahnprojekte vom Mai 1871

Nachdem die Tösstalbahn kein Interesse an einer durchgehenden Strecke hatte gründete Guyer-Zeller im Mai 1871 eine eigene Kommission, das Töss-Allmannbahn-Comité.

Die Töss–Allmann-Bahn sollte von Winterthur über SeenTurbenthal–Bauma–BäretswilEmmetschlooHinwilHadlikonEdikon nach Bubikon führen, wo sie an die von den Vereinigten Schweizerbahnen (VSB) betriebene Strecke Wallisellen–Chur angeschlossen hätte, die später die Verbindung zur Arlbergbahn herstellte. Eine Stichbahn sollte von Edikon aus Wald erreichen. Zur Ergänzung der Töss–Allmann-Bahn schlug Guyer weitere Strecken vor. Richtung Süden sollte die Strecke Bubikon–Stäfa und eine Fährverbindung an die in Planung befindliche Wädenswil-Einsiedeln-Bahn anschliessen. Diese Verbindung hätte zwischen Schwyz und Brunnen die Gotthardbahn erreicht.[3] Richtung Norden sollte die Strecke Turbenthal–EschlikonWeinfelden gebaut werden, so dass über die Schweizerische Nordostbahnstrecke (NOB) Romanshorn am Bodensee erreicht worden wäre, womit die Strecke die kürzeste Verbindung zwischen Bodensee und Gotthard gewesen wäre.[4]

Nachdem der Bau der Tösstalbahn gesichert war beantragte das Komitee für eine Töss–Allmann-Bahn nur die Konzessionen für die fehlenden Teilstück Bauma–Bäretswil–Hinwil–Bubikon mit der Abzweigung von Edikon nach Wald[5], sowie Turbenthal–Eschlikon bis zur Kantonsgrenze zwischen Zürich und Thurgau bei Seelmatten.[6] Die konzessionen wurden am 22. Juli 1871 erteilt, verfielen aber ungenutzt.

Nordostbahn[Bearbeiten]

Nach dem die Töss-Allmannbahn scheiterte, versuchte Guyer-Zeller 1885 in der Funktion eines Revisors der Schweizerischen Nordostbahn seine Bahn dazu zu bewegen, die Strecke Hinwil–Bäretswil–Bauma zu bauen. Diese lehnte das Begehren ab und setzte stattdessen die finanziellen Mittel für die Übernahme der konkursiten Effretikon–Wetzikon–Hinwil-Bahn ein, welche zuvor durch Guyer-Zeller verhindert wurde. Ihm wurde vorgeworfen, seine Funktion als Revisor in der NOB für seine eigene Interessen missbraucht zu haben mit dem Ziel, einen Bahnanschluss für die Spinnerei in Neuthal zu schaffen.[4]

Schmalspurbahnen[Bearbeiten]

Im Jahre 1890 schlug der Seidenfabrikant Ferdinand Hotz eine Schmalspurbahn Wetzikon–Bäretswil–Bauma vor, der 1891 eine Konzession erteilt wurde. Sie verhinderte vorläufig dass Guyer-Zeller eine Konzession für die Strecke Hinwil–Bäretswil–Bauma erhielt.[7] Weiter wurde im Juni 1893 einer Strassenbahn Wetzikon–Stäfa eine Konzession erteilt.[8]

Ausgeführte Variante[Bearbeiten]

Adolf Guyer-Zellers Eisenbahnprojekte von 1895

Am 4. Februar 1895 wurde das Gesuch um eine Konzession für eine normalspurige Bahnstrecke Uerikon–Hinwil–Bauma eingereicht, womit eine Verbindung der Tösstalbahn mit der Bahnstrecke Effretikon–Hinwil, der Glattthalbahn und der rechtsufrigen Zürichseebahn erreicht werden sollte. Über die rechtsufrige Zürichseebahn würden die Reisenden Meilen erreichen und könnten dann mit einer Fähre über den Zürichsee nach Horgen gelangen und mit einer Drahtseilbahn die Station Horgen Oberdorf an der Bahnstrecke Thalwil–Arth-Goldau erreichen.[9] Auch diese Strecke hätte durch einen Ast von Turbenthal an der Tösstalbahn nach Eschlikon ergänzt werden sollen und mit einer Zubringerstrecke Uster–Gossau–Grüningen–Hombrechtikon ergänzt werden.[10]

Bau[Bearbeiten]

Am 4. August 1898 wurde die Eisenbahngesellschaft Uerikon–Bauma mit zwei Millionen Schweizer Franken Aktienkapital gegründet. Für den Bahnbau musste eine weitere Million über Anleihen aufgebracht werden. Bevor der Bahnbau am 5. Juni 1899 begann verstarb am 3. April Adolph Guyer-Zeller an einem Herzleiden. Am Donnerstag, 30. Mai 1901 erfolgte die feierliche Einweihung der UeBB, im Volksmund Überbeibahn genannt.[2]

Betrieb[Bearbeiten]

Bahnhof Hinwil 1902 mit Zügen der NOB und UeBB
Dampftriebwagen CZm 1/2

Die 25.3 km lange Linie führte von Uerikon am Zürichsee hinauf nach Hombrechtikon, Wolfhausen, Bubikon, Dürnten, Hinwil, Ettenhausen-Emmetschlo, Bäretswil und Neuthal nach Bauma an der Tösstalbahn. Täglich verkehrten nur fünf Züge in jeder Richtung und deren Betrieb wurde durch die Tösstalbahn geführt. Mit der Eröffnung wurden zwei Dampflokomotiven, vier Personen-, zwei Gepäck- sowie 19 Güterwagen in Betrieb genommen. Doch schon in den ersten Betriebsjahren entsprachen die Einnahmen nicht den Erwartungen, weil der Schienenstrang der UeBB nicht dem Hauptverkehrsfluss im Zürcher Oberland folgte, ausserdem unterbrachen häufig Erdrutsche den Betrieb. Bereits 1903 stellte ein Ingenieur der Maschinenfabrik Oerlikon Überlegungen an, ob der Betrieb mit Akkumulatorlokomotive nicht kostengünstiger gestaltet werden könnte.[11] Aus Spargründen führte die Bahn ab 1. Januar 1905 den Betrieb selber. 1907 wurde von den Schweizerischen Bundesbahnen (SBB) ein von der NOB als Einzelgänger beschaffter Dampftriebwagen übernommen und als CZm 1/2 31 eingestellt. Bis 1948 gab es immer wieder grosse Defizite, so dass das Ende der UeBB nahte.

Einstellung[Bearbeiten]

In einer Volksabstimmung im Kanton Zürich wurde 1946 der Reorganisation der drei Bahnen Uerikon–Bauma-Bahn, der Uster-Oetwil-Bahn und der Wetzikon-Meilen-Bahn zugestimmt und die ausgefallenen Verkehrsverbindungen sollten durch Autobusse der Verkehrsbetriebe Zürcher Oberland (VZO) ersetzt werden. Der Abschnitt Hinwil–Bäretswil–Bauma wurde als letzte Privatbahn verstaatlicht und ging nach deren Elektrifizierung, bezahlt durch die UeBB, an die SBB über. Am 9. Oktober 1947 erfolgte die Eröffnung der umgebauten Linie und die Personenzüge der SBB verkehrten bis 1969. Dann mussten auch sie dem Busbetrieb weichen. Die UeBB hielt ihren Betrieb noch bis zum 2. Oktober 1948 aufrecht, da sich die Ablieferung der Autobusse verzögerte. Bald darauf wurden die Schienen auf der Strecke Uerikon–Hombrechtikon und Hinwil–Dürnten abgebrochen. Das Wagenmaterial wurde an verschiedene Eisenbahngesellschaften verkauft.

Überreste[Bearbeiten]

Die Ed 3/4 „Hinwil“ auf der Weissenbachbrücke in Neuthal
Das Industriegleis Wolfhausen–Bubikon

Heute steht von der einst hoffnungsvoll eröffneten Eisenbahnlinie ausser dem oberen Streckenabschnitt Hinwil–Bauma nur noch das Industriegleis Wolfhausen–Bubikon. Vom Abschnitt Uerikon–Hombrechtikon–Wolfhausen lassen sich an einigen Orten Überreste der alten Strecke ausmachen: ein Bahndamm um den Brunegg-Hügel zwischen Uerikon und Hombrechtikon, weitere Bahndämme durch ein Moor oberhalb von Uerikon und in Dürnten Richtung Edikon. In Hombrechtikon und Dürnten stehen noch die Bahnhofsgebäude ohne Gleise.

Seit 1978 befährt die Museumsbahn Dampfbahn-Verein Zürcher Oberland (DVZO) an den Wochenenden in den Sommermonaten diese Strecke von Hinwil nach Bauma.

Der DVZO ist inzwischen ein konzessioniertes Bahnunternehmen geworden und Besitzer der ganzen Infrastruktur von ausserhalb des Bahnhofes Bauma bis und mit Station Bäretswil. In Neuthal besteht eine Dienststelle des DVZO in Form des Schrankenpostens 98a. Dies ist heute der letzte Schrankenposten mit handbedienter Schranke in der Schweiz. An der Hauptstrasse Bauma–Bäretswil im Bussenthal funktioniert heute eine per Funk angesteuerte elektrische Schrankenanlage.

Im Winter wurden bis in die 1990er Jahre oberhalb der Station Bäretswil die nicht benötigten Flachwagen des Circus Knie abgestellt, der in Rapperswil sein Winterquartier hat.

Auf Wunsch finden im Winterhalbjahr Sonderfahrten auf der Strecke Hinwil–Bauma statt.

Literatur/Quellen[Bearbeiten]

  • Werner Neuhaus: Aus den Annalen der Uerikon–Bauma-Bahn. Th.Gut + Co. Verlag, Stäfa 1974
  • Walter Aeschimann/Hugo Wenger: Uerikon-Bauma-Bahn, Rückblick und Ausblick. 192 Seiten; Eigenverlag DVZO, 1984

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Der Anschluss ist weg! In: Buebiker News. 19. Februar 2014, abgerufen am 11. Januar 2016.
  2. a b  Wolfgang Wahl: Adolf Guyer-Zeller und die Töss-Allmannbahn. In: IG Tösstallinie (Hrsg.): Zugnummer 34. 20. Jahrgang, Nr. 34, 2013, S. 7–10 (PDF).
  3. Goldau wird Eisenbahnknotenpunkt. In: Homepage für Arth, Oberarth und Goldau:. Abgerufen am 18. Januar 2016.
  4. a b  Doris Müller-Füglistaler: Adolf Guyer-Zeller (1839-1899). In: Antiquarischen Gesellschaft in Zürich (Hrsg.): Mitteilungen der Antiquarischen Gesellschaft in Zürich. Band 59, Hans Rohr, Zürich 1992, ISSN 0304-4327, S. 144–150 (Digitalisat).
  5.  Schweizer Regierung (Hrsg.): Beschlussentwurf V. In: Bundesblatt. Band 2, Nr. 29, 1871, S. 1090–1092 (PDF).
  6.  Schweizer Regierung (Hrsg.): Beschlussentwurf V. In: Bundesblatt. Band 2, Nr. 29, 1871, S. 1092–1094 (PDF).
  7.  Schweizer Regierung (Hrsg.): Botschaft des Bundesrates an die Bundesversammlung, betreffend Erneuerung der Konzession für eine schmalspurige Eisenbahn von Wetzikon über Bäretswil nach Bauma und Nichteintreten auf ein Konzessionsgesuch für eine Normalspurbahn von Bauma über Bäretswil nach Hinwil. In: Bundesblatt. Band 2, Nr. 16, 1894, S. 306–311 (PDF).
  8.  Schweizer Regierung (Hrsg.): Botschaft des Bundesrates an die Bundesversammlung betreffend Konzession einer schmalspurigen Straßenbahn von Wetzikon nach Stäfa. In: Bundesblatt. Band 3, Nr. 26, 1893, S. 472–482 (PDF).
  9.  Schweizer Regierung (Hrsg.): Botschaft des Bundesrates an die Bundesversammlung, betreffend Konzession einer Eisenbahn von Ürikon über Hinweil nach Bauma. In: Bundesblatt. Band 3, Nr. 26, 1895, S. 307–391 (PDF).
  10.  Max Bührer, Kurt Schmid, Jakob Zollinger: Mit Karren, Kutsche, Bahn und Bus. In: Gemeinde Bubikon (Hrsg.): Bubikon – Wolfhausen Zwei Dörfer – eine Gemeinde. 2, Wetzikon 1983, ISBN 3-85981-118-5, Die Uerikon-Bauma-Bahn, S. 284–289.
  11.  H. Spyri: Der Betrieb von Nebenlinien schweizerischer Normalbahnen mit Akkumulatorenlokomotiven. In: Schweizerische Bauzeitung. 41/42, 1903, S. 124–127, doi:10.5169/seals-24040.

47.3329769444448.8423419444444Koordinaten: 47° 19′ 59″ N, 8° 50′ 32″ O; CH1903: 706094 / 243406