Wieda

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Dieser Artikel behandelt den Ort Wieda, für den gleichnamigen Fluss siehe Wieda (Fluss).

Koordinaten: 51° 37′ 57″ N, 10° 35′ 9″ O

Wieda
Gemeinde Walkenried
Ortswappen von Wieda
Höhe: 375 m
Fläche: 6,53 km²
Einwohner: 1295 (31. Dez. 2015)
Bevölkerungsdichte: 198 Einwohner/km²
Eingemeindung: 1. November 2016
Postleitzahl: 37447
Vorwahl: 05586
Wieda (Niedersachsen)
Wieda

Lage von Wieda in Niedersachsen

Blick auf den Nordosten von Wieda vom Aussichtspunkt Alte Wache

Blick auf den Nordosten von Wieda vom Aussichtspunkt Alte Wache

Wieda ist ein Ortsteil der Gemeinde Walkenried im Harz im Landkreis Göttingen im deutschen Bundesland Niedersachsen.

Geographie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Lage[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Wieda liegt im Südharz nördlich von Bad Sachsa im Naturpark Harz. Das Straßendorf erstreckt sich in Nord-Süd-Richtung auf beinahe 7 km Länge im von Wald gesäumten Tal des Flusses Wieda auf etwa 320 bis 460 m ü. NN. Nordwestlich von Wieda erhebt sich der höchste Berg des Südharzes, der Stöberhai (ca. 720 m), nördlich der erste Jagdkopf (602,1 m), östlich der zweite Jagdkopf (603,1 m) und südwestlich der Ravensberg (ca. 659 m).

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Zusammenhang mit dem 1127 gegründeten Kloster Walkenried wurde Wieda erstmals als Schmelzhütte dieses Klosters genannt. Einen Ort Wieda gab es bis ins 16. Jahrhundert jedoch nicht. Erst durch die Bergfreiheit der Grafen von Hohnstein (1521) war die Möglichkeit für die Ansiedlung geschaffen. Nach der Niederschlagung des Bauernaufstandes von 1525 zogen aufrührerische Bauern aus dem Thüringischen in den Harz, wo ihnen die Bergfreiheiten persönliche Sicherheit garantierten. Größeren Aufschwung nahm der Ort, nachdem 1569 die Zinnobergrube Sonnenglanz reichliche Ausbeute an Quecksilber gab. Für das Jahr 1562 ist erstmals eine Eisenschmelzhütte in Wieda bezeugt, deren Bedeutung eng mit der Gewinnung des Eisenerzes aus dem Kirchberggang im Kastental zusammenhängt. Zu Beginn des 17. Jahrhunderts wurde der seinerzeit höchste Hochofen im braunschweig-blankenburgischen Harz mit einer Höhe von 6,84 m errichtet.[1] 1610 wurde in Wieda die erste Kirche gebaut, 1662 kam der erste Pastor hierher, nachdem ein Schulmeister seit 1640 tätig war. Der Dreißigjährige Krieg machte dem gesamten Bergwerkswesen in Wieda ein Ende und das Dorf verarmte.

Im 19. Jahrhundert wanderten viele Wiedaer nach Amerika aus, da seit dem Beginn des Jahrhunderts ein Rückgang der Eisenindustrie sowie ein allgemeiner wirtschaftlicher Niedergang einsetzte. Dies führte auch dazu, dass man den zwischenzeitlich erneuerten Hochofen 1863 abbrach. Unter Führung eines Herrn Preen half sich die Arbeiterschaft schließlich selbst und betrieb eine Hütte als Produktiv-Genossenschaft, welche Bekanntheit durch die hier hergestellten Wieda-Öfen erlangte und deren Betrieb schließlich 1972 eingestellt wurde. Das Gelände der Wiedaer Hütte brannte bei einem Großbrand am 23. Juli 1973 fast vollständig aus und wurde ab 1975 zu einem Kurpark mit Tennishalle umgestaltet.

1899 wurde vornehmlich zur Stärkung der Wirtschaft die Schmalspurbahn Walkenried–Braunlage/Tanne gebaut, die Wieda mit dem an der Südharzstrecke gelegenen Bahnhof Walkenried verband. Die Bahntrasse durchquerte den gesamten Ort entlang des Flusses mit den vier Haltepunkten Wieda-Süd (Zündholzfabrik), Wieda, Wiedaer Hütte und Bahnhof Stöberhai. Der Eisenbahnbetrieb wurde 1963 aufgegeben und die Gleisanlagen zurückgebaut. 2007 wurde auf der ehemaligen Eisenbahntrasse ein Fahrrad- und Wanderweg angelegt.

Politik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ortsratswahl 2016[2]
Wahlbeteiligung: 55,79 % (2011: 65,63 %)
 %
50
40
30
20
10
0
45,58 %
41,46 %
6,01 %
3,73 %
3,23 %
n. k.
T. W.c
A. L.e
Gewinne und Verluste
im Vergleich zu 2011
 %p
   8
   6
   4
   2
   0
  -2
  -4
  -6
-0,18 %p
+2,94 %p
+6,01 %p
-1,82 %p
-5,65 %p
-1,29 %p
T. W.c
A. L.e
Vorlage:Wahldiagramm/Wartung/Anmerkungen
Anmerkungen:
c Einzelbewerber Thomas Wernicke
e Einzelbewerber Arthur Liebetruth

Ortsrat[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Ortsrat setzt sich nach der Kommunalwahl am 11. September 2016 seit November aus fünf (2011: 11) Ratsfrauen und Ratsherren zusammen (Veränderung zur Gemeinderatswahl 2011).

Zusammenlegung zur neuen Gemeinde Walkenried[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Zum 1. November 2016 wurden auf Beschluss des Niedersächsischen Landtages die bisherigen Gemeinden Walkenried, Wieda und Zorge zu einer neuen Gemeinde Walkenried zusammengefasst.[3]

Wappen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Entwurf des Wappens von Wieda stammt von dem in Isernhagen geborenen und später in Hannover lebenden Heraldiker und Wappenmaler Gustav Völker, der schon die Wappen von Großburgwedel, Mellendorf, Wunstorf und vielen anderen Ortschaften in der Region Hannover[4] entworfen hat. Der Rat nahm das Wappen am 27. November 1950 an und der niedersächsische Innenminister Richard Borowski genehmigte es am 19. April 1952.[5]

Wappen von Wieda
Wappenbeschreibung: „Unter einem silbernen Schildhaupt, belegt mit zwei schwarzen schräggekreuzten, mit brennenden roten Lappen versehene Haikatzen, schreitet in Grün ein rechtsgerichteter silberner Hirsch.“
Wappenbegründung: Die Haikatzen erinnern an das Arbeitsgerät der Köhler, dieser einst im Wald tätigen Berufsgruppe. Das Gerät diente zum Anzünden der Meiler. Dazu umwickelte der Köhler eine entastete Jungfichte mit einem harzgetränkten Lappen. Sobald der Meiler aufgeschichtet war, zündete der Köhler den Lappen an und hielt ihn mit dem Ast in das Innere des Holzhaufens. Der Hirsch symbolisiert die frühere Zugehörigkeit Wiedas zur Grafschaft Klettenberg, später Honstein-Klettenberg. Der Ort führte vor der Wappeneinführung lediglich ein Siegel, dass einen stehenden Hirsch vor einer Waldsilhouette darstellte.

Wirtschaft und Infrastruktur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Wirtschaft[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Seit Ende des 19. Jahrhunderts gehörte der Fremdenverkehr zum Hauptwirtschaftszweig des Ortes, der seinen Höhepunkt in den 1960er und 1970er Jahren erreichte. Viele West-Berliner hatten hier während der Zeit der Berliner Mauer ihr Feriendomizil. Seit jüngerer Zeit verbringen auch Gäste aus den Niederlanden und den skandinavischen Ländern ihre Ferien im Südharzort. Beliebter Besuchsort ist der ehemalige Bahnhof Stöberhai, in dem sich eine Waldgaststätte befindet. Im anschließenden Gehege gibt es täglich eine Wildfütterung.[6]

Verkehr[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bis 1963 verlief quer durch Wieda die meterspurige Südharz-Eisenbahn.

Von Wieda aus verläuft die Landesstraße nach Braunlage, Bad Sachsa, Zorge und Walkenried. Von Walkenried sind es 15 Kilometer bis zur Anschlussstelle der Südharzautobahn A 38.

Kultur und Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bauwerke[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In Wieda gibt es seit 2005 das Glas- und Hüttenmuseum im ehemaligen Rathaus in der Otto-Haberlandt-Straße, in dem die Wirtschaftsgeschichte des Ortes in den Bereichen Glashüttenwesen sowie Bergbau und Verhüttung dokumentiert wird.

In einem Raum des Kindergartens (ehemalige Grundschule) in der Schulstraße ist seit 2006 ein kleines Museum des aufgelösten Fernmeldesektors C der Bundeswehr auf dem Stöberhai eingerichtet, in dem Einrichtungen des ehemaligen Radarturms auf dem Stöberhai besichtigt werden können.

Die 1984 nach Martin Luther benannte Kirche

1778 wurde die heutige Kirche, deren Gemeinde zur Probstei Bad Harzburg gehört, eingeweiht und gleichzeitig der freistehende Glockenturm auf dem gegenüberliegenden Käseberg errichtet, damit das Geläut im ganzen Tal gehört werden konnte, und 1890 wurde eine Knauf-Schleifladenorgel eingebaut und das über dem Eingang vorhandene C weist auf den damaligen Fürsten Carl hin.

Kultur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Ort ist einer der acht Orte, in denen das seit 2014 als Immaterielles Weltkulturerbe anerkannte Brauchtum des Finkenmanöver im Harz noch gepflegt wird.

Persönlichkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Söhne und Töchter des Ortes[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Harzklub-Zweigverein Wieda (Hrsg.): Führer durch den Luftkurort Wieda im Südharz und Umgebung. Wieda 1931

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Wieda – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Ralf Busch: Wieda. In: Römisch-Germanisches Zentralmuseum Mainz (Hrsg.): Führer zu vor- und frühgeschichtlichen Denkmälern. Westlicher Harz, Clausthal-Zellerfeld, Osterode, Seesen. Band 36. Philipp von Zabern, Mainz 1978, ISBN 3-8053-0305-X, S. 192.
  2. Webseite der Kommunalen Dienste Göttingen, abgerufen am 13. September 2016
  3. Gesetz über die Neubildung der Gemeinde Walkenried, Landkreis Osterode am Harz vom 17. Februar 2016. In: Niedersächsisches Gesetz- und Verordnungsblatt Nr. 2/2016 vom 25. Februar 2016, S. 36
  4. Landkreis Hannover: Wappenbuch Landkreis Hannover. Im Selbstverlag des Autors veröffentlicht, Hannover 1985
  5. Arnold Rabbow: Braunschweigisches Wappenbuch - Mit Gandersheim, Gifhorn, Goslar, Helmstedt, Peine, Salzgitter, Wolfenbüttel und Wolfsburg. Verlag: Eckensberger & Co, Braunschweig 1977
  6. Niedersächsischer Landtag, 16. Wahlperiode, Drucksache 16/3359: Kleine Anfrage "Welchen Stellenwert haben Prädikate wie „staatlich anerkannter Luftkurort“ speziell für den Heidetourismus und die Tourismuswirtschaft in Niedersachsen?" (PDF; 102 kB), abgerufen am 22. März 2011