Yascha Mounk

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Zur Navigation springen Zur Suche springen
Yascha Mounk

Yascha Mounk (* 1982) ist ein deutsch-amerikanischer Politikwissenschaftler, der als Dozent an der Harvard University in Boston arbeitet. Er wird fellow am SNF Agora Institute[1] der Johns Hopkins University.[2]

Als freier Publizist schreibt er unter anderem für die New York Times, The Wall Street Journal, Foreign Affairs, slate und Zeit Online. Er unterhält auch einen Podcast „The Good Fight“. Mounk nahm 2017 die amerikanische Staatsbürgerschaft an.[3]

Frühe Jahre[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Yascha Mounk kam 1982 in der bayerischen Landeshauptstadt München als Sohn einer Jüdin, die im Jahr 1969 auf Grund einer antisemitischen Welle Polen verlassen musste, zur Welt. Aufgrund diverser Erfahrungen fühlte er sich immer als Fremder in seinem Geburtsland, und obwohl Deutsch seine Muttersprache war, sah er sich von Gleichaltrigen nie als „echter Deutscher“ akzeptiert.[4]

SPD-Mitgliedschaft[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nachdem Yascha Mounk bereits im Alter von 13 Jahren vorzeitig in die SPD eingetreten war, verließ er diese im Jahr 2015 öffentlichkeitswirksam mit einem offenen Brief an den damaligen SPD-Vorsitzenden Sigmar Gabriel. Als Gründe nannte er unter anderem die mangelnde Hilfsbereitschaft deutscher Institutionen Flüchtlingen gegenüber, die passive Haltung führender SPD-Exponenten und von Teilen der Partei während der Krimkrise 2014 sowie die Griechenlandpolitik der SPD, die er einen „Verrat am sozialdemokratischen Traum eines vereinten Europas“ nannte.[5][6]

Auswanderung in die USA[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Jahr 2005 ging Mounk zum Studium in die Vereinigten Staaten und erwarb dort einen Ph.D. in Political Science. Als er im März 2017 die amerikanische Staatsbürgerschaft annahm, begründete er diesen Schritt unter anderem damit, dass er so der Wahl Donald Trumps zum Präsidenten der USA besser entgegentreten könne.[7]

Positionen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nationalismus[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In einem Interview in der Süddeutschen Zeitung erklärte Mounk im Februar 2018, dass er seine Position zum Nationalismus geändert habe. Während er diesen früher als Relikt der Vergangenheit angesehen habe, das überwunden werden müsse, sprach er sich nun für einen „inklusiven Nationalismus“ aus, da ansonsten das brachliegende Feld des Nationalen von Menschen besetzt werde, denen ein aggressiver Nationalismus vorschwebe.[8] In den Tagesthemen äußerte er, dass „wir“ hier ein „historisch einzigartiges Experiment wagen, und zwar eine monoethnische und monokulturelle Demokratie in eine multiethnische zu verwandeln“.[9] In der Haaretz riet er dem „liberalen Lager“, sich den so verstandenen Nationalismus zu eigen zu machen, damit es den Menschen leichter falle, in einer multiethnischen und demokratischen Gesellschaft zu leben. „Der Schlüssel“ dazu sei, merkt er mit „einem ironischen Lächeln“ an, die Übernahme der populistischen Forderung, Menschen und Nationen sollten wieder das Gefühl bekommen, die Kontrolle über ihr Leben bzw. ihr Schicksal zu haben.[10]

Migrationsfrage[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In der Migrationsfrage begrüßt Mounk die Zuwanderung aus fremden Kulturen nach Europa und die damit verbundenen Veränderungen ausdrücklich.

„Es ist ein historisch einzigartiges Experiment, eine Demokratie zu nehmen, die diese monoethnische Vorstellung von sich selber hatte, und sie in eine multiethnische Gesellschaft umzuwandeln.

Nun gibt es große Bevölkerungsteile, ich zähle mich da hinzu, die das willkommen heißen, die das wunderbar finden, die das richtig finden. Aber es gibt natürlich auch Teile der Gesellschaft, denen das Ängste bereitet und die sich dann dagegen aufbäumen. Das [...] müssen wir offen anerkennen.“

Yascha Mounk: Deutschlandfunk[11]

„In Westeuropa läuft ein Experiment, das in der Geschichte der Migration einzigartig ist: Länder, die sich als monoethnische, monokulturelle und monoreligiöse Nationen definiert haben, müssen ihre Identität wandeln. Wir wissen nicht, ob es funktioniert, wir wissen nur, dass es funktionieren muss.“

Yascha Mounk: Spiegel online[12]

Schriften[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Stranger in My Own Country. A Jewish Family in Modern Germany. Farrar, Straus and Giroux, New York 2014, ISBN 0-374-53553-1
  • The Age of Responsibility: Luck, Choice and the Welfare State, Harvard University Press, 2017, ISBN 978-06742-3767-4
  • The People vs. Democracy: Why Our Freedom Is in Danger and How to Save It. Harvard University Press, 2018, ISBN 978-0674976825
    • Der Zerfall der Demokratie. Wie der Populismus den Rechtsstaat bedroht. Droemer, München 2018, ISBN 978-3-426-27735-5

Essays[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Interviews[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Stavros Niarchos Agora Institute
  2. Political scientist Yascha Mounk joins SNF Agora Institute at Johns Hopkins, 21. Dezember 2018
  3. Yascha Mounk: 'How Did I Celebrate Becoming American? Protesting Trump. New York Times. 24. März 2017. Abgerufen am 26. September 2017.
  4. Stranger in My Own Country: A Jewish Family in Modern Germany, jewishbookcouncil.org
  5. Hiermit trete ich aus der SPD aus, zeit.de, 15. Juli 2015
  6. Waarom ik uit de SPD stap, dewereldmorgen.be, 17. Juli 2015
  7. How Did I Celebrate Becoming American? Protesting Trump, nytimes.com, 24. März 2017
  8. "Die liberale Demokratie bricht gerade auseinander" , sueddeutsche.de, 15. Februar 2018
  9. Sendung vom 20. Februar 2018, Tagesthemen/ARD-aktuell, 20. Februar 2018, ab Minute 24:45
  10. Does the Political Scientist Who Foresaw the Trump Era Still Believe Democracy Has a Future?/Memento bei archive.is, Anshel Pfeffer, Haaretz, 29. März 2017; The key, says Mounk with an ironic smile, is in the slogan often used by populists, also popular among Brexit supporters: to give people a feeling they have a control over their lives and that your own nation has control over its destiny. In order for people to feel that, they have to be convinced that they can live in a multi-ethnic and democratic society and still be better off materially and the liberal camp must learn how to embrace nationalism.
  11. https://www.deutschlandfunkkultur.de/politikwissenschaftler-yascha-mounk-der-prophetdes.990.de.html?dram:article_id=410981%7C Deutschlandfunk: POLITIKWISSENSCHAFTLER YASCHA MOUNK Der Prophet des Untergangs der Demokratie
  12. |https://www.spiegel.de/spiegel/print/d-139000005.html: