Zeitrechnung

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Die Zeitrechnung befasst sich mit der Ordnung und Strukturierung von Zeit bzw. zeitlicher Abläufe.

Es gibt verschiedene Aspekte der Zeitrechnung:

In Deutschland steht das Recht der Zeitbestimmung nach Art. 73 Abs. 1 Nr. 4 GG allein dem Bund zu.

Kalender und Uhrzeit[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Hauptartikel: Kalender und Kalendersysteme

Zur zyklischen Strukturierung wird die Zeit in der Regel im Rahmen eines Kalenders eingeteilt in:

Jahre, Monate, Wochen, Tage

In Rahmen der Uhr wird sie dargestellt in:

Stunden, Minuten, Sekunden

Ausgangspunkt für diese wiederkehrenden Zeiteinteilungen war in allen Kulturen die Beobachtung astronomischer Phänomene im Zusammenhang mit der Sonne, dem Mond und dem Sternenhimmel. Der heutige weltweit gebräuchlichste Gregorianische Kalender ist ein Solarkalender.

Jahrrechnung, verschiedene Bezugspunkte der Jahrrechnung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Vorstellung linear verlaufender Zeit entspringt dem individuellen Zeitempfinden. Aus der Erinnerung an die Abfolge der Jahre ergibt sich die Einteilung eines Menschenlebens in Lebensjahre. Bezugsdatum der persönlichen Zeitrechnung ist das Geburtsjahr.

Voraussetzung für lineare Zeitrechnungen (Jahrrechnung) ist die Vereinbarung eines oder mehrerer Bezugsdaten.

Orientierung an der Regierungszeit von Herrschern[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In vielen Kulturen wurde aus dem Amtsantritt des jeweiligen Herrschers die „offizielle Zeitrechnung“ abgeleitet. Jahre werden etwa angegeben als „Im xx. Jahr der Regentschaft des …“

Beispiele:

Orientierung an religiös bedeutsamen Personen oder Ereignissen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Andere Zeitrechnungen orientieren sich an Ereignissen von religiöser oder kultischer Bedeutung:

  • Im Judentum gibt es die Zählung nach Jahren seit Erschaffung der Welt, beginnend mit dem 7. Oktober 3761 v. Chr. (siehe jüdischer Kalender).
  • Eine im griechischen Kulturraum der Antike verbreitete Jahreszählung basierte auf Olympiaden, deren erste 776 v. Chr. stattfand.
  • Die römische Jahreszählung ab urbe condita leitet sich von der angenommenen Abkunft des römischen Volkes von Äneas und der legendären Gründung Roms durch Romulus ab. Systematisch gebraucht wurde sie allerdings erst um 400 n. Chr. von dem iberischen Historiker Orosius.

Einige Kulturen und Religionen orientierten ihre Zeitrechnung an ihrer Gründergestalt.

  • Im Buddhismus orientiert man die Zeitrechnung traditionell am Todestag des Buddhas Siddhartha Gautama, der durch singhalesische Mönche auf 544 v. Chr. festgelegt wurde, eigentlich starb Buddha wohl um 483 v. Chr. Das westliche Jahr 2000 war also in der gängigen buddhistischen Zeitrechnung das Jahr 2544.
  • Die islamische Jahreszählung beginnt mit dem Jahr der Hidschra Mohammeds, dem Abbruch der Beziehungen und Bindungen des Propheten und seiner Anhängerschar zu seiner Heimatstadt Mekka und seine Übersiedlung nach Medina im Jahr 622 n. Chr.
  • In diesen Zusammenhang gehört auch die christliche Zeitrechnung, die sich an der Geburt Jesu orientiert.
  • Im Bahaitum beginnt die Zeitrechnung des Badi-Kalenders am 21. März 1844 im Jahr der Erklärung des Bab.

Christliche Zeitrechnung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Hauptartikel: Christliche Zeitrechnung

Die christlichen Gemeinden folgten zunächst der jeweils regional vorherrschenden Zeitrechnung. Der um 545 gestorbene römische Mönch Dionysius Exiguus berechnete aus Vorgaben des Neuen Testaments den Zeitpunkt der Geburt Jesu Christi für das Jahr 754 ab urbe condita und begründete damit die christliche Zeitrechnung.

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0 kannte er vielleicht nicht, aber dass muss nicht zwangsläufig eine Begründung für „Jahr 1“ sein. (Es könnte auch „Jahr 1“ sein, so wie „erstes Jahr“ oder „erster Platz“ Sinn ergibt, wogegen „nulltes Jahr“ oder „nullter Platz“ in der Regel keinen Sinn ergibt.)

Da ihm die mathematische Größe Null noch nicht bekannt war, bezeichnete er das erste Jahr mit einer Eins.

Beda Venerabilis war um 730 der erste Historiker, der diese Christliche Zeitrechnung systematisch gebrauchte. Im Frankenreich Karls des Großen war sie schon eine gebräuchliche Skala und verbreitete sich von dort später weltweit. Seither wird in der christlich geprägten Welt die Zeit eingeteilt in „ante Christum natum“ vor Christi Geburt und post Christum natum nach Christi Geburt. Bei alten Jahresangaben findet sich auch die Abkürzung „AD“ (lateinisch Anno Domini‚ im Jahr des Herrn); mit „Herr“ ist hier Jesus Christus gemeint. Die Zeit seit der Erscheinung Christi wird als eine Zeit verstanden, deren Herr Jesus Christus ist.

Indischer Kulturraum[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im indischen Raum gab es viele kurzlebige Reiche, die alle ihre eigenen Zeitrechnungen, beginnend mit einem Herrscher, hatten. Viele sind bisher chronologisch noch nicht fest fixiert.

  • Im Hinduismus das Shaka-Zeitalter und das Kaliyuga-Zeitalter.
  • Das Gupta-Reich beginnt seine Zeitrechnung mit der Thronbesteigung des ersten Gupta-Königs Chandragupta I. im Jahr 319.
  • Maues-Ära: Frühes erstes vorchristliches Jahrhundert, unsicher[1]
  • Azes-Ära: Mitte des ersten vorchristlichen Jahrhunderts, wohl identisch mit der Vikrama Ära
  • Gondophares-Ära: begann um 20
  • Saka-Ära: begann im Jahr 78, vielleicht identisch mit der Kosam-/Bandogarh- und der Lichchhavi-Ära
  • Kanishka-Ära: begann zwischen 110 und 130
  • Kushan-Ära: begann 227 und war vielleicht die Fortsetzung der Kansihka-Ära
  • Kushano-Sasanidische Ära: begann 233
  • Kalchuri-Chedi-Ära: 248
  • Ganga-Ära: 420

Moderne Zeitrechnungssysteme[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Zur Vereinfachung der maschinellen Rechnung mit Zeiträumen wurden lineare Zeitrechnungssysteme mit mehr oder weniger willkürlich gesetzten Nullpunkten geschaffen:

Geologische Zeitalter[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In der Geologie wird für die Beschreibung sehr großer Zeiträume von hunderten Millionen Jahren eine geologische Zeitskala verwendet.

Relative und absolute Chronologie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In den Geschichts- und verwandten Wissenschaften gibt es die Unterscheidung zwischen absoluter und relativer Chronologie. Hier ist mit Chronologie eine zeitliche Abfolge gemeint welche als absolut (zum Beispiel Herrscherlisten, dendrochronologische Abfolge) gilt, wenn diese sich an die Gegenwart anbinden lässt. So ist etwa durch exakt datierte Fixpunkte bekannt, wann genau vor unserer Zeit ein Element dieser Abfolge existierte. Somit kann nun die ganze Abfolge absolut datiert werden. Als relativ wird eine Chronologie bezeichnet, wenn zwar Ereignisse, Funde etc. untereinander in eine zeitliche Abfolge gebracht werden können, jedoch bei der Altersbestimmung nicht festzulegen ist, wie lange diese Abfolge vor der Gegenwart lag, da ein feststehender Bezugspunkt zur Gegenwart fehlt.[2]

Datums-Konventionen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In der Europäischen Norm EN 28601 (von 1992) ist das Datumsformat (die gültige Darstellung der Zeitrechnung) festgelegt, welches für Deutschland und Österreich uneingeschränkt gültig ist (abgeleitet aus ISO 8601 von 1988). Darin wird auf eine Datierung nach christlicher Tradition bezüglich vor oder nach Christus nicht mehr eingegangen. Zudem sieht der aktuelle Standard ISO 8601 (von 2000) ein Jahr Null und Jahresangaben mit negativem Vorzeichen vor.

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Robert Bracey: The Minor Indo-Parthian Eras. Kushan History, abgerufen am 21. Juli 2010 (englisch).
  2. Hermann [und ab der 8. Aufl. Otto] Grotefend: Taschenbuch der Zeitrechnung des deutschen Mittelalters und der Neuzeit, 10. Auflage, hrsg. von Theodor Ulrich, Hahnsche Buchhandlung, Hannover 1960. ISBN 978-3775251778