Alfons Mumm von Schwarzenstein

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Philipp Alfons Freiherr Mumm von Schwarzenstein (* 19. März 1859 in Frankfurt am Main; † 10. Juli 1924 in Portofino, Italien) war Diplomat des Deutschen Reiches.

Alfons Mumm von Schwarzenstein (sitzend) 1900 als Gesandter in Peking
Empfangsräume der deutschen Gesandtschaft zur Zeit Mumms in Peking
Admiral Felix von Bendemann, Generalkonsul Wilhelm Knappe und Mumm von Schwarzenstein nach dessen Eintreffen in China vor dem Kaiserlichen Generalkonsulat Shanghai

Leben[Bearbeiten]

Alfons Mumm war der Sohn des Kaufmanns und Königlich Dänischen Generalkonsuls Jacob Georg Hermann Mumm (* 23. November 1816 in Frankfurt am Main; † 16. Juli 1888 ebenda), der mit 34 Jahren die damals 24-jährige Eugenie Sophie Lutteroth (* 2. Mai 1822 in Frankfurt am Main; † 8. Juni 1888 in Bad Kissingen) heiratete. Jacob Georg Hermann Mumm führte erfolgreich den Weinhandel weiter, den der Großvater von Alfons Mumm vehement betrieben hatte. Großvater Gottlieb Mumm (* 6. Februar 1781 in Solingen; † 3. Oktober 1852 in Frankfurt), evangelisch, später königlich dänischer Generalkonsul, übernahm seinerseits bereits den väterlichen Weinhandel, hatte um 1811 Glück bei der Übernahme des Weinguts Johannisberg und gründete 1827 in Reims mit den Kaufleuten G. Heuser und Friedrich Giesler das nach seinem Vater benannte Champagnerhaus P.A. Mumm & Co. (P.A. für Peter Arnold). Die Firma erwarb Weingüter in der Champagne, in denen sie Sektherstellung einführte. Nachdem Heuser um 1830 und Giesler 1837 aus dem Unternehmen ausgestiegen waren, assoziierte er sich mit den Neffen Jules und Edouard-Frédéric, und holte auch später seinen Sohn Jacob George Hermann von Mumm, den Vater von Alfons in das Unternehmen. Obwohl Großvater und seine Ehefrau Elisabeth, geb. Edle von Scheibler, teilweise in Reims wohnten, blieb er mit dem Frankfurter Unternehmen P. A. Mumm & Co in Kontakt. 1873 wurde er geadelt. Nach dem Tod von Gottlieb Freiherr von Mumm zerfiel sein Unternehmen in zwei Häuser:

Alfons Freiherr Mumm von Schwarzenstein studierte nach dem Abitur am Städtischen Gymnasium in Frankfurt ab 1879 Rechtswissenschaften in Göttingen, Leipzig, Heidelberg sowie in Berlin und promovierte zum Dr. iur.; in Göttingen wurde er Mitglied des Corps Hannovera. Anschließend trat er in den diplomatischen Dienst des Auswärtigen Amtes ein. Die erste wichtige Auslandsstation war 1885 als Attaché bei der Botschaft in London, später Paris. Er wurde 1888 Legationssekretär in Washington D.C., 1892 bis 1893 in Bukarest, 1893 bis 1894 am Heiligen Stuhl. 1894 wurde er Vortragender Rat in der politischen Abteilung des Amtes in Berlin und ging 1898 als Gesandter nach Luxemburg, 1899 als Gesandter in außerordentlicher Mission erneut nach Washington.

1900 wurde er als Gesandter in Peking direkter Nachfolger des im Zuge der Boxer-Aufstände ermordeten Gesandten Baron Clemens von Ketteler. Die Abreise erfolgte im Juli 1900 von Genua und ging mit dem Schiff nach Shanghai. Mit dem Leiter des später eintreffenden Expeditionskorps unter Alfred von Waldersee war der als sinophil geltende Mumm in der Beurteilung der Lage und hinsichtlich der erforderlichen Vorgehensweisen nicht immer einig und verstand es, diesem seine abweichenden Vorstellungen nahezubringen. Im Oktober 1900 traf er von Shanghai kommend, wo er sich mit Generalkonsul Wilhelm Knappe beraten hatte, dann in Peking ein. Seiner Leidenschaft für die Fotografie ist es zu verdanken, das heute noch eine herausragende Sammlung von Aufnahmen aus den Städten Chinas aus der Zeit von 1900 bis 1902 erhalten ist. Als besondere Auszeichnung erhielt er 1905 bei seinem Abschied aus China von der chinesischen Kaiserinwitwe Cixi eine von dieser selbst verfertigte Hängerolle mit dem Bild einer Strauchpäonie.[1] Ihm wurde der Rote Adlerorden I. Klasse und der Kronenorden verliehen; 1903 wurde er als Schwarzenstein in den preußischen Freiherrenstand erhoben. Von 1909 bis 1911 vertrat er das Deutsche Reich als Botschafter in Tokio. Die deutsch-japanischen Beziehungen sah er eher distanziert und im Hinblick auf absehbare künftige Spannungen Japans mit den USA im Pazifik eher neutral.

1911 schied Mumm aus gesundheitlichen Gründen aus dem diplomatischen Dienst aus und lebte auf seinem Landsitz, dem Castello San Giorgio bei Portofino. Die Gemeinde Portofino ernannte ihn 1914 zum Ehrenbürger. Seine Frau Jeannie von Mumm, geb. Mackay-Watt, verhinderte im April 1945 die Zerstörung von Portofino durch die deutsche Wehrmacht. Die dankbare Gemeinde ernannte sie 1949 zur Ehrenbürgerin. An das kinderlose Ehepaar erinnert die 2014 in Portofino gezeigte Ausstellung "Alfons & Jeannie von Mumm".

1914 bot Mumm sich dem Außenamt nach Kriegsbeginn wieder an und seine Tätigkeit 1914 bis 1916 in der Presseabteilung des Amtes machte ihn auch zum Abteilungsleiter für die Auslandspropaganda der Zentralstelle für Auslandsdienst.[2] 1917/18 wurde er Botschafter des deutschen Reiches in Kiew (Ukrainischer Staat unter Hetman Pawlo Skoropadskyj) und zog sich 1918 in den Ruhestand zunächst auf das Schloss Eyrichshof in Franken zurück.

Mumm war ein begeisterter Fotograf und hat insbesondere während seiner diplomatischen Auslandsmissionen reichhaltiges Bildmaterial geschaffen.

Sein älterer Bruder war Peter Arnold Gottlieb Hermann Mumm von Schwarzenstein (* 29. September 1842 Frankfurt am Main; † 25. Mai 1904 ebenda), der sog. Champagner Baron/König des Deutschen Reiches und Erbauer der palastartigen Villa Mumm in Frankfurt am Main. Er betrieb den familiären Weinhandel weiter. Kurz nach dem Ende des deutsch-französischen Krieges 1870/71 heiratete er als 25-jähriger am 22. November 1871 die 20-jährige Emma Louise Marie Passavant (* 30. September 1852; † 11. November 1922 in Johannisberg im Rheingau). Sie wurde die Königin von Frankfurt genannt. Sie war Mäzenin und Ehrenbürgerin von Johannisberg im Rheingau.

Werke[Bearbeiten]

  • Ein Tagebuch in Bildern (1902), Digitalisat der Tōyō Bunko exlibris des australischen Abenteurers und Korrespondenten George Ernest Morrison[3] mit persönlicher Widmung Mumms
  • Kriegslyrik (1914–18) in mehreren privat gedruckten Bänden
  • Mein ligurisches Heim (in Portofino). Mit Freunden für Freunde zusammengestellt und nach eigenen Aufnahmen illustriert. (Privatdruck). Berlin 1915.

Literatur[Bearbeiten]

Literarische Verarbeitung[Bearbeiten]

Hans Dieter Schreeb hat in dem historischen Roman Hinter den Mauern von Peking (1999) Mumm von Schwarzensteins Zeit in China auf literarische Weise verarbeitet.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Alfons Mumm von Schwarzenstein – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Herbert Butz: Kniefall und Geschenke: Die Sühnemission des Prinzen Chun in Deutschland.
  2. Ulrike Oppelt: Film und Propaganda im Ersten Weltkrieg. Franz Steiner Verlag, Stuttgart 2002, ISBN 3-515-08029-5, S. 107 (Digitalisat)
  3. en:George Ernest Morrison


Vorgänger Amt Nachfolger
Clemens von Ketteler Gesandter des Deutschen Reichs in Peking
1900–1905
Arthur von Rex
Friedrich Carl von Erckert Botschafter des Deutschen Reichs in Tokio
1906-1911
Arthur von Rex