Amblygonit

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Amblygonit
Mineral Ambligonita GDFL032.jpg
Chemische Formel

(Li,Na)Al[(F,OH)|PO4]

Mineralklasse Phosphate, Arsenate und Vanadate
8.BB.05 (8. Auflage: VII/B.02) nach Strunz
41.05.08.01 nach Dana
Kristallsystem triklin
Kristallklasse; Symbol nach Hermann-Mauguin triklin-pinakoidal; 1[1]
Raumgruppe (Raumgruppen-Nr.) P1 (Raumgruppen-Nr. 2)
Farbe weiß, blaßgelb, rosa, grau, grünlich, bläulich
Strichfarbe weiß
Mohshärte 5,5 bis 6
Dichte (g/cm3) 3,04 bis 3,11
Glanz Glasglanz, Fettglanz, matt
Transparenz durchsichtig bis durchscheinend
Spaltbarkeit vollkommen nach {100}, gut nach {110}, deutlich nach {011}, undeutlich nach {001}
Bruch muschelig bis uneben
Habitus kurze, prismatische Kristalle ; körnige, massige Aggregate
Zwillingsbildung lamellar nach (100) und (101)
Kristalloptik
Brechungsindex α = 1,577 bis 1,591 ; β = 1,592 bis 1,605 ; γ = 1,596 bis 1,613[2]
Doppelbrechung
(optischer Charakter)
δ = 0,019 bis 0,022[2]; zweiachsig negativ[2]
Optischer Achsenwinkel 2V = 107° bis 129,5°[2]

Amblygonit ist ein eher selten vorkommendes Mineral aus der Mineralklasse der wasserfreien Phosphate mit fremden Anionen. Es kristallisiert im triklinen Kristallsystem mit der chemischen Zusammensetzung (Li,Na)Al[(F,OH)|PO4][3] und entwickelt meist kurze, prismatische Kristalle, aber auch körnige bis massige Aggregate, die entweder farblos oder durch Fremdbeimengungen weiß, grau, rosa, gelblich, grünlich oder bläulich gefärbt sein können.

Besondere Eigenschaften[Bearbeiten]

Amblygonit ist in seinen optischen Eigenschaften dem Quarz und Albit sehr ähnlich und wird daher öfter mit ihnen verwechselt. Durch einen Flammentest für Lithium (hält man eine Probe in eine Gasflamme sieht man eine helle rote Flamme), seine Dichte und seine ungewöhnliche Spaltbarkeit kann man es von den anderen unterscheiden.

Etymologie und Geschichte[Bearbeiten]

Der Name Amblygonit ist eine Zusammensetzung de griechischen Wörter άμβλύς (amblys) für „stumpf“ und γόνυ (goni) für „Winkel“ und bezieht sich auf die Tatsache, dass Amblygonit in unterschiedlichen Richtungen mit jeweils unterschiedlichen Winkeln, aber verschieden von 90°, spaltet.[2]

Erstmals beschrieben wurde es 1817 von August Breithaupt.

Klassifikation[Bearbeiten]

In der alten Systematik der Minerale nach Strunz (8. Auflage) gehört der Amblygonit zur Abteilung der „wasserfreien Phosphate mit fremden Anionen“ und bildet dort mit Griphit, Montebrasit, Natromontebrasit, Tancoit und Tavorit eine Gruppe. Seit der neuen Systematik der Minerale nach Strunz (9. Auflage) ist diese Abteilung jedoch präziser unterteilt nach der Größe der Kationen und das Mineral ist jetzt mit Montebrasit und Tavorit in der Unterabteilung der „wasserfreien Phosphate mit fremden Anionen und ausschließlich mittelgroßen Kationen, (OH, etc.): RO4 "kleinergleich" 1:1“ zu finden.

Die Systematik der Minerale nach Dana ordnet den Amblygonit ebenfalls in die Abteilung der „wasserfreien Phosphate“ ein, dort aber in die Unterabteilung „mit Hydroxyl(-gruppen) oder Halogen(en) mit der Zusammensetzung (A B)2 (XO4) Zq“.[4]

Bildung und Fundorte[Bearbeiten]

Amblygonit bildet sich vorwiegend in magmatischen Gesteinen und ist daher vor allem in Lithium-Pegmatiten zusammen mit Spodumen, Lepidolith bzw. Zinnwaldit oder in Phosphat-Pegmatiten zusammen mit Apatiten, Triphylin bzw. Monazit zu finden. Eher selten entsteht Amblygonit aus hydrothermalen Lösungen in Greisen oder Ganglagerstätten.

Fundorte sind unter anderem Laghman in Afghanistan; Córdoba in Argentinien; New South Wales und Western Australia in Australien; Minas Gerais und São Paulo in Brasilien; Henan und Jiangxi in der Volksrepublik China; Chemnitz und Ehrenfriedersdorf in Deutschland; Viitaniemi in Finnland; Manitoba und Nova Scotia in Kanada; Sud-Kivu in der Demokratischen Republik Kongo; Mogok in Myanmar; Utö in Schweden; Böhmen, Mähren und Vernéřov in Tschechien; sowie Black Hills/South Dakota in den USA. [5] Riesige, massige Aggregate von bis zu 200 Tonnen Gewicht wurden zudem in Keystone (ebenfalls in South Dakota) entdeckt.

Kristallstruktur[Bearbeiten]

Kristallographische Daten[2]
Kristallsystem triklin
Raumgruppe P1
Gitterparameter
(Elementarzelle)
a = 6,64 Å
b = 7,74 Å
c = 6,91 Å
α = 90,35°
β = 117,33°
γ = 91,01°
Zahl (Z) der
Formeleinheiten
Z = 4

Amblygonit kristallisiert im triklinen Kristallsystem in der Raumgruppe P1 mit den Gitterparametern a = 6,64 Å, b = 7,74 Å und c = 6,91 Å; α = 90,35°, β = 117,33° und γ = 91,01° sowie vier Formeleinheiten pro Elementarzelle und ist isotyp zu Tavorit, d. h. diese beiden Minerale haben die gleiche Kristallstruktur.

Verwendung[Bearbeiten]

als Rohstoff[Bearbeiten]

Amblygonit ist ein wichtiges Erz zur Gewinnung von Lithium, wird aber auch als Rohstoff in der Keramik-Industrie verwendet.

als Schmuckstein[Bearbeiten]

Amblygonite in verschiedenen Schmucksteinschliffen

Amblygonit gehört zu den weniger bekannten Schmucksteinen. Klare Varietäten in Facettenform geschliffen können jedoch den wertvolleren „Edelsteinen“ Goldberyll, Citrin und anderen zum Verwechseln ähnlich sehen. Weitere Verwechslungsmöglichkeiten bestehen mit Apatit, Brasilianit und der grün bis gelblichgrünen Spodumenvarietät Hiddenit. [6]

Siehe auch[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Webmineral - Amblygonite (engl.)
  2. a b c d e f MinDat - Amblygonite (engl.)
  3. Stefan Weiß: Das große Lapis Mineralienverzeichnis. 4. Auflage. Christian Weise Verlag, München 2002, ISBN 3-921656-17-6
  4. Webmineral - New Dana Classification of Anhydrous Phosphates, etc. Containing Hydroxyl or Halogen
  5. MinDat - Localities for Amblygonite (engl.)
  6. Walter Schumann: Edelsteine und Schmucksteine. 13. Auflage. BLV Verlags GmbH, 1976/1989, ISBN 3-405-16332-3 (S. 208)

Literatur[Bearbeiten]

  • Petr Korbel, Milan Novák: Mineralien Enzyklopädie. Nebel Verlag GmbH, Eggolsheim 2002, ISBN 3-89555-076-0 (S. 158)
  • Martin Okrusch, Siegfried Matthes: Mineralogie: Eine Einführung in die spezielle Mineralogie, Petrologie und Lagerstättenkunde. 7. Auflage. Springer Verlag, Berlin, Heidelberg, New York 2005, ISBN 3-540-23812-3 (S. 251 - Pegmatite als Rohstoffträger)
  • Paul Ramdohr, Hugo Strunz: Lehrbuch der Mineralogie. 16. Auflage. Ferdinand Enke Verlag 1978, ISBN 3-432-82986-8 (S. 627-628)

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Amblygonit – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
 Wiktionary: Amblygonit – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen