Oranien

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Das Wappen des ersten Grafen von Nassau
Wappen des Hauses Oranien-Nassau mit den Quartalen 1: Fulda, 2: Corvey; 3: Dortmund 4: Weingarten, Herz: Orange mit dem nassauischen Löwen
Stammbaum des Hauses Oranien-Nassau

Oranien, heute eigentlich Oranien-Nassau (niederländisch Oranje-Nassau), ist der Name des regierenden Königshauses der Niederlande. Ihre politischen Anhänger nannte man früher Orangisten.

Ursprünglich stammt der Name Oranien von der provenzalischen Grafschaft Oranien (französisch Orange), dem späteren Fürstentum Orange in der Rhoneebene im heutigen Frankreich.

Der in den Niederlanden regierende Teil des Hauses Nassau hält seit 1530 auch den Titel des Prinzen von Oranien (Prince d'Orange/ Prins van Oranje). Nach einem weiteren Erbgang im Jahr 1702 hielten sowohl das Haus Oranien-Nassau als auch das Haus Hohenzollern-Preußen den Titel des Prinzen von Oranien. Die Übersetzung Fürst von Oranien ist nur für die historischen (republikanischen) Statthalter der Niederlande aus dem Hause Oranien-Nassau (bis 1795) korrekt, doch ging das Fürstentum Orange (Oranien, Oranje) am 11. April 1713 den Nassauern verloren. Der Titel Prinz von Oranien wurde durch Vertrag mit dem König von Preußen am 16. Juni 1732 bestätigt, und wurde in der Form, auch als Wilhelm I. am 2. Dezember 1813 erst souveräner Fürst der Niederlande und schließlich am 16. März 1815 König der Niederlande und Herzog (ab 9. Juni 1815–23. November 1890 Großherzog) von Luxemburg wurde, bis heute beibehalten.[1] Seit dem 24. August 1815 ist nach der Verfassung der Niederlande der Titel des Prinzen van Oranje traditionell der Titel des Kronprinzen der Niederlande, der immer der älteste Sohn des Königs war.[2] Seit einer Verfassungsreform vom 17. Februar 1983 ist immer das älteste Kind des Staatsoberhauptes Thronerbe, also Kronprinz oder Kronprinzessin, unabhängig vom Geschlecht. Seit dem 20. Mai 2002 ist die weibliche Form Prinzessin van Oranje auch für eine Kronprinzessin möglich.[3] Diese Regelung trat am 30. April 2013 erstmals für Amalia van Oranje in Kraft.

Begründung des Hauses Oranien[Bearbeiten]

Der Sage nach wurde die Stadt Orange im südfranzösischen Departement Vaucluse um das Jahr 800 von einem Lehnsmann Kaiser Karls des Großen namens Wilhelm (Guilhelm d’Orange) eingenommen. Obwohl er erster Graf von Oranien war, war er kein Blutsverwandter der heutigen Fürsten von Orange. Dieser Wilhelm von Oranien wird ebenfalls mit Wilhelm von Toulouse (alias Wilhelm von Aquitanien) und Saint-Guilhem (siehe Saint-Guilhem-le-Désert) in Verbindung gebracht.

Fürstentum[Bearbeiten]

1163 wurde die Grafschaft von Kaiser Friedrich I. Barbarossa zum Fürstentum erhoben. Über die Geschlechter Montpellier und Baux kam das kaum 300 Quadratkilometer große Fürstentum Anfang des 15. Jahrhunderts zum Haus Chalon. Der französische König Franz I. annektierte das Fürstentum, und der letzte aus dem Hause Chalon, Philibert von Chalon, wurde von 1524 bis 1526 gefangengehalten. Philibert nahm danach als Feldherr Kaiser Karls V. am Sacco di Roma teil, verteidigte später Neapel gegen die Franzosen und bekam als Belohnung 1529 sein Fürstentum zurück. Er starb mit 28 Jahren kinderlos.

Haus Oranien-Nassau[Bearbeiten]

Philiberts Schwester Claudia von Chalon war mit Heinrich III. von Nassau verheiratet (die Nassauer waren bereits im Besitz großer Teile der Niederlande). Der Sohn Claudias und Heinrichs, Renatus, erbte das Fürstentum. Bevor Renatus auch ohne rechtmäßigen Erben starb, benannte er seinen Cousin Wilhelm von Nassau-Dillenburg als Erben, der sich dadurch Prinz von Oranien nennen durfte. Bedingung von Kaiser Karl V. war jedoch, dass Wilhelm an seinem Hof in Brüssel katholisch erzogen wurde.

Wilhelm III. von England[Bearbeiten]

Als Wilhelms Urenkel Wilhelm III. (zusammen mit Königin Maria II. König von England) 1702 kinderlos starb, wurde das Fürstentum an seinen Cousin Johann Wilhelm Friso von Nassau-Diez († 1711) vererbt. Jedoch erhob auch der König von Preußen, Friedrich I., Anspruch auf den Titel als näherer männlicher Verwandter von Wilhelm I. von Oranien. Denn sowohl Friedrichs Mutter Luise Henriette von Oranien als auch Friedrichs Großmutter väterlicherseits Elisabeth Charlotte von der Pfalz waren Enkelinnen Wilhelms I.

Oranien fällt an Frankreich[Bearbeiten]

1713 gelangte das Gebiet des Fürstentums endgültig an Frankreich. Titel und Wappen fielen hingegen an den preußischen König Friedrich I. Frankreichs König Ludwig XIV. indes vergab den Fürstentitel (Prince) an den Marquis de Mailly-Nesle, einen französischen Adligen. Er rechtfertigte sein Vorgehen mit dem angeblichen Fehlen eines rechtmäßigen Erben und dass er darum über Land und Titel frei verfügen könne. Allerdings erwarben 1713 auch die Nassauer wieder das Recht auf Titel und Wappen.

In der Folge tragen noch heute drei Personen gleichzeitig den Titel Prinz(essin) von Oranien: 1. der Erbe des Hauses Oranien-Nassau (Kronprinzessin Amalia), 2. der Chef des Hauses Hohenzollern (Georg Friedrich Ferdinand) und 3. der französische Marquis Mailly-Nesle.

Der Sohn Johann Wilhelm Frisos, Wilhelm IV. († 1751), wurde 1747 Erbstatthalter aller niederländischen Provinzen, vereinigte somit nochmals alle reichsdeutschen und niederländischen Besitzungen des Hauses und führte als erster den Titel eines Fürsten von Oranien und Nassau. Der Enkel Wilhelm IV. wurde 1815 als Wilhelm I. König der Niederlande und begründete damit das heutige Niederländische Königshaus.

Literatur[Bearbeiten]

  • Horst Lademacher (Hrsg.): Oranien-Nassau, die Niederlande und das Reich. Beiträge zur Geschichte einer Dynastie. Lit, Münster 1995, ISBN 3-8258-2276-1
  • Ernst Münch: Geschichte des Hauses Nassau-Oranien. 3 Bände, Mayer, Aachen und Leipzig 1831–1833
  • Michel Richard: Das Haus Oranien-Nassau. Aus dem Französischen übersetzt von Ernst F. Podlesnigg. Edition Rencontre, Lausanne 1968
  • Coenraad A. Tamse (Hrsg.): Nassau und Oranien. Statthalter und Könige der Niederlande. Aus dem Niederländischen übersetzt von Christian Zinsser. Muster-Schmidt, Göttingen und Zürich 1985, ISBN 3-7881-1739-7

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Genealogisches Handbuch des Adels, Fürstliche Häuser Band XV, Band 114 der Gesamtreihe, Limburg (Lahn) 1997, Artikel Niederlande (Haus Oranien-Nassau), S. 72–75
  2. Verfassung in der Fassung des Königlichen Beschlusses vom 17. April 1972 (letzte Fassung vor der "großen" Verfassungsreform von 1983) (abgerufen am 2. Mai 2013)
  3. Gesetz vom 30. Mai 2002: „Artikel 7: De vermoedelijke opvolger van de Koning draagt de titel van Prins (Prinses) van Oranje.“ (abgerufen am 2. Mai 2013)

Siehe auch[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Haus Oranien-Nassau – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien