Malteser Hilfsdienst

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Der Titel dieses Artikels ist mehrdeutig. Weitere Bedeutungen sind unter Malteser Hilfsdienst (Begriffsklärung) aufgeführt.
Logo (Wappen und Schriftzug) der Malteser
Logo (Wappen und Schriftzug) der Malteser Jugend

Der Malteser Hilfsdienst e. V. in Deutschland ist eine katholische Hilfsorganisation, die vom Deutschen Caritasverband und zwei Gliederungen des Malteserordens gegründet wurde. Das Zeichen des Malteser Hilfsdienstes ist das weiße, achtspitzige Malteserkreuz auf rotem Grund in Wappenform.[1]

Geschichte[Bearbeiten]

Der Malteser Hilfsdienst begann am 1. Januar 1953 als Untergliederung der Genossenschaft der Rheinisch-Westfälischen Malteser-Devotionsritter und dem Verein der Schlesischen Malteser-Ritter in Münster die Ausbildungstätigkeit in Erster Hilfe; am 24. Oktober 1955 wurde eine Satzung aufgestellt und die Eintragung als eingetragener Verein beantragt. Am 11. Juli 1956 wurde der Sitz nach Köln verlegt.[2] Aus dem Malteser Hilfsdienst entwickelten sich ab 1978 die Organisationen Malteser Hilfsdienst e. V., Malteser Werke e. V., Malteser Hilfsdienst gGmbH, Malteser Werke gGmbH, Malteser Auslandsdienst, Malteser International e. V. und die Ausrüstungsgesellschaft für Hilfsorganisationen mbH (Augeco).

Der Malteser Hilfsdienst und die Malteser Hilfsdienst gGmbH haben in Deutschland zusammen etwa 47.000 ehrenamtliche und 22.500 hauptamtliche Mitarbeiter sowie 1.050.000 Fördermitglieder.[3]

Die evangelische Schwesterorganisation ist die Johanniter-Unfall-Hilfe.

Grundlagen[Bearbeiten]

Der Malteser Hilfsdienst ist über das Gesetz über das Deutsche Rote Kreuz und andere freiwillige Hilfsgesellschaften im Sinne der Genfer Rotkreuz-AbkommenDRK-Gesetz – als freiwillige Hilfsgesellschaft im Sinne des Artikels 26 des Genfer Abkommens I anerkannt und Mitglied der BAGEH, der Bundesarbeitsgemeinschaft Erste Hilfe. Er ist neben der Deutsche Malteser eine Teilorganisation der Malteser in Deutschland. In ihm wird die ehrenamtliche Arbeit gebündelt. Der Malteser Hilfsdienst e.V. ist ein als gemeinnützig anerkannter Verein und damit berechtigt, Zuwendungsbestätigungen für Spenden auszustellen.

Bundesdeutsche Sonderbriefmarke von 1969

Leitsatz[Bearbeiten]

Der seit dem zwölften Jahrhundert gültige Leitsatz des Malteserordens „Tuitio fidei et obsequium pauperum“, also „Bezeugung des Glaubens und Hilfe den Bedürftigen“, gilt auch für den Hilfsdienst.

Organisation[Bearbeiten]

Bundesebene[Bearbeiten]

Das Präsidium ist das höchste Zentralorgan der Malteser. Der geschäftsführende Vorstand führt das operative Geschäft nach Vorgabe des Präsidiums. Das höchste beschlussfassende Gremium der Malteser ist die jährlich stattfindende Bundesversammlung.

Präsident des Malteser Hilfsdienstes e. V. ist Constantin von Brandenstein-Zeppelin. Der geschäftsführende Vorstand wird geführt von Karl Prinz zu Löwenstein (Vorsitzender des gesch. Vorstandes). Als Bundesarzt ist Rainer Löb der medizinisch Verantwortliche der Malteser.

Untergeordnete Gliederungen[Bearbeiten]

Die Malteser richten ihre Gliederungsweise als katholische Organisation an den deutschen Bistümern aus. Den Diözesangliederungen sind dann die Orts- und Stadtgliederungen sowie die Pfarrgruppen angegliedert. Ihnen steht ein ehrenamtlicher Orts- bzw. Stadtbeauftragter vor. Die Kreis- oder Stadtgeschäftsstellen unterhalb der Diözesanebene werden hauptamtlich oder ehrenamtlich geführt .
In den Unter-Gliederungen führen "Dienststellenleiter" ihre Fachbereiche.

Regionalbereiche
Aufgeteilt ist der Malteser Hilfsdienst e.V. in fünf Regionalbereiche: Baden-Württemberg, Bayern/Thüringen, Hessen/Rheinland-Pfalz/Saarland, Nord/Ost und Nordrhein-Westfalen

Organisation der Notfallvorsorge[Bearbeiten]

Im Bereich der Notfallvorsorge übernimmt der Malteser Hilfsdienst die üblichen Strukturen des Katastrophenschutzes. Der Leiter Einsatzdienste und/oder Leiter Notfallvorsorge bildet als Alarmspitze einen Ansprechpartner für die Katastrophenschutzbehörden. Ihm unterstehen Züge, Gruppen und Trupps mit ihren jeweiligen Führungskräften. Auch die Bildung besonderer Katastrophenschutzeinheiten wie etwa Schnelleinsatzgruppen ist möglich.

Tätigkeitsbereiche[Bearbeiten]

Der Malteser Hilfsdienst e. V. ist für die ehrenamtliche Arbeit der Malteser zuständig. Diese umfasst vor allem die folgenden Aufgabenbereiche.

Ausbildung[Bearbeiten]

An vielen Orten im Bundesgebiet bieten die Malteser unterschiedliche Lehrgänge im Bereich der Breitenausbildung (Erste-Hilfe-Kurse, lebensrettende Sofortmaßnahmen etc.) an. Im Jahr 2005 wurde ein auf die DIN 9001 ausgerichtetes Qualitätsmanagement im Bereich der Ausbildung eingeführt. Dadurch ist ein bundeseinheitlicher Standard in der Ausbildung sichergestellt. Die Malteser sind in Deutschland Marktführer in der Ausbildung von Pflegehilfspersonal; die Qualifizierung zur Schwesternhelferin und zum Pflegediensthelfer wird vielerorts angeboten und durch verschiedene Programme der Agentur für Arbeit finanziell unterstützt. Für die Qualität des Lehrgangsangebotes vor Ort ist jeweils ein Leiter Ausbildung verantwortlich, der je nach Größe der Gliederung sowohl haupt- als auch ehrenamtlich beschäftigt sein kann. Die Ausbildung, Fortbildung und Weiterbildung im Rettungsdienst wird an folgenden sechs Malteser-Schulen in Deutschland durchgeführt: - Aachen, Nellinghof, Bonn, Dortmund, Regensburg und Wetzlar.[4]

Auslandsdienst[Bearbeiten]

Der erste Auslandseinsatz des Malteser Hilfsdienstes erfolgte vom 24. November 1956 bis zum 16. Januar 1957 an der österreichisch-ungarischen Grenze zwecks Betreuung ungarischer Flüchtlinge während der Ungarnkrise.[5] 1966 bis 1975 fand der bislang größte Auslandseinsatz der Malteser in Südvietnam während des Vietnam-Kriegs statt, bei dem drei Helfer ums Leben kamen.[6] Der zentrale Auslandsdienst wurde im Jahr 2005 aus dem Malteser Hilfsdienst e. V. ausgegliedert und ist jetzt als Malteser International e. V. (Auslandshilfswerk des Malteserordens) übernational mit Sitz in Köln tätig. In vielen Gliederungen der Malteser findet ehrenamtliche Auslandsarbeit – insbesondere mit Ost- und Südosteuropa – statt.

Jugend[Bearbeiten]

Die Malteser Jugend ist die in Gruppen zusammengeschlossene Gemeinschaft von Jugendlichen bis zum 27. Lebensjahr im Malteser Hilfsdienst e. V. Die Schwerpunkte der Jugendarbeit werden definiert durch die im Leitbild festgelegten vier Säulen der Malteser Jugend, dies sind im Einzelnen:

  • Bildungsarbeit
  • aktive Freizeitgestaltung
  • malteserspezifische Ausbildung (z. B. Erste Hilfe)
  • soziales Engagement.

Das Fundament der Malteser Jugendarbeit bildet der Glaube an Jesus Christus.

Die Jugendlichen sollen bestärkt werden, ihre Mitverantwortung für Kirche, Gesellschaft und Staat zu erkennen und zu tragen. Neben den regelmäßigen Gruppenstunden im Ortsverband sind es besonders die Fahrten, Zeltlager und Seminare, die das Vereinsleben prägen. Die Malteser Jugend hat es in den letzten Jahren geschafft, entgegen dem Trend in anderen Jugendverbänden ihre Mitgliederzahl (etwa 7.600) zu halten und sogar zu erhöhen.

Notfallvorsorge[Bearbeiten]

Einsatzleitwagen ELW2 der Würzburger Malteser

Zum Bereich der Notfallvorsorge gehören die beiden großen Bereiche Katastrophenschutz und Sanitätsdienst. Hierzu halten die Malteser bundesweit Einheiten wie z. B. Sanitäts- und Betreuungszüge oder Fernmeldezüge vor. Bei Großveranstaltungen wie dem Heiligen Jahr 2000 in Rom, dem Weltjugendtag in Köln, dem Besuch von Papst Benedikt in Bayern oder den Katholikentagen sind die Malteser regelmäßig im Einsatz.

Zur Notfallvorsorge gehört auch der Bereich der psychosozialen Notfallversorgung und damit die Fachbereiche Notfallseelsorge, Krisenintervention und Hilfe für Helfer (CISM).

Soziale Dienste[Bearbeiten]

Die sozialen Dienste im Malteser Hilfsdienst e. V. sind der Hospizdienst sowie die ehrenamtlichen Besuchs- und Begleitdienste (BBD), in den Diözesen Speyer, Augsburg und Freiburg zudem eine bundesweit zertifizierte Ausbildung zum Tanzleiter im Sitzen. Die BBD bilden eine Schnittstelle zu den sozialunternehmerischen Diensten der Malteser Hilfsdienst gGmbH und stellen teilweise auch eine Kooperation mit Pfarrgemeinden vor Ort dar (u. a. bei Krankenbesuchen).

Ehrenmitglieder[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Hans Joachim Bodenbach und Wolfgang Wagner: Arzneimittel im Rettungsdienst. Am Beispiel des Malteser Hilfsdienstes (für Hamburg und Schleswig-Holstein), in: DAZ, Deutsche Apotheker Zeitung 139, 27, Stuttgart, v. 8. Juni 1999, S. 33 (2641) - 42 (2644) (mit 1 Abb. in Farbe und Tabellen)
  • Hans Joachim Bodenbach: Apotheker des Malteser Hilfsdienstes: Studienreise nach Malta. In: Deutsche Apotheker-Zeitung (DAZ), 140. Jahrgang, Nr. 4. vom 27. Januar 2000. Stuttgart 2000, S. 81 (365) - 83 (367) (mit 5 Farb.-Abb. )
  • Hans Joachim Bodenbach und Wolfgang Wagner: Arzneimittel im Rettungsdienst der Malteser in den Bundesländern Hamburg und Schleswig-Holstein, in: Apothekenmagazin 19, Oktober 2001, Oberhausen 2001, S. 8, 10, 12, 14 und 19 (mit 4 Farb.-Abb. und mehreren Tabellen), PDF

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Malteser Hilfsdienst – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Quellenangaben[Bearbeiten]

  1. Satzung des Malteser Hilfsdienstes e. V. (PDF; 147 kB)
  2. Malteser Hilfsdienst, 25 Jahre Dienst am Nächsten, Eigenverlag 1978, S. 18 ff.
  3. Malteser Zahlen – Daten – Fakten 2011, Stand 31. Dezember 2011 (PDF)
  4. Malteser-Schulen
  5. Malteser Hilfsdienst, 25 Jahre Dienst am Nächsten, Eigenverlag 1978, S. 25
  6. Malteser Hilfsdienst, 25 Jahre Dienst am Nächsten, Eigenverlag 1978, S. 398