Arletty

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Arletty, eigentlich Léonie Bathiat, (* 15. Mai 1898 in Courbevoie, Seine, heute Hauts-de-Seine; † 24. Juli 1992 in Paris) war eine französische Schauspielerin.

Leben[Bearbeiten]

Arletty war Stenotypistin, Mannequin und Revuetänzerin. Sie debütierte 1930 im Film und wurde bald zu einem Star. Vorzugsweise spielte sie Vamps, Prostituierte und die Femme fatale. Sie spielte in Klassikern des französischsprachigen Kinos wie Marcel Carnés Hotel du Nord und in dem Drama Die Nacht mit dem Teufel. Ihre berühmteste Rolle war die der Garance in Kinder des Olymp.

Auf dem Höhepunkt ihrer Popularität stand sie berühmten Malern ihrer Zeit wie Georges Braque, Moise Kisling und Henri Matisse Modell und galt als Muse von Dichtern wie Jacques Prévert und Céline sowie von Modeschöpfern wie Alaia.

Nach dem Zweiten Weltkrieg begann jedoch ihr Stern zu sinken: Da sie eine Affäre mit dem deutschen Luftwaffenoffizier Hans-Jürgen Soehring (1908–1960) hatte, verbrachte sie zwei Monate als Kollaborateurin im Gefängnis und erhielt bis 1949 keine Rollen mehr. Ihre Haltung rechtfertigte sie mit den Worten: „Mein Herz schlägt französisch, aber mein Hintern ist international.“ Die Reaktion ihre Umgebung kommentierte sie mit: „Ich war die meisteingeladene Frau, nun bin ich die Meistausgeladene.“[1] Später spielte sie zwar wieder in Filmen, erreichte aber nicht mehr ihren früheren Erfolg.

Nach einem Unfall erblindete sie im Alter von 68 Jahren vollständig.

1971 veröffentlichte Arletty ihre Memoiren unter dem Titel La Défense – ein doppeldeutiger Titel, da er neben der wörtlichen Bedeutung noch eine zweite Interpretationsmöglichkeit bietet: La Défense heißt das Stadtviertel, in dem Arletty ihre Jugend verbrachte.

Arletty starb im Alter von 94 Jahren am 24. Juli 1992 in Paris. Sie wurde eingeäschert und auf dem Nouveau Cimetière in Courbevoie beigesetzt[2].

Filmografie (Auswahl)[Bearbeiten]

  • 1931: Un chien qui rapporte
  • 1932: Enlevez-moi
  • 1935: Spiel in Monte Carlo (Pension Mimosa)
  • 1937: Les perles de la couronne
  • 1938: Fric-Frac
  • 1938: Hotel du Nord (Hôtel du Nord)
  • 1939: Circonstances atténuantes
  • 1939: Der Tag bricht an (Le jour se lève)
  • 1942: Die Nacht mit dem Teufel (Le visiteur du soir)
  • 1942: Meine größte Liebe (La femme que j’ai le plus aimé)
  • 1945: Kinder des Olymp (Les enfants du paradis)
  • 1949: Portrait d'un assassin
  • 1951: Die Hexe von Montmartre (Gibier de potence)
  • 1951: L'amour, Madame
  • 1953: Die letzte Etappe (Le grand jeu)
  • 1954: Die Luft von Paris (L'air de Paris)
  • 1955: Geschlossene Gesellschaft (Huis clos)
  • 1957: Nächte auf Tahiti (Passager clandestin)
  • 1958: Die Affären von Madame M. (Maxime)
  • 1958: Leben und lieben lassen (Un drôle de dimanche)
  • 1961: Die tolle Masche (La gamberge)
  • 1961: Wir bitten zu Bett (Les petits matins)
  • 1962: Der längste Tag (The Longest Day)
  • 1962: Tempo di Roma

Literatur[Bearbeiten]

  • James Lord: Mademoiselle Atmosphère. Arletty in: Außergewöhnliche Frauen. Sechs Porträts S. 53 - 100. Matthes, München 1995 ISBN 3-88221-803-7 (auch: Fischer TB)
  • Klaus Harpprecht: Eine Liebe in Zeiten des Krieges. Die Geschichte des französischen Filmstars A., …, und ihres deutschen Offiziers Hans Jürgen Soehring…, Die Zeit Nr. 32 vom 30. Juli 2009, S. 78, online
  • Klaus Harpprecht: Arletty und ihr deutscher Offizier: Eine Liebe in Zeiten des Krieges, S. Fischer Verlag, Frankfurt am Main 2011. ISBN 978-3-10-030062-1[3][4]

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. „J’étais la femme la plus invitée, je suis la plus évitée.“ Zitiert in: Harpprecht: Eine Liebe in Zeiten des Krieges. In: Die Zeit vom 30. Juli 2009, online
  2. Arletty-Leonie Bathiat auf findagrave.com
  3. Madame meinte zurecht, dass die Männer in ihrem Bett nur sie selbst etwas angingen in: FAZ vom 14. Juni 2011, Seite 32
  4. Helmut Böttiger: Eine Liebesgeschichte zwischen den Fronten, Rezension zu: Klaus Harpprecht: "Arletty und ihr deutscher Offizier. Eine Liebe in Zeiten des Krieges", S. Fischer Verlag, in: Büchermarkt, Deutschlandfunk, 8. Mai 2011