Gérard Depardieu
Gérard Xavier Marcel Depardieu (Gérard Depardieu
anhören?/i, russisch Жерар Ксавье Марсель Депардьё, * 27. Dezember 1948 in Châteauroux, Indre, Frankreich) ist ein französisch-russischer Schauspieler, Unternehmer und Winzer. Seit den 1970er Jahren zählte er zu den führenden französischen Charakterdarstellern, ist aber auch in populären Komödien wie den Asterix-Filmen sehr erfolgreich, in denen er die Rolle des Obelix spielt.
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Leben und Werk [Bearbeiten]
Gérard Depardieu wurde als drittes von sechs Kindern eines Blechschmieds geboren. Nach schulischen Problemen aufgrund von Sprachstörungen galt er als labil und aufsässig. Im Alter von dreizehn Jahren begann er eine Druckerlehre, brach diese jedoch bald ab. In seiner Freizeit widmete er sich in einer US-Kaserne dem Boxsport. 1964 wurde er von einem Freund, dem Schauspielschüler Michel Pilorgé, überredet, mit ihm nach Paris zu ziehen. Nach einer Molière-Aufführung beschloss Depardieu Schauspieler zu werden. Am Théâtre National Populaire erhielt er kostenlosen Unterricht, ab 1966 absolvierte er die École d'Art Dramatique von Jean-Laurent Cochet am Theâtre Edouard VI. Eine seiner damaligen Mitschülerinnen war Claude Jade, später unterrichtete Cochet auch Depardieus künftige Verlobte Carole Bouquet. Bald folgten Engagements am Theater sowie kleine Auftritte in Film und Fernsehen.
Auf Vermittlung des Regisseurs Claude Regy lernte Depardieu die Regisseurin und Schriftstellerin Marguerite Duras kennen, mit der er in den folgenden Jahren vier Filme drehte. 1971 erschienen die Dramen Nathalie Granger und 1974 Die Ausgebufften (unter anderen mit Jeanne Moreau, Patrick Dewaere und Miou-Miou), die ihm den Durchbruch brachten. Nachdem sich in den 1980er Jahren zahlreiche ältere Schauspieler, die das französische Kino jahrzehntelang geprägt hatten, zurückzogen (oder verstarben), rückte Depardieu mit Mitte 30 endgültig zum führenden Star seines Heimatlandes auf. Seit Anfang der 1990er Jahre ist Depardieu neben Jean Reno einer der wenigen männlichen französischen Schauspieler, die sich auch in internationalen Produktionen bewähren konnten. 1991 erhielt er für die Titelrolle in Jean-Paul Rappeneaus Cyrano von Bergerac seine bisher einzige Oscar-Nominierung. Dabei ist er sich selbst für Cameo-Auftritte in Produktionen befreundeter Künstler nicht zu schade, wie bei Husar auf dem Dach (1995), wo er einen feigen Kriminalinspektor verkörpert, der den Helden erst die Flucht ermöglicht. Bis heute war der Schauspieler (Die Zeit: „Ich habe auch viel Müll gedreht.“[1]) in über 170 Film- und Fernsehrollen zu sehen.
Für den wichtigsten französischen Filmpreis César war Depardieu sechzehnmal nominiert, was einen einsamen Rekord darstellt. Depardieu erreichte größere Aufmerksamkeit durch seine Rolle als Gegenspieler von Fanny Ardant in dem Film von François Truffaut Die Frau nebenan. Seinen ersten César gewann er für die Hauptrolle in François Truffauts Die letzte Metro. Synchronisiert wird Depardieu in der deutschen Version seiner Filme vom Schauspieler Manfred Lehmann. Neben der Schauspielerei ist Depardieu als Winzer tätig: Auf seinem Weingut Château de Tigné im Anjou[2] keltert und verkauft er eigenen Wein. Im Oktober 2004 erschien Mein Kochbuch von ihm. Depardieu besitzt zwei Restaurants in Paris. Depardieu macht zudem Werbung für eine deutsche Käsemarke, die Harzer Käse herstellt.[3] Er besitzt auch eine Filmproduktionsfirma.
In den letzten Jahren fiel Depardieu gelegentlich durch ungewöhnliches Verhalten auf. Im Jahr 2005 bezeichnete er seine Landsleute als blöd, weil einige davon ihn bei einem Auftritt in einer englischen Talkshow für betrunken gehalten hatten.[4] Auf einem Flug der Air France urinierte Depardieu im August 2011 in den Gang, weil die Stewardess ihm während der Startphase den Gang zur Toilette untersagt hatte.[5] Im Sommer 2012 erzielte Depardieu erneut Medienaufmerksamkeit, weil er bei einem Verkehrsunfall einen tätlichen Angriff auf den Unfallgegner unternommen und anschließend Fahrerflucht begangen haben soll.[6] Anfang 2013 erschien Depardieu nicht zu einem Gerichtstermin in Frankreich. In dem Verfahren geht es um einen Vorfall, bei dem Depardieu im November 2012 in Paris betrunken vom Motorroller gefallen ist.[7]
Um den seiner Meinung nach zu hohen Steuerzahlungen in Frankreich von 75 % künftig zu entgehen ("Steuerflucht"), verlagerte Depardieu im Dezember 2012 seinen Wohnsitz medienwirksam aus Frankreich in den belgischen Grenzort Estaimpuis-Néchin.[8] Gleichzeitig kündigte er an, die französische Staatsbürgerschaft zurückgeben zu wollen.[9] Von den regierenden Sozialisten wurde dieses Verhalten scharf kritisiert. Premierminister Jean-Marc Ayrault sagte, das habe „schon etwas Armseliges“[10] (»assez minable«[11]). Am 20. Dezember 2012 bot Russlands Präsident Wladimir Putin Depardieu die russische Staatsbürgerschaft an.[12] Gérard Depardieu beantragte Anfang Januar 2013 offiziell die russische Staatsbürgerschaft und erhielt diese am 3. Januar 2013 von Wladimir Putin per Ukas.[13] Ein Verzicht auf die französische Staatsangehörigkeit ist nach dem Code civil nur möglich, wenn die Person zuvor eine andere Staatsangehörigkeit erworben hat.[14] Seinen Wohnsitz hat er offiziell in der Stadt Saransk, wo er auch beabsichtigt, ein Restaurant zu eröffnen.[15]
Familie [Bearbeiten]
Depardieu war von 1970 bis 1996 mit der Schauspielerin Elisabeth Depardieu verheiratet, die nach der Scheidung 1996 wieder ihren Geburtsnamen Guignot angenommen hat. Aus der Ehe gingen die beiden Kinder Guillaume und Julie hervor, die ebenfalls erfolgreiche Schauspieler wurden. Guillaume Depardieu verstarb im Oktober 2008 im Alter von 37 Jahren an einer Lungenentzündung.
Depardieu hat außerdem zusammen mit Karine Silla eine im Januar 1992 geborene Tochter namens Roxane.
Nach seiner Scheidung von Elisabeth im Jahre 1996 begann er eine Beziehung mit der französischen Schauspielerin Carole Bouquet. Verlobt waren die beiden von 2003 bis 2005. Seit diesem Jahr lebt er mit der 29 Jahre jüngeren Clémentine Igou zusammen, einer ehemaligen Literaturstudentin der Harvard-Universität, die ein Weingut in der Toskana verwaltet.
Zitat [Bearbeiten]
Am 7. Januar 2013 sagte Gérard Depardieu in der Öffentlichkeit dies:
„J'ai un passeport russe mais je suis Français - Ich habe einen russischen Pass, aber ich bin Franzose“
– Gérard Depardieu[16]
Zuvor hatte die Regierung unter François Hollande die Einführung einer 75%-igen Reichensteuer beschlossen, welche vom Verfassungsrat allerdings zunächst kassiert wurde.[17]
Weingüter und weitere unternehmerische Betätigung [Bearbeiten]
Seit den späten 1980er Jahren investiert Depardieu speziell in den Weinbau. Zunächst kaufte er im Jahr 1989 das Château Tigné[18] im Anjou und tat sich später mit dem aus Bordeaux stammenden Önologen Bernard Magrez in dem Unternehmen Clé du Terroir[19] zusammen. Der Schauspieler besitzt weltweit insgesamt 14 Weingüter und Ländereien, neben Château Tigné auch in den Regionen Burgund, Médoc und Hérault. Dazu kommen noch Investitionen im Maghreb, auf der Krim und in Argentinien.[20]
Neben seinem Interesse im Weinbau besitzt Depardieu gehobene Gaststätten wie die Weinbars Le Bien Décidé und Relais de la Poste, sowie zwei Luxusrestaurants in Paris, das La Fontaine Gaillon und das L'Écaille de la Fontaine.[21] Er investierte ebenso in die Fischhandlung Moby Dick[22] und in ein Feinkostgeschäft mit japanischen Delikatessen,[23] allesamt in der Rue du Cherche-Midi, scherzhaft auch „Rue Depardieu“ genannt, in Paris.
Filmografie [Bearbeiten]
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Auszeichnungen und Nominierungen [Bearbeiten]
- 1975: Quartett Bestial (Sept morts sur ordonnance), César-Nominierung für den besten Darsteller
- 1976: Die letzte Frau (La dernière femme), César-Nominierung für den besten Darsteller
- 1977: Sag ihm, dass ich ihn liebe, auch bekannt als Süsser Wahn oder Der süsse Wahn (Dites-lui que je l’aime), César-Nominierung für den besten Darsteller
- 1978: Zucker, Zucker (Le sucre), César-Nominierung für den besten Darsteller
- 1981: César, Bester Hauptdarsteller, Die letzte Metro
- 1983: Danton, César-Nominierung für den besten Darsteller
- 1983: Les compères, César-Nominierung für den besten Darsteller
- 1984: Fort Saganne, César-Nominierung für den besten Darsteller
- 1985: Filmfestspiele Venedig, Bester Hauptdarsteller, Der Bulle von Paris
- 1985: Chevalier des Ordre national du Mérite
- 1987: Unter der Sonne Satans (Sous le soleil de Satan), César-Nominierung für den besten Darsteller
- 1988: Camille Claudel (Camille Claudel), César-Nominierung für den besten Darsteller
- 1989: Zu schön für Dich (Trop belle pour toi), César-Nominierung für den besten Darsteller
- 1990: Filmfestspiele Cannes 1990, Bester Hauptdarsteller, Cyrano von Bergerac
- 1990: Europäischer Filmpreis für Bester Darsteller, Nominierung, Cyrano von Bergerac
- 1991: César, Bester Hauptdarsteller, Cyrano von Bergerac
- 1991: Oscar, Nominierung Bester Hauptdarsteller, Cyrano von Bergerac
- 1991: Golden Globe Award Bester Hauptdarsteller, Green Card
- 1992: British Academy Film Award, Bester Hauptdarsteller, Nominierung, Cyrano von Bergerac
- 1994: Die Auferstehung des Colonel Chabert (Le colonel Chabert), César-Nominierung für den besten Darsteller
- 1996: Ritter der Ehrenlegion
- 1997: Internationale Filmfestspiele von Venedig 1997, Goldener Löwe für sein Lebenswerk
- 1998: DIVA-Award
- 2002: Ritter (frz. Chevalier) des Ordre national du Québec;[24] dies wird im Bereich des Commonwealth mit dem Namenszusatz CQ abgekürzt
- 2006: Moscow International Film Festival: Stanislavsky-Preis für das schauspielerische Lebenswerk
- 2006: Chanson d’Amour (Quand j’étais chanteur), César-Nominierung für den besten Darsteller
- 2010: Mammuth, César-Nominierung für den besten Darsteller
Schriften [Bearbeiten]
- Gestohlene Briefe. Droemer Knaur, 1989, ISBN 3-426-02951-0.
- Mein Kochbuch. Zabert Sandmann, 2004, ISBN 3-89883-098-5.
- Ich liebe das Leben, das Leben liebt mich. Heyne, 2005, ISBN 978-3-453-64016-0.
Literatur [Bearbeiten]
- Meinolf Zurhorst: Gérard Depardieu. Seine Filme, sein Leben. Heyne Film- und Fernsehbibliothek Band 162. Heyne, München 1991, ISBN 3-453-05237-4.
- Paul Chutkow: Gérard Depardieu. Vom Straßenkind zum Superstar. Kindler Verlag, München 1994, ISBN 3-463-40250-5.
Dokumentarfilme [Bearbeiten]
- Gérard Depardieu – Mein Leben. Dokumentation, Deutschland, 2008, 43 Min., Regie: Andreas Schlosser und Andreas Strasser, Produktion: ZDF, Erstsendung: 23. November 2008, arte. (Inhaltsangabe von arte)
- Depardieu, voll im Leben. Dokumentation, Frankreich, 1999, 52 Min., Buch: Jean-Claude Esguevives, Jean-Claude Guidicelli, Serge Toubiana, Regie: Jean-Claude Guidicelli, Produktion: Pmp – Morgane. (Inhaltsangabe von arte)
Weblinks [Bearbeiten]
- Gérard Depardieu in der Internet Movie Database (englisch)
- Literatur von und über Gérard Depardieu im Katalog der Deutschen Nationalbibliothek
- Biographie bei WHO'S WHO. The People-Lexicon
- Ein ganzer Kerl – Porträt von Roland Mörchen im film-dienst 26/2008
- Filmstart: »Ein Körper ist nicht genug«, Die Zeit, 11. Januar 2007 Nr. 3, Interview
- Heiliges Monster – Porträt von Birgit Roschy für epd film/evangelisch.de 2010
Einzelnachweise [Bearbeiten]
- ↑ Filmstart: »Ein Körper ist nicht genug«, Die Zeit, 11. Januar 2007
- ↑ Château de Tigné auf chateaudetigne.com
- ↑ Obelix in Hamburg – Gérard Depardieu macht Werbung für Harzer Käse, Hamburger Abendblatt, 26. Januar 2010.
- ↑ Bericht auf dradio.de
- ↑ Bericht auf spiegel.de
- ↑ Bericht auf eonline.com
- ↑ Bericht auf Spiegel Online
- ↑ Christian Schubert: Gerard Dépardieu flieht vor Frankreichs Steuern. faz.net, 10. Dezember 2012, abgerufen am 3. Januar 2013
- ↑ Bericht auf faz.net
- ↑ Regierung Hollande verdirbt es sich mit Superreichen Handelsblatt Online, 18. Dezember 2012
- ↑ Ayrault juge «assez minable» le départ de Depardieu Libération,12. Dezember 2012.
- ↑ Putin bietet Gérard Depardieu russischen Pass an. In: RIA Novosti. 20. Dezember 2012, abgerufen am 21. Dezember 2012 (deutsch).
- ↑ Putin gewährt Gérard Depardieu russische Staatsbürgerschaft. In: RIA Novosti. 3. Januar 2013, abgerufen am 3. Januar 2013 (deutsch).
- ↑ Angaben auf der Seite der französischen Botschaft in Deutschland, abgerufen am 3. Januar 2013
- ↑ Depardieus Pläne in Russland: Restaurant eröffnen, Wildschweine jagen. In: SPIEGEL Online. 23. Februar 2013, abgerufen am 25. Februar 2013 (deutsch).
- ↑ Zitat aus France Info vom 7. Januar 2013
- ↑ Zeit Online: Hollandes Reichensteuer ist erstmal vom Tisch, 29. Dezember 2012 - 16:12 Uhr
- ↑ http://www.chateaudetigne.com/
- ↑ http://www.laclefdesterroirs.com/
- ↑ http://www.weinwelt.at/interspar/journal/topstories/01341.htm
- ↑ http://www.lefooding.com/restaurant/restaurant-le-bien-decide-paris.html
- ↑ http://www.larvf.com/,gerard-depardieu-rachat-mobby-dick-rue-du-cherche-midi,10337,2016757.asp
- ↑ http://www.ladepeche.fr/article/2013/01/04/1528698-depardieu-russe-j-irai-vivre-dans-les-bois-au-sud-de-moscou.html
- ↑ Nachweis auf der Seite des Ordens, abgerufen am 3. Januar 2013
| Personendaten | |
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| NAME | Depardieu, Gérard |
| ALTERNATIVNAMEN | Depardieu, Gérard Xavier Marcel |
| KURZBESCHREIBUNG | französisch-russischer Schauspieler |
| GEBURTSDATUM | 27. Dezember 1948 |
| GEBURTSORT | Châteauroux, Frankreich |