Gérard Depardieu

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Depardieu 1991 bei der César-Verleihung

Gérard Xavier Marcel Depardieu (Gérard Depardieu anhören?/i, russisch Жерар Ксавье Марсель Депардьё, * 27. Dezember 1948 in Châteauroux, Indre) ist ein Schauspieler französischer Herkunft, der seit 2013 auch die russische Staatsbürgerschaft besitzt.[1] Seit den 1970er Jahren zählt er zu den führenden französischen Charakterdarstellern. Er war aber auch in populären Komödien wie den Asterix-Filmen, in denen er die Rolle des Obelix spielte, sehr erfolgreich.

Leben und Werk[Bearbeiten]

Gérard Depardieu wurde als drittes von sechs Kindern eines Blechschmieds geboren. Er wuchs in einem Arbeiterhaushalt in Châteauroux auf, seine Eltern konnten weder lesen noch schreiben. Nach schulischen Problemen aufgrund von Sprachstörungen galt er als labil und aufsässig. Im Alter von dreizehn Jahren begann er eine Druckerlehre, brach diese jedoch bald ab. In seiner Freizeit widmete er sich in einer US-Kaserne dem Boxsport. Depardieu geriet mehrmals aufgrund von Diebstählen und Schmuggel mit der Polizei und dem Zoll in Konflikt. 1964 wurde er von einem Freund, dem Schauspielschüler Michel Pilorgé, überredet, mit ihm nach Paris zu ziehen. Nach einer Molière-Aufführung beschloss Depardieu Schauspieler zu werden. Am Théâtre National Populaire erhielt er kostenlosen Unterricht, ab 1966 absolvierte er die École d'Art Dramatique von Jean-Laurent Cochet am Theâtre Edouard VI. Eine seiner damaligen Mitschülerinnen war Claude Jade, später unterrichtete Cochet auch Depardieus künftige Verlobte Carole Bouquet. Bald folgten Engagements am Theater sowie kleine Auftritte in Film und Fernsehen.

Auf Vermittlung des Regisseurs Claude Regy lernte Depardieu die Regisseurin und Schriftstellerin Marguerite Duras kennen, mit der er in den folgenden Jahren vier Filme drehte. 1971 erschienen die Dramen Nathalie Granger und 1974 Die Ausgebufften (unter anderen mit Jeanne Moreau, Patrick Dewaere und Miou-Miou), die ihm den Durchbruch brachten. Nachdem sich in den 1980er Jahren zahlreiche ältere Schauspieler, die das französische Kino jahrzehntelang geprägt hatten, zurückzogen (oder verstarben), rückte Depardieu mit Mitte 30 endgültig zum führenden Star seines Heimatlandes auf. Seit Anfang der 1990er Jahre ist Depardieu neben Jean Reno einer der wenigen männlichen französischen Schauspieler, die sich auch in internationalen Produktionen bewähren konnten. 1991 erhielt er für die Titelrolle in Jean-Paul Rappeneaus Cyrano von Bergerac seine bisher einzige Oscar-Nominierung. Dabei ist er sich selbst für Cameo-Auftritte in Produktionen befreundeter Künstler nicht zu schade, wie bei Husar auf dem Dach (1995), wo er einen feigen Kriminalinspektor verkörpert, der den Helden erst die Flucht ermöglicht. Bis heute war der Schauspieler (Die Zeit: „Ich habe auch viel Müll gedreht.“[2]) in über 170 Film- und Fernsehrollen zu sehen.

Für den wichtigsten französischen Filmpreis César war Depardieu sechzehnmal nominiert, was einen einsamen Rekord darstellt. Depardieu erreichte größere Aufmerksamkeit durch seine Rolle als Gegenspieler von Fanny Ardant in dem Film von François Truffaut Die Frau nebenan. Seinen ersten César gewann er für die Hauptrolle in François Truffauts Die letzte Metro. Synchronisiert wird Depardieu in der deutschen Version seiner Filme vom Schauspieler Manfred Lehmann. Neben der Schauspielerei ist Depardieu als Winzer tätig: Auf seinem Weingut Château de Tigné im Anjou[3] keltert und verkauft er eigenen Wein. Im Oktober 2004 erschien Mein Kochbuch von ihm. Depardieu besitzt zwei Restaurants in Paris. Depardieu macht zudem Werbung für eine deutsche Käsemarke, die Harzer Käse herstellt.[4] Er besitzt auch eine Filmproduktionsfirma.

Gérard Depardieu trifft Wladimir Putin am 6. Januar 2013 in Sotschi.

In den vergangenen Jahren fiel Depardieu gelegentlich durch ungewöhnliches Verhalten auf. Im Jahr 2005 bezeichnete er seine Landsleute als „blöd“, weil einige ihn bei einem Auftritt in einer englischen Talkshow für betrunken gehalten hatten.[5] Auf einem Flug der Air France urinierte Depardieu im August 2011 in den Gang, weil die Stewardess ihm während der Startphase den Gang zur Toilette untersagt hatte.[6]

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Bitte überprüfen, wie kann eine Fahrerlaubnis rückwirkend ausgestellt, ein vorher ausgesprochenes Fahrverbot aufheben? Schließlich hat D. das Delikt bereits im Sommer 2012 begangen, während er seinen Wohnsitz nach Quellenlage erst im Dez. 2012 nach Belgien verlagerte.

Im Sommer 2012 erzielte Depardieu erneut Medienaufmerksamkeit, weil er bei einem Verkehrsunfall einen tätlichen Angriff auf den Unfallgegner unternommen und anschließend Fahrerflucht begangen haben soll.[7] In den Jahren 1990, 1998 und 2012 verursachte Depardieu unter Alkoholeinfluss von bis zu 2,55 Promille Verkehrsunfälle und erhielt dafür zwei Bewährungsstrafen, sowie im letzten Fall eine Geldstrafe in Höhe von € 4000,- und ein Fahrverbot von 6 Monaten. Depardieu kann allerdings weiterhin Auto und Motorroller fahren, weil er auch eine belgische Fahrerlaubnis besitzt. Er hat sie sich an seinem dortigen Wohnsitz ausstellen lassen und diese Fahrerlaubnis kann in Frankreich nicht eingezogen werden.[8]

Um den seiner Meinung nach zu hohen Steuerzahlungen in Frankreich von 75 % künftig zu entgehen („Steuerflucht“), verlagerte Depardieu im Dezember 2012 seinen Wohnsitz medienwirksam aus Frankreich in den belgischen Grenzort Estaimpuis-Néchin.[9] Gleichzeitig kündigte er an, die französische Staatsbürgerschaft zurückgeben zu wollen.[10] Von den regierenden Sozialisten wurde dieses Verhalten scharf kritisiert. Premierminister Jean-Marc Ayrault sagte, das habe „schon etwas Armseliges“[11] (»assez minable«[12]). Am 20. Dezember 2012 bot Russlands Präsident Wladimir Putin Depardieu die russische Staatsbürgerschaft an.[13] Gérard Depardieu beantragte Anfang Januar 2013 offiziell die russische Staatsbürgerschaft und erhielt diese am 3. Januar 2013 von Wladimir Putin per Ukas.[14] Ein Verzicht auf die französische Staatsangehörigkeit ist nach dem Code civil nur möglich, wenn die Person zuvor eine andere Staatsangehörigkeit erworben hat.[15] Am 7. Januar 2013 bemerkte Gérard Depardieu in der Öffentlichkeit zu seiner neuen Staatsbürgerschaft:

«J'ai un passeport russe mais je suis Français»

Ich besitze einen russischen Pass, aber ich bin Franzose

Gérard Depardieu[16]

Zuvor hatte die Regierung unter François Hollande die Einführung einer 75%-igen Reichensteuer beschlossen, welche vom Verfassungsrat allerdings zunächst gekippt wurde.[17]

Seinen Wohnsitz hat er offiziell in der Stadt Saransk, wo er auch beabsichtigte, ein Restaurant zu eröffnen.[18]

Familie[Bearbeiten]

Depardieu war von 1970 bis 1996 mit der Schauspielerin Élisabeth Guignot verheiratet, die nach der Scheidung 1996 wieder ihren Geburtsnamen angenommen hat. Aus der Ehe gingen die beiden Kinder Guillaume und Julie hervor, die ebenfalls erfolgreiche Schauspieler wurden. Der Sohn Guillaume verstarb bereits im Oktober 2008 im Alter von 37 Jahren an einer Lungenentzündung.

Depardieu hat außerdem zusammen mit Karine Silla eine im Januar 1992 geborene Tochter namens Roxane.

Nach seiner Scheidung von Elisabeth im Jahre 1996 begann er eine Beziehung mit der französischen Schauspielerin Carole Bouquet. Verlobt waren die beiden von 2003 bis 2005. Seit diesem Jahr lebt er mit der 29 Jahre jüngeren Clémentine Igou zusammen, einer ehemaligen Literaturstudentin der Harvard-Universität, die ein Weingut in der Toskana verwaltet. Von 2001 bis 2006 führte er außerdem eine Beziehung mit Hélène Bizot (nicht zu verwechseln mit der gleichnamigen Schauspielerin), mit ihr hat er einen gemeinsamen Sohn namens Jean (*14. Juli 2006). Depardieu benannte sein jüngstes Kind nach seinem verstorbenen Freund Jean Carmet.

Weingüter und weitere unternehmerische Betätigung[Bearbeiten]

Seit den späten 1980er Jahren investiert Depardieu speziell in den Weinbau. Zunächst kaufte er im Jahr 1989 das Château Tigné[19] im Anjou und tat sich später mit dem aus Bordeaux stammenden Önologen Bernard Magrez in dem Unternehmen Clé du Terroir[20] zusammen. Der Schauspieler besitzt weltweit insgesamt 14 Weingüter und Ländereien, neben Château Tigné auch in den Regionen Burgund, Médoc und Hérault. Dazu kommen noch Investitionen im Maghreb, auf der Krim und in Argentinien.[21]

Neben seinem Interesse im Weinbau besitzt Depardieu gehobene Gaststätten wie die Weinbars Le Bien Décidé und Relais de la Poste, sowie zwei Luxusrestaurants in Paris, das La Fontaine Gaillon und das L'Écaille de la Fontaine.[22] Er investierte ebenso in die Fischhandlung Moby Dick[23] und in ein Feinkostgeschäft mit japanischen Delikatessen,[24] allesamt in der Rue du Cherche-Midi, scherzhaft auch „Rue Depardieu“ genannt, in Paris.

Filmografie[Bearbeiten]

Auszeichnungen und Nominierungen[Bearbeiten]

Schriften[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Meinolf Zurhorst: Gérard Depardieu. Seine Filme, sein Leben. Heyne Film- und Fernsehbibliothek Band 162. Heyne, München 1991, ISBN 3-453-05237-4.
  • Paul Chutkow: Gérard Depardieu. Vom Straßenkind zum Superstar. Kindler Verlag, München 1994, ISBN 3-463-40250-5.

Dokumentarfilme[Bearbeiten]

  • Gérard Depardieu – Mein Leben. Dokumentation, Deutschland, 2008, 43 Min., Regie: Andreas Schlosser und Andreas Strasser, Produktion: ZDF, Erstsendung: 23. November 2008, arte. (Inhaltsangabe von arte)
  • Depardieu, voll im Leben. Dokumentation, Frankreich, 1999, 52 Min., Buch: Jean-Claude Esguevives, Jean-Claude Guidicelli, Serge Toubiana, Regie: Jean-Claude Guidicelli, Produktion: Pmp – Morgane. (Inhaltsangabe von arte)

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Gérard Depardieu – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Gérard Depardieu is awarded Belgian citizenship. Ben Child, The Guardian, 29. August 2013.
  2. Filmstart: »Ein Körper ist nicht genug«, Die Zeit, 11. Januar 2007
  3. Château de Tigné auf chateaudetigne.com
  4. Obelix in Hamburg – Gérard Depardieu macht Werbung für Harzer Käse, Hamburger Abendblatt, 26. Januar 2010.
  5. Bericht auf dradio.de
  6. Bericht auf spiegel.de
  7. Bericht auf eonline.com
  8. Bericht auf Spiegel Online
  9. Christian Schubert: Gerard Dépardieu flieht vor Frankreichs Steuern. faz.net, 10. Dezember 2012, abgerufen am 3. Januar 2013
  10. Bericht auf faz.net
  11. Regierung Hollande verdirbt es sich mit Superreichen Handelsblatt Online, 18. Dezember 2012
  12. Ayrault juge «assez minable» le départ de Depardieu Libération,12. Dezember 2012.
  13. Putin bietet Gérard Depardieu russischen Pass an. In: RIA Novosti. 20. Dezember 2012, abgerufen am 21. Dezember 2012 (deutsch).
  14. Putin gewährt Gérard Depardieu russische Staatsbürgerschaft. In: RIA Novosti. 3. Januar 2013, abgerufen am 3. Januar 2013 (deutsch).
  15. Angaben auf der Seite der französischen Botschaft in Deutschland, abgerufen am 3. Januar 2013
  16. Zitat aus France Info vom 7. Januar 2013
  17. Zeit Online: Hollandes Reichensteuer ist erstmal vom Tisch, 29. Dezember 2012 - 16:12 Uhr
  18. Depardieus Pläne in Russland: Restaurant eröffnen, Wildschweine jagen. In: SPIEGEL Online. 23. Februar 2013, abgerufen am 25. Februar 2013 (deutsch).
  19. http://www.chateaudetigne.com/
  20. http://www.laclefdesterroirs.com/
  21. http://www.weinwelt.at/interspar/journal/topstories/01341.htm
  22. http://www.lefooding.com/restaurant/restaurant-le-bien-decide-paris.html
  23. http://www.larvf.com/,gerard-depardieu-rachat-mobby-dick-rue-du-cherche-midi,10337,2016757.asp
  24. http://www.ladepeche.fr/article/2013/01/04/1528698-depardieu-russe-j-irai-vivre-dans-les-bois-au-sud-de-moscou.html
  25. Nachweis auf der Seite des Ordens, abgerufen am 3. Januar 2013