Asse

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Der Titel dieses Artikels ist mehrdeutig. Weitere Bedeutungen sind unter Asse (Begriffsklärung) aufgeführt.

Die Asse ist ein bis 234 m hoher Höhenzug östlich von Wolfenbüttel im Landkreis Wolfenbüttel im östlichen Niedersachsen (Deutschland).

Die Durchschnittshöhe der flächenmäßig kleinen Asse (6 km lang und 2 km breit) beträgt 200 m ü. NN, womit sie die nähere Umgebung um rund 100 m überragt. Die höchste Erhebung ist mit 234 m die Remlinger Herse. Bei gutem Wetter gewährt der Höhenzug Ausblicke auf den Elm, den Harz und auf die fruchtbaren Lössflächen der Schöppenstedter und der Remlinger Mulde.

Die Gegend ist überregional bekannt durch die Schachtanlage Asse, ein ehemaliges Salzbergwerk, das seit 1965 als Forschungsbergwerk betrieben wird und in dem zwischen 1967 und 1978 die Endlagerung radioaktiver Abfälle praktiziert wurde.

Blick von Wolfenbüttel auf die Asse
Blick auf Groß Vahlberg an der Asse

Geographie[Bearbeiten]

Übersichtskarte: Die Asse südöstlich von Wolfenbüttel

Die waldreiche Asse befindet sich in Westnordwest-Ostsüdost-Richtung ausgerichtet wenige Kilometer nordwestlich der Grenze zu Sachsen-Anhalt im nördlichen Harzvorland. Sie liegt unweit östlich der Mittelstadt Wolfenbüttel bzw. westlich der Kleinstadt Schöppenstedt. Überwiegend am nördlichen Rand wird die Asse von der Altenau umflossen, die wenige Kilometer weiter westlich in die Oker mündet. Westsüdwestlich liegt der Oderwald, nordöstlich der Höhenzug Elm, der sich im Naturpark Elm-Lappwald befindet, einige Kilometer südöstlich liegt der Höhenzug Huy und südlich befindet sich jenseits des Großen Bruchs der Höhenzug Fallstein, hinter dem sich der Harz erhebt.

Verkehrsanbindung[Bearbeiten]

Der Höhenzug Asse kann über die B 79, die den Höhenzug im Südwesten tangiert, und über die B 82, die etwas südöstlich vorbei führt, sowie über die von diesen Bundesstraßen abzweigenden Nebenstraßen angesteuert werden.

Geschichte[Bearbeiten]

In direktem Zusammenhang mit dem Lössvorkommen der Asse-Gegend steht die Besiedlung des Raums (seit dem 6. Jahrtausend v. Chr.) durch donauländische Bauernkulturen. Ein zwischen Elbe und Rhein verlaufender jungsteinzeitlicher Handelsweg streift den Asse-Südrand bei Wittmar. Die vorgeschichtliche Bedeutung dieses Gebiets wird durch das jungsteinzeitliche Gräberfeld von Wittmar und zahlreiche andere Fundstellen unterstrichen.

Die Asse wird 997 als Assa in einer Ottonenurkunde erwähnt.

Auf einem schmalen Asse-Bergkamm entstand ab 1218 die Höhenburg Asseburg, eine bedeutende Reichsfeste. Die schwer einnehmbare Anlage ist seit 1492 eine Burgruine, weil sie von ihren Besitzern aufgegeben und in Brand gesteckt wurde.

Flora[Bearbeiten]

Wald[Bearbeiten]

Liebes-Allee im Asse-Wald bei Wittmar / Remlingen

Die Asse trägt Buchen- und Laubmischwald. Erwähnenswert ist die „Liebes-Allee” am Waldhaus Asse, wo auch ein neuer Lehrpfad des Freilicht- und Erlebnis Museums Ostfalen (FEMO) beginnt. Die hier stehenden Schneitel-Hainbuchen (Carpinus betulus) sind Relikte Jahrtausende währender Waldnutzung. Ulmen, Eschen, Linden und Hainbuchen wurden in vollem Laub „geschneitelt”, die Äste wurden zur Laubheugewinnung genutzt.

Pflanzen[Bearbeiten]

Anfang Mai verwandeln sich die Hänge der Asse in einen üppigen Blütenteppich. Der Höhenzug ist Lebensraum für teils sehr seltene Pflanzenarten. Namhafte Botaniker behaupten, dass nirgendwo in Norddeutschland eine vergleichbare Vielfalt anzutreffen sei. Es beginnt mit den so genannten Frühblühern: Märzenbecher und Himmelschlüssel, Lerchensporne und Buschwindröschen, Aronstab und Seidelbast. Es folgen eine Reihe äußerst seltener Orchideen, wie zum Beispiel der Bienen-Ragwurz. Bis in den September hinein hält sich die abwechslungsreiche Blütenpracht.

643 Pflanzenarten werden für die Asse genannt, davon 102 gefährdete. Hier stoßen Pflanzenarten an ihre Verbreitungsgrenze, die ihren Schwerpunkt im nordmediterranen Flaumeichengebiet, in kontinentaleuropäischen bis asiatischen Laubwaldgebieten oder sogar im Alpen- und Voralpenraum haben; mindestens 20 Arten haben in der Asse ihre absolute Nordwestgrenze. Zur Asse-Flora zählen Raritäten wie das Immenblatt (Melittis melissophyllum), das im übrigen Niedersachsen bereits völlig ausgestorben ist. Selbst das ganz seltene Weiße Fingerkraut (Potentilla alba) kann man hier noch entdecken. Diese botanischen Besonderheiten sind seit Royer, dem fürstlich braunschweigischen Gärtner des Schlosses Hessen, und damit seit dem Dreißigjährigen Krieg, bekannt. Aufgrund ihres wasserdurchlässigen, nährstoffarmen Bodens und den darauf siedelnden Pflanzengesellschaften bietet die Asse einer Fülle von Kleintieren Raum zum Leben, darunter vielen selten gewordenen Schmetterlingen. Zu den Problemen im Höhenzug gehört die Ausbreitung des Neophyts Riesen-Bärenklau, der im Magerrasen mit den seltenen Pflanzen konkurriert und die Pflegemaßnahmen des Naturschutzes erheblich erschwert.

Die Artenvielfalt in der Asse hat natürliche Gründe: Sowohl der geologische Aufbau (siehe unten) als auch die klimatischen Verhältnisse spielen hier mit. Zum einen ist die Asse ein steil aufgefalteter Schmalsattel, an dessen Hängen das Regenwasser schnell abfließt und die Sonneneinstrahlung intensiver ist. Zum anderen liegt sie haargenau an der Grenze zwischen mildem maritimem und strengerem kontinentalen Klima. Weil es hier auch noch erheblich weniger regnet als in der übrigen Braunschweiger Region, ist der Höhenzug zugleich der äußerste Vorposten des mitteldeutschen Trockengebiets um Halle. Auf mageren Halbtrocken- und Trockenrasen wachsen zahlreiche Pflanzen aus beiden Klimagebieten, darunter zähe Steppenpflanzen, die auch extreme Temperaturwechsel vertragen.

Geologie[Bearbeiten]

Erdgeschichtlich gehören die Gesteine der Asse zur Triasperiode (Mesozoikum). Buntsandstein und Muschelkalk sind die Gesteinsarten. Salz wurde bereits vor 250 bis 230 Millionen Jahren in der Zechsteinzeit aus dem Meer ausgeschieden. Die ehemals flach gelagerten Schichten wurden tektonisch vor etwa 110 Millionen Jahren zum heutigen Assesattel aufgefaltet. Die Sattelstruktur gehört zu den Schmalsätteln.[1][2] Für die Öffentlichkeit hat die Asse einen wichtigen Aspekt wegen der im Laufe der Jahrzehnte wechselnden Nutzung des unterirdischen Salzsattels. Details der Geologie wurden durch Tiefbohrungen, besonders im Bereich der aus manchen Gründen kritischen Südflanke erkundet: Der Kern des hier vorhandenen Salzsattels besteht aus älterem Steinsalz, der mit dem Staßfurth-Carnallitit überlagert wurde. Darüber liegt das jüngere Steinsalz. Während die flacher einfallende Nordflanke aus den Deckgebirgsschichten von unterem Buntsandstein bis zur Tagesoberfläche hochgedrückt worden ist, besteht die steilstehende Südflanke aus dem Oberen Buntsandstein mit Muschelkalk und den darauffolgenden Deckgebirgsschichten.

Asseschacht[Bearbeiten]

In der bergmännischen Geschichte der Asse wurde zunächst Carnallit abgebaut, später Staßfurt- und Leine-Steinsalz. Der geologische Schnitt lässt die Südwestflanke als Bereich besonders intensiven Abbaus erkennen, in dem Gebiet also, in dem die Schichten des Deckgebirges steil stehen. Diese Eingriffe haben den Spannungszustand des Salzsattels beeinträchtigt. Umlagerungen führten hier und im Deckgebirge zu Verformungen, welche sich bis hinauf zur Tagesoberfläche durchpausen.

Schachtanlage Asse[Bearbeiten]

Hauptartikel: Schachtanlage Asse
Die Schachtanlage Asse von der Landstraße aus gesehen

Das Helmholtz Zentrum München – Deutsches Forschungszentrum für Gesundheit und Umwelt, früher GSF – Forschungszentrum für Umwelt und Gesundheit und Gesellschaft für Strahlen- und Umweltforschung, erwarb 1965 das frühere Salzbergwerk Asse II von der Wintershall AG. Die GSF nahm im Auftrag der Bundesregierung zwischen 1967 und 1978 Forschungen zur sicheren Endlagerung radioaktiver Abfälle in der Schachtanlage Asse II vor. In dieser Zeit wurden etwa 125.000 Fässer schwachradioaktiver Abfälle und rund 14779 (SZ vom 11./12. September 2010) Behälter mit mittelradioaktiven Abfällen eingelagert. Seit 1967 wird in der Südflanke der Schachtanlage Asse ein Salzlösungszutritt beobachtet.[3] Man geht davon aus, dass die zutretende Lösung, zurzeit etwa 12,5 Kubikmeter pro Tag, zu großen Teilen aus dem Deckgebirge kommt und durch bergbaubedingt aufgelockerte Bereiche des Oberen Buntsandstein (Rötanhydrit) in das ebenfalls bergbaubedingt aufgelockerte Salinar der Südwestflanke eintritt. Am 1. Januar 2009 wurde die Verantwortung für den weiteren Betrieb und die Stilllegung auf das Bundesamt für Strahlenschutz übertragen; ab diesem Zeitpunkt unterliegt die Anlage außerdem dem Atomrecht und nicht mehr dem Bergrecht.

Asse-Zeltlager[Bearbeiten]

Weit über die Region hinaus ist die Asse auch im Zusammenhang mit dem Asselager bekannt.[Beleg?] Dies ist ein Zeltlager, welches auf dem „Jugendzeltplatz Asse“ am westlichen Asse-Rand oberhalb von Groß Denkte veranstaltet wird. Das Asselager findet seit 1970, damals noch Ferienaktion 70 Lager genannt, jährlich zu Beginn der Sommerferien statt. 100 Kinder im Alter von acht bis zwölf Jahren und 35 Jugendleiterinnen und Jugendleiter nehmen am Asselager teil. In den Anfängen des Zeltlagers wurde es von der Stadtjugendpflege und der Kreisjugendpflege gemeinsam organisiert, in den letzten Jahren ausschließlich von der Kreisjugendpflege veranstaltet. Des Weiteren gibt es zu Pfingsten ein Zeltlager der evangelischen Jugend Wolfenbüttel auf demselben Gelände. Das „original“ Asselager ist allerdings jenes im Sommer. Ein Ableger des Asselagers ist das sog. Minilager, das ebenfalls von der Kreisjugendpflege Wolfenbüttel initiiert wird. Diese Maßnahme findet mit 35 Kindern und zwölf Betreuerinnen und Betreuern statt.

Ruine der Asseburg
Bismarckturm nördlich von Wittmar

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

Zu den Sehenswürdigkeiten der Asse gehören neben hiesiger Waldlandschaft die Ruine der Asseburg, die in ihrem westlichen Teil auf einem schmalen Bergkamm östlich von Groß Denkte steht. Etwas östlich davon steht der Bismarckturm nördlich von Wittmar. Über einen Forstweg von Wittmar zur Asse erreicht man das unter Denkmalschutz stehende Forsthaus von 1835, das "Fürstenschloß".

Erhebungen[Bearbeiten]

Zu den Erhebungen der Asse gehören:

  • Remlinger Herse (234 m ü. NN), östlich von Wittmar, nordwestlich von Remlingen
  • Festberg (232 m), südlich von Mönchevahlberg
  • Röhrberg (225 m), nördlich von Wittmar
  • Watzeberg (225 m), ostnordöstlich von Wittmar
  • Mittlerer Eichberg (201 m), östlich von Groß Denkte

Fließgewässer[Bearbeiten]

Die aus der Asse entspringenden Fließgewässer münden in der aus dem Elm kommenden Altenau. Diese passiert die Asse am Nordrand, wo sie mehrere nach Norden abfließende Feldgräben aufnimmt. Weitere Bäche fließen aus den westlichen Hanglagen Richtung Wendesser Mühle in die Altenau, die im Westen dem Höhenverlauf der Asse Richtung Südwesten folgt. Bei Klein Denkte nimmt sie den Rothebach auf, dessen Quelle am Ortsrand von Wittmar liegt. Die Asse gehört somit überwiegend zum Einzugsgebiet der Oker und damit der Weser.

Der Südostrand der Asse bei Remlingen gehört bereits zum Einzugsgebiet der Elbe, da die Bäche dort zur Schöninger Aue oder zum Großen Graben abfließen.

Gemeinden[Bearbeiten]

Gemeinden unmittelbar an der Asse sind:

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Kurt Mohr: Sammlung geologischer Führer, Band 70, Harzvorland - westlicher Teil, S. 23. Gebrüder Bornträger, Berlin 1982, ISBN 3443150292.
  2. Fritz J. Krüger (Hrsg.): Wanderungen in die Erdgeschichte, Band 19, Braunschweiger Land, S. 29-45. Verlag Dr. Friedrich Pfeil, München 2006, ISBN 3-89937-066-X
  3. Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit 2. September 2008: Gabriel dringt auf grundlegend neuen Umgang mit der Asse

52.14391805555610.642146944444200Koordinaten: 52° 9′ N, 10° 39′ O