Oker

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Der Titel dieses Artikels ist mehrdeutig. Weitere Bedeutungen sind unter Oker (Begriffsklärung) aufgeführt.
Oker
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Das Einzugsgebiet der Oker vom Harz bis Müden und von Salzgitter bis Helmstedt

Das Einzugsgebiet der Oker vom Harz bis Müden und von Salzgitter bis Helmstedt

Daten
Gewässerkennzahl DE: 482
Lage Niedersachsen, Deutschland
Flusssystem Weser
Abfluss über Aller → Weser → Nordsee
Quelle Am Bruchberg im Harz
51° 46′ 42″ N, 10° 29′ 29″ O51.77840555555610.491444444444910
Quellhöhe 910 m ü. NHNVorlage:Infobox Fluss/NACHWEISE_fehlen
Mündung Bei Müden in die Aller52.52384444444410.36094444444445Koordinaten: 52° 31′ 26″ N, 10° 21′ 39″ O
52° 31′ 26″ N, 10° 21′ 39″ O52.52384444444410.36094444444445
Mündungshöhe 45 m ü. NHNVorlage:Infobox Fluss/NACHWEISE_fehlen
Höhenunterschied 865 m
Länge 128,3 km[1]
Einzugsgebiet 1834 km²[1]
Abfluss am Pegel Gr. SchwülperVorlage:Infobox Fluss/NACHWEISE_fehlen
AEo: 1734 km²
Lage: 29,5 km oberhalb der Mündung
NNQ (12.10.1959)
MNQ
MQ
Mq
MHQ
HHQ (11.02.1946)
1,51 m³/s
3,34 m³/s
11,6 m³/s
6,7 l/(s km²)
73,5 m³/s
217 m³/s
AbflussVorlage:Infobox Fluss/NACHWEISE_fehlen MQ
12,1 m³/s
Linke Nebenflüsse Abzucht, Warne
Rechte Nebenflüsse Radau, Ecker, Ilse, Altenau, Schunter
Durchflossene Seen Vienenburger See, Südsee, Ölpersee
Durchflossene Stauseen Okerstausee
Großstädte Braunschweig
Mittelstädte Goslar, Bad Harzburg, Wolfenbüttel
Kleinstädte Altenau, Vienenburg
Gemeinden Schulenberg, Schladen, Börßum, Heiningen, Dorstadt, Ohrum, Schwülper, Wendeburg, Didderse, Hillerse, Leiferde, Meinersen
Einwohner im Einzugsgebiet 491.000 (nur Niedersachsen)
Schiffbar im Mittelalter nördlich Braunschweigs, bis in das 18. Jahrhundert auch südlich Braunschweigs
Die Oker zwischen der Okertalsperre und der Ortschaft Oker
Oker bei Schladen

Die Oker ist ein 128,3 km[1] langer, linker Nebenfluss der Aller in Niedersachsen (Deutschland). Sie entspringt in den Höhenlagen des Harzes und ist wegen ihrer Zuflüsse aus dem Brockengebiet eines der wasserreichsten regionalen Gewässer.

Sie wurde 747 das erste Mal als Ovacra in Zusammenhang mit dem Okerübergang in Ohrum erwähnt, womit dieser Ort, zusammen mit Schöningen, der älteste schriftlich genannte in Niedersachsen ist. Ohrum war auch Schauplatz einer von Karl dem Großen inszenierten Massentaufe. Weitere historische Schauplätze sind die Kaiserpfalz Werla sowie die Städte Braunschweig und Wolfenbüttel.

Geographie[Bearbeiten]

Quelle und Oberlauf[Bearbeiten]

Die Oker entspringt als Große Oker auf etwa 910 m ü. NHN Höhe im Nationalpark Harz in Hangmooren am Westhang des Bruchbergs, etwa einen Kilometer südwestlich der Wolfswarte. Etwa 2,5 km unterhalb der Quelle wird ihr Kerbtal vom Dammgraben gequert, der bei Niedrigwasser das gesamte Wasser der Oker in Richtung Westen ableitet. Einen Kilometer weiter nordwestlich erreicht die Große Oker das Stadtgebiet von Altenau, wo sie ab Einmündung der Kleinen Oker nun Oker heißt und auch die Altenau mit dem Schneidwasser, die Rotenbeek und das Schwarze Wasser aufnimmt. Die Okertalsperre kurz unterhalb von Altenau liegt auf etwa 410 m Höhe. Hier münden weitere Nebenflüsse wie Kellwasser, Kalbe, Hune, Lange und Schalke. Der Abfluss aus der Talsperre erreicht das Unterwasser in der Regel über das Wasserkraftwerk Romkerhalle etwa einen Kilometer unterhalb der Staumauer. Bei Bedarf (Wasserüberschuss, Betriebsstörungen) erfolgt die Wasserabgabe über den Grundablass am Fuß der Staumauer; bei extrem seltenen Hochwasserereignissen (etwa alle 20 Jahre) auch über die Hochwasserentlastungsanlage.

Unterhalb des Stausees ist das Okertal bis über 350 m tief in die umgebenden Oberharzer Rumpfflächen eingeschnitten. Hier befindet sich mit dem Brautstein-Osthang der mit nahezu 350 m höchste Steilhang des Harzes. Typisch sind zahlreiche Klippen wie z. B. die Kästeklippen. Auf rund 190 m Höhe verlässt der Fluss den Harz und nimmt von links die Abzucht auf, die mit der Gose das Gebiet des Goslarer Rammelsbergs entwässert.

Steinfelder und Vorharz[Bearbeiten]

Vom Ort Oker aus fließt die Oker in nordöstliche Richtung bis Vienenburg durch das Steinfeld, einem außerordentlich grundwasserreichen Gebiet[2], in dem der Fluss mit Dämmen von den Kiesabbau-Flächen getrennt wird. Zwischen Harlingerode und Vienenburg durchfliesst die Oker das Naturschutzgebiet Okertal südlich Vienenburg. Vorbei am Vienenburger See folgt die Oker nach Osten dem Harly-Wald, wo die von Bad Harzburg kommende Radau einmündet. Am Ende des Harly ist sie von der Bundesautobahn 395 überbaut. In Wiedelah mündet die vom Brocken kommende Ecker, soweit diese nicht als Eckergraben bis zur Steinfelder Mühle nördlich Schladen geführt wird. Die Oker knickt nach Norden ab und wird am linken Ufer von den Okerbergen begrenzt. Sie fließt dort auf etwa 110 m Höhe bis Schladen reich an Mäandern durch das Naturschutzgebiet Okertal auf niedersächsischem und sachsen-anhaltischem Gebiet. Das Flussbett in diesen ebenfalls als Steinfelder bezeichneten Landschaftteilen ist kiesig und steinig, der Fluss relativ breit und flach.

Die Kaiserpfalz Werla liegt am linken Ufer auf einer 20 m hohen Geländenase nördlich von Schladen, wo von rechts der Eckergraben mündet. Bei Börßum stößt die durch Hornburg fließende Ilse von rechts auf 84 m Höhe dazu und komplettiert alle aus dem Harz kommenden Nebenflüsse.

Bei Dorstadt mündet die Warne als letzter linker Nebenfluss in die nunmehr auch im Sommer wasserreiche Oker. Das linke Ufer bildet die Hänge des Oderwalds. In Ohrum, dem Ort der ältesten Erwähnung, verengt sich das Okertal und hatte früher zwischen den verzweigten Armen ein breites Kiesbett, weshalb dieser Ort als Okerübergang schon im 8. Jahrhundert erwähnt wurde. Kurz davor mündete früher bei Hedwigsburg die Ilse in die Oker. Am rechten Flussufer erhebt sich der Ösel.

Wolfenbüttel[Bearbeiten]

Bei Halchter führt die Altenau die Wassermassen aus dem Gebiet zwischen Elm und Asse heran. In der zur Residenzstadt ausgebauten Okerquerung in Wolfenbüttel sind noch heute zahlreiche Verzweigungen der Oker sichtbar oder durch Hinweistafeln dokumentiert. Ab hier fließt sie durch den Lößboden der Magdeburger Börde, wobei links die Hänge des Thieder Lindenbergs und rechts des Schieferbergs das Tal formen. Die Oker nimmt nun deutlich den Charakter eines Wiesenflusses an, das Flussbett ist nicht mehr steinig sondern schlammig. Bis Leiferde mäandriert sie und es sind noch alte Flussschleifen erkennbar. In diesem Abschnitt wurde im Dreißigjährigen Krieg auf der Höhe von Groß Stöckheim der Schwedendamm zur Eroberung Wolfenbüttels errichtet.

Braunschweig[Bearbeiten]

Floß auf dem Oker-Umflutgraben in Braunschweig
Hauptartikel: Oker in Braunschweig

Im Süden Braunschweigs ist die Oker in den 1960er Jahren stark reguliert worden und wird durch das Rüninger Wehr gestaut. Hochwasser kann in den eigens bei Melverode dafür angelegten Südsee ausweichen. Das Eisenbütteler Wehr ist das letzte wassertechnische Bauwerk vor der Braunschweiger Innenstadt. Im Bürgerpark kurz vor der Braunschweiger Innenstadt teilt sich die Oker in den Westlichen und den Östlichen Umflutgraben auf.

Diese zusammen rund 6,5 km langen Umflutgräben wurden im 18. Jahrhundert als Ergänzung der mittelalterlichen Befestigungsgräben im Zuge der Bastionsanlagen angelegt. Sie liegen gut eingedämmt in den Hanglagen etwas über Altstadtniveau. Der natürliche Okerverlauf durch die Mitte der Stadt hatte häufig zu Hochwasserschäden geführt und wurde um 1900 weitestgehend überdeckt, er verläuft nun eingeschränkt unterirdisch in Röhren und kommt erst nördlich des Weichbilds Neustadt am Inselwall wieder zum Vorschein. Der Wasserstand für das innere Stadtgebiet wird durch das Petritorwehr im westlichen und das Wendenwehr im östlichen Umflutgraben reguliert.

Unterlauf[Bearbeiten]

Mündung der Schunter in die Oker nahe Groß Schwülper

Nördlich der Braunschweiger Innenstadt ist der Okerlauf bis zum Ölper See stark reguliert. Dort steuert ein weiteres Bauwerk an der Stelle der ehemaligen Ölper Mühle den Wasserstand und damit die Hochwasser-Abschlagsmenge in den See. Bis Veltenhof und Watenbüttel ist trotz der Beeinträchtigung durch zahlreiche Verkehrswege der Charakter des mäandrierenden Wiesenflusses und der Okeraue erkennbar. Die Okeraue steht hier als Braunschweiger Okeraue unter Naturschutz. Bei Watenbüttel wird die Oker in einem Düker unter dem Mittellandkanal hindurchgeführt und fließt bis zur Mündung durch sandige Böden (Spargelanbau). Ihr Einzugsgebiet ist an der Westseite deutlich durch die parallel fließende Erse/Aue begrenzt, sie hat ab der Mündung des Aue-Oker-Kanals keine linken Nebengewässer mehr.

Bei Walle (Schwülper) mündet die wasserreiche Schunter, die das gesamte nördliche Elmgebiet bis nach Helmstedt entwässert. Das rechte Ufer bilden eiszeitliche Sandablagerungen wie der Galgenberg bei Didderse, am linken Ufer erstreckt sich das Verregnungsgebiet des Abwasserzweckverbands Braunschweig. Nördlich von Hillerse bestimmen wieder ausgedehnte Wiesen, Mäander und alte Flussarme den Charakter der Landschaft.

Bis in das Mittelalter hinein bog der Lauf der Oker bei Meinersen nach Nordwesten ab und mündete westlich von Wienhausen in die Aller.[3] Wahrscheinlich zu Beginn des 14. Jahrhunderts – möglicherweise in einem Hochwasserbett – wurde das Bett der Oker ab Meinersen direkt nach Norden künstlich verlegt. Die heutige Mündung in die Aller ist die wahrscheinlich dritte und letzte künstliche Anlage aus dem 18. Jahrhundert.[4]

Zwischen Meinersen und Müden ist in den historischen Karten Ende des 19. Jahrhunderts die Sohlriethe als regulierter Abzweig der Oker nach Westen verzeichnet.[5] Sie mäandrierte im Bereich des Harsebruchs und war nördlich des Hünenbergs mit einem Siel ausgestattet. Als Kanal passierte sie Flettmar im Westen und stieß südlich von Nienhof bei einer alten Allerschleife an den Allerdeich. Von da führte der Kanal südlich der Aller bis zur Kanalschleuse nordwestlich Langlingens, bei der der Wienhauser Mühlenkanal abgezweigt wird. Die heutigen Überreste der Sohlriethe sind nicht mit der Oker verbunden und führen zum Flettmarschen Abzugsgraben, der westlich von Meinersen beginnt und nördlich Flettmar in die Aller mündet. Nordwestlich von Flettmar ist ein weiterer Graben namens Neue Sohlriethe kartiert, der südlich von Nienhof mündet.

Bei Meinersen verzweigt die Oker in einen Mühlengraben und wird durch ein neues Wehr reguliert. Von dort sind es noch etwa acht mäanderreiche Flusskilometer bis zum Wehr Dieckhorst in Müden, wo sie sich mit der Aller vereint und dabei hydrologisch sogar den Hauptfluss darstellt. Die Oker führt hier im Mittel 12,1 m³/s Wasser, während der mittlere Abfluss der Aller an dieser Stelle 8,2 m³/s beträgt.[6]

Einzugsgebiet[Bearbeiten]

Das Einzugsgebiet der Oker reicht von der Südheide im Norden bis zum Harz im Süden sowie von Salzgitter im Westen bis Helmstedt im Osten. Das Gebiet liegt vorwiegend in Niedersachsen, lediglich der östliche Einzugsbereich der Ilse liegt in Sachsen-Anhalt, das sind 256 km² von insgesamt 1.829 km². Auf niedersächsischer Seite leben 491.000 Einwohner im Einzugsgebiet der Oker[7]

Fließgewässertypen[Bearbeiten]

Nahezu die Hälfte, nämlich 48 %, der zufließenden Gewässer sind vom Typ des löß-lehmgeprägten Tieflandbachs. Dieser Typ tritt naturgemäß in der Lößregion zwischen Braunschweig und Helmstedt auf. Nördlich von Braunschweig überwiegen die sand- und lehmgeprägten Tieflandflüsse und stellen einen Anteil von 23 % dar. Im Harz und Harzvorland sind die Nebengewässer vor allem vom Typ der silikatischen Mittelgebirgsbäche, während die Oker als karbonatischer Mittelgebirgsfluss eingeordnet wird.[7]

Geschichte[Bearbeiten]

Grenzfluss[Bearbeiten]

Bedeutende Ereignisse entlang der Oker
Jahr Ereignis
747 Ohrums Ersterwähnung
780 Historische Massentaufe der Sachsen
durch Karl den Großen in Ohrum belegt.[8]
Ersterwähnung Didderses
804 Halberstadt wird Bischofssitz (Westgrenze ist die Oker)
815 Hildesheim wird Bischofssitz (Ostgrenze ist die Oker)
ab 822 Ersterwähnung Kissenbrücks
861 legendäre Gründung Braunschweigs durch die Brunonen
924/926 Ersterwähnung der Pfalz Werla
993–997 Bau der Niederungsburg Mundburg (Mundborg)
durch Bischof Bernward von Hildesheim an der Mündung
der Oker in die Aller[9]
1007 Steterburger Annalen erwähnen zahlreiche Dörfer
längs der Oker
1013 In Heiningen wird Kanonissenstift gegründet
1031 Erste urkundliche Erwähnung Braunschweigs
1090 Ersterwähnung der Scheverlingenburg bei Walle (Schwülper)
1118 Ersterwähnung Wolfenbüttels
1151 Ersterwähnung Meinersens
1154 Ersterwähnung Schladens
1167 Ersterwähnung Dorstadts
14. Jh. Die Pest bringt im Harz den Bergbau zum Erliegen,
die Wälder erholen sich
1527 Barward Tafelmaker baut in Braunschweig eine
Wasserversorgung mit Okerwasser auf.
1570 Juliusstau im Harz zur Förderung der Flößerei
1627 Aufstau der Oker durch den Schwedendamm,
um Wolfenbüttel einzunehmen
1745 Umfangreiche Kanalbauten im Okereinzugsbereich
unter Herzog Karl I.
1807–1813 In napoleonischer Zeit wird das Okerdepartement
als Teil des Königreichs Westphalen eingerichtet.
1838 Im Okertal fährt die erste Dampflokomotive
der ersten Deutschen Staatsbahn.
1956 Einweihung der Okertalsperre
Gedenkstein an die Sachsentaufe durch Karl den Großen 780 in Ohrum

Bereits in der vorfränkischen Zeit war die Oker wegen ihres hohen und unregelmäßigen Wasseraufkommens Stammesgrenze zwischen den Sachsen (Ostfalengau) und Thüringern. Ohrum wird in den Fränkischen Annalen bereits für 747 als Okerübergang erwähnt. Es wird angenommen[8], dass ein historischer Ost-West-Deitweg bis zur Entstehung der Städte Braunschweig und Wolfenbüttel die Oker hier querte, der auch noch in ottonischer Zeit über Schöningen nach Magdeburg führte.

Die Oker bildete weiterhin eine wichtige strategische Grenze im Kampf gegen die Ungarneinfälle, so wurde die Pfalz Werla bereits 924 erwähnt und ab 968 zum regelmäßigen Tagungsort Ottos des Großen.

Ab dem 9. Jahrhundert bildete die Oker die Diözesangrenze zwischen den Bistümern Halberstadt und Hildesheim. Im Abschnitt Ohrum bis Börßum bildete sie außerdem die Ostgrenze des Fürstbistums Hildesheim gegenüber dem Fürstentum Braunschweig-Wolfenbüttel und weiter nach Süden bis Wiedelah gegenüber dem Fürstbistum Halberstadt, nach dessen Säkularisierung dem Kurfürstentum Brandenburg.

Nach 1814 war die Oker die Ostgrenze des Königreichs Hannover gegenüber dem Herzogtum Braunschweig und dem Königreich Preußen. Nach 1866 war sie Grenze zwischen den preußischen Provinzen Hannover und Sachsen sowie nördlich von Börßum bis Ohrum zwischen der Provinz Hannover im Westen und dem Herzogtum Braunschweig im Osten. Von 1945 bis 1990 verlief die Innerdeutsche Grenze zwischen der Deutschen Demokratischen Republik und der Bundesrepublik Deutschland zwischen Wiedelah und Schladen in der Mitte des Okeraue.

Eine weitere siedlungsgeographische Besonderheit ist die Verteilung der Ortsnamen mit der Endung -büttel entlang der Oker. Die südlichste in Deutschland vorkommende Endung findet man im Namen von Wolfenbüttel. Außer den nahe Braunschweig an der Oker gelegenen Orten Eisenbüttel und Watenbüttel sind die Ortschaften sämtlich im Bereich Papenteich im Dreieck zwischen Oker und Aller anzufinden, wobei die Oker die Westgrenze bildet. Das Gebiet wird umgangssprachlich auch als Büttelei bezeichnet.

Flößerei[Bearbeiten]

Zwar ist die Flößerei schriftlich erst aus den Zeiten Herzog Julius dokumentiert, es darf jedoch angenommen werden, dass das Holz aus dem Harz als Brenn- und Bauholz schon in den Jahrhunderten zuvor auf dem Wasserwege transportiert wurde. Julius ließ das obere Gebiet der Oker energisch ausbauen, so entstand 1570 an der Radau etwa auf der Höhe von Bündheim ein Stauwehr und später eine Spannstelle, zu der das geschlagene Holz gebracht und in den Fluss geworfen wurde. Mit Ziehen des Wehres erzeugte man einen ordentlichen Wasserschwall, der das Holz hinuntertrieb.

1576 wurde nahe dem Okertal das Kellwasser, ein Nebenfluss der Oker, gestaut, um Holz die Oker hinab zu transportieren. 1580 entstanden zum gleichen Zweck Stauwerke an der Ecker. Die Ilse lag nicht mehr im Territorialbereich des Fürstentum Braunschweig-Wolfenbüttel.

Die Flößerei wurde erst im 19. Jahrhundert eingestellt, nachdem die Eisenbahn bis zum Harz fuhr.

Schifffahrt[Bearbeiten]

Im Oberlauf bis Braunschweig[Bearbeiten]

Im oberen Okerbereich lässt die Erwähnung von 1425, dass die Stadt Braunschweig im Ösel (Berg) Kalk und Steine brechen lassen darf, darauf schließen, dass diese Materialien mit Lastkähnen die Oker hinab transportiert worden sind. 1575 hat Herzog Julius persönlich einen Stichkanal von der Oker nach Neindorf am Ösel und eine Verladestation für die abgebrochenen Steine geplant, die für den Ausbau der Residenzstadt Wolfenbüttel benötigt wurden. Ab 1577 ist der Betrieb von Lastkähnen vom Ösel bis zum Schloss in Wolfenbüttel nachgewiesen, wo sie an Befestigungsanlagen mit so klangvollen Namen wie „Wunderlicher Heinz“ und „Wunderlicher Kurt“[10] anlegten.

Für den 15. August 1580 wird eine fürstliche Vergnügungsreise auf der Oker von Wolfenbüttel zum 1578 errichteten Lustschloss in Hedwigsburg beschrieben, wofür der Bau einer Schleuse bei Kissenbrück erforderlich war. 1576 ließ Herzog Julius bereits notwendige Maßnahmen für einen Ausbau der Oker zwischen Harzrand und Wolfenbüttel prüfen. Hierfür wäre die Oker umfangreich auszubauen oder gar umzuverlegen gewesen und hätten Schleusen neu angelegt werden müssen. So blieb es in dem Gebiet bei der Flößerei.

Zu Julius' Zeiten entstanden auch Pläne, eine Kanalverbindung zwischen der Oker und dem Saale-Gebiet über den Schiffgraben-West und Großen Graben herzustellen. Es wurde angestrebt, auf dem Wasserweg nach Hamburg zu gelangen und die Zölle in Celle und Bremen zu umgehen.

Im 18. Jahrhundert war es Herzog Karl I., der massiv die Schiffbarmachung des Okereinzugsbereiches förderte und dies auch gegen großen Protest der Landbevölkerung durchsetzte. 1745 ließ er entlang der Oker südlich von Wolfenbüttel über 1000 wirtschaftlich wertvolle Weidenbäume fällen, um einen Treidelweg anzulegen. Zwei Jahre später wurde der Weg zwischen Wolfenbüttel und Braunschweig „frei“ gemacht, wobei neben den Weidenbäumen auch etliche Flachsrotten von den Bauern – diesmal gegen Entschädigung – aufgegeben werden mussten.

Vor den südlichen Stadttoren Braunschweigs im Bruchgebiet wurde eine Anlegestelle errichtet. Bei Stöckheim bestand ein Hafen, in dem die Besatzungen der Schiffe ausgewechselt wurden, der Straßenname „Am Schiffhorn“ weist noch darauf hin. Für 1753 sind 489 Fahrten dokumentiert, die überwiegend Bier, Brot und Baustoffe beförderten. Insbesondere bei dem Bier wurde nachweislich von Schiffsbesatzungen „genascht“, was aus Gerichtsakten hervorgeht.

Die Schifffahrt auf der oberen Oker war auf Dauer wegen der Wasserwegunterhaltung nicht wirtschaftlich und wurde bereits 1770 wieder eingestellt.

Im Unterlauf bis zur Aller[Bearbeiten]

Boot auf der Oker in Braunschweig bei der Bammelsburg (heute etwa Inselwall), Kupferstich aus der Werkstatt Beck 1716
Mündung der Oker (rechts) in die Aller bei Müden (Aller)

In der Stadtrechtsurkunde des Braunschweiger Weichbildes Hagen von 1227 wird auf das von Heinrich dem Löwen verbriefte Recht der freien Schifffahrt für die Braunschweiger Kaufleute bis Bremen verwiesen. Dieses Recht stand jedoch nur auf dem Papier, da wegen der territorialen Aufteilung des Herzogtums die Herzöge aus Braunschweig-Wolfenbüttel keinen Zugriff auf die nördliche Oker und die Aller besaßen. Die Stadt Celle dagegen besaß für die Aller das Schifffahrtsmonopol und kassierte vor allem für die auf diesem Weg beförderte Braunschweiger Mumme hohe Zölle.

Dieser Umstand führte dauerhaft zu Streitigkeiten zwischen der Stadt Braunschweig und den Territorialherren sowie unter den Fürstentümern. Für einen alternativen Schifffahrtsweg Richtung Nordsee gab es daher immer wieder interessante Pläne, wie der oben beschriebene einer Verbindung zur Saale sowie den aus napoleonischer Zeit zum Bau eines Kanals zur Aller – einem Vorgriff auf den späteren Mittellandkanal.

In Meinersen wurde 1357 der Neubau eines Wasserschlosses unter Ludolf von Hohnhorst abgeschlossen.[11] Der Bau dieser Anlage war wassertechnisch nur durch eine künstlichen Verlegung Okerlaufes von Meinersen nach Müden/Dieckhorst möglich.

Ausflugsfahrten[Bearbeiten]

Im Stadtgebiet Braunschweig gab es bis ins 20. Jahrhundert auf der Oker motorisierte Ausflugsfahrten zur Ölper Mühle und zum Großen Weghaus in Stöckheim.

Trinkwassergewinnung[Bearbeiten]

Im 16. Jahrhundert wurde die Wasserversorgung in Braunschweig durch Barward Tafelmaker ausgebaut. Pumpwerke beschickten hölzerne Leitungen (Pipen) mit Okerwasser und versorgten so die angeschlossenen Häuser. Im 19. Jahrhundert wurde in Braunschweig untersucht, Wasser aus Brunnen im Steinfeld bei Vienenburg bis zur Stadt zu fördern.[2] Dies wurde damals verworfen und stattdessen ein Wasserwerk bei Rüningen gebaut, welches aus dem Grundwasserbereich der Oker schöpfte. In diesem Zuge wurden die Trinkwasser-Klärteiche des Braunschweiger Kennelgebietes sowie das Pumpwerk im Bürgerpark angelegt. In der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts wurde die Wasserversorgung auf die Harzwasserwerke umgestellt. Neben dem steigenden Wasserbedarf spielte hierbei auch die bessere Qualität des Harzwassers (Wasserhärte) eine entscheidende Rolle.

Unglücke und Hexenprozesse[Bearbeiten]

Im Jahre 1765 wurden in der Oker bei Meinersen letztmals Menschen ertränkt. Es handelte sich bei den Ertränkten um eine Giftmischerin namens Maria Dorothea Heuern (Hoyers) aus Alvesse, die 1765 ihren Mann vorsätzlich umgebracht haben soll. Zugleich mit ihr wurde ihre Dienstmagd, Anna Ilse Gieselern, wegen Beihilfe schuldig gesprochen.[12]

In der Ortschronik von Ohrum sind mehrere Unglücke auf der Okerbrücke auch mit tödlichem Ausgang erwähnt, wobei teilweise die Leichen von den Bewohnern nicht geborgen werden durften, da sie jenseits der Landesgrenze angeschwemmt worden waren[8].

Umwelt[Bearbeiten]

Wasserqualität[Bearbeiten]

Durch den Jahrhunderte dauernden Erzbergbau im Rammelsberg, den dortigen Metallhüttenbetrieben und den Abraumhalden im Goslarer Stadtteil Oker ist das Flusswasser mit Schwermetallen belastet. Auf den Abraumhalden und in den Steinfeldern zwischen Oker und Vienenburg sind die an Schwermetalle anpassten Grasnelkenfluren bereits 1930 nachgewiesen und auch heute noch vorhanden. Durch die zyklischen Überschwemmungen und durch Sedimentation sind auch die Aueböden links und rechts der Oker bis zur Aller mit Schwermetallen belastet. Bei Weidevieh traten früher Missbildungen und Knochensprödigkeit auf, die so genannte Okersteinfeldkrankheit.[13]

Im Stadtgebiet Braunschweigs sind Bodenuntersuchungen durchgeführt worden, nach denen im Jahr 2012 auf dem Stöckheimer Bolzplatz, der in der Okeraue liegt, der Boden ausgetauscht werden musste. Bei der Bewertung des innerstädtischen Okerlaufs Bosselgraben als mögliche Kanustrecke für Kinder wurde das Sediment 2008 untersucht und als Gefährlicher Abfall eingestuft. Die Werte für Arsen lagen bei 380 mg/kg untersuchter Trockenmasse, der Prüfwert gemäß Bundes-Bodenschutzgesetz ist für Freizeitanlagen 125 mg/kg. Im Schlamm sind außerdem hohe Konzentrationen für Cadmium, Kupfer und Zink nachgewiesen worden[14]

Hinsichtlich der Fischgiftigkeit der bei der Verhüttung anfallenden Stoffe werden insbesondere Vitriole von den Angelsportlern benannt,[15] die zum Aussterben des Lachses in der Oker führten.

Für das Jahr 2000 wird die biologische Gewässergüte der Oker (ohne Zuflüsse) vom NLWKN im Mittel zwischen II und III eingestuft („kritisch belastet“).[16] Problematisch für die Oker selber sind die Einträge aus der Landwirtschaft, die von Düngemitteln und Pflanzenschutzmitteln herrühren. Insbesondere in den löss- und lehmgeprägten Regionen tritt dies zusammen mit erodierten Bodenpartikeln auf. Der Anteil der Ackerflächen im gesamten Einzugsgebiet der Oker beträgt immerhin 57,7 %.

Unmittelbare Einleitungen aus so genannten Punktquellen wie Kläranlagen, Zuckerfabriken und Industriebetrieben führen in einigen Nebengewässern noch zu lokalen Verschlechterungen der analysierten Werte, belasten die Oker insgesamt aber nicht so stark wie noch in den 1950er Jahren. Die Kühlwasserentnahme des Braunschweiger Heizkraftwerks Mitte stellt zwar keine unmittelbare Belastung für die Biologie dar, die genehmigte Einleitetemperatur von 28 °C in Verbindung mit der Staustrecke vor dem Ölper Wehr wird aber zumindest für die Wiederansiedlung des Atlantischen Lachses kritisch bewertet.[17]

Strukturgüte[Bearbeiten]

Oker-Wehr in Oker

Seit dem Erscheinen der Europäischen Wasserrahmenrichtlinie werden nicht nur die biologische und chemische Qualität eines Fließgewässers beurteilt, sondern auch ihr struktureller Zustand. Hierbei werden morphologische Abweichungen von einem natürlichen Verlauf wie Stauwerke, Kanalisierungen und Uferbefestigungen berücksichtigt. Weitere Kriterien sind die Gestaltung des Randbereichs, die Beschattung des Gewässers mit natürlichem Bewuchs und auch das Vorhandensein von Totholz. Die Skala reicht von I bis VII, wobei die Gewässerabschnitte mit der besten Bewertung I normalerweise optimale Lebensbedingungen für Flora und Fauna sicherstellen. Die Oker wird abschnittsweise mit VI bewertet[7] und insbesondere in den urbanen Gebieten als heavily modified waterbody, also schwer geschädigter Wasserkörper, eingestuft.

Die Oker schneidet diesbezüglich im Oberlauf schlecht ab, da durch die Talsperre, das Kraftwerk und das Ausgleichsbecken die Oker nahezu vollständig verbaut ist und nur im Ausnahmefall in ihrem natürlichen Flussbett verläuft. Die früher starken Schwankungen des Wasseraufkommens durch Schneeschmelze und Regenereignisse werden heutzutage fast vollständig durch die Talsperre abgepuffert, wodurch aber auch natürliche Wechsel und Überschwemmungen im Unterland ausbleiben. Bei den Vienenburger Kiesteichen sind etliche kurz aufeinander folgende Sohlabstürze vorhanden. Diese verhindern den natürlichen Transport von Kies und anderem Geschiebe sowie den Aufstieg von Wanderfischen.

Im weiteren Verlauf der Oker bestimmen teilweise historische Barrieren das Bild des Flusses. Dazu gehören die Mühlen- und Brückenbauten sowie die Umflutgräben in den Städten. Seit den 1960er Jahren sind zahlreiche Regulierungen mit Sohlabstürzen und Wehren dazu gekommen. Abhilfe soll hier das Projekt Okerlachs 2000 schaffen, das gemeinsam vom Land Niedersachsen, kommunalen Einrichtungen und Angelsportvereinen in der Aller-Oker-Lachs-Gemeinschaft betrieben wird. In diesem Zuge wird insbesondere die Durchlässigkeit der Oker für Wanderfische wie Lachs und Meerforelle angestrebt. Sohlabstürze an Wehren werden durch Fischtreppen passierbar gemacht. Mit Stand 2010 bildet nur noch das Braunschweiger Petriwehr die letzte Barriere, dessen Umbau geplant ist.[18]

Weitere Beeinträchtigungen für die natürliche Flora und Fauna bilden Uferbefestigungen aus Steinen, die vorwiegend in den städtischen Gräben von Wolfenbüttel und Braunschweig vorzufinden sind.

Renaturierungsmaßnahmen, die eine naturnahe, mäandrierende Wasserführung und ausreichende Überschwemmungsflächen wiederherstellen könnten, sind lediglich in den Nebengewässern der Oker in einzelnen Abschnitten eingeleitet worden. Als Beispiel seien die Schunter mit dem Beberbach und weiteren Bächen genannt. Für das Stadtgebiet Braunschweigs existiert ein Maßnahmenkatalog[17], der auf einen großen Handlungsbedarf bei den Stauwerken und für mögliche Renaturierungen im südlichen Stadtgebiet hinweist.

Naturschutzgebiete[Bearbeiten]

Blick ins Naturschutzgebiet Okertal von der östlichen Uferseite, im Hintergrund der Brocken (Februar 2008)

Wesentliche Teile des Flusslaufs stehen unter Naturschutz und sind Bestandteile von EU-Vogelschutzgebieten oder FFH-Regionen.

Im Vorharz sind dies zwischen Oker und Schladen die lediglich durch Straßen oder Wege unterbrochenen Gebiete

Vom Norden des Braunschweiger Stadtgebiets bis zum Dieckhorster Wehr kurz vor der Mündung in die Aller erstreckt sich ein nahezu durchgehendes Band von Schutzgebieten:

Wasserkraft[Bearbeiten]

Rothemühle bei Groß Schwülper – Hinweistafel
Rothemühle mit Gebäude von 1587, Wehranlage und Gebäude mit moderner Stromerzeugung

Im gesamten Okerlauf sind seit dem 12. Jahrhundert Wassermühlen nachgewiesen. Die älteste ist seit 1180 die Mühle in Eisenbüttel, an deren Standort sich noch heute eine Wehranlage zur Regulierung des Wasserstandes in der Stadt Braunschweig befindet. Zahlreiche Mühlen in den Klöstern des Vorharzes und in den Städten Wolfenbüttel und Braunschweig sind heute nicht mehr erkennbar, doch gibt es noch einige, die entweder bis heute genutzt oder an deren Standort die Energie des Wassers in elektrische Energie umgewandelt wird.

Im Okertal erzeugt das Wasserkraftwerk Romkerhalle seit 1956 aus dem in der Okerstalsperre aufgestauten Wasser eine elektrische Jahresarbeit von 12,5 Millionen kWh.[19]

Im Klostergut Wöltingerode, das 1174 beurkundet ist, wird das ehemalige Mühlengebäude seit 2011 als Lachs-Infocenter genutzt.[20] Der Mühlenbach wird im Oberlauf der Oker aus den Teichen der Steinfelder abgezweigt, führt auf künstlich hohem Geländeniveau durch die Klostermauer und mündet am Harly wieder in die Oker. Auf dem Gelände wird im Rahmen des Projekts Okerlachs 2000 Lachslaich befruchtet und in die Oker abgelassen in der Hoffnung, dass diese Lachse später die Oker wieder aufwärts wandern und Laichplätze einrichten.

Bei Ohrum ist auf dem Ostufer der Oker seit 1318 die Fährmühle nachgewiesen, die bis heute existiert und zu Hedwigsburg gehört. Die Mühle war im 15. Jahrhundert zwischenzeitlich im Besitz der Stadt Braunschweig[8] und wird heute als Hedwigsburger Okermühle von einem großen niedersächsischen Kekshersteller betrieben.[21] Die Antriebsenergie wird dem Stromnetz entnommen.

In Wolfenbüttel ist die ursprüngliche Damm-Mühle 1990 abgebrochen worden, dagegen ist die auch als Neue Mühle bezeichnete Schünemannsche Mühle als Bauwerk erhalten. Das Gebäude dient heute der Bundesakademie für kulturelle Bildung als Gästehaus, das man über dem rauschenden Wehrabsturz der Oker betritt.

In Rüningen wird eine Mühle bereits 1312 im Degedingebuch der Stadt Braunschweig erwähnt, die damit der älteste produzierende Betrieb in Niedersachsen ist. Auch hier wurde die Antriebsenergie im 19. Jahrhundert auf Dampf und später auf elektrischen Strom umgestellt. Wie in der Hedwigsburger Okermühle wird vor allem Getreide für die gewerbliche Nutzung vermahlen.

Im Braunschweiger Stadtgebiet ist von den ursprünglich sechs Mühlen lediglich noch die Neustadtmühle als Gebäude erhalten, das seit 1957 als städtische Jugendeinrichtung Mühle genutzt wird. Vor dem Gebäude sind noch die historische Brücke über den Neustadtmühlengraben und die Wehranlage zu sehen.

An der ehemaligen Ölper Mühle zeugen noch historische Wehranlagen und das heutige Ölper Wehr von der früheren Existenz einer der größten Mühlenanlagen an der Oker.

In Rothemühle ist die komplette Wassermühle, die seit 1348 bezeugt ist, erhalten und zeitweise zu besichtigen. Die Anlage wurde durch einen Fischpass ergänzt. Sie ist zwar als produzierende Mühle nicht mehr in Betrieb, erzeugt jedoch seit 1993 eine jährliche Energie von 120.000 kWh, was für die Versorgung von etwa 50 Haushalten ausreicht.[22]

In Meinersen ist die Mühle seit 1551 beurkundet und Bestandteil des historischen Ortskerns sowie der Fischaufzuchtanlagen im Okereinzugsgebiet. Seit 1994 erzeugt hier eine Kaplanturbine elektrischen Strom.

Am Ende der Oker in Dieckhorst ist neben einem historischen Sperrwerk für die Oker eine Wasserkraftanlage zur Stromerzeugung mit einer Leistung von 223 kW und somit einer durchschnittlichen Jahresarbeit von 1.414.556 kWh vorhanden.

Heutige Bedeutung[Bearbeiten]

Wassersport[Bearbeiten]

Okertalsperre

Zwischen dem Auslass des Wasserkraftwerks Romkerhalle und dem einige Kilometer unterhalb gelegenen Ausgleichsbecken der Okertalsperre wird der Fluss aufgrund des intermittierenden Betriebes des Spitzenstromkraftwerkes für den Kanusport genutzt.

Ab Dorstadt ist die Oker auch im Sommer so wasserreich, dass sie ab hier bis zur Mündung von Kanufahrern und Paddlern genutzt wird. Entlang der Oker haben sich Ruder- und Kanuvereine angesiedelt, wobei der Braunschweiger „Ruder-Klub Normannia“ (gegründet 1910) auf eine über hundertjährige Tradition zurückblicken kann.

Segelsport ist im Braunschweiger Südsee möglich, wo der „Braunschweiger Seglerverein“ ein Wassersportzentrum betreibt.

Im Braunschweiger Stadtgebiet haben in den Sommermonaten mehrere Stationen zum Bootsverleih entlang dem Östlichen Umflutgraben und im Bürgerpark geöffnet.

Kulturort[Bearbeiten]

Seit der Expo 2000 wurden innerhalb Braunschweigs Brücken über die Oker und deren Umgebung künstlerisch gestaltet, nach dem Jahr 2004 im Rahmen des Projektes Okerlicht.

Auf der Oker finden regelmäßig Floßfahrten mit Lesungen statt. Bisweilen gibt es auch Jazzkonzerte auf dem Fluss und Veranstaltungen im Rahmen der Braunschweiger Kulturnacht.

Angelsport[Bearbeiten]

Die Oker und insbesondere ihre angrenzenden Seen und Nebengewässer sind seit einigen Jahren beliebtes Anglerrevier. Angelsportvereine haben etliche Gewässer- und Uferbereiche gepachtet und beteiligen sich aktiv an der Renaturierung der Oker und ihrer Nebengewässer (Projekt Okerlachs 2000).

Erholungsort[Bearbeiten]

Verlobungsinsel mit Verlobungsbrücke im Okertal bei Romkerhalle

Im gesamten Okerverlauf gibt es zahlreiche Möglichkeiten zu wandern, Rad zu fahren oder einfach nur das Gewässer zu genießen. Die Braunschweiger Grünanlagen bieten breiten Raum für Erholungssuchende und gastronomische Einrichtungen unmittelbar am Ufer. Die anliegenden Landkreise unterhalten ein gut ausgeschildertes Radwegenetz. Der Weser-Harz-Heide-Radfernweg führt unmittelbar durch die Okerniederungen.

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

Entlang der Oker gibt es eine Vielzahl historischer Orte wie Kloster- und Burgenbauten, die noch heute zu besichtigen sind:

  • Das Kloster Wöltingerode ist frei zugänglich und beherbergt das Lachs-Infocenter.
  • Die Wallreste der Harlyburg sind im Harly-Wald erreichbar.
  • Die Pfalz Werla ist ein Archäologischer Park, in dem Ausgrabungen zu sehen sind und Landwirtschaft des Mittelalters betrieben wird.
  • Die Klöster Heiningen und Dorstadt sind in Privatbesitz und lediglich von außen eingeschränkt zu besichtigen.
  • In Ohrum ist der Ort der Sachsentaufe dokumentiert.
  • Wolfenbüttel und Braunschweig bieten jede für sich ein breites Spektrum an Sehenswürdigkeiten.
  • Die Scheverlingenburg in Walle ist örtlich dokumentiert.
  • Meinersen bietet ein Ensemble alter Herrenhäuser am Okerübergang. Ein Naturlehrpfad dokumentiert die Zeiten der intensiven Fluss-Nutzung und der heutigen Maßnahmen zur Wiederansiedlung des Lachses.

Zitate zur Oker[Bearbeiten]

„Die Ocker windet sich in anmuthigen Krümmungen durch einen großen Wiesengrund. Hier folgt der kleine Fluß gern der leitenden Hand der Kunst; er machte willig einen breitern Strom oder vertheilte sich in mehr Wendungen (...).“

Hirschfeld (1785) in Theorie der Gartenkunst[23]

„Die Oker, ein breiter Fluß von vier Klafter Tiefe, vom Harz kommend, fließt an Braunschweig und Wolfenbüttel vorbei. Unbedeutend, dennoch sehr nützlich.“

Stendhal (1808)[24]

„Der Name des Orts ist dem gleichlautenden Flusse entlehnt. Schon vom 12. bis 15. Jahrhundert findet man in Urkunden und Chroniken die Bezeichnung: die Nebelhütten, Galmhütten u. a. an der Oker.“

Schucht (1888)[25]

Herkunft und Bedeutung des Namens[Bearbeiten]

Der Name des Flusses ist urkundlich als Ovacra (747), Obacra (748), Ovacrus (775), Obacrus (780) etc. überliefert, 994 als Ovaccara und 1128 als Ovakara. Da die letztgenannte Form in Urkunden verwendet wird, die in der Okergegend verfasst wurden, wird angenommen, dass dies die am genauesten überlieferte Form ist.[26] Die Namensherkunft wird aus den Silben ov- und -akara als „Ober“ und „Vorwärtsdrängende“ gedeutet, in Abgrenzung zu dem ebenfalls „vorwärtsdrängenden“ Nebenfluss Ecker.[27]

Zuflüsse[Bearbeiten]

Nebengewässer der Oker im Harz
Links Rechts Mündung Quelle
Dammgraben kreuzt am Bruchberg (Wasserwirtschaft Oberharz)
Kleine Oker Altenau Bruchberg
Altenau Altenau Bruchberg
Rotenbeek Altenau Sperberhai
Schwarzes Wasser Altenau Polstertal
Kellwasser Okertalsperre Dehnenkopf
Lange Okertalsperre Östlich von Clausthal
Schalke Okertalsperre Schalke (Harz)
Riesenbach Okertalsperre Altetalskopf
Große Bramke Okertalsperre Dicker Kopf
Kalbe Okertalsperre Dehnenkopf
Große Hune Okertalsperre Östlich der Okertalsperre
Romke Romkerhalle Taternbruch
Romke Romkerhalle Röhrtanz
Sülpke Romkerhalle Eichenberg
Düsteres Talwasser Waldhaus/Oker Eichenberg/Düsteres Tal
Nebengewässer der Oker nördlich des Harzes
Links Rechts Mündung Quelle
Röseckenbach Oker (Goslar) Göttingerode/Hessental
Abzucht Oker (Goslar) Goslar/Wintertal
Hurlebach Vienenburger See Harlingerode
Radau Vienenburg Nähe Torfhaus
Ecker Wiedelah Eckersprung/Brocken
Ohebach Lengde Harly
Weddebach Schladen Grauhof
Eckergraben Steinfelder Mühle Abzweig der Ecker bei Wiedelah
Ilse/Kanalilse Börßum Heinrichshöhe/Brocken
Warne Dorstadt Döhrenberg bei SZ-Bad
Altenau Halchter/Wolfenbüttel Eitzum/Schöppenstedt
Brückenbach Groß Stöckheim/Wolfenbüttel Leinde/Oderwald
Thiedebach Leiferde/Braunschweig SZ-Thiede
Fuhsekanal Südsee (Braunschweig) Teufelsspring bei BS-Broitzem
Springbach Melverode/Braunschweig Spring bei Mascherode
Schölke Ölper/Braunschweig Jödebrunnen
Aue-Oker-Kanal Hülperode/Schwülper Aue bei Wendeburg
Schunter Walle/Schwülper Räbke am Elm
Bickgraben Groß Schwülper Vordorf

Literatur[Bearbeiten]

  • Wilhelm Appelt und Theodor Müller: Wasserkünste und Wasserwerke der Stadt Braunschweig. In: Braunschweiger Werkstücke, Bd. 33, Braunschweig 1964.
  • Wilhelm Bornstedt: Chronik von Stöckheim. Braunschweig 1967.
  • Jürgen Hodemacher: Von der Quelle bis zur Mündung: Die Oker. Elm-Verlag, Cremlingen 1992, ISBN 3-927060-07-0.
  • Theodor Müller: Schiffahrt und Flößerei im Flußgebiet der Oker. In: Braunschweiger Werkstücke, Bd. 39. Braunschweig 1968.
  • Arnold Peters: Geschichte der Schiffahrt auf der Aller, Leine und Oker bis 1618. Forschungen zur Geschichte Niedersachsens, hrsg. vom Historischen Verein für Niedersachsen, Bd. 4, Heft 6. Hannover 1913.
  • NLWK Betriebsstelle Süd (Hrsg.): Gewässergütebericht Oker 2002. NLWK-Schriftenreihe Bd. 4, Braunschweig 2002.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Oker – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b c Bezirksregierung Braunschweig/NLWK: Bestandsaufnahme zur Umsetzung der EG-Wasserrahmenrichtlinie, Oberflächengewässer, Bearbeitungsgebiet Oker, Entwurf vom 22. November 2004, Tabelle 1: Nennung und Beschreibung der wesentlichen Fließgewässer. Quelle http://www.wasserblick.net/servlet/is/17842/, abgerufen am 2. Oktober 2012.
  2. a b Appel, Wilhelm; Müller, Theodor: Wasserkünste und Wasserwerke der Stadt Braunschweig, in Braunschweiger Werkstücke, Bd. 33, Waisenhaus-Verlag, Braunschweig 1964.
  3. Seiler, W. Christoph: Die Aller – Ein Fluss verändert seinen Lauf: Die historische Laufentwicklung der Aller zwischen Müden und Celle, Celle 2002, ISBN 3-9805636-4-2.
  4. Kurhannoversche Landesaufnahme 1781, Blatt 112 Gifhorn.
  5. Historische Karten bei navigator.geolife.de, abgerufen am 23. März 2013
  6. Die Zahlen setzten sich zusammen aus den Pegelwerten Groß Schwülper (Oker) und Brenneckenbrück (Aller) und den errechneten Werten für die jeweils noch fehlenden (in beiden Fällen) rund 5 % des Einzugsgebietes. Für die Restfläche wurde die gemittelte Abflussspende beider Flüsse zu Grunde gelegt.
  7. a b c Bezirksregierung Braunschweig/NLWKN: Bestandsaufnahme zur Umsetzung der EG-Wasserrahmenrichtlinie, Bearbeitungsgebiet Oker, Braunschweig, 22. November 2004, abgerufen als C_Bericht_Oker_041222.pdf bei wasserblick.net am 1. Februar 2010.
  8. a b c d Riefenstein, Elisabeth: Chronik Ohrum 747–1997, Wolfenbüttel 1997.
  9. Schmidtsdorff, Dietrich: „Auf der Mundburg wurde Lösegeld für die Wikinger geprägt“, in: Geldgeschichtliche Nachrichten, September 2005, S. 167 ff.
  10. Theodor Müller: Schiffahrt und Flößerei im Flußgebiet der Oker. In: Braunschweiger Werkstücke, Bd. 39, Braunschweig 1968, S. 70 ff.
  11. Przybilla, Peter: Die Edelherren von Meinersen, Hannover 2007, ISBN 978-3-7752-6036-7.
  12. Blazek, Matthias: Die letzte Hinrichtung durch Ertränken im Königreich Hannover, matthias-blazek.eu.
  13. Oppermann, Brandes: Die Uferflora der Oker, Braunschweig Botanisches Institut und Botanischer Garten, Arbeitsgruppe Geobotanik und Biologie höherer Pflanzen, 1993, veröffentlicht am 15. September 2009, auf digibib.tu-bs.de
  14. Braun, Christian: Sanierung und wasserbauliche Umgestaltung des Bosselgrabens in Braunschweig als Kanustrecke für Kinder, Studienentwurf am Leichtweiss-Institut für Wasserbau an der Technischen Universität Braunschweig, Juli 2009.
  15. Aller-Oker-Lachs-Gemeinschaft abgerufen am 10. März 2013.
  16. NLWKN: Karte_12b_Gewaesserguete_2000_041222.pdf, auf wasserblik.net, abgerufen am 1. Februar 2010
  17. a b ALAND (Auftraggeber Stadt Braunschweig): Maßnahmenkonzept nach EG-WRRL für den Wasserkörper Oker in Braunschweig, Hannover, März 2012.
  18. Stadt Braunschweig: Umbau des Petriwehrs – Plangenehmigung vom 27. Oktober 2009, mit Anhängen, abgerufen unter braunschweig.de am 2. Oktober 2012.
  19. Wasser mit Energie (PDF; 10,1 MB), Broschüre der Harzwasserwerke GmbH, S. 15
  20. Lachs-Infocenter im Klostergut Wöltingerode, abgerufen am 10. März 2013, auf lachs-infocenter.de
  21. Hedwigsburger Okermühle, abgerufen 9. März 2013
  22. Bundesverband Deutscher Wasserkraftwerke (BDW): Informationstafel Wassermühle Rothemühle, Stand 17. Mai 2012.
  23. Heinz-Joachim Tute, Marcus Köhler, Wolf-Dieter Schuegraf (Hrsg.): Gartenkunst in Braunschweig. Von den fürstlichen Gärten des Barock zum Bürgerpark der Gründerzeit. Stadtbibliothek, Braunschweig 1989, ISBN 3-87884-037-3 (Braunschweiger Werkstücke. 76 / Reihe A. Veröffentlichungen aus dem Stadtarchiv und der Stadtbibliothek. Bd. 26), S. 93
  24. Guddas, Renate: Die Stadt Braunschweig in literarischen Zeugnissen, Braunschweig 1979, S. 19.
  25. Schucht, Heinrich: Chronik und Heimatskunde des Hüttenortes Oker, Harzburg, Stolle 1888, S. 8.
  26. Vgl. Krahe, Hans: Über einige Gewässernamen mit st-Suffix, in: BNF 10 (1959), S. 1–17 (S. 8).
  27. Blume, Herbert: Oker, Schunter, Wabe, in: Braunschweigisches Jahrbuch für Landesgeschichte, Bd. 86, Braunschweig 2005, S. 14 ff.