Augustinerkirche (Wien)

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Augustinerkirche

Die Augustinerkirche ist eine gotische römisch-katholische Pfarrkirche im 1. Wiener Gemeindebezirk Innere Stadt. Die ehemalige kaiserliche Hofpfarrkirche ist heute Teil des Albertina-Traktes der Wiener Hofburg.

Geschichte[Bearbeiten]

Kaiserliche Hochzeit zwischen Joseph II. und Isabella von Parma, 1760
Grabdenkmal für Erzherzogin Marie Christine von Antonio Canova, 1805

Im Jahre 1327 stiftete der Habsburger Herzog Friedrich der Schöne dem Augustiner-Eremiten-Orden (seit 1963: Augustiner) eine Kirche mit Kloster. Das Langhaus wurde unter Baumeister Dietrich Landtner von Pirn von 1330 bis 1339 erbaut, aber erst am 1. November 1349 geweiht. Zunächst stand der imposante gotische Bau allein, aber als man die Hofburg erbaute und den Albertinatrakt (Augustinertrakt) errichtete, wurde die Kirche in den Gebäudekomplex integriert. Im Jahre 1634 wurde die Augustinerkirche zur kaiserlichen Hofpfarrkirche ernannt (bis 1918), in der man die Trauungen der Habsburger vollzog. Die bedeutendsten Hochzeiten waren diejenigen von Erzherzogin Maria Theresia mit Franz von Lothringen im Jahre 1736, die Stellvertreterhochzeit ihrer Tochter Erzherzogin Marie Antoinette am 19. April 1770 mit dem späteren König von Frankreich Ludwig XVI., und die Trauung von Kaiser Franz Joseph I. mit Prinzessin Elisabeth (Sisi) in Bayern am 24. April 1854. Ab der Entstehung der Erzdiözese Wien im Jahre 1729 pflegte man die neu ernannten Erzbischöfe in der Augustinerkirche einzukleiden.

Um 1784/85 wurde die Kirche unter Joseph II. von Oberhofarchitekt Johann Ferdinand Hetzendorf von Hohenberg (1733-1816) regotisiert; dazu wurden 18 Seitenaltäre herausgerissen, welche in dem Zeitraum zwischen 1630 und 1780 eingebaut worden waren. Im Innern findet sich das bedeutende Grabmal für die Erzherzogin Marie Christine von Sachsen-Teschen (1800-05) von Antonio Canova.[1]

Augustinerkloster[Bearbeiten]

Das Kloster St. Augustin,[2] 1327 begründet, gehörte anfangs zur 1299 installierten Bayerischen Provinz des Augustinereremiten-Ordens (Bayern, Böhmen, Mähren, Österreich, Schlesien, Polen). Sie war seinerzeit bedeutend, und stellt während des Mittelalters an die 50 Weihbischöfe. In der Reformation wurden zahlreiche Niederlassungen aufgegeben, Wien blieb aber weiterbesetzt. Mit der Gegenreformation erfolgte eine Restaurierung des Ordens (zu der Zeit bildeten sich auch die strengeren Augustiner-Barfüßer, denen etwa der Volksprediger Abraham a Santa Clara angehörte). Durch die Wiedererrichtung von etwa 20 Klöstern entstanden im Habsburgerreich ab dem 17. Jahrhundert drei Provinzen. Das Augustinerkloster auf der Landstraße (Wien 3., 1695 gegr., 1812 aufgehoben und 1912 abgerissen)[3] war als Generalkonvent dem Ordensgeneral in Rom direkt unterstellt, und Provinzialat der Wiener Provinz, sowie Studienhaus der Professoren, die 150 Jahre lang den Lehrstuhl für Moraltheologie an der Universität Wien innehatten. Das Kloster an der Hofburg war Hofkloster, stellte seit 1634 den kaiserlichen Hofpfarrer und die Seelsorge für die Mitglieder des Kaiserhofes, und richtete die bedeutenden religiösen Zeremonien des Hoflebens aus. Die in die Klosteranlage integrierte Georgskapelle war Versammlungsraum der Ritter des Sankt-Georgsordens (kurzlebige Wiederherstellung). Die Gruft war neben der habsburgischen Kapuzinergruft die bedeutendste Grablege des Hofadels.

In den Josephinischen Reformen wurden fast alle Augustinereremiten-Klöster aufgehoben, das an der Hofburg 1836 (Die Hofpfarre wurde bis 1918 von Weltpriestern des hier angesiedelten Frintaneums weitergeführt). Nur ein paar Konvente in Böhmen und Mähren blieben erhalten, die erst zu kommunistischer Zeit aufgehoben wurden. Die nach dem Zweiten Weltkrieg von dort vertriebenen sudetendeutschen Augustiner begründeten einen neuen Ordensverband, das Vikariat Wien der Deutschen Augustiner-Provinz, heute als österreichisch-süddeutsche Zirkumskription ein Vikariat unter der direkten Jurisdiktion des Generalpriors. 1951 besiedelten sie das Hofburgkloster neu.

Das Augustiner-Vikariat Wien Maria Trost umfasst heute St. Augustin Wien und das 1962 errichtete Kloster Maria Trost in Zwiesel/Bay. Wald. Dem Vikariat gehören (Stand 2013) 10 Mitbrüder an, von denen 4 in Wien zu Hause sind. Prior ist derzeit P. Dominic Sadrawetz OSA[4] Betreut werden die Pfarren St. Augustin und Aspersdorf. Im Erdgeschoss des Klostertrakts ist die Pfarre und der Konvent untergebracht, im 1. Stock die Klausur.[5]

Pfarre St. Augustin[Bearbeiten]

Zur Pfarre gehören auch die Malteserkirche, Sankt Ursula, Annakirche und Kapuzinerkirche, sowie die Burgkapelle der Hofburg und die Elisabethkapelle im Center St. Elisabeth.

Baulichkeiten[Bearbeiten]

Innenansicht

Die Kirche wirkt von außen eher unauffällig, da sie sich in die umliegenden Bauwerke einfügt, besitzt aber ein beeindruckendes Inneres. Durch das Hauptportal am Josephsplatz gelangt man in den dreischiffigen Innenraum, welcher 43 Meter lang und 20 Meter hoch ist. Direkt angeschlossen am Hauptschiff ist ein Hochchor von 40 Metern Länge, 10 Metern Breite und 24 Metern Höhe.

Kirchengruft und Nebenkapellen[Bearbeiten]

Der steinerne, polychromierte Hochaltar

Unter dem Langhaus der Kirche befindet sich eine Gruft, die als Grablege der Augustiner sowie des Hofadels diente, für die Öffentlichkeit heute aber nicht mehr zugänglich ist. Als die Kapuzinergruft zu Anfang des 19. Jahrhunderts zu klein wurde und die Mönchsgemeinschaft der Kapuziner vom Aussterben bedroht war, wurde in Erwägung gezogen, die Begräbnisstätte der Habsburger hierher zu verlegen, doch kam es letztlich nicht dazu.[6]

Zur Kirche gehören zudem eine Sakristei, eine Georgskapelle und eine Loretokapelle. In der Georgskapelle der Augustinerkirche befinden sich die Grabmäler für Leopold Graf Daun, Gerard van Swieten sowie ein leerer, von Franz Anton Zauner gearbeiteter Prunksarkophag für Kaiser Leopold II..

Hinter der Loretokapelle der Augustinerkirche, und von ihr durch eine Eisentür getrennt, befindet sich in einem halbrunden Anbau die bekannte Herzgruft der Habsburger.[7] Darin werden in metallenen Urnen die Herzen von 54 Habsburgern aufbewahrt, die hier eine Herzbestattung erhielten.

Kirchenmusik[Bearbeiten]

Die Kirche St. Augustin ist berühmt für ihre Kirchenmusik. So wird im Hochamt eines jeden Sonn- und Feiertages eine konzertante Messe namhafter Komponisten wie Mozart, Haydn oder Schubert aufgeführt. Chor und Orchester von St. Augustin werden und wurden durch bekannte Musiker dirigiert. Im Februar 2008 übernahm Robert Rieder die Leitung des Orchesters und des Chores, dessen Repertoire mehr als 60 Messen umfasst.

Uraufführungen (Auswahl)[Bearbeiten]

Orgeln[Bearbeiten]

Die 47-registrige Hauptorgel

In der Augustinerkirche gibt es zwei Orgeln.

Hauptorgel[Bearbeiten]

Die große Orgel wurde im Jahr 1976 von der Orgelbaumanufaktur Rieger (Schwarzach, Vorarlberg) neu erbaut. Das historische Gehäuse stammt aus der Zeit um 1730 und beherbergte bis zum Zweiten Weltkrieg ein Instrument, das von Johann Hencke für die Schwarzspanierkirche erbaut worden war, und Ende des 18. Jahrhunderts in St. Augustin aufgestellt wurde. Die Engelsgruppe auf dem Gehäuse stammt von dem Rokoko-Bildhauer Johann Baptist Straub.

Das Instrument hat 47 Register auf vier Manualen und Pedal. Im Zuge einer Generalüberholung im Jahr 2002 stattete die Orgelbaufirma Eisenbarth (Passau) das Instrument mit einer modernen Setzeranlage aus.[8]

I Hauptwerk C–g3
1. Quintade 16'
2. Principal 8'
3. Rohrflöte 8'
4. Gemshorn 8'
5. Cornett V (ab g0) 8'
6. Octav 4'
7. Spitzflöte 4'
8. Quinte 22/3'
9. Superoctav 2'
10. Mixtura major IV-VI
11. Mixtura minor III-IV
12. Trompete 16'
13. Trompete 8'
II Schwellwerk C–g3
14. Gedackt 16'
15. Viola 8'
16. Bourdon 8'
17. Unda Maris (ab c0) 8'
18. Principal 4'
19. Flöte 4'
20. Nassat 22/3'
21. Hohlflöte 2'
22. Terz 13/5'
23. Scharff IV-VI
24. Cimbel III
25. Dulzian 16'
26. Trompete 8'
27. Oboe 8'
28. Clairon 4'
Tremblant doux
III Continuowerk C–g3
29. Copula major 8'
30. Copula minor 4'
31. Principal 2'
32. Sesquialter II (ab c0) 22/3'
33. Quinte 11/3'
34. Octav 1'

IV Regalwerk C–g3
35. Regal 16'
36. Regal 8'
37. Regal 4'
38. Blockflöte 2'
39. Cimbel II 1/2'
Tremblant fort
Pedal C–f1
40. Principal 16'
41. Subbass 16'
42. Octav 8'
43. Gedackt 8'
44. Octav 4'
45. Rausch-Pfeife IV 22/3'
46. Bombarde 16'
47. Posaune 8'

Wiener Bach-Orgel[Bearbeiten]

Die kleine Orgel wurde 1985 anlässlich der Festwochen im Jubiläumsjahr „300 Jahre Johann Sebastian Bach“ errichtet. Das Instrument stammt aus der Orgelbauwerkstatt der Gebrüder Reil (Heerde/Niederlande) und wurde in historischer Bauweise erbaut. Das rein mechanische Instrument hat 25 Register auf zwei Manualen und Pedal.

I Hauptwerk CD–e3
1. Bordun 16
2. Principal 8′
3. Gedackt 8′
4. Cornett Disc. V (ab c1) 8′
5. Spitzflöthe 4′
6. Octava 4′
7. Quinte 3′
8. Octava 2′
9. Trompete Bass (bis h0) 8′
10. Trompete Disc. (ab c1) 8′
11. Mixtur IV-VI 1/2'
II Oberwerk CD–e3
12. Gedackt 8′
13. Quintadena 8′
14. Principal 4′
15. Rohrflöthe 4′
16. Nasat 3′
17. Octava 2′
18. Gemshorn 2′
19. Sifflöthe 1′
20. Sesquialtera II 22/3
Pedal CD–d1
21. Sub-Bass 16′
22. Octava-Bass 8′
23. Posaunen-Bass 16′
24. Trompeten-Bass 8′
25. Cornet 2′
  • Spielhilfen:
    • Manualkoppel (Schiebekoppel)
    • Pedalkoppel I/P
    • Tremulant für die gesamte Orgel

Literatur[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Augustinerkirche – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Alexandra Matzner: Antonio Canova – Das Grabmal für Erzherzogin Marie Christine von Sachsen-Teschen (1800-1805). Website von Texte zu Kunst. Abgerufen am 8. Juli 2013.
  2. Geschichte, auf augustiner.at
    Das habsburgische Hofkloster – St. Augustin, auf habsburger.net
  3. Das Augustinerkloster und Augustiner-Zinshaus. Die Wiener Bezirksmuseen – Bezirksmuseum Landstraße, bezirksmuseum.at
  4. Die Augustiner in Wien, augustinerkirche.at
  5. Augustinerkloster, augustinerkirche.at
  6. Magdalena Hawlik-van de Water: Die Kapuzinergruft. Begräbnisstätte der Habsburger in Wien. 2. Aufl. Wien 1993, S. 30.
  7. Herzgruft der Habsburger, augustinerkirche.at
  8. Augustinerkirche Wien: Die Rieger-Orgel

48.20580555555616.367722222222Koordinaten: 48° 12′ 21″ N, 16° 22′ 4″ O