Austinit

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Austinit
Austinite-Conichalcite-283277.jpg
Austinit (farblos) auf Konichalcit (grün) aus der Gold Hill Mine (Western Utah Mine), Deep Creek Mountains, Utah, USA
Allgemeines und Klassifikation
Chemische Formel CaZn[OH|AsO4][1]
Mineralklasse
(und ggf. Abteilung)
Phosphate, Arsenate und Vanadate
System-Nr. nach Strunz
und nach Dana
8.BH.35 (8. Auflage: VII/B.26)
41.05.01.03
Kristallographische Daten
Kristallsystem orthorhombisch
Kristallklasse; Symbol orthorhombisch-disphenoidisch; 222[2]
Raumgruppe P212121[1]
Gitterparameter a = 7,51 Åb = 9,04 Å; c = 5,93 Å[1]
Formeleinheiten Z = 4[1]
Häufige Kristallflächen {011}, {111}, {111}, {010} und viele andere
Physikalische Eigenschaften
Mohshärte 4 bis 4,5
Dichte (g/cm3) gemessen: 4,13; berechnet: 4,31
Spaltbarkeit gut nach {011}
Bruch; Tenazität spröde
Farbe farblos, gelblichweiß, grün, braun
Strichfarbe weiß
Transparenz durchsichtig bis durchscheinend
Glanz schwacher Diamantglanz, Seidenglanz
Kristalloptik
Brechungsindizes nα = 1,759
nβ = 1,763
nγ = 1,783[3]
Doppelbrechung δ = 0,024[3]
Optischer Charakter zweiachsig positiv
Achsenwinkel 2V = gemessen: 47°; berechnet: 50°[3]

Austinit ist ein selten vorkommendes Mineral aus der Mineralklasse der „Phosphate, Arsenate und Vanadate“. Es kristallisiert im orthorhombischen Kristallsystem mit der chemischen Zusammensetzung CaZn[OH|AsO4][1] und entwickelt viele verschiedene Kristall- und Aggregatformen aus. Neben blättrigen bis prismatischen Kristallen finden sich auch radialstrahlige, nierige, knollige und faserige Aggregate sowie krustige Überzüge. Zudem bilden sich auch oft Kristallzwillinge, die eine deutliche Chiralität (Enantiomorphie), das heißt Links- bzw. Rechtshändigkeit der Kristallflächen zeigen.

Austinit bildet mit Konichalcit eine lückenlose Mischreihe.

Besondere Eigenschaften[Bearbeiten]

Reiner Austinit ist farblos bzw. durch Gitterbaufehler oder Verzwillingung weiß. Durch Fremdbeimengungen kann er aber auch gelblichweiß, grün oder braun erscheinen.

Etymologie und Geschichte[Bearbeiten]

Erstmals entdeckt wurde Austinit 1935 in der „Gold Hill Mine“ in den Deep Creek Mountains im Tooele County (Utah) in den USA und beschrieben durch L. W. Staples, der das Mineral nach Austin Flint Rogers (1877–1957), einem amerikanischen Mineralogen der Stanford University, benannte.

Klassifikation[Bearbeiten]

In der mittlerweile veralteten, aber noch gebräuchlichen 8. Auflage der Systematik der Minerale nach Strunz gehörte der Austinit zur Mineralklasse der „Phosphate, Arsenate und Vandadate“ und dort zur Abteilung der „wasserfreien Phosphate mit fremden Anionen“, wo er zusammen mit dem Leitmineral Adelit und den weiteren Mitgliedern Duftit, Gabrielsonit, Gottlobit, Kobaltaustinit, Konichalcit, Nickelaustinit und Tangeit die Adelitgruppe bildete.

Die seit 2001 gültige und von der International Mineralogical Association (IMA) verwendete Systematik der Minerale nach Strunz (9. Auflage) ordnet den Austinit ebenfalls in die Klasse der „Phosphate, Arsenate und Vandadate“ und dort in die Abteilung der „Phosphate, etc., mit weiteren Anionen, ohne H2O“ ein. Diese Abteilung ist allerdings noch präziser unterteilt nach der Größe der Kationen sowie nach dem Verhältnis der zusätzlichen Anionen zum Phosphat- (Vanadat-, Arsenat-) Komplex und das Mineral steht entsprechend in der Unterabteilung „mit mittelgroßen und meist großen Kationen und dem Verhältnis (OH, usw.):RO4 = 1:1“. Die nach wie vor existierende „Adelitgruppe“ mit der System-Nr. 8.BH.35 wurde um das Mineral Arsendescloizit erweitert.

Auch die Systematik der Minerale nach Dana ordnet den Austinit in die Klasse der „Phosphate (und Verwandte)“ ein, dort allerdings in die Abteilung der „Wasserfreien Phosphate etc., mit Hydroxyl oder Halogen“. Auch hier ist er zusammen mit Adelit, Konichalcit, Austinit, Duftit-beta, Gabrielsonit, Tangeit, Nickelaustinit, Kobaltaustinit und Arsendescloizit in der „Adelitgruppe“ mit der System-Nr. 41.05.01 innerhalb der Unterabteilung der „wasserfreien Phosphate etc., mit Hydroxyl oder Halogen und der allgemeinen Formel (AB)2(XO4)Zq“ zu finden.

Bildung und Fundorte[Bearbeiten]

Austinit (silbergrau glänzend) und Talmessit (weiß) aus der „Gold Hill Mine“, Utah, USA

Austinit bildet sich als seltenes Sekundärmineral in der Oxidationszone einiger arsenreicher, metallischer Lagerstätten. Begleitminerale sind unter anderem Adamin, Limonit, Quarz und Talmessit.

Weltweit konnte Austinit bisher (Stand: 2010) an rund 70 Fundorten nachgewiesen werden, so unter anderem in Südaustralien, im bolivianischen Departamento La Paz, der Región de Atacama von Chile; im Schwarzwald, Lahntal und Erzgebirge in Deutschland; der Bretagne und in Languedoc-Roussillon in Frankreich, der griechischen Region Lavrio; Souss-Massa-Draâ in Marokko; den mexikanischen Bundesstaaten Chihuahua und Durango; in Tsumeb und Grootfontein in Namibia; den Hohen Tauern von Österreich; im Kielcer Bergland von Polen; im spanischen Katalonien; in der ungarischen Großgemeinde Rudabánya sowie in verschiedenen Regionen der US-Bundesstaaten Arizona, Kalifornien, Colorado, Nevada, New Jersey, New Mexico, Utah und Washington.[3]

Kristallstruktur[Bearbeiten]

Austinit kristallisiert orthorhombisch in der Raumgruppe P212121 mit den Gitterparametern a = 7,51 Å; b = 9,04 Å und c = 5,93 Å sowie 4 Formeleinheiten pro Elementarzelle.[1]

Siehe auch[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b c d e  Hugo Strunz, Ernest H. Nickel: Strunz Mineralogical Tables. 9. Auflage. E. Schweizerbart'sche Verlagsbuchhandlung (Nägele u. Obermiller), Stuttgart 2001, ISBN 3-510-65188-X, S. 458.
  2. Webmineral – Austinite (englisch)
  3. a b c d Austinite bei mindat.org (engl.)

Literatur[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Austinite – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien