Avro Lancaster

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Avro Lancaster
Lancaster Mk X CWHM 1.JPG
Avro Lancaster Mk.X FM213
Typ: Schwerer Bomber
Entwurfsland: Vereinigtes KonigreichVereinigtes Königreich Vereinigtes Königreich
Hersteller: Avro
Erstflug: 9. Januar 1941
Indienststellung: 1942[1]
Produktionszeit: 1941 bis 1946
Stückzahl: 7.377[2]
Avro Lancaster PA474
Avro Lancasters in loser Formation während des Zweiten Weltkriegs
Avro Lancaster beim Bombenabwurf über Duisburg am 15. Okt. 1944
Im Frühjahr 1945 stürzte eine Lancaster in den Rhein. Sie wurde geborgen und am Schweizer Rheinufer aufgestellt – Bild 1954.
Britischer Bomber AVRO Lancaster I mit Merlin-XX-Triebwerken im Flug

Die Avro 683 „Lancaster“ war ein britischer viermotoriger Bomber des Zweiten Weltkriegs. Sie war der bekannteste Bomber der Royal Air Force und wurde ab März 1942 vom RAF Bomber Command eingesetzt.

Entwickelt vom Flugzeughersteller A.V. Roe and Company (AVRO), wurden von 1941 bis 1946 in verschiedenen Versionen 7.377 Maschinen hergestellt. Damit erreichte sie die höchste Produktionszahl aller britischen viermotorigen Typen vor der Handley Page Halifax (6.176 Maschinen) und Short Stirling (2.380 Maschinen).

Die Avro Lancaster trug zunächst die Bezeichnung Manchester Mk. III, da es sich um eine viermotorige Weiterentwicklung des wenig erfolgreichen Vorgängermodells handelte.

Geschichte[Bearbeiten]

Der Prototyp BT 308 war eine umgebaute – ursprünglich zweimotorige – Avro 679 Manchester mit einem vergrößerten Flügelmittelstück und vier Triebwerken vom Typ Rolls-Royce Merlin X mit einer Leistung von je 1.145 PS (854 kW). Zunächst verwendete man noch das dreiteilige Ruder der erfolglosen Manchester, das aber später zum Seitenleitwerk mit zwei Endscheiben modifiziert wurde. Die Lancaster absolvierte ihren Erstflug am 9. Januar 1941. Sie war eine Metallkonstruktion und konnte maximal 6,35 Tonnen Bomben mitführen. Insgesamt stellte Avro 3.425[3] Lancaster Mk.I her, 33 davon wurden zur Lancaster B Mk.I (Special) mit vergrößertem Bombenschacht für die schwerste Bombe des Krieges, die 22.000 lb (9.979 kg) schwere „Grand Slam“ des Konstrukteurs Wallis umgerüstet. Die Lancaster B Mk.III ähnelte der Mk.I, hatte aber in den USA mit Rolls-Royce-Lizenz gebaute Packard-Merlin-Motoren. Von der Mk.III wurden 3.039[4] Exemplare gebaut, 23 Maschinen hatten für die „Operation Chastise“ (Zerstörung von Möhne- und Edertalsperre) Aufhängungen für Rollbomben. 430 ähnliche B Mk.X wurden in Kanada hergestellt. Außerdem gab es 300 Stück der verbesserten Ausführung Mk.II mit Sternmotoren vom Typ Bristol Hercules VI oder XVI sowie 180 Lancaster B Mk.VII, die in einem Martin-Waffenstand auf der Rumpfoberseite ein Browning M2-Zwillings-MG des Kalibers .50 BMG (12,7 mm) hatten. – 1942 flog erstmals die unter Verwendung der Tragflächen und des Leitwerks des Lancaster-Bombers entwickelte Passagier- und Transportmaschine Avro York.

Die übliche Abwehrbewaffnung bestand aus acht Maschinengewehren des Kalibers .303 British (7,7 mm), die als Zwillingsgewehr im Bug, auf der Rumpfoberseite sowie als Vierlings-MG am Heck installiert waren.

Einsatz[Bearbeiten]

Der von „Grand Slam“-Bomben zerstörte Schildescher Viadukt bei Bielefeld

Die erste Avro Lancaster wurde Ende Dezember 1941 bei der Squadron 44 der RAF in Dienst gestellt. Ein erster Einsatz war am 2. März 1942, der erste Bombenabwurf erfolgte eine Woche darauf bei einem Luftangriff auf Essen,[5] gefolgt am 17. April 1942 vom Angriff auf das MAN-Werk in Augsburg.[6] Lancasters kamen hauptsächlich bei Nachtangriffen auf deutsche Städte, daneben aber auch bei einigen Spezialoperationen zum Einsatz, wie die Zerstörung von Möhne- und Edertalsperre. Weiterhin flogen Lancaster-Bomber Angriffe auf die Eisenbahnviadukte von Schildesche und Arnsberg mit „Grand Slam“-Bomben, brachten das deutsche Schlachtschiff Tirpitz mit 12.000 lb (5.443 kg) schweren „Tallboy“-Bomben zum Kentern und bombardierten Hitlers Berghof bei Berchtesgaden. Insgesamt flogen Lancaster-Maschinen im Zweiten Weltkrieg über 156.000 Einsätze und warfen dabei 608.612 t Bomben ab.

Die Lancaster wurde bis Anfang Februar 1946 ausgeliefert, doch nur acht Jahre später schieden bereits die letzten Maschinen dieses Typs aus dem aktiven Dienst bei der RAF aus. Insgesamt sind heute noch 17 Avro Lancaster erhalten, von denen jedoch nur noch zwei flugfähig sind. Eine ist Bestandteil des Battle of Britain Memorial Flight der Royal Air Force, die zweite gehört dem Canadian Warplane Heritage Museum in Hamilton (Kanada).

Militärische Nutzung[Bearbeiten]

Agypten 1922Ägypten Ägypten
ArgentinienArgentinien Argentinien
AustralienAustralien Australien
FrankreichFrankreich Frankreich
Kanada 1921Kanada Kanada
NeuseelandNeuseeland Neuseeland
PolenPolen Polen
SchwedenSchweden Schweden
  • 1 Maschine als Tp 80 für Tests
Vereinigtes KonigreichVereinigtes Königreich Vereinigtes Königreich
Sowjetunion 1923Sowjetunion Sowjetunion
  • Luftstreitkräfte der Sowjetunion: Zwei von sechs nach dem Angriff auf das deutsche Schlachtschiff Tirpitz in der Nähe von Archangelsk notgelandeten Maschinen konnten repariert werden und wurden kurze Zeit für Transport und Langstreckenaufklärung eingesetzt.

Technische Daten[Bearbeiten]

Kenngröße Daten der Avro Lancaster Mk. I
Länge 21,18 m
Höhe 5,97 m
Flügelspannweite 31,09 m
Tragflügelfläche 120,80 m²
Leergewicht 16.705 kg
Normales Startgewicht 30.800 kg
Maximales Startgewicht 31.750 kg
Antrieb vier Rolls-Royce Merlin XX mit je 1.280 PS
Höchstgeschwindigkeit 448 km/h in 5.600 m Höhe
Marschgeschwindigkeit 338 km/h
Steigleistung 6.095 m in 41 min mit Bombenhöchstladung
Maximale Reichweite 2.675 km mit 6.350 kg Bomben
Dienstgipfelhöhe 7.467 m
Besatzung sieben Mann
Bewaffnung acht Browning-MGs vom Kaliber .303 British (7,7 mm),
bis zu 6.350 kg Bomben

Bewaffnung[Bearbeiten]

2 Browning-MGs vom Kaliber .303 British (7,7 mm) in einem MG-Turm in der Nase
2 MGs in einem Rückenturm, welcher den Luftraum über und neben dem Flugzeug sichert
4 MGs in einem Heckturm, der den Luftraum hinter dem Flugzeug sichert

Das Flugzeug besitzt jedoch keine nach unten gerichtete Bewaffnung. Deshalb entwickelten die Deutschen eine Taktik, um die Lancaster-Bomber leichter abzufangen: Sie flogen von unten nach oben Angriffe auf die Bomber. Außerdem verwendeten die Deutschen nach oben gerichtete MGs, genannt "Schräge Musik", mit denen sie unter den Bombern durchflogen, und nach oben schossen.

Quellen[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Kenneth Munson: Bomber, Patrouillen- und Transportflugzeuge 1939–45. 3. Auflage, Orell Füssli Verlag, Zürich 1977.
  • Olaf Groehler: Geschichte des Luftkriegs 1910 bis 1980. Militärverlag der Deutschen Demokratischen Republik, Berlin 1981.

Siehe auch[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. lt. Olaf Groehler und Kenneth Munson erfolgte die Indienststellung bereits Dezember 1941
  2. lt. Olaf Groehler: Geschichte des Luftkriegs 1910 bis 1980. Militärverlag der Deutschen Demokratischen Republik, Berlin 1981, S. 397, wurden insgesamt 7.366 Exemplare gebaut
  3. lt. Kenneth Munson: Bomber, Patrouillen- und Transportflugzeuge 1939–45. 3. Auflage, Orell Füssli Verlag, Zürich 1977, S. 153, wurden 3.440 hergestellt
  4. lt. Kenneth Munson: Bomber, Patrouillen- und Transportflugzeuge 1939–45. 3. Auflage, Orell Füssli Verlag, Zürich 1977, S. 153, wurden 3.020 hergestellt
  5. vgl. Kenneth Munson: Bomber, Patrouillen- und Transportflugzeuge 1939–45. 3. Auflage, Orell Füssli Verlag, Zürich 1977, S. 153.
  6. vgl. Olaf Groehler: Geschichte des Luftkriegs 1910 bis 1980. Militärverlag der Deutschen Demokratischen Republik, Berlin 1981, S. 379.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Avro Lancaster – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien