Bäderarchitektur
Mit Bäderarchitektur wird in der Architektur ein Baustil der Jahrhundertwende (vom 19. zum 20. Jahrhundert) bezeichnet, der vor allem Badeorte an der Nord- und Ostsee-Küste oder Kurorte an Schweizer Seen prägt.
Unter diesem Begriff werden unterschiedlichen Baustile zusammengefasst. “Bäderarchitektur ist keine spezielle Kunst- oder Stilgattung wie z. B. die Renaissance oder der Barock. Es ist eine Summierung der verschiedensten Bau- und Stilmerkmale unterschiedlicher Epochen. Darin liegt die Besonderheit und der Reiz dieser Baudenkmale.”[1]
Die Architektur der Heilbäder im Binnenland wird in der Regel als Kurarchitektur bezeichnet.
Architekturkritiker begrenzen den Begriff Bäderarchitektur gelegentlich auf Ensembles von Gebäuden in Bäderarchitektur in deutschen Kurbädern an Nord- und Ostsee.
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Beschreibung und Beispiele [Bearbeiten]
Häufig handelt es sich um zwei- bis viergeschossige Bauten, deren Fassaden Balkone und Veranden besitzen. Größeren Villen haben vorspringende Fassadenteile (Risalite) in der Mitte und an den Ecken. Es dominieren große Rundbogen- oder Rechteckfenster, die gelegentlich von Halbsäulen oder Blendpilastern flankiert werden. Dreiecksgiebel und gelegentlich auch geschweifte Giebel oder kleine Türmchen schließen die Dachgeschosse ab. Jugendstilornamente kommen als Kapitellschmuck vor.
Die häufigste Fassaden-Farbe ist Weiß, weshalb die Kurbäder gelegentlich auch „weiße Perlen“ genannt werden. Auffällig springen in derartigen weißen Ensembles die seltenen nicht-weißen Pendants (zum Beispiel Bordeauxrot, Olivgrün, Beige, Blau) ins Auge. Insgesamt sehen die Bauten eher filigran aus, und oft handelt es sich um Holzbauten mit einem Kern aus Stein. Ganze Ensembles in Weiß und vereinzelt in getönter Farbe gibt es in Heringsdorf und Ahlbeck auf Usedom und in Kühlungsborn.
Berühmte Beispiele befinden sich vor allem an der Ostsee auf der Insel Rügen, etwa in Sellin, Binz oder Göhren. Auch im ältesten deutschen Seebad Heiligendamm nahe Bad Doberan wurden Bauten dieser Epoche errichtet und sind noch zahlreich erhalten. Eines der ältesten Gebäude der Bäderarchitektur ließ Georg Bernhard von Bülow 1845 in Heringsdorf errichten, die Villa Achterkerke. Eines der kunsthistorisch bedeutendsten Bauwerke ist dort wegen seines Glasmosaiks im Giebel die 1883 von Antonio Salviati gebaute Villa Oechsler.
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Ahlbeck, Hotel “Ahlbecker Hof”
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Zwei Villen in Bansin
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Villa in Binz
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Villa Achterkerke in Heringsdorf, erbaut 1845 (Stil: Historismus)
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Villa Oechsler in Heringsdorf, erbaut 1883 (Stil: Spät-Klassizismus)
Literatur [Bearbeiten]
- Susanne Grötz, Ursula Quecke (Hrsg.): Balnea. Architekturgeschichte des Bades. Jonas Verlag für Kunst und Literatur, Marburg 2006, ISBN 3-89445-363-X.
- Reno Stutz, Thomas Grundner: Bäderarchitektur in Mecklenburg-Vorpommern. Hinstorff, Rostock 2004, ISBN 3-356-01033-6 (Edition Kulturlandschaft Mecklenburg-Vorpommern).
- Wolfgang Schneider, Torsten Seegert: Pommersche Bäderarchitektur. Entstehung und Entwicklung. Ostseebad Binz. Heimat-Bild-Verlag, Gifhorn 2003, ISBN 3-9810092-0-7.
- Wilhelm Hüls, Ulf Böttcher: Bäderarchitektur. Hinstorff Verlag, Rostock 1998, ISBN 3-356-00791-2.
Weblinks [Bearbeiten]
- Literatur über Bäderarchitektur in der Landesbibliographie MV
- Bäderarchitektur in Ahlbeck, Heringsdorf und Bansin. Eigenbetrieb Kaiserbäder Insel Usedom. Abgerufen am 7. Juni 2009.
- euromaxx - Serie: Inselgeschichten 04 - Rügen (FLV; 11,7 MB oder MP4; 22,4 MB) Deutsche Welle TV. Abgerufen am 7. Juni 2009.
Einzelnachweise [Bearbeiten]
- ↑ www.baederarchitektur.de: Bäderarchitektur: Was ist Bäderarchitektur ?