Vorpommern

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Der Greif für Vorpommern im offiziellen Landeswappen von Mecklenburg-Vorpommern
Flagge Vorpommerns

Vorpommern ist im politischen Sinn die Bezeichnung des bei Deutschland verbliebenen Teiles der preußischen Provinz Pommern. Es bildet zusammen mit Mecklenburg das Land Mecklenburg-Vorpommern und umfasst den östlichen Teil, etwa ein Drittel des Landes.

Vorpommern liegt im Nordosten Deutschlands, grenzt im Osten an Polen und im Norden an die Ostsee, im Westen an den Landesteil Mecklenburg und im Süden an das Land Brandenburg.

Die wichtigsten Städte Vorpommerns sind Stralsund und Greifswald, die gemeinsam ein Oberzentrum bilden.

Begriff und Grenzen[Bearbeiten]

Vorpommern im Jahr 1934 und Landkreise bis 2011

Unter Vorpommern, bis zum 19. Jahrhundert auch Vorderpommern genannt,[1] verstand man (im Gegensatz zu Hinterpommern) seit dem Westfälischen Frieden 1648 den Teil Pommerns westlich der Oder, also inklusive dessen Hauptstadt Stettin. Durch die Grenzziehung von 1945 – die ab Mescherin die Oder verlässt und weiter westlich führt – kam das Gebiet zwischen dieser und der Oder mit Stettin, Swinemünde, Neuwarp zu Polen. Im Sprachgebrauch der von dort vertriebenen deutschen Bevölkerung wird hierfür der Begriff Stettiner Zipfel verwendet, um deutlich zu machen, dass dieser an Polen abgetretene Teil Pommerns historisch nicht zu Hinterpommern gehörte. Heute wird der Begriff Vorpommern allgemein für den deutschen Teil verwendet.

Die historische Grenze zwischen Mecklenburg und Vorpommern ist seit der Bildung von Bezirken in der DDR 1952 weitgehend verloren gegangen. Als Grenze zwischen den Kirchenkreisen Mecklenburg und Pommern lebt sie in der evangelischen Nordkirche sowie zwischen den katholischen Erzdiözesen Hamburg und Berlin fort. Mit der Kreisgebietsreform 2011 hat man sich dem ehemaligen Grenzverlauf zum Teil angenähert.

Sie verläuft vom Fischland westlich von Ahrenshoop nach Süden, quert den Saaler Bodden bis zur Recknitzmündung, trennt das mecklenburgische Ribnitz vom pommerschen Damgarten, führt mittig von Recknitz und Trebel bis nördlich von Demmin, um westlich Demmins auf die Peene zu stoßen, führt entlang dieser bis zum Kummerower See, quert diesen und verlässt ihn entlang der Ostpeene. Südlich Altentreptows trifft sie auf die Grenze zum Landkreis Mecklenburg-Strelitz und umrundet Werder und Friedländer Große Wiese entlang des Kleinen und Großen Landgrabens sowie des Weißen Grabens, bis sie schließlich südlich von Rothemühl auf die Landesgrenze zu Brandenburg trifft.

Bis 1937 gehörte auch noch die Exklave Zettemin bei Stavenhagen zu Vorpommern und ist dann per Staatsvertrag nach Mecklenburg gewechselt. Auch sonst ist die bereits seit dem Spätmittelalter faktisch festliegende Grenze zu Mecklenburg größtenteils erst durch preußisch-mecklenburgische Staatsverträge im 19. Jahrhundert abschließend festgelegt worden. Zu den Kuriosa an der Grenze gehört zweifellos Wolde bei Altentreptow, wo die Grenze mitten durch den Ort verlief.

Heutige Landkreisgrenzen[Bearbeiten]

Für die Kreisgebietsreform 1994 gab es Entwürfe, die alte Grenze zwischen Mecklenburg und Vorpommern mit den neuen Landkreisen wieder aufleben zu lassen, was aber nicht umgesetzt wurde.

Mit der Kreisgebietsreform 2011 näherte man sich wieder etwas stärker den historischen Grenzen an, ohne jedoch den genauen Verlauf nachzubilden.

Der Name des Landesteils Vorpommern findet sich nun in zwei Landkreisen wieder:

So verläuft sie heute durch den Landkreis Vorpommern-Rügen, dessen westlicher kleinerer Teil inklusive des Stadtteils Ribnitz von Ribnitz-Damgarten eigentlich zu Mecklenburg gehört. Und sie teilt den Landkreis Mecklenburgische Seenplatte in etwa ein Viertel vorpommersches Gebiet (südlicher Teil des Altkreises Demmin) und drei Viertel mecklenburgisches Gebiet (größter Teil der Altkreise Müritz, Mecklenburg-Strelitz und der vormals kreisfreien Stadt Neubrandenburg).

Geografie[Bearbeiten]

Teil der berühmten Kreideküste des Jasmund-Nationalparks mit Victoria-Sicht und Königsstuhl, von der Ostsee gesehen

Vorpommern wird vor allem durch seine lange Küste geprägt, die den größten Teil der Küste von Mecklenburg-Vorpommern einnimmt. Typisch ist eine ausgeprägte „Doppelküste“, bei der vorgelagerte Inseln sogenannte Bodden vom offenen Meer trennen, die in dieser Form eine einmalige Landschaft darstellen. Mit Rügen und Usedom gehören die beiden größten deutschen Inseln zu Vorpommern.

Größte Stadt in Vorpommern ist die einst zur Hansezeit mächtig gewesene Hansestadt Stralsund. Sie ist auch heute die wirtschaftlich bedeutendste Stadt. Geistiges und gerichtliches Oberzentrum ist wegen der vielen Landesgerichtsbarkeiten und der ansässigen alten Ernst-Moritz-Arndt-Universität die Hansestadt Greifswald, etwa 35 km von Stralsund entfernt.

Die Städte Stralsund und Greifswald bilden zusammen nach Rostock das nach Einwohnern zweitgrößte Oberzentrum Mecklenburg-Vorpommerns. Außerdem hat das Gebiet die zweitgrößte Bevölkerungsdichte der vier Planungsregionen des Landes.

In Vorpommern liegen zwei Nationalparks:

Eine weitere Region in Vorpommern mit weitreichendem Naturschutz ist das Peenetal.

Geschichte[Bearbeiten]

Das Pommersche Landesmuseum in Greifswald – die Geschichtsdokumentation des Landesteiles

Der Name Pommern ist die eingedeutschte Form von Pomorje[2] und ist slawischer Herkunft: po more„am Meer“.[3]

Der Name Vorpommern geht auf die zweite Teilung Pommerns in die Herzogtümer Pommern-Wolgast (Vorpommern) und Pommern-Stettin (Hinterpommern) 1532 zurück. Während 1295 noch eine Teilung in ein nördliches (Pommern-Wolgast) und ein südliches Herzogtum (Pommern-Stettin) erfolgte, entstanden 1532 erstmals ein westlicher und ein östlicher Landesteil. Nach dem Westfälischen Frieden (1648) umfasste Vorpommern den zum Königreich Schweden gehörenden Teil Pommerns einschließlich der gesamten Odermündung mit der Stadt Stettin und dem alten Bischofssitz Cammin.

Der Teil Vorpommerns südlich der Peene mit Stettin und den Odermündungsinseln Usedom und Wollin kam 1720 zu Preußen. Hierfür bürgerte sich später die Bezeichnung „Altvorpommern“ ein. Der nördliche Teil hingegen stand von 1715 bis 1721 unter dänischer Militärverwaltung[4], gehörte jedoch bis zum Kieler Frieden von 1814 zu Schweden (Schwedisch-Pommern, auch „Neuvorpommern“), wurde dann Dänemark als Ersatz für Norwegen zugesprochen, was aber nie praktische Konsequenzen hatte, weil Dänemark die von Schweden geforderten Kriegsentschädigungen nicht zahlen konnte. Deshalb verhandelte man auf dem Wiener Kongress weiter und das Gebiet kam im Herbst 1815 zu Preußen.

Nach dem Zweiten Weltkrieg kam es zum größten Teil zur Sowjetischen Besatzungszone und wurde mit Mecklenburg zum Land Mecklenburg-Vorpommern vereinigt. 1947 wurde das Land auf Befehl der SMAD in Mecklenburg umbenannt, um den Begriff Pommern aus dem offiziellen Sprachgebrauch zu entfernen. Nach Bildung der DDR 1949 wurde 1952 bei der Verwaltungsreform der Landesteil Vorpommern vorwiegend Teil der Bezirke Rostock und Neubrandenburg. Zum Bezirk Frankfurt (Oder) kam der südliche Zipfel, der sich weitgehend mit dem heutigen Amt Gartz (Oder) deckt.

Bevölkerungsveränderung in Vorpommern von 2002 bis 2007

Vorpommern wurde 1990 Teil des Bundeslandes Mecklenburg-Vorpommern. Da die Neubildung der Bundesländer in der DDR entlang bestehender Kreisgrenzen vollzogen wurde, verblieb Gartz in Brandenburg, während zum Beispiel das uckermärkische Strasburg sich in einer Volksabstimmung für den Verbleib in Mecklenburg-Vorpommern entschieden hat.

Um die getrennten Gebiete Hinter- und Vorpommerns wieder näher zueinander zu bringen, wurde im Rahmen der europäischen Zusammenarbeit die Euroregion Pomerania gegründet. Das Schengener Durchführungsübereinkommen und auch der geplante Beitritt Polens zum Euro-Raum tragen überdies hinaus weiter dazu bei, das Trennende zwischen den heutigen Teilen Pommerns zu überwinden.

Mit der Kreisgebietsreform Mecklenburg-Vorpommern 2011 wurde die Verwaltungsgliederung Vorpommerns neu geordnet. Der mecklenburgisch-pommersche Mischkreis Demmin wurde aufgeteilt und der größte Teil Vorpommerns wurde in zwei neue Landkreise, Vorpommern-Rügen und Vorpommern-Greifswald eingeteilt. Eine exakte Annäherung der neuen Kreisgrenzen an die historische Grenze zwischen Pommern und Mecklenburg wurde dabei jedoch nicht angestrebt.

Bildung[Bearbeiten]

Die Ernst-Moritz-Arndt-Universität Greifswald ist die älteste Universität Pommerns und war die zweite Universitätsgründung im Ostseeraum.

In Vorpommern befindet sich mit der 1456 gegründeten Ernst-Moritz-Arndt-Universität Greifswald eine der ältesten deutschen Universitäten, die ehemals von den Herzögen gegründete und reich ausgestattete pommersche Landesuniversität. Im benachbarten Stralsund befindet sich die 1990 gegründete Fachhochschule Stralsund (University of Applied Sciences).

Wirtschaft[Bearbeiten]

Heute lebt die Region überwiegend vom Fremdenverkehr, vor allem auf den Inseln Rügen, Hiddensee, Usedom und den Halbinseln Darß und Zingst. Auch die Landwirtschaft ist ein wichtiger Bestandteil. In Stralsund existiert die Volkswerft, in Wolgast die Peene-Werft und in Greifswald die HanseYachts. Ein weiterer Industrie- und Technologiestandort ist das Gelände des ehemaligen Kernkraftwerkes bei Lubmin am Greifswalder Bodden. In der Ueckermünder Heide befindet sich mit der Eisengießerei Torgelow eine der modernsten Gießereien Europas.

Ausgehend von der medizinischen und mathematisch-naturwissenschaftlichen Fakultät der Ernst-Moritz-Arndt-Universität und dem Max-Planck-Institut für Plasmaphysik in Greifswald wird mit zunehmendem Erfolg versucht, eine Technologieindustrie, insbesondere im Bereich der Biotechnologie, zu etablieren. Ein großer Teil der entsprechenden Unternehmen ist im BioCon Valley organisiert. Dank der Erfolge gilt Greifswald heute als einer der Wachstumskerne in den neuen Bundesländern.

Eher strukturschwach sind die ländlichen Bereiche im Hinterland der Ostseeküste (ehemalige Landkreise Demmin und Uecker-Randow, heute das östliche und südliche Vorpommern-Greifswald). Diese Gebiete lebten seit je von der Landwirtschaft und von der Armee. Viele Arbeitsplätze gingen nach der Deutschen Einheit dort verloren.

Durch Vorpommern führt die Ostseeautobahn A20 von Lübeck über Rostock und Stralsund zum Autobahndreieck Uckermark (an der Autobahn BerlinStettin).

Tourismus[Bearbeiten]

Der Strandkorb gilt als Symbol des Tourismus in Vorpommern, vor allem an der Ostseeküste (hier Ahlbeck auf Usedom)

Der Tourismus in Vorpommern mit seinen Inseln Rügen und Usedom hat seit der Wiedervereinigung Deutschlands eine dynamische Entwicklung genommen. Zweistellige Zuwachsraten bei Kapazität und Gästezahlen bei gleichzeitigem Ausbau der Infrastruktur waren zu verzeichnen. Ein Spitzenwert wurde 2003 mit 25,9 Millionen Übernachtungen erreicht. Allerdings flachte die Kurve des Anstiegs zusehends ab und geriet 2004 erstmals ins Minus. Seit 2005 gibt es wieder Zuwachsraten. Die offizielle Statistik wies im Jahr 2006 über 24,7 Millionen Übernachtungen für ganz Mecklenburg-Vorpommern aus. 2007 wurde mit 26,3 Millionen Übernachtungen das bisher höchste Ergebnis seit Einführung der Statistik 1991 erreicht. Vorpommern – ohne Rügen und Hiddensee die 8,9 Prozent erreichten – lag dabei mit einem Zuwachs von 6,8 Prozent bei den Übernachtungen über dem Landesdurchschnitt.[5] Dazu kommen wahrscheinlich noch einmal fast die gleiche Zahl auf dem so genannten „Grauen Beherbergungsmarkt“. Etwa zwei Drittel der Übernachtungen entfallen auf Vorpommern mit den Inseln als Tourismushochburgen. Der Anteil ausländischer Gäste steigt ebenfalls, ist aber mit 2,7 % noch auf niedrigem Niveau.

Es gibt in Vorpommern vier regionale Tourismusverbände: den Tourismusverband Rügen, den Tourismusverband Insel Usedom, den Regionalen Fremdenverkehrsverband Vorpommern (für die Festlandsküste) sowie den Tourismusverband Fischland-Darss-Zingst. Alle Verbände sind Mitglieder im Tourismusverband Mecklenburg-Vorpommern, dem Landesverband, der wiederum Mitglied im Deutschen Tourismusverband (DTV) ist.

Kultur[Bearbeiten]

Die Kultur Pommerns spiegelt sich im städtischen Bereich am besten im WeltkulturerbeHistorische Altstädte Stralsund und Wismar“ wider. Im ländlichen Raum entstehen zahlreiche Schlösser, Gutshäuser und Dorfkirchen wieder in altem Glanz, andere harren noch auf Rettung. Das Pommersche Landesmuseum in der Hansestadt Greifswald stellt die Kulturgeschichte umfassend dar. Eine weit über den lokalen Bereich hinausgehende Bedeutung hat auch das Kulturhistorische Museum in Stralsund, welches in der Mitte des 19. Jahrhunderts unter maßgeblicher Beteiligung der neuvorpommerschen Kommunalstände als Museum für den Regierungsbezirk Stralsund gegründet wurde. Einen großen Teil der archivalischen Überlieferung bewahrt das Landesarchiv Greifswald auf, welches zwischen 1990 und 1997 deshalb auch „Vorpommersches Landesarchiv“ hieß. Weitere Teile der archivalischen und musealen Hinterlassenschaften werden in den heute polnischen Einrichtungen in Stettin aufbewahrt, was durch die Geschichte bis 1945 begründet ist. Weiterhin bemühen sich die Gesellschaft für pommersche Geschichte, Altertumskunde und Kunst, die Historische Kommission für Pommern und die Arbeitsgemeinschaft für pommersche Kirchengeschichte, alle mit Sitz in Greifswald, um das historische Erbe des Gebietes im Rahmen der pommerschen Landesgeschichte.

Städte[Bearbeiten]

Sprache[Bearbeiten]

In Vorpommern wird noch häufig der vorpommersche Dialekt des Ostniederdeutschen gesprochen. Dieser ist in der deutschsprachigen Literatur insbesondere bei den beiden Märchen der Brüder GrimmVon dem Fischer un syner Fru“ und „Von dem Machandelboom“ zu finden sowie in dem später vertonten Gedicht „Mine Heimat“ („Wo die Ostseewellen trecken an den Strand“), in dem die Barther Dichterin Martha Müller-Grählert ihre vorpommersche Heimat beschreibt.

Bekannte Vorpommern[Bearbeiten]

Siehe auch[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Erdbeschreibung der Preußischen Monarchie (F. Leonardi, Hrsg.), Band 3, Halle 1794, S. 604–705 (Volltext).
  • Landbuch des Herzogthums Pommern und des Fürstenthums Rügen. Bearbeitet von Heinrich Berghaus, Vierten Teils zweiter Band, Anklam 1868 (Volltext).
  • W. Deecke: Die Beziehungen der vorpommerschen Städte zur Topologie und Geographie ihrer Umgebung. In: IX. Jahresbericht der Geographischen Gesellschaft Greifswald; Greifswald 1905, S. 170–200 (Volltext).

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Zeitschrift für Schul-Geographie, Bände 13–14, 1892, S. 67, [1]
  2. Pommersche Landschaft.de
  3. Oswald Jannermann: „Slawische Orts- und Gewässernamen in Deutschland“, 2009, Seite 56
  4. Martin Meier: Vorpommern nördlich der Peene unter dänischer Verwaltung 1715 bis 1721. 2008
  5. Tourismus: Rekordergebnis für 2007

Weblinks[Bearbeiten]