Barczewo

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Barczewo
Wappen von Barczewo
Barczewo (Polen)
Barczewo
Barczewo
Basisdaten
Staat: Polen
Woiwodschaft: Ermland-Masuren
Landkreis: Olsztyn
Fläche: 4,58 km²
Geographische Lage: 53° 50′ N, 20° 41′ O53.83333333333320.683333333333Koordinaten: 53° 50′ 0″ N, 20° 41′ 0″ O
Höhe: 139 m n.p.m
Einwohner: 7277
(30. Jun. 2014)[1]
Postleitzahl: 11-010
Telefonvorwahl: (+48) 89
Kfz-Kennzeichen: NOL
Wirtschaft und Verkehr
Schienenweg: OlsztynEłk
Nächster int. Flughafen: Danzig
Gemeinde
Gemeindeart: Stadt- und Landgemeinde
Gemeindegliederung: 21 Ortschaften
Fläche: 319,85 km²
Einwohner: 17.443
(30. Jun. 2014)[1]
Bevölkerungsdichte: 55 Einw./km²
Gemeindenummer (GUS): 2814013
Verwaltung (Stand: 2009)
Bürgermeister: Lech Nitkowski
Adresse: pl. Ratuszowy 1
11-010 Barczewo
Webpräsenz: www.barczewo.pl

Barczewo [barˈʧɛvɔ] (deutsch Wartenburg in Ostpreußen) ist eine Stadt und Sitz der gleichnamigen Stadt- und Landgemeinde im nordöstlichen Teil Polens und liegt rund 15 Kilometer nordöstlich von Olsztyn am Fluss Pisa Warmińska in der Woiwodschaft Ermland-Masuren. Der Ort liegt an der Südtrasse der ehemals Preußischen Ostbahn zwischen Olsztyn und Korsze.

Geschichte[Bearbeiten]

Um 1325 ließ der Bischof von Ermland in Wartenburg ein Schloss errichten. Während des ersten Krieges gegen Litauen wurde der Ort 1354, der sich damals noch an der Stelle Altwartenburgs befand, zerstört.[2] Zehn Jahre später war der Ort wieder aufgebaut und erhielt von Bischof Johannes Stryprock Stadtrecht und das Kulmer Recht. Auch die Kirche wurde wieder aufgebaut.

Das Franziskanerkloster wurde 1380 errichtet. Als es nach der Reformation leer stand, wurde es 1597 den Zisterziensern überlassen. 1810 wurde das Kloster säkularisiert, 1830 verstaatlicht und seit 1834 als Strafanstalt genutzt. Die ersten Gefangenen wurden aber bereits 1812 hier inhaftiert. Bekannt wurde das Gefängnis später durch Erich Koch, den ehemaligen NS-Gauleiter von Ostpreußen, der hier von 1965 bis 1986 inhaftiert war.

1594 wurden große Teile des Schlosses Opfer eines Feuers; das Schloss wurde danach wieder aufgebaut.

1861 lebten 3.272 Menschen in Wartenburg.

Einen Eisenbahnanschluss bekam die Stadt 1872 mit der Errichtung der Linie Thorn–Insterburg. Der Bahnhof von Wartenburg lag durch das hügelige Umland bedingt ca. 3 km nördlich in Reuschhagen.

Die Reichspogromnacht (9.–10. November 1938) überdauerte die Synagoge in Wartenburg als eine der wenigen im Gebiet des Deutschen Reichs unbeschädigt. 1939 – vor Ausbruch des Zweiten Weltkrieges – lebten 5.841 Menschen im Ort.

Wartenburg wurde am 26. Januar 1945 von der Roten Armee besetzt, zu diesem Zeitpunkt befanden sich noch 1700 Einwohner in der teilweise zerstörten Stadt. Nach dem Kriege wurden viele Deutsche vertrieben oder siedelten in den folgenden Jahren aus. Die meisten Neubürger kamen aus Zentral- und Ostpolen und einige wenige aus Litauen und der Ukraine.

Die polnischen Behörden, die die Stadt im Frühjahr 1945 übernahmen, änderten den Ortsnamen zunächst in Wartembork, am 4. Dezember 1946 wurde die Stadt dann zu Ehren des Geistlichen Walenty Barczewski (1856–1928) in Barczewo umbenannt.

1950 lebten bereits wieder 3.229 Einwohner in der Stadt.

Einwohnerentwicklung[Bearbeiten]

  • 4.055 (1875)
  • 4.499 (1880)
  • 4.818 (1933)
  • 5.841 (1939)
  • 7.336 (2007)[3]

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

  • das Schloss
  • die Pfarrkirche der Heiligen Anna aus dem 14. Jahrhundert mit dem angebauten Turm aus dem 15. Jahrhundert; hier findet seit 2002 auch das jährliche Internationale Feliks-Nowowiejski-Chormusik-Festival statt. Im Pfarrhaus dieser Kirche befand sich seinerzeit auch die Elementarschule von Wartenburg, in der der bekannte Komponist Feliks Nowowiejski seine ersten 4 Schuljahre absolvierte.
  • die Synagoge aus dem 19. Jahrhundert
  • das Felix-Nowowiejski-Museum
  • die Klosterkirche St. Andreas mit dem Anbau der St. Antoniuskapelle, mit sehenswertem Doppelgrabmal für Andreas Báthory, 1566–1599, Neffe des polnischen Königs Stephan Báthory, Kardinal und 1589 Fürstbischof von Ermland, sowie seinen Bruder Balthasar, Ratsherr von Siebenbürgen. Dieses Grabmal wurde von Andreas Bathory bereits zu seinen Lebzeiten in Auftrag gegeben und 1598 vom berühmten Danziger Architekten und Bildhauer Abraham van den Blocke geschaffen.
  • Kloster (Restteil), ein geschichtsträchtiges Gebäude, später auch als Gefängnis genutzt. Hier war der ehemalige Gauleiter von Ostpreußen und Chef der deutschen Zivilverwaltung im polnischen Bezirk Bialystok, Erich Koch von 1959 bis zu seinem Tod 1986 in Haft. Er war in Polen nach langen Gerichtsverhandlungen 1959 „nur für seine Kriegsverbrechen in Polen“ zum Tode verurteilt worden (später umgewandelt in lebenslange Freiheitsstrafe). Dieses Klostergebäude ist heute eine Strafanstalt.

Gemeinde[Bearbeiten]

Zur Stadt- und Landgemeinde Barczewo gehören folgende Ortschaften:

polnischer Name deutscher Name
(bis 1945)
polnischer Name deutscher Name
(bis 1945)
Barczewko Alt Wartenburg Leszno Groß Leschno
1938–1945 Leschnau
Barczewo Wartenburg Leszno Małe Klein Leschno
1938–1945 Försterei Leschnau
Barczewski Dwór Klein Wartenburg Maruny Groß Maraunen
Bark Barkeim Mokiny Mokainen
Bartołty Małe Klein Bartelsdorf Niedźwiedź Bärenbruch
Bartołty Wielkie Groß Bartelsdorf Nikielkowo Nickelsdorf
Biedowo Neu Maraunen
1928–1945 Maraunen
Odryty Odritten
Bogdany Bogdainen Orzechówko
Czerwony Bór Rothwalde Próle Prohlen
Dąbrówka Mała Klein Damerau Radosty Ottendorf
Dadaj Schönfließ Ramsówko Groß Ramsau
1928–1945 Ramsau
Dobrąg Debrong Ramsowo Klein Ramsau
Gaj Gayhof Rejczuchy Karolinenhof
Jedzbark Hirschberg Ruszajny Reuschhagen
Kaplityny Kaplitainen Rycybałt Rittebalde
Kierzbuń Kirschbaum Sapunki Klein Sapuhnen
Kierzliny Kirschlainen Sapuny Sapuhnen
Klimkowo Klimkowo
1938–1945 Klimkau
Skajboty Skaibotten
Klucznik Klutznik
1938–1945 Klausen
Stare Włóki Alt Vierzighuben
Kołaki Kollacken Studzianek Kutzborn
Koronowo Szynowo Schönau
Kromerowo Krämersdorf Tęguty Tengutten
Kronówko Klein Cronau Tumiany Daumen
Kronowo Groß Cronau
1929–1945 Cronau
Wipsowo Wieps
Krupoliny Kroplainen Wójtowo Fittigsdorf
Lamkówko Klein Lemkendorf Wrócikowo Robertshof
Lamkowo Groß Lemkendorf Zalesie Vorwerkswalde
1938–1945 Waldhausen
Łapka Lapkaabfindung Żarek Neurode
Łęgajny Lengainen

Wappen[Bearbeiten]

Blasonierung: „In Blau eine von zwei schwebenden, silbern gekleideten Engeln getragene, goldene Bischofsmütze mit herabhängenden Bändern.“[4]

Dieses Bild steht auch auf dem am Bundesbrief der Städte vom Jahre 1440 hängenden SIGILLVM CIVITATIS WARTHEMBERG und wird später stets wiederholt. Die Burg hatte Bischof Eberhard von Ermland erbauen lassen, daher die Mitra.[5]

Bekannte Personen[Bearbeiten]

Töchter und Söhne der Stadt[Bearbeiten]

  • Kazimierz Brakoniecki (* 1952), polnischer Dichter
  • Paul Brieskorn (* 1887; † nach 1937), deutscher Politiker (Zentrum) und Landtagsabgeordneter in der Freien Stadt Danzig
  • Arno Bulitta (1921–1995), deutscher Mediziner und Bundesverdienstkreuzträger
  • Paul Gisevius (1858–1935), deutscher Agrarwissenschaftler
  • Stephan Foremny (1931–2006), deutscher Komponist, Chorleiter und Hochschullehrer
  • Ulrich Fox (Heimatforscher) (1937–2012), deutscher Heimatforscher und Bundesverdienstkreuzträger
  • Winfried Lipscher (* 1938), deutscher Theologe, Übersetzer, Publizist und ehemaliger Botschafter
  • Götz Naleppa (* 1943), deutscher Hörspielregisseur, Klangkomponist, Dramaturg und Übersetzer.
  • Feliks Nowowiejski (1877–1946), polnischer Komponist, Dirigent, Organist, Musiklehrer und päpstlicher Kammerherr
  • Robert Pruszkowski (1907–1983), KZ-Häftling in Dachau, Pfarrer in Preetz
  • Horst Tuguntke (* 1931), deutscher Verwaltungsjurist und Bundesverdienstkreuzträger

Personen, die vor Ort wirkten[Bearbeiten]

Personen, die mit Barczewo in Verbindung stehen[Bearbeiten]

  • Erich Koch (1896–1986), NSDAP-Gauleiter von Ostpreußen, Kriegsverbrecher, Gefängnisinsasse (1965–1986) in Barczewo
  • Richard von Weizsäcker (* 1920) schützte im Januar 1945 in Wartenburg Hermann Priebe (1907–1997) vor der Gestapo

Verweise[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

Fußnoten[Bearbeiten]

  1. a b Population. Size and Structure by Territorial Division. As of June 30, 2014. Główny Urząd Statystyczny (GUS) (PDF), abgerufen am 22. November 2014.
  2. Erich Weise (Hrsg.) Handbuch der historischen Stätten Ost- und Westpreußen. Alfred Kröner Verlag, Stuttgart 1981, ISBN 3-520-31701-X, S. 4.
  3. Główny Urząd Statystyczny, „LUDNOŚĆ - STAN I STRUKTURA W PRZEKROJU TERYTORIALNYM“, Stand vom 31. Dezember 2007
  4. Prof. Dr. Erich Keyser: Deutsches Städtebuch - Handbuch städtischer Geschichte Band I Nordostdeutschland Seite 113/114. W. Kohlhammer Verlag Stuttgart 1939.
  5. Prof. Otto Hupp: Deutsche Ortswappen. Kaffee-Handels-Aktiengesellschaft, Bremen 1925.