Ełk

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Ełk
Wappen von Ełk
Ełk (Polen)
Ełk
Ełk
Basisdaten
Staat: Polen
Woiwodschaft: Ermland-Masuren
Landkreis: Ełk
Fläche: 21,07 km²
Geographische Lage: 53° 49′ N, 22° 21′ O53.81666666666722.35Koordinaten: 53° 49′ 0″ N, 22° 21′ 0″ O
Einwohner: 59.666
(30. Jun. 2013)[1]
Postleitzahl: 19-300
Telefonvorwahl: (+48) 87
Kfz-Kennzeichen: NEL
Wirtschaft und Verkehr
Straße: AugustówRyn
GołdapBiałystok
Schienenweg: Olsztyn–Ełk–Białystok
Ełk–Olecko
Nächster int. Flughafen: Warschau
Gemeinde
Gemeindeart: Stadtgemeinde
Fläche: 21,07 km²
Einwohner: 59.666
(30. Jun. 2013)[2]
Bevölkerungsdichte: 2832 Einw./km²
Gemeindenummer (GUS): 2805011
Verwaltung (Stand: 2011)
Stadtpräsident: Tomasz Andrukiewicz
Adresse: ul. Piłsudskiego 4
19-300 Ełk
Webpräsenz: www.elk.pl
Poland Elk View.jpg

Ełk [ɛwk] (deutsch Lyck) ist eine Mittelstadt in der polnischen Woiwodschaft Ermland-Masuren.

Geographische Lage[Bearbeiten]

Ełk liegt im historischen Ostpreußen, rund 120 km östlich der Stadt Olsztyn (Allenstein) in Masuren am Jezioro Ełckie (Lyck-See). Die Entfernung nach Kaliningrad (Königsberg) im Nordwesten beträgt etwa 150 Kilometer.

Geschichte[Bearbeiten]

Der deutsche Ortsname Lyck leitet sich aus prußisch „luka“ ab und ist die Bezeichnung für die Gelbe Mummel – eine Teichrose. Die polnische Form Ełk entstand durch falsche Abtrennung aus „we Łku“ und weist ebenfalls auf Sumpf- und Wasserpflanzen.

Lyck liegt im westlichen Teil des prußischen Stammesgebietes Sudauen, das 1283 durch den Deutschen Orden erobert wurde. Das Schloss auf der Insel des Lycker Sees wurde um 1390 durch den Komtur zu Balga angelegt, später umgebaut und erweitert. Der Ort wurde erstmals 1343 als Luk urkundlich erwähnt. 1425 erhielt das Fischerdorf die Handfeste durch den Hochmeister Paul von Rusdorf (Dorfprivileg). Nach dessen Tod wurde die Urkunde 1445 in Rastenburg bestätigt. Während des Preußischen Städtekrieges wurde 1454 der sich am hohen Ufer des Lycker Sees hinstreckende Ort von den Polen niedergebrannt. 1497 verweigerte Hochmeister Friedrich von Meißen dem polnischen König den Huldigungseid und ließ die Burg Lyck wieder aufbauen und stark befestigen, um gegen polnische Angriffe gewappnet zu sein. 1536 errichtete der aus Krakau stammende Pfarrer Maletius auf seinem von Herzog Albrecht verliehenen Gut eine Druckerei und ließ etliche polnische Bücher drucken. Es war nach Marienburg und Königsberg die dritte Druckerei im gesamten Preußenland. Die Verleihung des Stadtrechtes erfolgte 1669 durch den Großen Kurfürsten.

Mit dem Gymnasium verfügte die Stadt über eine höhere Lehranstalt. Deren Anfänge gingen auf eine 1588 von Markgraf Georg Friedrich von Ansbach für die Polen gestiftete Provinzial-Schule zurück, die 1599 zur Fürstenschule erhoben worden war. 1812 wurde diese Lehranstalt zum Königlichen Gymnasium Lyck.[3]

1815 kam der Begriff Masuren (Mazury) auf. Lyck empfand sich - nicht nur wegen seiner Druckerei und seines Gymnasiums, sondern besonders auch wegen seiner bedeutenden Persönlichkeiten - als geistiges Zentrum der Region und bezeichnete sich deshalb als „Hauptstadt Masurens“.[4] Die damals gemeinte Region entspricht nicht der heutigen. 1818–1945 war Lyck Kreisstadt des gleichnamigen Kreises Lyck im Regierungsbezirk Allenstein. Es verfügte über Landgericht, Amtsgericht und Arbeitsgericht und war Sitz des Hauptzoll- und Finanzamts und einer Oberförsterei. Zwischen 1868 und 1885 wurden die Ostpreußische Südbahn sowie Bahnverbindungen nach Insterburg und Johannisburg angelegt, die dem Ort einen enormen wirtschaftlichen Schub gaben. Es entstanden Maschinenfabriken, Holzschneidemühlen, Ziegeleien, Brauereien und ansehnliche Gärtnereien. Insbesondere der Handel mit Russland war bedeutend. 1908 wurde das Königliche Lehrerseminar fertiggestellt. 1915 folgte die Bahnverbindung nach Sensburg.

Ausgesprochen herzlich begrüßte die Bevölkerung das Corps Masovia, als es 1881 zum ersten Mal ein Stiftungsfest in Lyck feierte. Die Lycker Zeitung „Masovia, Publikationsorgan für den Landesstrich Masuren“ erschien am 14. Juni 1881 in breitem Überdruck mit den Farben blau-weiß-rot und brachte ein Begrüßungsgedicht und einen Artikel über die Corpsgeschichte.[5] Die gleiche Resonanz fand 1896 das 66. Stiftungsfest.

Aufgrund der Bestimmungen des Versailler Vertrags stimmte die Bevölkerung im Abstimmungsgebiet Allenstein, zu dem auch Lyck gehörte, am 11. Juli 1920 über die weitere staatliche Zugehörigkeit zu Ostpreußen (und damit zu Deutschland) oder den Anschluss an Polen ab. In Lyck stimmten 99,88 % für den Verbleib bei Ostpreußen. Bis zum Ende des Zweiten Weltkriegs 1945 gehörte die Stadt zum Deutschen Reich (Ostpreußen). Die ursprünglich in Lyck ansässige deutsche Bevölkerung wurde, soweit sie nicht geflüchtet war, nach 1945 größtenteils vertrieben bzw. ausgesiedelt und durch Neubürger aus Polen ersetzt.

Ełk ist Sitz des römisch-katholischen Bistums Ełk.

Bevölkerungsentwicklung[Bearbeiten]

Jahr Einwohner-
zahl
Bemerkungen
1499 600[6]
1600 800[7]
1782 2.000 ohne die Garnison (zwei Schwadrone Bosniaken)[8]
1831 2.945 meistens Deutsche[9]
1875 5.912[10]
1880 6.846[10]
1890 9.981 davon 361 Katholiken und 224 Juden (1.300 Polen)[10]
1900 11.386 mit der Garnison (ein Infanterie-Regiment und ein Dragoner-Regiment),
davon 534 Katholiken und 189 Juden[11]
1925 15.159 davon 14.247 Protestanten, 589 Katholiken, 21 andere Christen und 187 Juden[10]
1933 15.512 davon 14.620 Protestanten, 628 Katholiken, 17 andere Christen und 137 Juden[10]
1939 16.243 davon 14.836 Protestanten, 778 Katholiken, 211 andere Christen und 16 Juden[10]
2011 59.274[12]

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

Sehenswert sind neben historischen Wohnhäusern aus dem 19. Jahrhundert die ehemals evangelische, 1850 im gotischen Stil erbaute Kirche (heute katholischer Bischofssitz), die 1853 eingeweihte katholische St.-Adalbert-Kirche sowie der Jezioro Ełckie (Lycksee) mit der Schlossinsel, wo sich früher der „Roßgarten“ der Ordensritter befand.

Die durch den Schriftsteller Siegfried Lenz bekannt gewordene historische Lycker Kleinbahn wird heute von einem privaten Verein betrieben.

Gedenkstätten[Bearbeiten]

Bei Bartosze (Bartossen, Bartenstein) hat der Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge eine Kriegsgräberstätte für fast 14.000 deutsche Kriegstote (Zahl von 2011) angelegt.

Städtepartnerschaften[Bearbeiten]

Ełk unterhält seit dem 17. Juni 1955 eine Städtepartnerschaft mit Hagen in Westfalen. Dort findet auch alljährlich das sogenannte bundesweite „Lycker Treffen“ der Kreisgemeinschaft der Vertriebenen der Stadt und des Kreises Lyck statt. Eine weitere Städtepartnerschaft mit der Stadt Nettetal am Niederrhein besteht seit 1998.

Persönlichkeiten[Bearbeiten]

Eine bekannte Lycker Persönlichkeit der Neuzeit ist der Schriftsteller Siegfried Lenz, der 1926 in Lyck geboren wurde. Mit seinem Werk So zärtlich war Suleyken hat er dem Umland ein literarisches Denkmal gesetzt. Als Lucknow ist Lyck Zentrum der Handlung in seinem Roman Heimatmuseum, in dem Lenz sich mit dem die masurische Region schädigenden und schließlich zerstörenden Nationalismus, aber auch mit der Politik der Vertriebenenverbände nach 1945 auseinandersetzt. 2011 erhielt Lenz für sein Engagement für ein friedliches Zusammenleben zwischen Deutschen und Polen die Ehrenbürgerwürde der Stadt.[13]

Söhne und Töchter der Stadt[Bearbeiten]

Lyck vor 1900
Die katholische „Allerheiligsten Herzen Jesu“ Kirche in Lyck; eingeweiht im Jahre 1925

Nach Geburtsjahr geordnet

Weitere mit der Stadt verbundene Persönlichkeiten[Bearbeiten]

Ehrenbürger[Bearbeiten]

Hindenburg-Säule in Lyck

Gmina Ełk[Bearbeiten]

Zur umliegenden Gmina (Landgemeinde) Ełk gehören die folgenden Ortschaften:

polnischer Name deutscher Name
polnischer Name deutscher Name
polnischer Name deutscher Name
Bajtkowo Baitkowen
1938–1945 Baitenberg
Krokocie Soffen Rękusy Renkussen
Barany Barannen
1938–1945 Keipern
Lega Leegen Rostki Bajtkowskie Rostken
1938-45 Waiblingen
Bartosze Bartossen
1938–1945 Bartendorf
Lepaki Małe Klein Leppacken
1938–1945 Klein Ramecksfelde
Rożyńsk Rosinsko
1938–1945 Rosenheide
Białojany Biallojahnen
1935–1945 Weißhagen
Lepaki Wielkie Groß Leppacken
1938–1945 Ramecksfelde
Ruska Wieś Reuschendorf
Bienie Bienien
1938–1945 Binien
Mącze Monczen
1938–1945 Montzen
Rydzewo Rydzewen
1938–1945 Schwarzberge
Bobry Bobern Mąki Monken Rymki Rymken
1938–1945 Riemken
Borecki Dwór Borkenhof Maleczewo Malleczewen
1938–1945 Maletten
Sajzy Zeysen
Borki Borken Malinówka Mała Klein Malinowken
1938–1945 Kleinschmieden
Sędki Sentken
Brodowo Brodowen
1938–1945 Brodau
Malinówka Wielka Groß Malinowken
1938–1945 Großschmieden
Siedliska Schedlisken
1938–1945 Sonnau
Buczki Buczken
1938–1945 Kleinseliggen
Małkinie Malkiehnen
1938–1945 Malkienen
Skup Felsenhof
Buniaki Mathildenhof Miluky Mylucken
1938–1945 Milucken
Śniepie Schnepien
1938–1945 Schnippen
Chełchy Chelchen
1938–1945 Kelchendorf
Mołdzie Moldzien
1938–1945 Mulden
Sordachy Sordachen
Chojniak Löbelshof Mostołty Mostolten Straduny Stradaunen
Chruściele Chroscziellen
1933–1945 Kreuzfeld
Mrozy Małe Klein Mrosen Suczki Sutzken
1934–1945 Morgengrund
Chrzanowo Chrzanowen
1933–1945 Kalkofen
Mrozy Wielkie Groß Mrosen
1929–1938 Mrossen
1938–1945 Schönhorst
Świdrówko Schwidrowken
1929–1945 Eduardsfelde
Ciernie Czernien
1929–1945 Dorntal
Niekrasy Niekrassen
1938–1945 Krassau
Szarejky Sareiken
Czaple Zappeln Oracze Oratzen Szarek Sarken
Giże Giesen Piaski Piasken
1927–1945 Klein Rauschen
Szeligi Seliggen
Guzki Gusken Pisanica Pissanitzen
1926–1945 Ebenfelde
Talusy Thalussen
1938–1945 Talussen
Janisze Johannisberg Pistki Pistken
1938–1945 Kröstenwerder
Tracze Tratzen
1938–1945 Trabenau
Judziki Judzicken
1938–1945 Gutenborn
Płociczno Plotzitznen
1938–1945 Bunhausen
Wityny Wittinnen
Kałęczyny Kallenczynnen
1938–1945 Lenzendorf
Przykopka Przykopken
1926–1945 Birkenwalde
Woszczele Woszczellen
1928–1938 Woszellen
1938–1945 Neumalken
Karbowskie Karbowsken
1938–1945 Siegersfeld
Przytuły Przytullen
1927–1945 Seefrieden
Zdedy Sdeden
1938–1945 Stettenbruch
Konieczki Elisenthal Regiel Regeln Zdunki Sdunken
1938–1945 Ulrichsfelde
Koziki Kozycken
1935–1945 Selmenthöhe
Regielnica Regelnitzen
1938–1945 Regelnhof

Verweise[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Max Meyhöfer: Lyck. In: Handbuch der historischen Stätten, Ost- und Westpreußen. Kröner, Stuttgart 1981, ISBN 3-520-31701-X, S. 127–128.
  • Stadt Lyck (Hg.): Festschrift zur Feier des 500jährigen Bestehens von Lyck. Lyck 1925.
  • August Ambrassat: Die Provinz Ostpreußen. Ein Handbuch der Heimatkunde, 1912, Nachdruck Weidlich, Frankfurt am Main 1978, S. 440 ff.
  • Paul Brock: Überragt vom Turm der Kirche. Lyck, die Hauptstadt Masurens, wurde vor 555 Jahren gegründet. Ostpreußenblatt, 30. August 1980, Folge 35, S. 11. (Online, PDF).
  • Rozalia Przybytek: Hydronymia Europaea, Ortsnamen baltischer Herkunft im südlichen Teil Ostpreußens, Stuttgart 1993, S. 55 f.
  • Max Toeppen: Ueber preussische Lischken, Flecken und Städte. Ein Beitrag zur Geschichte der Gemeindeverfassungen in Preußen. In: Altpreußische Monatsschrift, Band 4, Königsberg 1867, S. 621–646 (insbesondere S. 636–638).
  • Nachrichten über das Lycker Gymnasium vom Jahre 1824 bis 1835 incl.. In: Preußischen Provinzialblätter, Band 15, Königsberg 1836, S. 486–493 (Online, Google).

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Ełk – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien
 Wikivoyage: Ełk – Reiseführer

Fußnoten[Bearbeiten]

  1. Population. Size and Structure by Territorial Division. As of June 30, 2013. Główny Urząd Statystyczny (GUS) (PDF), abgerufen am 8. November 2013.
  2. Population. Size and Structure by Territorial Division. As of June 30, 2013. Główny Urząd Statystyczny (GUS) (PDF), abgerufen am 8. November 2013.
  3. L. Wiese: Das höhere Schulwesen in Preußen. Historisch-statistische Darstellung. Berlin 1864, S. 65–66 (online)
  4. Lyck als Bildungshauptstadt Masurens (ostpreussen.net)
  5. Rüdiger Döhler (Hg.): Corps Masovia. Die 175jährige Geschichte von Königsbergs ältester und Potsdams erster Korporation im 21. Jahrhundert. München 2005, ISBN 3-00-016108-2, S. 147 f.
  6. [1] (polnisch)
  7. wspolczesna.pl (polnisch)
  8. Johann Friedrich Goldbeck: Volständige Topographie des Königreichs Preussen, Teil I: Topographie von Ost-Preussen. Marienwerder 1785, S. 39, Nr. 2 (online)
  9. August Eduard Preuß: Preußische Landes- und Volkskunde. Königsberg 1835, S. 454–455, Nr. 65 (online)
  10. a b c d e f Michael Rademacher: Deutsche Verwaltungsgeschichte Provinz Ostpreußen, Kreis Lyck 2006
  11. Meyers Großes Konversations-Lexikon. 6. Auflage, Band 12. Leipzig/Wien 1908, S. 893.
  12. [2] (polnisch)
  13. Siegfried Lenz wird Ehrenbürger in Polen. RP Online vom 27. September 2011; abgerufen am 30. September 2011
  14. Jochen Gosepath: Flatau, Theodor Simon. In: Neue Deutsche Biographie 5 (1961), S. 223.
  15. J. S. Rosenheyn in Koesslers Lehrerlexikon (GEB)