Vila de Liquiçá

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Vila de Liquiçá
Vila de Liquiçá (Osttimor)
Vila de Liquiçá
Vila de Liquiçá
Koordinaten 8° 35′ S, 125° 21′ O-8.5875125.34194444444Koordinaten: 8° 35′ S, 125° 21′ O
Sucos Liquica.png
Basisdaten
Staat Osttimor

Distrikt

Liquiçá
Höhe 87 m
Einwohner 5152 (2010)
Kultur
Partnerstädte Flag of Australia.svg Moonee Valley, Australien[1]
Ehemaliger Sitz des portugiesischen Administrators in Liquiçá
Ehemaliger Sitz des portugiesischen Administrators in Liquiçá

Vila de Liquiçá (Liquiçá) ist die Hauptstadt des osttimoresischen Distrikts Liquiçá und des Subdistrikts Liquiçá. Sie hat 5.152 Einwohner (2010).[2]

Geographie[Bearbeiten]

Klimadiagramm von Liquiçá[3]

Liquiçá liegt an der Küste der Straße von Ombai, einer Verlängerung der Sawusee, auf einer Meereshöhe von 87 m. Sie liegt 32 km westlich von der Landeshauptstadt Dili. Obwohl die Stadt das Verwaltungszentrum des Subdistrikts Liquiçá ist, liegt ihr Kern im Subdistrikt Bazartete, genauer im Suco Maumeta zwischen den Mündungen der Flüsse Carbutaeloa und Gularkoo. Pisulete im Suco Lauhata, am Ostufer des Carbutaeloa kann noch als Vorort Liquiçás angesehen werden. Westlich des Gularkoo schließt sich der zum Subdistrikt Liquiçá gehörende Suco Dato an, dessen Orte Dato, Leopa, Camalelara und weiter westlich, jenseits des Flusses Laklo, Kalapa und Camalehohoru die Stadt Liquiçá erweitern. Auch in Teile vom Suco Loidahar reicht die Stadt hinein.[4] Als „urban“ werden in den offiziellen Statistiken Osttimors nur die Sucos Dato und Loidahar definiert.[5] Es gibt keine Stadtverwaltung für die gesamte Siedlung. Jeder Subdistrikt hat seinen eigenen Administrator, in den einzelnen Sucos werden von den Einwohnern der Chefe de Suco und die Suco-Räte gewählt.

Den Großteil des Jahres ist das Klima in Liquiçá heiß mit hoher Luftfeuchtigkeit, allerdings wenig Niederschlägen. Nur in der Regenzeit fällt Regen zwischen November und April. Die Flüsse führen nur in dieser Zeit Wasser, dann aber tragen sie reißend Felsen und Erde mit. Das Temperaturmaximum beträgt 32,5 °C im November, die niedrigste Temperatur im Juli 22,4 °C.[6]

Öffentliche Einrichtungen[Bearbeiten]

Frauen- und Kindergemeindezentrum

In der Stadt befinden sich insgesamt eine Vorschule, fünf Grundschulen, zwei Präsekundärschulen und zwei Sekundärschulen. Außerdem befinden sich hier ein kommunales Gesundheitszentrum, eine Polizeistation und ein Hubschrauberlandeplatz.

Geschichte[Bearbeiten]

Liquiçá war eines der traditionellen Reiche Timors, die von einem Liurai regiert wurden. Es erscheint auf einer Liste von Afonso de Castro, einem ehemaligen Gouverneur von Portugiesisch-Timor, der im Jahre 1868 47 Reiche aufführte.[7][8] Zusammen mit Luca herrschte es nach europäischen Quellen im 16. Jahrhundert über den Osten Timors. Hier wird Liquiçá als Likusaen bezeichnet. Der Name leitet sich von der alten Bezeichnung „Liku Saen“ ab, der „Python“ bedeutet.[9] Noch 1886 zahlte die zu den Niederlanden gehörende Insel Alor Tribut in Form von Reis, Mais, Baumwolle und anderem.

Während der Anti-Steuer-Rebellionen zwischen 1860 und 1912 war der Liurai von Liquiçá ein loyaler Verbündeter der portugiesischen Kolonialherren, der mehrmals Truppen zur Niederschlagung der Rebellionen zur Verfügung stellte.[10] 1889 wurde der portugiesische Posten in Liquiçá erneuert.

Im Zweiten Weltkriegs wurde Portugiesisch-Timor von den Japanern besetzt (siehe Schlacht um Timor). In Liquiçá und Maubara wurde ab Ende Oktober 1942 die gesamte verbliebene portugiesischstämmige Bevölkerung in Lagern interniert. Die Bedingungen in dem Camp waren schlecht, Nahrungsmittel knapp und die Hygienebedingungen aufgrund von Wassermangel unzureichend. Viele Portugiesen starben deswegen. Zwar gab es einen portugiesischen Arzt, dem später zwei japanische Ärzte zugeteilt wurden, aber es fehlte an Medikamenten. Im ersten Jahr bewachten japanische Soldaten das Lager, später japanische Kempeitai, zusammen mit timoresischen Wachen und Spionen.[10]

Während der indonesischen Invasion landeten am 25. Dezember 1975 indonesische Truppen nahe Liquiça, wo es zu Massakern an Zivilisten kam. Ende 1979 gab es in Vila de Liquiçá ein sogenanntes Transit Camp, in denen die Besatzer osttimoresische Zivilisten internierten.[11] 1999 war Liquiçá Schauplatz zweier besonders schwerer Verbrechen während der Unruhen zur Zeit des Unabhängigkeitsreferendums.

Der Distrikt Liquiçá ein Zentrum der Gewaltwelle vor und nach dem Unabhängigkeitsreferendum und Schauplatz von Einschüchterungen, Vergewaltigungen und Mord durch pro-indonesische Milizen. Am 5. April wurde die Vila de Liquiçá von der Miliz Besi Merah Putih (BMP) angegriffen. Mindestens sieben Menschen starben, 150 Häuser wurden niedergebrannt, mehr als tausend Menschen suchten Schutz in der Hauptkirche und dem angrenzenden Pfarrheim, wo sie am Tag darauf von den Milizen Besi Merah Putih und Aitarak, unter Beteiligung von indonesischer Polizei und Soldaten ümzingelt wurden. Bei dem folgenden Kirchenmassaker von Liquiçá starben je nach Quelle zwischen 61 und 200 Menschen. Später wurden die Einwohner von Luculai, Loidahar und Darulete nach Vila de Liquiçá zwangsdeportiert. Hier zwang man sie mit Einschüchterungen und Misshandlungen die Autonomielösung im Referendum zu unterstützen, die einen Verbleib Osttimors bei Indonesien vorsah. Männer wurden, wenn sie nicht flohen, für die Milizen zwangsrekrutiert. Außerdem mussten die Menschen die Flagge Indonesiens setzen und Wachposten einrichten. Mädchen und junge Frauen mussten auf Feiern der Milizen tanzen. Etwa 150 Menschen flohen nach Dili, wo sie Zuflucht im Haus des Politikers Manuel Carrascalão suchten, das aber am 17. April selbst von den Milizen angegriffen wurde.[11] Am 4. Juli 1999 griff die pro-indonesische Miliz Besi Merah Putih (BMP) einen Hilfskonvoi in Liquiçá an, der von Mitarbeitern von UNAMET und dem UNHCR begleitet wurde. Von den 77 Personen im Konvoi wurden mehrere einheimische Mitarbeiter schwer verletzt und die Fahrzeuge mit Stangen und Steinen zerstört. 62 Mitglieder des Konvois retteten sich in die Polizeistation. Später konnten sie nach Dili zurückkehren. Indonesische Polizisten und Mitglieder des Geheimdienstes, die anwesend waren, griffen nicht ein. Im Gegenteil. Eine Woche nach dem Vorfall begann die indonesische Polizei mit Ermittlungen gegen einen UN-Mitarbeiter wegen angeblichen Waffenbesitz.[11][12] Am 18. Juli folgte ein Angriff der BMP auf Vila de Liquiçá, worauf erneut Menschen in die Berge flohen.[11] Während der Ausschreitungen durch die Milizen wurden die meisten Gebäude Vila de Liquiçás zerstört, nur wenige Bauten aus portugiesischer und indonesischer Zeit sind übrig geblieben. Am 13. Oktober wurde zur Wiederherstellung der Ordnung eine australische Infanteriekompanie in der menschenleeren Stadt stationiert. Erst nach und nach kehrten die Einwohner zurück.[11]

Am 1. und 2. Januar 2008 kam es hier und in den Sucos Maumeta, Dato und dem benachbarten Luculai zu schweren Überschwemmungen. Menschen wurden nicht verletzt, aber 300 Familien verloren ihr Dach über dem Kopf.[13] Ende Januar 2012 wurden durch starke Regenfälle die Schule und 18 Häuser zerstört.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Webseite des Außenministeriums Osttimors
  2. Direcção Nacional de Estatística: Preliminary Result of Census 2010 English (PDF; 3,2 MB)
  3. Seeds of Life
  4. Timor-Leste GIS-Portal
  5. Finanzministerium von Osttimor:Liquiça Suco Reports
  6. Liquiçá District Development Plan 2002/2003 (englisch; PDF; 376 kB)
  7. TIMOR LORO SAE, Um pouco de história
  8. East Timor - PORTUGUESE DEPENDENCY OF EAST TIMOR
  9. Suai Media Space: Koba Lima − Suai
  10. a b History of Timor – Technische Universität Lissabon (PDF; 824 kB)
  11. a b c d e „Chapter 7.3 Forced Displacement and Famine“ (PDF; 1,3 MB) aus dem „Chega!“-Report der CAVR (englisch)
  12. ETAN: July 4 Militia Attack on the Humanitarian Team in Liquiça: Another Slap in the Face to the UN (Sommer 1999) ISSN #1088-8136
  13. Relief Web, 7. Januar 2008, Timor-Leste: Humanitarian update, 21 Dec - 07 Jan 2008