Bergkarabach

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Dieser Artikel behandelt die geographische Region Bergkarabach, für die gleichnamige Republik Bergkarabach siehe dort.
Aserbaidschan mit dem früheren Autonomen Gebiet Bergkarabach (dunkelbraun) und den armenisch kontrollierten Gebieten (hellbraun).
Detailkarte von Bergkarabach

Bergkarabach (armenisch Լեռնային Ղարաբաղ/Lernajin Gharabagh, wissenschaftliche Transliteration Lernayin Łarabał; aserbaidschanisch Dağlıq Qarabağ oder Yuxarı Qarabağ, „gebirgiger schwarzer Garten“ oder „oberer schwarzer Garten“; auch Berg-Karabach) ist eine mehrheitlich von Armeniern bewohnte Region im Südosten des Kleinen Kaukasus, welche zwischen Armenien und Aserbaidschan umstritten ist. Gebräuchlich ist außerdem die von der russischen Bezeichnung Нагорный Карабах abgeleitete Transkription „Nagorny Karabach“.

Als politischer Begriff wird Bergkarabach oft mit dem ehemaligen Autonomen Gebiet Bergkarabach innerhalb der früheren Aserbaidschanischen SSR gleichgesetzt (siehe Karte), das unter anderem nach Ansicht der Vereinten Nationen und des Europarates weiterhin Teil des Staatsgebietes Aserbaidschans ist. Gleichwohl ist das Gebiet seit knapp hundert Jahren zwischen Armeniern und Aserbaidschanern umstritten.

Nach Auflösung der Sowjetunion 1991 entzündete sich ein militärischer Konflikt. Seit 1992 ist Bergkarabach zu einem großen Teil von Truppen der international nicht anerkannten Republik Bergkarabach kontrolliert, die sich am 2. September 1991 für unabhängig von Aserbaidschan erklärte und die dieses Gebiet beansprucht. Rund ein Drittel der Waffenstillstandslinie vom 12. Mai 1994 wird allerdings von Truppen der Republik Armenien gehalten. Die heutige Einwohnerzahl liegt bei etwa 145.000, nach der Flucht der Aserbaidschaner sind dies zum allergrößten Teil Armenier.

Geographie und Begrifflichkeiten[Bearbeiten]

Die Bezeichnung Karabach setzt sich aus ursprünglich persischen und türkischen Wortbestandteilen zusammen. In der aserbaidschanischen Sprache bedeutet „qara“ schwarz und „bağ“ der Garten, zusammen bedeuten sie in etwa so viel wie „schwarzer Garten“. In der Vergangenheit wurden die Grenzen der Siedlungsgebiete nie genau festgelegt und änderten sich über die Jahrhunderte auch. Allgemein kann man sagen, dass es das Gebiet ist, das ein Dreieck zwischen dem Sewansee, der Kura und dem Aras bildet. Das gebirgige Land Bergkarabach ist weitgehend identisch mit dem ehemaligen Autonomen Gebiet Bergkarabach innerhalb der früheren Aserbaidschanischen SSR. Jenes umfasste 4.400 Quadratkilometer, die Hauptstadt war Stepanakert.

Die Armenier nutzen für Bergkarabach vor allem die Bezeichnung Arzach (armenisch Արցախ', in wissenschaftlicher Transliteration Arc‘ax, in englischer Transkription Artsakh), die sich ursprünglich auf eine Provinz des antiken armenischen Königreiches der Artaxiden bezog.

Bergkarabach fällt nach Osten hin zur Kuraniederung ab, fast alle Flüsse fließen von Westen nach Osten, darunter der Worotan. Im Laufe der Jahrtausende sind dabei Canyons entstanden. Die jährliche Durchschnittstemperatur beträgt 11 Grad Celsius (zum Vergleich: Deutschland 8,4 °C).

Geschichte[Bearbeiten]

Über die ältere Siedlungsgeschichte der Region liegen nur wenige verlässliche Informationen vor. Nach armenischer Auffassung war Bergkarabach mindestens seit dem Mittelalter mehrheitlich armenisch besiedelt und dem christlich-armenischen Kulturkreis zugehörig. Infolge der arabischen Besetzung im 8. Jahrhundert stand Karabach unter der Kontrolle verschiedener vorwiegend islamischer Völker, von Kurden, Arabern, Lesgiern, Persern und ins Niederkarabach zugewanderten Turk-Stämmen. Spätestens Anfang des 19. Jahrhunderts stellten die dem islamischen Kulturkreis zugehörigen Ethnien die Bevölkerungsmehrheit in der Region.

Das Kloster Gandzasar, 1240 fertiggestellt, von etwa 1400 bis 1816 Sitz des Katholikos von Albania.
Grenzen im Jahre 1882

Bis ins 18. Jahrhundert konnten sich lokale armenische Fürstentümer halten, die als Vasallenherrscher der Khane von Gəncə und Karabach regierten. 1805 unterstellte sich der Khan von Karabach dem Russischen Reich. 1813 trat Persien im Vertrag von Golestan Karabach und andere Khanate an Russland ab, wobei Karabach Teil des Gouvernements Elisawetpol wurde (siehe Karte).

Bergkarabach ab 1917[Bearbeiten]

Nach der Oktoberrevolution von 1917 erhoben sowohl Armenier als auch Aserbaidschaner Anspruch auf Bergkarabach. Um das Gebiet kam es zu heftigen kriegerischen Auseinandersetzungen zwischen der Demokratischen Republik Armenien und der Demokratischen Republik Aserbaidschan, nachdem der gemeinsame Staatenbund zerfallen war. Nach den Kämpfen, bei denen es zu schlimmen Gräueltaten („Schuschi-Blutbäder“) gekommen war, wurden jedoch beide Staaten von der Sowjetunion annektiert. Das „Zentralkomitee der Sowjetrussischen Kommunistischen Partei“ entschied den Grenzkonflikt im Juli 1921 mit der Angliederung Bergkarabachs als sog. Autonomes Gebiet an die Aserbaidschanische SSR (offiziell seit 1923). Lange blieb es still um Bergkarabach, bis es in den 1960er Jahren erneut zu vereinzelten Unruhen kam. Die Armenier fühlten sich diskriminiert und waren besorgt, weil ihr Anteil an der Bevölkerung in Bergkarabach langsam, aber stetig abnahm (1926: 93,5 % 1989: 77 %).

Konflikt ab 1988[Bearbeiten]

1988 eskalierte der Konflikt. Es gab Schießereien mit mehreren hundert Toten und Massendemonstrationen in Armenien und Aserbaidschan. Am 28. und 29. Februar kam es in der Stadt Sumqayıt, nördlich der aserbaidschanischen Hauptstadt Baku auf der Halbinsel Abşeron, zu anti-armenischen Pogromen, bei denen Dutzende Armenier ums Leben kamen. Im November 1988 kam es in der aserbaidschanischen Stadt Kirowabad zu erneuten Pogromen gegen dort lebende Armenier, die mehr als 130 Tote und über 200 Verwundete zur Folge hatten. Am 12. Januar 1990 brach ein weiteres anti-armenisches Pogrom in der aserbaidschanischen Hauptstadt Baku aus, dem rund 90 Armenier zum Opfer fielen. In der Folge kam es zu beidseitigen Ausweisungswellen der jeweiligen Minderheit, die zu bewaffneten Auseinandersetzungen führten. Auch die von der bereits sehr schwachen Zentralregierung in Moskau entsandten Luftlandetruppen der sowjetischen Armee unter Alexander Lebed konnten den Konflikt nicht beenden.

Ab 1992 kam es nach dem Massaker von Chodschali, dem Massaker von Maraga und mit einer Offensive der karabachischen Armee zu verstärkter Gewaltanwendung von beiden Seiten, ab 1993 beteiligte sich auch Armenien mit eigenen Verbänden am Konflikt. Beim Waffenstillstand 1994 hatten Armenien und Bergkarabach einen Großteil des von Bergkarabach beanspruchten Gebiets und eine Pufferzone zu Aserbaidschan besetzt.

Der Sicherheitsrat der Vereinten Nationen hat 1993 insgesamt vier Resolutionen verabschiedet, in denen der sofortige Abzug der armenischen Okkupationskräfte gefordert wird.[1] Nach 1994 gab es mehrere Vermittlungsversuche, die jedoch bisher scheiterten.

Siehe auch[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Ferhat Avsar: Schwarzer Garten im Land des ewigen Feuers. Entstehungsgeschichte und Genese des Karabach-Konflikts'. Manzara Verlag, Darmstadt 2006, ISBN 3-939795-00-3.
  • Emil Souleimanov: Der Konflikt um Berg-Karabach. In: OSZE-Jahrbuch. – 10 (2004), Bd. 10 (2004), S. 217–236.
  • Haig E. Asenbauer: Zum Selbstbestimmungsrecht des armenischen Volkes von Berg-Karabach. Wilhelm Braumüller, Wien 1993. (Reihe Ethnos Bd. 41) ISBN 3-7003-0978-3.
  • Hravard Hakobian, Manfred Richter (Hrsg.): Armenisches Berg-Karabach/Arzach im Überlebenskampf: christliche Kunst, Kultur, Geschichte. Edition Hentrich, Berlin 1993, ISBN 3-89468-072-5.
  • Johannes Rau: Berg-Karabach in der Geschichte Aserbaidschans und die Aggression Armeniens gegen Aserbaidschan. Geschichtliche Studien und Betrachtungen, Berlin 2008, ISBN 978-3-89574-695-6.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Bergkarabach – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. UN-Sicherheitsrat: Resolutionen 822, 853, 874, 884 (1993)