Hessische Bergstraße

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Die Weinlagen und Bereiche der Hessischen Bergstraße
Blick von der Lage Stemmler in nördliche Richtung auf den Hemsberg

Das Weinbaugebiet Hessische Bergstraße nach § 3 Abs. 1 Nr. 4 Weingesetz in Hessen, am Westhang des Odenwaldes zur Oberrheinischen Tiefebene hin gelegen, umfasst die Weinbaubereiche Region Starkenburg und die Odenwälder Weininsel, den Bereich Umstadt, bei Groß-Umstadt. Mit etwa 440 ha Anbaufläche ist es eines der kleinsten Weinbaugebiete Deutschlands.[1]

Definition des bestimmten Anbaugebietes[Bearbeiten]

Die Rebflächen in den Städten und Gemeinden

bilden das bestimmte Anbaugebiet für Qualitätswein Hessische Bergstraße.[2]

Lage[Bearbeiten]

Das Weinbaugebiet befindet sich am Westhang und den nördlichen Ausläufern des Odenwaldes. Es erstreckt sich vom Norden von Seeheim-Jugenheim und Alsbach mit wenigen Weinbergen bis zur Hessisch–Baden-Württembergischen Landesgrenze südlich von Heppenheim. Die größten Anbauflächen befinden sich zwischen Zwingenberg und Heppenheim.

Im Norden sind bei Roßdorf und Dietzenbach kleinere und bei Groß-Umstadt größere Anbauflächen, die als Odenwälder Weininsel geografisch nicht mehr zur Bergstraße gehören. Im Süden schließt sich der Weinbaubereich Badische Bergstraße des Weinbaugebietes Baden an.

Das bekannte milde Klima der Bergstraße, die auch als Riviera Deutschlands bezeichnet wird, ist für den Weinbau besonders förderlich. Hinzu kommen die für die Reben günstigen Böden. Das Gelände ist stark zerklüftet und hat viele Steillagen. Diese anspruchsvollen Lagen, zudem in einer Gegend mit im Bundesvergleich relativ hohen Lebenshaltungskosten, macht die Bearbeitung der Weingärten mühsam und kostenintensiv.[3]

Die Hessische Bergstraße zwischen Hemsberg (links), Hubenhecke (Bildmitte) und Starkenburg (rechts)

Geschichte[Bearbeiten]

Als eigenständiges Weinbaugebiet existiert die Hessische Bergstraße erst seit 1971. Zuvor gehörte es zum Weinbaugebiet Badische Bergstraße. Ein neues Weingesetz machte damals Umstrukturierungsmaßnahmen in Baden notwendig. Baden beanspruchte den Teil der Bergstraße, der innerhalb seiner Landesgrenzen liegt. Dies betrifft den Bereich südlich von Heppenheim. Der nördliche Teil der Bergstraße, eben die Hessische Bergstraße, sollte ursprünglich dem Rheingau zugeschlagen werden. Da dies aber weder geographisch, noch verwaltungstechnisch sinnvoll erschien, entstand das damals kleinste Weinbaugebiet Deutschlands.

Mit dem Weinbau begannen vermutlich die Römer vor etwa 2.000 Jahren an der Strata montana (Bergstraße). Urkundlich wird der Weinbau erstmals im 8. Jahrhundert im Lorscher Codex (Codex Laureshamensis) erwähnt.[4]

Fläche und Ertrag[Bearbeiten]

Die Anbaufläche beträgt im Jahr 2008 etwa 439 ha (= 4,4 km2). Damit ist die Hessische Bergstraße eines der kleinsten Weinbaugebiete Deutschlands. Der Ertrag an Weinmost lag im mehrjährigen Durchschnitt bei 84,1 hl/ha. Dies entspricht etwa 0,3 % der deutschen Weinproduktion. Der Wein wird überwiegend per Selbstvermarktung an Endverbraucher im Anbaugebiet vertrieben.[5] Die relativ kleine Anbaufläche wird durch eine verhältnismäßig große Anzahl von Winzern betrieben. Über 600 Winzer sind in der Bergsträßer Winzer eG in Heppenheim oder in der Odenwälder Winzergenossenschaft in Groß-Umstadt zusammengeschlossen. Es gibt eine Vielzahl kleiner Weinberge mit vielen Feierabend- oder Hobbywinzern.

Lagen und Rebsorten[Bearbeiten]

Das Weinbaugebiet ist in zwei Bereiche unterteilt: Umstadt (großlagenfrei) und Region Starkenburg mit den drei Großlagen: Auerbacher Rott, Bensheimer Wolfsmagen und Heppenheimer Schloßberg und seit 2005 insgesamt 23 Einzellagen.[6]

Die Lagen teilen sich wie folgt auf:

  • Seeheimer Mundklingen (großlagenfrei)
  • Großlage Auerbacher Rott mit den Einzellagen Alsbacher Schöntal, Zwingenberger Alte Burg, Zwingenberger Steingeröll, Auerbacher Höllberg, Schönberger Herrnwingert, Auerbacher Fürstenlager,
  • Großlage Bensheimer Wolfsmagen mit den Einzellagen Bensheimer Kirchberg, Bensheimer Kalkgasse, Bensheimer Streichling, Bensheimer Hemsberg, Bensheimer Paulus
  • Großlage Heppenheimer Schloßberg mit den Einzellagen Heppenheimer Centgericht (17 ha), Heppenheimer Stemmler (105 ha), Heppenheimer Steinkopf (35,9 ha), Heppenheimer Maiberg und Heppenheimer Eckweg (115,6 ha). Bis 2005 gab es noch die 19,6 ha große Einzellage Heppenheimer Guldenzoll, im Süden von Heppenheim, in der Nähe der Landesgrenze gelegen. Sie wurde der Lage Heppenheimer Eckweg einverleibt.[7]

Die Hessische Bergstraße ist bekannt für ihre herausragenden Rieslinge.[3] Mit etwa 53 % stellt der Riesling auch die mit Abstand häufigste Rebsorte an der Bergstraße dar. Es folgen mit 10,1 % Müller-Thurgau und 8,3 % Grauburgunder. Die Weißweine haben zusammen einen Anteil von knapp 88 %. Rotweine sind zwar mit den verbleibenden 12 % deutlich in der Minderheit, aber ihr Anteil steigt stetig an. Hier werden vor allem die Sorten Spätburgunder, Dornfelder und St. Laurent angebaut.

Bereich Umstadt[Bearbeiten]

Im Bereich Umstadt sind die großlagenfreien Einzellagen Roßdorfer Roßberg, Umstädter Stachelberg, Umstädter Steingerück und Umstädter Herrnberg. Ferner sind die Brensbacher Heilige Tanne und der Dietzenbacher Wingertsberg definiert, werden jedoch nicht bewirtschaftet.

Unter anderem werden angebaut Riesling (29 %), aus welchen in manchen Jahren sogar Trockenbeerauslesequalitäten gewonnen werden, Müller-Thurgau (15 %), welcher durch den Lössboden eine ungewöhnlich hohe Qualität erreicht, Silvaner (10 %), Kerner (5 %), und weitere wie Scheurebe, Weißer Burgunder, Chardonnay, Ehrenfelser, Gewürztraminer und Grauer Burgunder.

Häufig werden aus verschiedenen Rebsorten Auslese- und Spätlese- Qualitäten angebaut, in vielen Jahren gar Beerenauslesen, Trockenbeerauslesen und Eisweine.

Bei den Rotweinen dominieren Spätburgunder und Dornfelder, ferner werden angebaut Portugieser, Regent, Acolon, Domina und weitere.

Heppenheimer Centgericht[Bearbeiten]

Die Weinlage Heppenheimer Centgericht ist nach der ehemaligen Gerichtsstätte am Heppenheimer Landberg benannt. Dort war früher der Standort des Hessischen Rebmuttergartens. 1927 wurde dieser zur Erzeugung von reblausresistenten Unterlagsreben für die Herstellung von Pfropfreben errichtet. Die Rebfläche beträgt ca. 17 ha, wovon Riesling und Ruländer (Grauburgunder) etwa 70 % Anteil haben. Den Rest teilen sich Gewürztraminer und Spätburgunder. Die Lage zeichnet sich durch klimatisch begünstigte Südwest- bis West-Hänge aus. Die Reben gedeihen auf leichten und teilweise sandigen Lehmböden. Dem Wein wird eine fruchtige, blumige feine und nachhaltige Note nachgesagt.

Heppenheimer Stemmler[Bearbeiten]

Die Weinlage Heppenheimer Stemmler. Im Tal die Bundesstraße 3

1480 wurde er als Stemmeler, zuvor als Stennühel (Steinhügel) erwähnt. Die Rebfläche beträgt ca. 105 ha, die eine weit ausgedehnte Süd-, Süd-West- und Westlage rund um die Bergkuppe der Hubenhecke bilden. Auch hier dominiert der Rieslinganbau. Daneben finden sich Ruländer, Silvaner, Weißburgunder und Spätburgunder. Die Reben wachsen teilweise auf granithaltigem Untergrund mit Löß- und Lehmböden. Am Fuß des Hanges befindet sich auch Flugsand. Die Lage ist bekannt für herzhafte, kräftige und vorwiegend trocken ausgebaute Weine.

Bedeutende Erzeuger[Bearbeiten]

Die Hessischen Staatsweingüter stellen an der Bergstraße das einzige VDP-Weingut und bewirtschaftet mit insgesamt 32,6 ha allein 7,5 % der Rebfläche. Zu den DLG-empfohlenen Weingütern dort zählen die Bergsträßer Winzer eG, die Odenwälder Winzergenossenschaft und als Privatbetrieb das Weingut Simon-Bürkle in Zwingenberg.

Weinköniginnen[Bearbeiten]

Das Weinbaugebiet Hessische Bergstraße wählt jedes Jahr eine Gebietsweinkönigin, die Weinkönigin der Hessischen Bergstraße.[8] Sie repräsentiert das Anbaugebiet und seine Weine bei Veranstaltungen als Werbe- und Sympathieträger.

Name Amtszeit Wohnort Weinkönigin Nr.
Christel Emmerich 1977–1978 Groß-Umstadt
Petra Gärtner 2000–2001 Zwingenberg 48
Kerstin Götzinger 2001–2002 Zell 49
Lisa Edling 2002–2003 Roßdorf 50
Sabine Krug 2003–2004 Bensheim 51
Regina Schuster 2003–2004 Hambach 52
Nadine Guthier 2004–2005 Bensheim 53
Christina Koob 2005–2006 Heppenheim 54
Kathrin Wind 2007–2008 Laudenbach 55
Susanne Bürkle 2008–2009 Zwingenberg 56
Annika Büchler 2009/2010 Groß-Umstadt 57
Barbara Hoock 2010/2011 Bensheim 58[9]
Melanie Hillenbrand 2011/2012 Heppenheim 59[10]
Franziska Mohr 2012/2013 Bensheim 60[11]

Petra Gärtner war von 2001–2002 die 53. Deutsche Weinkönigin.

Veranstaltungen[Bearbeiten]

In Bensheim (zum ersten September-Wochenende) und Groß-Umstadt (am ersten Wochenende nach dem 15. September) finden einmal im Jahr Winzerfeste statt, in Zwingenberg der Weinmarkt (am Pfingstwochende auf dem historischen Marktplatz im Herzen der Altstadt). In Heppenheim wird der Bergsträßer Weinmarkt veranstaltet (er findet jährlich für 10 Tage statt, und zwar vom letzten Juniwochenende bis zum ersten Juliwochenende; es kommen bis zu 100.000 Besucher).

Am 1. Mai eines jeden Jahres wird von den Jungwinzern im Weinbauverband der Hessischen Bergstraße die Weinlagenwanderung ausgerichtet. Sie führt auf etwa 21 km Länge durch die Weinlagen von Zwingenberg bis nach Heppenheim und kann in beide Richtungen erwandert werden. Die Route folgt überwiegend dem "Bergsträßer Weinlagenweg" der mit weißem Römer bei grüner Aufschrift WLW durchgängig gut ausgeschildert ist. Auch ist ein Zugang in jedem gewünschten Bereich entlang der Bundesstraße 3 möglich (der Weg beginnt in Alsbach und führt durch die Weinberge oberhalb und teilweise durch die Städte Zwingenberg, Auerbach, Bensheim und Heppenheim und endet an der hessisch-badischen Grenze). Entlang der Strecke gibt es dauerhaft aufgestellte Infotafeln, die über die Weinlagen und das Weinanbaugebiet "Hessische Bergstraße" informieren. Während der Weinlagenwanderung sind unterwegs etwa acht Versorgungsstationen (mit dem Angebot: Käse, Wurst, Brezeln und Winzerbrötchen) und dabei befindlichen Probierständen der lokalen Winzer aufgebaut, und zwar in den Lagen von Nord nach Süd: "Steingeröll", "Höllberg", "Fürstenlager", "Kirchberg", "Streichling", "Paulus", "Steinkopf" und "Schlossberg". Ungefähr 150 ehrenamtliche Helfer sind im Einsatz [12]. Der Erlös kommt komplett dem Weinbauverband Hessische Bergstraße für Werbezwecke zugute [12]. Anfragen anderer Interessierter, entlang der Weinlagenwanderungs-Route eigene Stände aufzubauen, werden ausnahmslos "zur Bewahrung des Charakters der Weinlagenwanderung" zurückgewiesen[12]. Die Weinlagenwanderung findet seit 1988 [12] statt.[13] Die Teilnehmerzahlen liegen im Bereich von etwa 5.000 (1988) über 30.000[14] bis 40.000 (2009) [12].

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Bergstraße (region) – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1.  Deutsches Weininstitut: Statistik 2009/2010, (PDF Datei; 219 kB). Mainz 2009.
  2. Hessenrecht: Gesetzliche Definition des bestimmten Anbaugebietes Hessische Bergstraße
  3. a b wein.de, Hessische Bergstraße, abgerufen am 16. Januar 2007
  4. wein-ziele.de, Hessische Bergstraße, abgerufen am 16. Januar 2007
  5. deutschland-vinothek.de, Hessische Bergstrasse (Version vom 9. Oktober 2009 im Internet Archive), bei Internet Archive abgerufen am 12. Februar 2010
  6. Weinführer, Die Bergstraße (PDF; 1,2 MB)
  7. Der Guldenzoll ist ein Auslaufmodell – Die kleine Weinberglage in Heppenheims Süden wird dem Eckweg einverleibt (Version vom 8. Oktober 2008 im Internet Archive), Bergsträßer Anzeiger vom 20.März 2004 bei Internet Archive
  8. Weinbauverband Hessische Bergstraße e.V.: Liste der Weinhoheiten ab 2000/2001
  9. Barbara Hoock zur neuen Weinkönigin gekrönt, in Echo Online vom 5. Juli 2010
  10. Melanie Hillenbrand zur Weinkönigin gewählt, in "Echo Online" vom 26. August 2011
  11. [1], aus Internetauftritt des Weinguts Mohr vom 8. Juli 2012
  12. a b c d e Darmstädter Echo online vom 30. April 2010: Weinlagenwanderung: Naturerlebnis und Geselligkeit
  13. Nicht zu schwül und nicht zu heiß (Version vom 8. Oktober 2008 im Internet Archive), Bergsträßer Anzeiger vom 2. Mai 2007 bei Internet Archive
  14. Wasser marsch und Wein ohne Ende (Version vom 8. Oktober 2008 im Internet Archive), Mannheimer Morgen vom 2. Mai 2005 bei Internet Archive

49.7166666666678.6166666666667Koordinaten: 49° 43′ 0″ N, 8° 37′ 0″ O