Mosel (Weinbaugebiet)

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Daten
Weinbaugebiet: Mosel
Land: Rheinland-Pfalz, Saarland
Weinanbau seit: 1. Jahrhundert
Fläche: 8594 ha (2012)[1]
Tafelwein:
Qualitätswein:
Prädikatswein:
1 %
76 %
23 % (2004)
Weinkönigin 2013/14: Kathrin Schnitzius aus Kröv
Website: www.msr-wein.de
Deutsche Weinbaugebiete
Deutsche Weinbaugebiete
Riesling
Arbeiter in der Steillage Doktorberg, Stadtteil Bernkastel, Mai 1954
Steillagen an der Mosel: Zell im Vordergrund, rechts hinten Kaimt, Blick etwa vom Collisturm aus in Richtung Süden.
Weinberg im Brauneberger Juffer
Ürzig (vorne), Erden (rechts hinten), der Berg ist der 360 m hohe Borberg
Weinbaugebiet im Regierungsbezirk Trier, 1868
Weinbaugebiet im Regierungsbezirk Coblenz, 1868

Mosel bezeichnet ein deutsches Weinbaugebiet für Qualitätswein bestimmter Anbaugebiete (QbA) im Tal der Mosel mit den Nebentälern von Saar und Ruwer nach § 3 Abs. 1 Nr. 6 Weingesetz. Bis zum Jahre 2006 hieß das Gebiet Mosel-Saar-Ruwer. Städte sind Saarburg, Konz, Trier, Schweich, Bernkastel-Kues, Traben-Trarbach, Zell, Cochem und Koblenz. Die größten Weinorte nach Rebfläche sind Piesport, Zell (Mosel), Leiwen, das Konzer Tälchen, Neumagen-Dhron, Mehring, Bernkastel-Kues und Trittenheim.

Allgemeines[Bearbeiten]

In der Region liegt eine der ältesten römischen Städte Deutschlands, Trier (Augusta Treverorum), der älteste Weinort Deutschlands, Neumagen, mit dem römischen Neumagener Weinschiff sowie die älteste Mühle nördlich der Alpen, die Karlsmühle römischen Ursprungs bei Mertesdorf.

Die Region stellt das größte Steillagenweinbaugebiet der Welt und mit über 5.300 ha die größte Rieslinganbaufläche weltweit dar. In der Region wurden 2012 669.125 hl Wein produziert.[2] Der steilste Weinberg der Welt ist der Bremmer Calmont mit einer Hangneigung von ca. 65 Grad. Vielfach dominiert noch die bereits seit römischer Zeit bekannte Einzelpfahlerziehung oder Moselpfahlerziehung, die aber auch im Steilhang nach und nach durch moderne Drahtanlagen ersetzt wird. Die Böden bestehen in der Weinregion Mosel aus Schiefer (Saar, Ruwer, Mittel- und Untermosel) und Muschelkalk (Obermosel). 1967 entstand die Weinbruderschaft Mosel-Saar-Ruwer.

Die Gebietsbezeichnung „Mosel-Saar-Ruwer“ entstand erstmals durch das Weingesetz von 1909. Eine Weinetikettierung mit „Mosel-Saar-Ruwer“ erfolgte ab 1936. Wer ab Herbst 2007 einen Wein der Mosel-Saar-Ruwer-Region kauft, wird auf dem Etikett nur noch „Mosel“ finden. Das Bundeskabinett beschloss am 9. August 2006 in Berlin eine entsprechende Änderung des Weingesetzes. „Das ist der Wunsch der Winzer aus der Region“, sagte Vize-Regierungssprecher Thomas Steg in Berlin. Die Bezeichnung „Mosel“ könne sich aus seiner Sicht besser international durchsetzen.

Im Anbaugebiet liegt unter anderem der Bernkasteler Doctor, der zu den teuersten landwirtschaftlichen Böden Deutschlands zählen soll. Der Bernkasteler Ring e. V. (gegründet 1899) und der Große Ring VDP Mosel-Saar-Ruwer e. V. (gegründet 1908) führen regelmäßig Weinversteigerungen durch.

Spitzenqualitäten in der Kategorie Prädikatswein können bei Versteigerungen Preise von mehreren hundert Euro pro 0,75 l Flasche erreichen. Anteilsmäßig groß dagegen sind in der Kategorie „Qualitätswein“ die Abfüllungen für den Konsum in unteren Preissegmenten (106.300 hl : 705.000 hl). Weine von der Mosel werden in der breiten Öffentlichkeit als eher fruchtig, süß und von niedrigerem Alkoholgehalt angesehen. Von in 2010 geprüften, mit "Mosel" deklarierten rund 860.000 hl Wein wurden ca. 580.000 hl in der Geschmacksrichtung lieblich und süß ausgebaut (ca. 160.000 trocken, ca. 120.000 halbtrocken).[3]

Im Jahre 1868 entstand im Auftrag der Königlichen Regierung zu Trier die Saar- und Mosel-Weinbau-Karte für den Regierungsbezirk Trier unter der Leitung des königlichen Kataster Inspectors Steuerrath Clotten.[4] 1897 folgte eine Mosel-Weinbau-Karte für den Regierungsbezirk Coblenz.[5] Diese Kartenwerke zeigen eine Klassifikation der Weinlagen in drei Kategorien, die einer Werteinstufung unter Berücksichtigung von Grundstückspreisen und Ertragserlösen im 19. Jahrhundert folgten. Sie war keine Kartierung um Qualitätsstufen des Weins zu markieren, sondern diente der Bewertungsgrundlage zur Steuerveranlagung. Der Verband Deutscher Prädikatsweingüter nutzte diesen Bonitätsnachweis, um ab 2002 seiner Mitglieder trockene Weine aus einer Lage der 1. Kategorie mit der Bezeichnung Großes Gewächs bezeichnen zu lassen. Moselweinflaschen mit einem ins Glas geprägten Zeichen „1L“ (erste Lage) gehören zu der höchsten Qualitäts- und Preisstufe.
Vorläufer dieser Klassifizierung war die 1802 in Frankreich erlassene Classification des Vignes, die auch in den linksrheinischen Weinbaugebieten Anwendung fand. Mit dem Vorbehalt, „…dass die Fläche mit der größten Erntemenge nicht automatisch die beste ist“, konnten Weinbergsparzellen in eine von drei Kategorien klassifiziert werden, wobei Sortenbewuchs, Bearbeitung und Erlöse als Kriterien genommen wurden. Die Finanzverwaltung der preußischen Rheinprovinz übernahm nach 1815 weitgehend dieses Steuerveranlagungssystem. Die bis Mitte des 19. Jahrhunderts erfolgte Landvermessung mit verbindlichem Kataster zeigte alle bestockten Flächen und – in unterschiedlicher Farbigkeit – die jeweilige Kategorie der Lagenqualität bzw. des Grundstückwerts.[6]

Weinlagen[Bearbeiten]

Im Anbaugebiet werden sechs Bereiche mit 20 Großlagen und 418 Einzellagen unterschieden.[7] Teilt man Einzellagen, die auf mehreren Gemarkungen liegen den jeweiligen Gemeinden zu, kommt man allein in Rheinland-Pfalz auf 541 Einzellagen, zu denen die sechs saarländischen hinzugezählt werden müssten.[8] 5.258 Winzer (Stand 2005) aus den 125 Weinorten an Mosel, Saar und Ruwer bewirtschaften die Rebstöcke auf 9.096 ha Weinbergsfläche und produzieren dort etwas 850.000 hl Wein (davon etwa 70.000 hl Rotwein) pro Jahr. Etwa 40 % der Weinbergsflächen befinden sich an Uferlagen mit 30 % bis über 60 % Steigung (Steillagenweinbau).

Rebsorten[Bearbeiten]

91 % der Rebfläche sind mit weißen Rebsorten bestockt.

Beim Sortenspektrum der Weißweine dominieren Riesling (60,5 %) und Müller-Thurgau (ca. 14,0 %). Weiterhin werden in nennenswertem Umfang Elbling (6,1 %), Kerner (4,0 %) und Spätburgunder (4,0 %) angebaut.[9]

Führende Rebsorten im Anbaugebiet Mosel (Stand 2008)
Sorte Farbe Synonym Fläche (%) Fläche (ha)
1. Riesling weiß 60,5 5,384
2. Müller-Thurgau weiß Rivaner 14,0 1.256
3. Elbling weiß 6,1 546
4. Kerner weiß 4,0 376
5. Spätburgunder rot Pinot Noir 4,0 352
6. Dornfelder rot 3,6 332
7. Weißer Burgunder weiß Klevner, Pinot Blanc 2,7 235
8. Bacchus weiß 0,9 84
9. Grauburgunder weiß Ruländer 0,8 67
10. Regent rot 0,7 61
11. Chardonnay weiß 0,4 33
12. Reichensteiner weiß 0,3 26
13. Ortega weiß 0,2 20
14. Optima weiß 0,2 16
15. Findling weiß 0,2 16
16. Auxerrois weiß 0,2 13
18. St. Laurent rot 0,1 11
19. Müllerrebe rot Pinot Meunier 0,1 10
20. Dunkelfelder rot 0,1 9
21. Merlot rot 0,1 8
22. Frühburgunder rot 0,1 8
23. Sauvignon Blanc weiß 0,1 5
24. Gewürztraminer weiß 0,1 5

Quelle: Statistisches Landesamt Rheinlandpfalz[10]

Weiße Sorten[Bearbeiten]

White Wine Glas.jpg Zugelassene weiße Rebsorten White Wine Glas.jpg

Rote Sorten[Bearbeiten]

Red Wine Glas.jpg Zugelassene rote Rebsorten Red Wine Glas.jpg

Quelle: Taschenbuch der Rebsorten, Fachverlag Fraund

Böden[Bearbeiten]

Bodenart Vorkommen Anbau (überwiegend)
Muschelkalk und Keuper Moseltor und Obermosel Elbling, Auxerrois, Weißburgunder
Devon-Schiefer Saar, Ruwer und Mittelmosel Riesling
Tonschiefer und kieselsäurereiche Grauwacken Untermosel Riesling, Weißburgunder, Elbling, Müller-Thurgau

Grand Cru und Erste Lage VDP[Bearbeiten]

Die Grand Cru-Weinlagen nach Hugh Johnson sind:

Der VDP hat folgende Lagen seiner Mitglieder als Erste Lagen festgelegt:

Winzer des Jahres[Bearbeiten]

Winzer des Jahres nach Gault-Millau aus dem Bereich Mosel-Saar-Ruwer:

  1. 1994: Wilhelm Haag, Weingut Fritz Haag, Brauneberg/Mosel
  2. 1995: Carl von Schubert, Weingut Maximin Grünhaus, Mertesdorf/Ruwer
  3. 1996: Manfred Prüm, Weingut Joh. Jos. Prüm, Bernkastel-Wehlen/Mosel
  4. 1998: Egon Müller, Weingut Egon Müller-Scharzhof, Wiltingen/Saar
  5. 2001: Ernst Loosen, Weingut Dr. Loosen, Bernkastel/Mosel
  6. 2005: Christoph Tyrell, Weingut Karthäuserhof, Eitelsbach/Ruwer
  7. 2007: Theo Haart, Weingut Haart, Piesport/Mosel

Winzer des Jahres nach der DLG aus dem Bereich Mosel

  1. 2007: Patrick Philipps, Weingut Philipps-Eckstein, Graach-Schäferei / Mosel

Weingüter (Auswahl)[Bearbeiten]

Zahlreiche Dörfer entlang der Mosel sind noch immer durch Weinbau geprägt. Hunderte Weingüter bewirtschaften zumeist kleinere bis mittelgroße Betriebe von mehreren Hektar Rebfläche. Zu den renommierten Weingütern zählen:

Weinköniginnen[Bearbeiten]

Die Mosel-Weinkönigin, bis 2006 Mosel-Saar-Ruwer-Weinkönigin, ist die seit 1949 jährlich gewählte Repräsentantin des Weinanbaugebietes.

Tourismus[Bearbeiten]

Das Weinbaugebiet wird touristisch teilweise als Weinregion „Mosel“, teilweise auch als Weinregion „Mosel-Saar“ vermarktet.[11] In der Region gibt es mehrere touristische Straßen. Die an der Obermosel gelegene Luxemburger Weinstraße führt von Bad Mondorf über Schengen nach Wasserbillig. Die Elbling Route verläuft auf der deutschen Seite der Obermosel. Die Saar-Riesling-Straße verläuft an der unteren Saar von Serrig bis zur Saarmündung in Konz. Die Ruwer-Riesling-Weinstraße führt durch das untere Ruwertal. Die Moselweinstraße hat eine Länge von etwa 250 km und führt von Perl über Trier bis nach Koblenz am Deutschen Eck.

Radwege in der Region sind der Mosel-Radweg, der Saar-Radweg und der Ruwer-Radweg. Autofreie Erlebnistage sind Happy Mosel zwischen Schweich und Cochem, Saar Pedal von Konz bis Merzig und Ruwertal aktiv von Trier-Ruwer bis Waldrach. Seit 1910 gibt es einen Wanderweg entlang der Moselhöhen in Eifel oder Hunsrück, den Moselhöhenweg. Im April 2014 wurde der abwechselnd auf beiden Seiten des Moseltales verlaufende Moselsteig eröffnet.[12]

Siehe auch[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Richard Laufner, Verkehrsamt der Stadt Trier (Hrsg.): 200 Jahre Qualitätsweinbau an Mosel-Saar-Ruwer. Die Weinbauverordnungen des Trierer Kurfürsten Clemens Wenzeslaus 1787. trier texte, Trier 1987.
  • Friedrich Wilhelm Koch: Der Weinbau an der Mosel und Saar. Lintz, Trier 1881 (Online-Ausgabe dilibri Rheinland-Pfalz).
  • Moselweine. In: Meyers Konversations-Lexikon. 4. Auflage. Band 11, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien 1885–1892, S. 823.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Weinbaugebiet Mosel – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1.  Deutsches Weininstitut: Statistik 2013/2014. Mainz 2009 (PDF-Datei; 214 kB).
  2. Deutsches Weininstitut Statistiken 2013/14,[1] (PDF; 723 kB)
  3. Deutsches Weininstitut GmbH, Statistik 2011
  4. http://www.dilibri.de/rlb/content/titleinfo/100270
  5. http://www.dilibri.de/rlb/content/titleinfo/100263
  6. Helmut Prößler: Koblenz 2000 Jahre und der Wein. 1993, S. 12ff.
  7. Vino.de
  8. Landwirtschaftskammer Rheinland-Pfalz
  9. Deutsches Weininstitut: Statistik 2009/2010; Statistisches Bundesamt
  10.  Statistisches Landesamt Rheinlandpfalz: Bestockte Rebfläche der Keltertrauben 1989 - 2009 nach ausgewählten Rebsorten und Anbaugebieten. Mainz 2009 (online).
  11. Weinregion: Mosel-Saar. Website von Rheinland-Pfalz Tourismus. Abgerufen am 1. Februar 2014.
  12. Ab 2014: Wandern auf dem Moselsteig. Website von Rheinland-Pfalz Tourismus. Abgerufen am 16. April 2014.