Saale-Unstrut-Region

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Weinanbau bei Freyburg
Infotafel zur Weinroute an der Weißen Elster
Weinberg mit weithin sichtbarem Schriftzug „Saale-Unstrut Wein“

Die Saale-Unstrut-Region ist eine Region in Mitteldeutschland, die sich entlang der gleichnamigen Flüsse erstreckt und in dem sich das nördlichste Qualitätsweinanbaugebiet Deutschlands befindet. Landschaften mit Weinbergen, Steilterrassen, jahrhundertealten Trockenmauern, Weinbergshäuschen und Flusstälern prägen das rund 760 Hektar große Weinbaugebiet Saale-Unstrut, in dem seit über 1000 Jahren Weinbau betrieben wird. Die Weinanbauregion liegt heute in den Bundesländern Sachsen-Anhalt (639 ha) und Thüringen (108 ha). Geografisch von der eigentlichen Saale-Unstrut-Region getrennt, zählt auch das im Land Brandenburg gelegenen Weinanbaugebiet in Werder (Havel) (10 ha) zum Qualitätsweinanbaugebiet Saale-Unstrut, außerdem 3,2 Hektar bei Westerhausen (Thale) und Quedlinburg nördlich des Harz.

Durch das Weinbaugebiet führt die 60 km lange Weinstraße Saale-Unstrut. Von Memleben aus führt sie an Unstrut und Saale entlang und reicht im Norden bis Weißenfels. Rund um Höhnstedt bei Halle lädt eine weitere Weinroute zu einer ca. 20 Kilometer langen Tour und verbindet unter dem Namen „Mansfelder Seen“ Zappendorf mit Unterrissdorf. Die ebenfalls 20 Kilometer lange Weinroute „Weiße Elster“ führt von Wetterzeube bis nach Kloster Posa in Zeitz.

Gebietstypisch zeichnen sich die Weine von Saale-Unstrut durch ein feingliedriges und fruchtiges Bukett mit mineralischen Nuancen aus. Muschelkalkverwitterungsböden, aber auch Buntsandstein, Lößlehm und Kupferschiefer sind zu finden. In den Flusstälern sorgen "Wärmeinseln" für ein besonders mildes Mikroklima. Die Sonne scheint etwa 1600 Stunden im Jahr. Mit rund 500 mm Niederschlag jährlich zählt die Weinbauregion zu den niederschlagsärmsten in Deutschland. Die durchschnittlichen Erträge liegen bei rund 50 hl / ha.

An Saale-Unstrut gibt es über 50 verschiedene Rebsorten, die vorwiegend trocken ausgebaut werden. Ganz oben auf der Weißweinliste stehen Müller-Thurgau, Weiß- und Grauburgunder sowie Bacchus, Riesling, Silvaner, Gutedel und Kerner. Ca. 24 % der angebauten Weine sind Rotweine wie Dornfelder, Portugieser, Spätburgunder und der Blaue Zweigelt.

Das Land um Saale und Unstrut ist berühmt für seine Burgen, Schlösser und Kirchen. Die Südroute der Straße der Romanik führt durch die Region. Die touristische Vermarktung erfolgt über den Saale-Unstrut-Tourismus e.V.

Unter dem Titel „Der Naumburger Dom und die hochmittelalterliche Herrschaftslandschaft an Saale und Unstrut” befindet sich die Region im Aufnahmeverfahren für die Unesco-Welterbe-Liste. Eine Entscheidung wird im Sommer 2015 erwartet.

Geschichte des Weinbaus[Bearbeiten]

Der Weinbau in der Saale-Unstrut-Region hat eine 1000-jährige Tradition. Bereits im Jahr 998 wird in einer Schenkungsurkunde von Kaiser Otto III. der Weinbau erwähnt. Schon einige Zeit davor, mit der Ausdehnung des Christentums, wurde bereits in großen Teilen Thüringens Weinbau betrieben. So ist im Jahr 786 Weinbau in Dorndorf an der Werra (Westthüringen) belegt. An Saale-Unstrut waren es vor allem die Mönche des Zisterzienser-Klosters Sancta Maria Schulpforta, gegründet 1137, die den Weinbau weiterentwickelten. Wein war zu dieser Zeit nicht nur Privileg, sondern auch Ernährungsgrundlage der Bevölkerung, denn Oberflächenwasser war meist ungenießbar und Brunnenwasser knapp und nicht haltbar. Im 16. Jahrhundert blühte der Weinbau mit einer Anbaufläche von 10.000 ha. Der Dreißigjährige Krieg und die Klimaverschlechterung des späten 17. und frühen 18. Jahrhunderts brachten wie in der gesamten Landwirtschaft Mitteleuropas einen erheblichen Rückschlag. Zusätzlich traten Kaffee, Tee und Kakao als Konkurrenten auf und qualitativ gute und preiswertere Weine wurden aus anderen Regionen importiert. 1835 wurde die Naumburger Weinbaugesellschaft gegründet, die sich um bessere Anbaumethoden und Rebenneuzüchtung bemühte.

Die Reblaus brachte im Jahr 1887 den Weinbau fast zum Erliegen und die Saale-Unstrut-Region wurde zum ersten Reblausseuchengebiet Deutschlands erklärt. Als 1919 in Naumburg die Biologische Reichsanstalt gegründet wurde, betrug die Anbaufläche nur noch 100 ha. Im Rahmen der Suche nach einem Mittel gegen die Reblaus zeigte Carl Börner, dass Amerikanerreben Reblausresistenzen aufweisen und forcierte die Unterlagenzüchtung. Ab dem Jahre 1923 wurde der Pfropfrebenanbau in Deutschland zugelassen und der Kampf gegen die Reblaus wurde gewonnen.

Nach 1945 konnte der Weinbau in der Saale-Unstrut-Region nur durch Freizeitwinzer überleben, bis schließlich in den 1960er Jahren der Weinbau staatlich gefördert wurde und sich die Rebflächen wieder ausdehnten. Nach der Wende trat ein bis heute anhaltender Aufschwung ein, so dass die bestockte Gesamtfläche heute rund 760 ha beträgt.

Seit dem Jahr 1969 wird jährlich die Saale-Unstrut Gebietsweinkönigin gewählt.

Siehe auch[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Saale-Unstrut-Region – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien