Bolschakowo

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Der Titel dieses Artikels ist mehrdeutig. Weitere Bedeutungen sind unter Bolschakowo (Begriffsklärung) aufgeführt.
Siedlung
Bolschakowo / Groß Skaisgirren (Kreuzingen)
Большаково
Föderationskreis Nordwestrussland
Oblast Kaliningrad
Rajon Slawsk
Erste Erwähnung 1583
Frühere Namen um 1785 Skaisgirren,
bis 1938 Groß Skaisgirren,
1938–1946 Kreuzingen
Bevölkerung 2448 Einwohner
(Stand: 14. Okt. 2010)[1]
Höhe des Zentrums 17 m
Zeitzone UTC+3
Telefonvorwahl (+7) 40163
Postleitzahl 238620
Kfz-Kennzeichen 39, 91
OKATO 27 236 802 001
Geographische Lage
Koordinaten 54° 53′ N, 21° 39′ O54.88027777777821.65277777777817Koordinaten: 54° 52′ 49″ N, 21° 39′ 10″ O
Bolschakowo (Europäisches Russland)
Red pog.svg
Lage im Westteil Russlands
Bolschakowo (Oblast Kaliningrad)
Red pog.svg
Lage in der Oblast Kaliningrad‎

Bolschakowo (russisch Большаково, deutsch bis 1938 Groß Skaisgirren und 1938–45 Kreuzingen, polnisch Skajzgiry, litauisch Didieji Skaisgiriai) ist eine Siedlung im Rajon Slawsk (Kreis Heinrichswalde) der Oblast Kaliningrad (Gebiet Königsberg (Preußen)), Russland. Der Ort Bolschakowo ist Sitz der Landgemeinde Bolschakowskoje selskoje posselenije.

Von 1947 bis 1962 war Bolschakowo Verwaltungssitz des Rajon Bolschakowo.

Lage[Bearbeiten]

Bolschakowo liegt am Südrand der Elchniederung in einer Marschenlandschaft und hat 2448 Einwohner (Stand 14. Oktober 2010).[1] Bis zum Ende des Zweiten Weltkrieges befand sich hier der größte Viehverladebahnhof Deutschlands.

Der Ort befindet sich an der Hauptstraße A 216 (ehemalige deutsche Reichsstraße 138, heute auch Europastraße 77) von Talpaki (Taplacken) nach Sowjetsk (Tilsit). Außerdem enden hier die Straßen A 190 (Reichsstraße 126) von Polessk (Labiau) und A 197 (Reichsstraße 137) von Tschernjachowsk (Insterburg).

Bolschakowo ist Bahnstation an der Bahnstrecke Kaliningrad–Sowetsk. Vor 1945 endete hier außerdem eine Kleinbahnstrecke von Insterburg über Buchhof (Buchowo) kommend, die von den Insterburger Kleinbahnen betrieben wurde.

Der Bahnhof Bolschakowo

Der Ort Bolschakowo/Groß Skaisgirren (Kreuzingen)[Bearbeiten]

Geschichte[Bearbeiten]

Der spätere Marktflecken Skaisgirren[2] mit Kirche, Schule, Dampfmühle, Post- und Bahnstation erfuhr seine erste urkundliche Erwähnung im Jahre 1583. Am 26. März 1874 wird der Ort Zentrum und namensgebend für einen neu errichteten Amtsbezirk[3], der – am 18. April 1939 in „Amtsbezirk Kreuzingen“ umbenannt – bis 1945 zum Kreis Niederung (ab 1939 „Kreis Elchniederung“) im Regierungsbezirk Gumbinnen der preußischen Provinz Ostpreußen gehört. Am 3. Juni – amtlich bestätigt am 16. Juli – 1938 erhielt Groß Skaisgirren in politisch-ideologischer Abwehr fremdländisch klingender Ortsbezeichnungen den Namen „Kreuzingen“.

Mit dem ganzen nördlichen Ostpreußen kam Kreuzingen in Kriegsfolge 1945 zur Sowjetunion und erhielt die russische Bezeichnung „Bolschakowo“. 1947 wurde der Ort sogar Amtssitz des neu gebildeten Rajon Bolschakowo, der bis 1962 bestand und danach durch den größeren Rajon Slawsk (Kreis Heinrichswalde) ersetzt wurde. Bis zum Jahre 2008 war Bolschakowo außerdem Zentrum des Bolschakowski selski sowjet (Dorfsowjet), bis es dann aufgrund einer umfassenden Struktur- und Verwaltungsreform[4] zentraler Ort der neu geformten Bolschakowskoje selskoje posselenije (Landgemeinde Bolschakowo) wurde.

Amtsbezirk Groß Skaisgirren/Kreuzingen (1874–1945)[Bearbeiten]

Zwischen 1874 und 1945 war Groß Skaisgirren namensgebend für einen Amtsbezirk[3] im Kreis Niederung (ab 1939 Amtsbezirk Kreuzingen, Kreis Elchniederung) im Regierungsbezirk Gumbinnen der preußischen Provinz Ostpreußen. Ihm gehörten anfangs elf Orte an, am 1. Januar 1945 waren es aufgrund zahlreicher Umstrukturierungen nur noch sechs:

Name Änderungsname
1938 bis 1946
Russischer Name Bemerkungen
Georgenwalde 1893 nach Kletellen eingegliedert
Gronwalde 1893 nach Klein Girratischken eingegliedert
Groß Girratischken Wartenhöfen
Groß Skaisgirren Kreuzingen Bolschakowo
Klein Girratischken ab 1935:
Gronwalde
Klein Ischdaggen Georgenforst
Klein Wixwen 1912nach Kumpelken (Amtsbezirk Parwischken) eingegliedert
Leidingsfelde 1893 nach Klein Girratischken eingegliedert
Paossen Margen 1928 nach Wilhelmsbruch eingegliedert
Szanlauken
Warschauningken
ab 1893:
Kletellen
Georgenheide Uroschainoje
ab 1929:
Wilhelmsbruch, Forst

Am 1. Januar 1945 gehörten noch die Gemeinden Georgenforst, Georgenheide, Gronwalde, Kreuzingen, Wartenhöfen und Wilhelmsburch, Forst zum Amtsbezirk.

Dorfsowjet Bolschakowo (1947–2008)[Bearbeiten]

Zwischen 1947 und 2008 war Bolschakowo zentraler Ort des Bolschakowski selski sowjet (Dorfsowjet Bolschakowo), der bis 1962 zum Rajon Bolschakowo, ab 1963 zum Rajon Slawsk (Kreis Heinrichswalde) gehörte. Ihm waren 26 Ortschaften zugeordnet:

Name Deutscher Name Änderungsname
1938 bis 1946
Name Deutscher Name Änderungsname
1938 bis 1946
Bagrationowskoje Langendorf Pasetschnoje Mauschern Kleinlangendorf
Bolschakowo Groß Skaisgirren Kreuzingen Perwomaiskoje Groß Wannaglauken Großwalde
Dessantnoje (kein deutscher Name bekannt) Poddubje Jagsten
Dserschinskoje Gowarten Pridoroschnoje Groß Asznaggern,
ab 1936: Grenzberg
Dubrowka Spannegeln Radischewo Klein Skaisgirren Kleinkreuzingen
Gromowo Lauknen Hohenbruch (Ostpr.) Rybazkoje Timber
Kimrskoje Alt Kriplauken Kripfelde Sadowoje Swainen
Lewobereschje Schemlauken Roßberg Saliwnoje Elchtal
Majakowskoje Jägerkrug Sowetskoje Korehlen
Nabereschnoje Karlsrode Tschistopolje Groß Obscherningken Gutsfelde
Nagornoje Gobienen Tschistopolje Klein Obscherningken Kleinwalde
Nowostrojewka Schudlidimmen Schulzenwiese Uroschainoje Kletellen Georgenheide
Nowotorschok Groß Grudszen
1936-1938:
Groß Grudschen
Gruten Wesselowo Rosenberg, Forst

Einwohnerentwicklung[Bearbeiten]

Ortsstraße in Bolschakowo
  • 1885: 731
  • 1910: 1.466[5]
  • 1933: 1.894[6]
  • 1939: 2.268[6]
  • 2010: 2.448

Kirche[Bearbeiten]

Evangelisch[Bearbeiten]

Siehe dazu den HauptartikelKirche Skaisgirren

Kirchengebäude[Bearbeiten]

Seit 1693 gab es ist Groß Skaisgirren eine Kirche[7]. Eine neue Kirche wurde im Jahre 1773 errichtet, ein rechteckiger Feldsteinbau[8], der 500 Menschen Platz bot. Der spitz zulaufende Turm wurde durch eine Orkan am 17. januar 1818 stark beschädigt. Den Zweiten Weltkrieg überstand das Gotteshaus unbeschädigt. Danach wurden Teile des Turms abgetragen und die Fenster des Kirchenschiffs zugemauert. Lange wurde das Gebäude zweckentfremdend als Kulturhaus, dann als Kaufhalle und schließlich als Kino und Bühensaal genutzt. Heute steht nur noch die Ruine des Turms[9].

Kirchengemeinde[Bearbeiten]

Die evangelische Kirchengemeinde Skaisgirren wurde 1693 gegründet[10] und mit einer Pfarrstelle versehen[11]. Sie gehörte bis 1945 zum Kirchenkreis Niederung (Elchniederung) in der Kirchenprovinz Ostpreußen der Kirche der Altpreußischen Union. Die Gemeinde wuchs stetig, bereits im 19. Jahrhundert wurde eine zusätzlich Hilfsprediger- und später auch eine ordentliche zweite Pfarrstelle errichtet. Im jahre 1925 zählte das weitläufige Kirchspiel mehr als 9.000 Gemeindeglieder, die in mehr als 40 Orten und kleineren Ortschaften lebten.

Aufgrund von Flucht und Vertreibung in Kriegsfolge kam das kirchliche Leben nach 1945 zum Erliegen. Erst in den 1990er Jahren entstand in Bolschakowo eine neue evangelisch-lutherische Gemeinde, eine Filialgemeinde der Salzburger Kirche in Gussew (Gumbinnen) innerhalb der Propstei Kaliningrad[12] der Evangelisch-lutherischen Kirche Europäisches Russland.

Katholisch[Bearbeiten]

In Bolschakowo gibt es auch eine katholische Gemeinde, die ein aus dem Jahre 1925 stammendes und gut erhaltenes Kirchengebäude[13] nutzt, dass vor dem Kriege wohl der Adventistengemeinde gehört zu haben scheint.

Rundfunksender Bolschakowo[Bearbeiten]

In der Nähe von Bolschakowo betreibt der russische Rundfunk mit dem Rundfunksender Bolschakowo eine Mittelwellensendeanlage.

Landgemeinde Bolschakowo[Bearbeiten]

Allgemeines[Bearbeiten]

Die Lage der Landgemeinde Bolschakowo im Süden des Rajon Slawsk

Aufgrund einer umfassenden Struktur- und Verwaltungsreform[4] wurde der Dorfsowjet Bolschakowo 2008/2009 in eine mit neuen Grenzen versehene Landgemeinde umgewandelt. Ihrem Verbund gehören 18 jeweils „Siedlung“ (russisch: possjolok) genannte Ortschaften an. Auf einer Fläche von 427,05 km² leben derzeit 6.564 Einwohner. Seit der Verwaltungsreform[4] in der Oblast Kaliningrad 2008/2009 ist Bolschakowo namensgebender Ort und Verwaltungssitz der Landgemeinde Bolschakowskoje selskoje posselenije mit 18 jeweils „Siedlung“ (russisch: possjolok) genannten Ortschaften. Auf einer Fläche von 427,05 km² leben derzeit 6564 Einwohner, nahezu die Hälfte von ihnen in Bolschakowo.

Die Landgemeinde Bolschakowo ist eine von drei Landgemeinden, die zusammen mit der Stadtgemeinde Slawsk (Heinrichswalde) den Rajon Slawsk bilden. Nachbarfgemeinden von Bolschakowo sind:

  • Im Norden die Landgemeinde Timirjasewo (Neukirch) und im Nordosten die Stadtgemeinde Slawsk, beide zum Rajon Slawsk gehörig
  • Im Osten die Landgemeinde Schilino (Szillen/Schillen) im Rajon Neman (Kreis Ragnit)
  • Im Südosten die Landgemeinde Kamenskoje (Saalau) und im Süden die Landgemeinde Kaluschskoje (Grünheide) mit Sitz in Sagorskoje (Pelleningken, 1938 bis 1946 Strigengrund), beide im Rajon Tschernjachowsk (Kreis Insterburg)
  • Im Südwesten die Landgemeinde Salessje (Mehlauken, 1938 bis 1946 Liebenfelde) und im Westen die Landgemeinden Saranskoje (Laukischken) – mit Amtssitz in Sosnowka (Groß Baum) – sowie Golowkino (Nemonien, 1938 bis 1946 Elchwerder).

Gemeindegliederung[Bearbeiten]

russischer Name Einwohner
(2011)[14]
deutscher Name
Большаково (Bolschakowo) 2161 Groß Skaisgirren
1938–46 Kreuzingen
Весново (Wesnowo) 25 Wasserlauken
1938–46 Wasserlacken
Высокое (Wyssokoje) 525 Popelken
1938–46 Markthausen
Громово (Gromowo) 298 Lauknen[15]
1938–46 Hohenbruch
Десантное (Dessantnoje) 82 (kein deutscher Name bekannt)
Дзержинское (Dserschinskoje) 245 Gowarten[15]
Дубровка (Dubrowka) 9 Spannegeln[16]
Красная Дубрава (Krasnaja Dubrawa) 147 Eszerninken
1936–38 Escherninken
1938–46 Gutfließ
Красное (Krasnoje) 329 Lindicken
Краснознаменское (Krasnosnamenskoje) 83 Klein Girratischken
1935–46 Gronwalde
Малиновка (Malinowka) 69 Sprakten
Охотное (Ochotnoje) 702 Liedemeiten
1938–46 Gerhardsweide
Победино (Pobedino) 194 Endrejen[15]
1938–46 Ossafelde
Поддубье (Poddubje) 256 Jagsten
Привольное (Priwolnoje) 57 Demmenen[15]
1938–46 Demmen
Придорожное (Pridoroschnoje) 530 Groß Asznaggern
1936–46 Grenzberg
Советское (Sowetskoje) 461 Korehlen[15]
Урожайное (Uroschainoje) 91 Kletellen
1938–46 Georgenheide

Dazu kommen noch 154 Bewohner des psychiatrischen Wohnheims Bolschakowski Psichonewrologitscheski Internat in Bolschakowo und 146 Bewohner des psychiatrischen Wohnheims Gromowski Psichonewrologitscheski Internat in Gromowo.

Verkehr[Bearbeiten]

Straßen[Bearbeiten]

Die Landgemeinde Bolschakowo ist regelrecht ein Verkehrsknotenpunkt, was seine wirtschaftliche Bedeutung hebt. Hier treffen die russischen Fernstraßen A 216 (ehemalige deutsche Reichsstraße 138, heute auch Europastraße 77), A190 (Reichsstraße 126) und A197 (Reichsstraße 137) von Talpaki (Taplacken) nach Sowetsk (Tilsit) bzw. von Kaliningrad (Königsberg) und Polessk (Labiau) sowie von Krylowo (Nordenburg) und Tschernjachowsk (Insterburg) aufeinander. Weitere Nebenstraßen führen in das nähere und weitere Umland. Im übrigen ist die Gemeinde durch kleinere Straßen vernetzt.

Schienen[Bearbeiten]

Die Landgemeinde Bolschakowo liegt an der bedeutenden Bahnstrecke Kaliningrad–Sowetsk (Königsberg–Tilsit) zur Weiterfahrt nach Litauen.

Luft[Bearbeiten]

Der Flughafen Kaliningrad in Chrabrowo (Powunden) liegt etwa 100 Kilometer weiter östlich und ist über die A 190 sowie den Primorskoje Kolzo zu erreichen.

Weblinks[Bearbeiten]

Fußnoten[Bearbeiten]

  1. a b Itogi Vserossijskoj perepisi naselenija 2010 goda. Kaliningradskaja oblastʹ. (Ergebnisse der allrussischen Volkszählung 2010. Oblast Kaliningrad.) Band 1, Tabelle 4 (Download von der Website des Territorialorgans Oblast Kaliningrad des Föderalen Dienstes für staatliche Statistik der Russischen Föderation)
  2. D. Lange, Geographisches Ortsregister Ostpreußen (2005): Kreuzingen
  3. a b Rolf Jehke, Amtsbezirk Groß Skaisgirren/Kreuzingen
  4. a b c Nach dem Gesetz über die Zusammensetzung und Territorien der munizipalen Gebilde der Oblast Kaliningrad vom 25. Juni/1. Juli 2009, nebst Gesetz Nr. 261 vom 30. Juni 2008, präzisiert durch Gesetz Nr. 370 vom 1. Juli 2009
  5. Uli Schubert, Gemeindeverzeichnis, Landkreis Niederung
  6. a b Michael Rademacher, Deutsch-österreichisches Ortsbuch, Landkreis Elchniederung
  7. Kirchspiel Kreuzingen bei der Kreisgemeinschaft Elchniederung
  8. Walther Hubatsch, Geschichte der evangelischen Kirche Ostpreußens, Band 2: Bilder ostpreussischer Kirchen, Göttingen, 1968, Seite 93
  9. Лютеранская кирха Гросс Скайсгиррена - Die Kirche Groß Skaisgirren bei prussia39.ru (mit Fotos der Turmruine aus dem Jahre 2012)
  10. Walther Hubatsch, Geschichte der evangelischen Kirche Ostpreußens, Band 3: Dokumente, Göttingen, 1968, Seite 483
  11. Friedwald Moeller, Altpreußisches evangelisches Pfarrerbuch von der Reformation bis zur Vertreibung im Jahre 1945, Hamburg, 1945, Seite 128
  12. Evangelisch-lutherische Propstei Kaliningrad
  13. Католическая кирха Гсосс Скайсгиррен - Katholische Kirche Groß Skaisgirren bei prussia39.ru
  14. http://www.gov39.ru/index.php?option=com_content&view=article&id=5190&limitstart=2
  15. a b c d e Wurde umbenannt durch die Verordnung 745/3 des Präsidiums des Obersten Rats der RSFSR "Über die Umbenennung der Orte des Gebiets Kaliningrad" vom 5. Juli 1950
  16. Wurde umbenannt durch die Verordnung des Präsidiums des Obersten Rats der RSFSR "Über die Umbenennung der Orte des Gebiets Kaliningrad" vom 17. November 1947