Budschak

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Dieser Artikel behandelt ein Gebiet in Bessarabien, für weitere Bedeutungen siehe Bucak.
Heutige ethnische Konstellation im Budschak

Als Budschak (tatarisch bzw. türkisch Bucak für „Gegend“, „Winkel“ oder „Landkreis“, russisch und ukrainisch: Буджак [Budžak], rumänisch: Bugeac) wird der südliche Teil der historischen Landschaft von Bessarabien bezeichnet. Die Region liegt heute größtenteils auf dem Staatsgebiet der Ukraine (westlicher Teil der Oblast Odessa), ein kleinerer Teil gehört zu Moldawien.

Namensherkunft[Bearbeiten]

Der Name Budschak stammt aus dem Tatarischen bzw. Türkischen und heißt Winkel oder Dreieck. Die Städte Bender, Akkerman und Ismajil markieren dabei den jeweiligen Eckpunkt.

Landschaft[Bearbeiten]

Rinderherde mit Hirte in der Steppe des Budschak (1940)
Wessela Dolyna, das frühere bessarabiendeutsche Klöstitz, in baumarmer Steppenlandschaft

Die Landschaft besteht weitgehend aus einer weiten, leicht hügeligen Steppenlandschaft mit sehr fruchtbaren Böden, der sogenannten Schwarzerde. Durch die sich ansiedelnden Kolonisten wurde das Land urbar gemacht und hatte somit für die damals rückständige russische Landwirtschaft einen gewissen Vorbildcharakter. Sie bauten hauptsächlich Getreide, Öl- und Hülsenfrüchte für den Export nach Odessa und in westeuropäische Städte an. Im Laufe der Zeit entwickelte sich der Budschak zu einer Art Kornkammer für das Land.

Bevölkerung[Bearbeiten]

Vor der Annexion Bessarabiens bestand die Bevölkerung vorwiegend aus Nogai-Tataren, Türken und Rumänen (Moldauer), dazu noch im 18 Jh. angesiedelte Lipowaner. Nach 1812 verließen alle Tataren und Türken sowie große Teile der Rumänen und Lipowaner die Region. Im Gegensatz dazu warb die russische Regierung bulgarische, gagausische, deutsche, ukrainische und russische (aber keine lipowanischen!) Kolonisten an und stattete sie mit Böden und Privilegien (Religionsfreiheit, Wehrpflichtbefreiung) (siehe: Bevölkerung Bessarabiens) aus.

Deutsche Kolonisten[Bearbeiten]

Von 1814 bis 1842 wanderten ungefähr 9000 Deutsche, hauptsächlich aus Württemberg und Preußisch-Polen, nach Bessarabien ein, aus denen sich im Laufe der Zeit die Volksgruppe der Bessarabiendeutschen bildete. Sie gründeten auf dem von der Regierung zugeteilten Kronland 24 Mutterkolonien. Das Kronland in der Budschak-Steppe umfasste dabei ungefähr 150.000 Hektar, wo das Hauptsiedlungsgebiet der deutschen Auswanderer lag. Aber auch in Nordbessarabien außerhalb des Budschak siedelten deutsche Auswanderer. Im September 1940 ermöglichte der Deutsch-Sowjetische Grenz- und Freundschaftsvertrag zwischen dem Deutschen Reich und der Sowjetunion die Umsiedlung der mittlerweile 93.000 deutschstämmigen Bewohner Bessarabiens aus rund 150 Siedlungen. Nahezu alle Angehörigen der Volksgruppe, darunter auch die aus Nordbessarabien stammenden Eltern des späteren Bundespräsidentens Horst Köhler, schlossen sich der Umsiedlung an, die im November 1940 abgeschlossen war.

Budschak als Region Bessarabiens[Bearbeiten]

Ursprünglich war das Gebiet von 1367 bis 1484 im Besitz des Fürstentums Moldau, das zu dieser Zeit ein Protektorat Polens war, 1512 aber unter Oberhoheit des Osmanischen Reiches fiel. Die Budschak-Region selbst trennten die Osmanen 1484 ab und gliederten sie ihrem Reich direkt an. Sie wurde damit diejenige Region der heutigen Ukraine, die am längsten unter türkischer Herrschaft stand (siehe Islam in Rumänien und Islam in der Ukraine). In der Region lassen viele Orts-, Fluss- und Seenamen an der türkisch-tatarischen Vergangenheit erinnern: Tatarbunary, Alibej, Izmail etc.

1812 wurde Russland im Frieden von Bukarest das Recht zugestanden, ganz Bessarabien in seinen Besitz zu nehmen. Schon Peter der Große hatte hundert Jahre zuvor und in weiteren Türkenkriegen dieses Ziel angestrebt, war aber an dem Pruth zunächst bezwungen worden. Nach dem Krimkrieg gehörte die südliche Hälfte des Budschak (als Teil von Cahul, Bolgrad und Ismail) zwischen 1856 und 1878 dem Fürstentum Moldau sowie Rumänien.

In den Revolutionswirren von 1917 kam das Land Russland abhanden. Ein Landesrat erklärte 1917 Bessarabien und damit auch den Budschak zur Demokratischen Moldauischen Republik. Nach inneren Unruhen mit marodierenden Banden rief der Landesrat 1918 Rumänien um Hilfe, das Truppen entsandte. Im gleichen Jahr erfolgte der freiwillige Anschluss an Rumänien. Die westlichen Mächte erkannten den Anschluss an Rumänien an. Aus sowjetischer Sicht handelte es sich um eine von der rumänischen Regierung inszenierte Abspaltung von Russland und eine organisierte Annexion durch Rumänien.

Teilung Bessarabiens[Bearbeiten]

1940 nahm die Sowjetunion das Land durch militärische Besetzung wieder in Besitz und teilte Bessarabien erstmals. Der nördliche und mittlere Teil bildeten die Moldauische, der südliche Teil (Budschak) kam zur Ukrainischen Sozialistischen Sowjetrepublik. Beim Ostfeldzug der deutschen Wehrmacht (Unternehmen Barbarossa), der am 21. Juni 1941 begann, wurde Bessarabien im August 1941 durch deutsche und rumänische Truppen zurückerobert. Bei der am 20. August 1944 einsetzenden Sommeroffensive durch die Operation Jassy-Kischinew überrannte die Rote Armee in fünf Tagen Bessarabien. Nach dem Krieg wurde die Region erneut geteilt. Budschak wurde in die Ukrainische SSR eingegliedert, so dass die Moldawische SSR ein Binnenland wurde, was sich nachteilig auf ihre wirtschaftliche Entwicklung auswirkte.

Beim Zusammenbruch der Sowjetunion 1991 und der Loslösung der Ukraine blieb der Budschak Bestandteil des heute selbstständigen Staates Ukraine.

Siehe auch[Bearbeiten]