Geschichte Moldawiens

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Inhaltsverzeichnis

[Bearbeiten] Der Name des Landes

In der rumänischen Sprache wird es Moldova genannt. Die Moldau war seit dem Altertum durch die Daker besiedelt. Man nimmt an, dass der Name aus den dakischen Wörtern molta („viele“) und dava („Festung“ oder „Stadt“) abgeleitet ist. Nach einer anderen Theorie wurde die Region von einem ungarischen Adligen nach dem in Rumänien gelegenen Fluss Moldova benannt.

[Bearbeiten] Frühgeschichte

Die lateinischen Ursprünge Moldaus können auf die Periode der römischen Besetzung des nahe gelegenen Dakiens zurückgeführt werden, das auf dem Gebiet des heutigen Rumäniens, Bulgariens und Serbiens lag. Moldau gehörte nie zur römischen Provinz Dacia, allerdings wurde das Gebiet von den Römern als Teil Dakiens oder als Teil der Sarmatia gesehen.

Ca. 105-270 bildete sich aus der Vermischung römischer Siedler und der örtlichen Bevölkerung eine neue Kultur, die dako-romanische und später rumänische Kultur. Nachdem der Einfluss des römischen Reiches geschwunden war und seine Truppen im Jahr 271 die Region verließen, zogen während der Völkerwanderung verschieden Volksgruppen durch das Gebiet und ließen sich auch teilweise hier nieder, darunter Hunnen, Ostgoten und Ostslawen (Anten). Auch das bulgarische Reich, die Magyaren, die Petschenegen und die Goldene Horde (Mongolen) setzten sich zeitweise durch. Im 13. Jahrhundert expandierte Ungarn in die Region und errichtete eine Reihe von Befestigungen nahe dem Fluss Siretul im heutigen Rumänien. Die Region stand unter ungarischer Oberhoheit, bis 1349 Fürst Bogdan ein unabhängiges moldauisches Fürstentum gründete. Ursprünglich Bogdania genannt, erstreckte es sich von den Karpaten bis zum Fluss Dnister; später wurde es in Moldowa umbenannt, wobei der Grund für diese Namensgebung unklar ist (siehe oben).

[Bearbeiten] Mittelalter

Der berühmteste der moldauischen Fürsten, Ştefan cel Mare (Stefan der Große), kämpfte gegen Invasionen durch das Osmanische Reich, Polen und Tataren. Stefan kämpfte in 47 größeren Schlachten und verlor nur drei. Am Ende seines Regierungszeit 1504 war die Unabhängigkeit Moldaus vorläufig gesichert, und es gingen keine Tributzahlungen mehr an die Osmanen. Nach ihm erlebte das Land einen allmählichen Verfall. Schwache Fürsten ließen inkompetente Bojaren den Staat regieren und Steuerzahlungen verweigern. 1512 unterwarf sich die Moldau den Osmanen und blieb für die nächsten 300 Jahre ein Vasallenstaat. Es musste nicht nur regelmäßig Tribut an das Osmanische Reich zahlen, sondern später auch in die Ernennung der örtlichen Herrscher durch die osmanischen Behörden einwilligen. Daneben erlitt das Land aber auch wiederholte Überfälle durch Türken, Krimtataren und Russen.

[Bearbeiten] Russische Expansion

Nach dem russisch-türkischen Krieg 1787-1792 musste das Osmanische Reich im Frieden von Jassy (heute Iaşi) alle Besitzungen östlich des Dnister an Russland abtreten. Ein erweitertes Bessarabien (benannt nach dem walachischen König Basarab I.) wurde nach dem 6. russisch-türkischen Krieg von 1806-1812 durch den Frieden von Bukarest in das Russische Reich integriert. Bessarabien umfasste die Landschaft zwischen den Flüssen Pruth und Dnister und damit etwa die östliche Hälfte des bisherigen Fürstentums Moldau.

siehe: Bessarabien

Nach Russlands Niederlage im Krimkrieg 1853-1856 wurde im Vertrag von Paris festgelegt, dass Moldau und die Walachei unter die Kollektivgarantie der 7 Unterzeichnerstaaten gestellt würden. Das südliche Bessarabien (die Bezirke Ismail, Bolgrad, Cahul) gingen zurück an Moldau. 1859 wurde Alexandru Ioan Cuza zum Fürsten sowohl Moldau als auch der Walachei gewählt, wodurch die Fundamente eines rumänischen Staates gelegt wurden. Durch den Vertrag von Berlin 1878 (siehe Berliner Kongress) musste die rumänische Regierung das südliche Bessarabien wieder an Russland abgeben.

[Bearbeiten] Zugehörigkeit zu Rumänien

Nachdem die Oktoberrevolution von 1917 die verschiedenen Nationalitäten im Russischen Reich dazu angeregt hatte, ihre Unabhängigkeit anzustreben, wurde Bessarabien am 2. Dezember 1917 unter der Bezeichnung Moldauische Demokratische Republik eine unabhängige Republik. Auf Ersuchen der neuen moldauischen Verwaltung in Form eines Landesrates (Sfatul Ţării) marschierten am 13. Dezember rumänische Truppen in Bessarabien ein, um die durch Bolschewiki und plündernde russische Soldaten verursachten inneren Unruhen zu beenden. Am 27. März 1918 erfolgte eine Abstimmung über die Vereinigung mit Rumänien, welche alsbald gegen sowjetischen Widerstand erfolgte. Aus sowjetischer Sicht handelte es dabei um eine von der rumänischen Regierung inszenierte Abspaltung von Russland und eine planmäßige Annexion durch Rumänien.

Nach der Gründung der Sowjetunion im Dezember 1922 errichtete die Sowjetregierung 1924 innerhalb der Ukrainischen Sozialistischen Sowjetrepublik eine Moldauische Autonome Oblast in der östlich an den Dnister angrenzenden Region. Die Hauptstadt der Oblast war Balta in der heutigen Ukraine. Sieben Monate später wurde die Oblast zur Moldauischen Autonomen Sozialistischen Sowjetrepublik (Moldauische ASSR) erhoben, wenn auch die Bevölkerung nur zu 30 % aus ethnischen Rumänen bestand (da es auch die mehrheitlich ukrainischen Gebiete in dem Umfeld der Stadt Balta umfasste, die heute zur Ukraine gehören). Bis 1929 blieb Balta die Hauptstadt und wurde dann von Tiraspol abgelöst.

[Bearbeiten] Zweiter Weltkrieg

Das zu Rumänien gehörige Gebiet Bessarabiens und die nördliche Bukowina wurde im Juni 1940 mit deutscher Zustimmung als Konsequenz des geheimen Zusatzprotokolls des Hitler-Stalin Paktes von sowjetischen Truppen besetzt und von der UdSSR annektiert. Am 2. August 1940 wurde die Moldauische Sozialistische Sowjetrepublik mit Chişinău (russisch Kischinjow) als Hauptstadt errichtet, indem man Bessarabien mit einem Teil der Moldauischen ASSR vereinigte (der Rest ging an die Ukrainische SSR). Durch die Gründung der Moldauischen SSR war Bessarabien nun abermals geteilt, was seine historische und wirtschaftliche Integrität ernsthaft beschädigte. Mehrere südliche Gebiete und Zugangswege zum Schwarzen Meer über die Mündungen der Donau (bei der Stadt Ismail und des Dnister (bei Bilhorod-Dnistrowskyj) wurden an die Ukraine abgegeben und machten aus der Republik einen Binnenstaat. Der nur etwa 600 Meter lange, zu Moldawien gehörende Uferstreifen am Nordufer der Donau im äußersten Süden der Republik ist in den vergangenen Jahren zum Bau des Hafens Giurgiuleşti genutzt worden, so dass Moldawien nun doch auch von Schiffen, allerdings beschränkter Größe, erreicht werden kann.[1]

Am 22. Juni 1941 griffen deutsche und rumänische Truppen die Moldauische SSR und die Ukrainische SSR im Rahmen des Unternehmen Barbarossa an. Rumänien konnte dadurch im Sommer 1941 Bessarabien und die nördliche Bukowina zurückgewinnen. Das Land zwischen den Flüssen Dnjestr und Südlicher Bug, nördlich von Bar in der Ukraine, verwaltete Rumänien dann unter dem Namen Transnistria. Am Ende des Zweiten Weltkrieges kam es im Gebiet Moldawiens während der Operation Jassy-Kischinew zu schweren Kampfhandlungen. Aufgrund des Friedensvertrages von 1947 fielen Bessarabien, das Herza-Gebiet und die nördliche Bukowina an die Sowjetunion, und die früheren sowjetischen Verwaltungseinheiten und russischen Ortsnamen wurden erneut eingeführt.

Im Zuge der Sowjetisierung des Landes wurden 1949/50 rund 7% der moldawischen Bevölkerung in die Sowjetunion deportiert und dort als verbannte Sondersiedler ihrer Freiheit beraubt.[2]

[Bearbeiten] Unabhängigkeit

Moldawien ist seit 1991 eine unabhängige Republik. Seit 1989 gab es Konflikte zwischen der Zentralregierung in Chişinău und den überwiegend von ethnischen Minderheiten bewohnten Gebieten Transnistrien und Gagausien, nachdem 1989 die Moldauische Sprache zur einzigen Staatssprache der MSSR erklärt und, gleich nach der Unabhängigkeit Moldawiens 1991, Verhandlungen in Richtung einer Wiedervereinigung mit Rumänien initiiert wurden. De facto ist Moldauisch dieselbe sprache wie Rumänisch.

Im Jahre 1992 eskalierte der Konflikt mit Transnistrien zu einem Krieg, der erst nach Vermittlung Russlands beendet wurde. 1994 beruhigte sich die Situation etwas, als die moldawische Zentralregierung den zwei abtrünnigen Gebieten einen Autonomiestatus innerhalb Moldawiens vorschlug. Gagausien akzeptierte den Vorschlag, Transnistrien aber nicht. Letzteres bildet seitdem einen international nicht anerkannten Staat, welcher die moldauischen Gebiete östlich des Dnestr umfasst und in dem russische Armeeeinheiten stationiert sind.

Seit 1997 ist Moldawien Mitglied der GUAM-Allianz.

Seit dem 30. November 2005 gibt es die EUBAM, eine Grenzkontrollmission der Europäischen Union an der moldawisch-ukrainischen Grenze zur Unterbindung des Waffen-, Menschen- und Drogenschmuggels von und nach Transnistrien.[3]

[Bearbeiten] Einzelnachweise

  1. Lage des Hafens Giurgiuleşti45.46944444444428.211111111111
  2. Nicolas Werth : Ein Staat gegen sein Volk in Stéphane Courtois et al. : Das Schwarzbuch des Kommunismus, München, 1998 4. Auflage S. 262
  3. Karte zur EUBAM

[Bearbeiten] Siehe auch

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