Celebration (Florida)

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Celebration
022306-CelebrationFL01.jpg
Lage von Celebration
Osceola County Florida Incorporated and Unincorporated areas Celebration Highlighted.svg
Basisdaten
Staat: Vereinigte Staaten
Bundesstaat: Florida
County:

Osceola County

Koordinaten: 28° 19′ N, 81° 32′ W28.32-81.54027777777825Koordinaten: 28° 19′ N, 81° 32′ W
Zeitzone: Eastern (UTC−5/−4)
Einwohner: 7427 (Stand: 2010)
Bevölkerungsdichte: 269,1 Einwohner je km²
Fläche: 27,7 km² (ca. 11 mi²)
davon 27,6 km² (ca. 11 mi²) Land
Höhe: 25 m
Postleitzahl: 34747
Vorwahl: +1 321, 407
FIPS:

12-11285

GNIS-ID: 1699772
Webpräsenz: www.celebration.fl.us

Celebration ist eine Planstadt und ein census-designated place (CDP) im Osceola County im US-Bundesstaat Florida mit 7.427 Einwohnern (Stand: 2010). Der Ort wurde 1994 von der The Walt Disney Company realisiert. Er befindet sich in der Nähe zum Walt Disney World Resort.

Geographie[Bearbeiten]

Celebration befindet sich rund 10 km westlich von Kissimmee sowie etwa 20 km südlich von Orlando. Der CDP wird von der Interstate 4, vom U.S. Highway 192 (SR 530) sowie von der Florida State Road 417 (Central Florida GreeneWay, mautpflichtig) durchquert bzw. tangiert.

Geschichte[Bearbeiten]

Celebration wurde auf dem Grund der Walt Disney Company erbaut; die Fläche lag zuvor brach.

Osceola County wurde außer der Nähe zum Walt Disney World Resort auch aus steuerlichen Gründen gewählt. Städtebauliche Maxime war die Schaffung eines Nachbaus einer historischen Stadt wie Savannah, Nantucket und Charleston.

Die ersten Bewohner kamen 1996. Die Bewohner haben keine Vergünstigungen bei der Walt Disney Company. Ihr Leben wird durch ein 70-seitiges „Musterbuch“ geregelt. Auch das Schulwesen wird vom Disney-Konzern gelenkt. 2004 wurde das Stadtzentrum vom Disney-Konzern an einen privaten Immobilieninvestor aus New York verkauft. 2008 traf die Finanzkrise die damals noch 11.000 Einwohner zählende Gemeinde. In der ersten Hälfte des Jahres 2010 waren 106 Familien gezwungen, ihre Häuser zu veräußern. Das örtliche Kino musste schließen.[1]

Demographische Daten[Bearbeiten]

Gemäß der Volkszählung 2010 verteilten sich die damaligen 7.427 Einwohner auf 4.086 Haushalte. Die Bevölkerungsdichte lag bei 269,1 Einw./km². 91,0 % der Bevölkerung waren Weiße, 1,5 % Afroamerikaner, 0,2 % Ureinwohner und 3,2 % Asian Americans. 1,7 % waren Angehörige anderer Ethnien und 2,2 % verschiedener Ethnien. 11,2 % der Bevölkerung bestand aus Hispanics oder Latinos.

Im Jahr 2010 lebten in 36,6 % aller Haushalte Kinder unter 18 Jahren sowie 17,7 % aller Haushalte Personen mit mindestens 65 Jahren. 71,5 % der Haushalte waren Familienhaushalte (bestehend aus verheirateten Paaren mit oder ohne Nachkommen bzw. einem Elternteil mit Nachkomme). Die durchschnittliche Größe eines Haushalts lag bei 2,61 Personen und die durchschnittliche Familiengröße bei 3,08 Personen.

27,7 % der Bevölkerung waren jünger als 20 Jahre, 23,6 % waren 20 bis 39 Jahre alt, 32,4 % waren 40 bis 59 Jahre alt und 16,3 % waren mindestens 60 Jahre alt. Das mittlere Alter betrug 39 Jahre. 47,6 % der Bevölkerung waren männlich und 52,4 % weiblich.

Das durchschnittliche Jahreseinkommen lag bei 92.670$, dabei lebten 4,1 % der Bevölkerung unter der Armutsgrenze.[2]

Im Jahr 2000 war englisch die Muttersprache von 93,85 % der Bevölkerung, spanisch sprachen 4,30 % und 1,84 % sprachen italienisch.[3]

Architekturgeschichtliche Relevanz[Bearbeiten]

Schon 1965 beschrieb Charles Willard Moore in einem Aufsatz von „Perspecta“, der Architekturzeitschrift der Yale University das ursprüngliche Freizeitzentrum Disneyland als „wichtigstes zusammenhängendes Stück Architektur der letzten Jahrzehnte“ im amerikanischen Westen. Vor allem die autofreie Idylle von Main street, USA beeindruckte im völlig auf den Individualverkehr orientierten Los Angeles als ein nostalgisches Gegenbild humanerer Urbanität. Die Diskussion wurde durch die Realisierung von Celebration im Sinne eines New Urbanism aktualisiert, die einflussreiche Architekturzeitschrift Domus widmete Celebration etwa im November 1996 eine Sondernummer (Nr. 787), die Architekturbiennale 1996 in Venedig präsentierte die Planstadt des Disney-Konzerns prominent im amerikanischen Pavillon.

Die Disneystadt bietet ähnlich Seaside, Florida, (dem Drehort von The Truman Show) oder Port Grimaud (Frankreich) das Beispiel einer hoch technisierten Kleinstadtidylle für die obere Mittelschicht und dokumentiert so auch Wesenszüge der Postmoderne.

Walt Disneys Vorstellung der perfekten Stadt[Bearbeiten]

Mitte der 1960er Jahre entwarf Disney mit Epcot (Experimental Prototype Community Of Tomorrow) eine (ideale) Stadt der Zukunft, die allerdings so nie realisiert wurde, sondern lediglich als Themenpark umgesetzt wurde. Es sollte nicht nur eine Planstadt sein, sondern auch eine vom Disney-Konzern kontrollierte Stadt werden. Damit einhergehend bedeutete Disneys Plan auch die Privatisierung einer Vielzahl staatlicher Aufgaben. Die Planungen für Epcot sahen eine komplette städtische Infrastruktur vor- in ökonomischer, sozialer und technischer Hinsicht. Das Ziel war es, ein „privatwirtschaftliches Modell der sozialen Organisation eines Gemeinwesens [zu] schaffen“.[4] Neben der Absicht, die Stadt als Wirtschaftsprojekt durch den Disney-Konzern kontrollieren zu lassen, stellte sich Disney eine umfassende Reglementierung des Gemeinwesens bis hin zu Vorschriften über Kleidung und Verhalten vor sowie die Beschneidung der demokratischen Rechte der Einwohner Epcots.[5] Über Epcot sagte Disney:

“It will be a planned, controlled community, a showcase of American industry […].There will be no landowners and therefore no voting control. People will rent houses instead of buying them, and at modest rentals. There will be no retirees. Everyone must be employed. One of our requirements is that the people who live in Epcot must help to keep it alive”[6]

Celebration als utopisches Stadtmodell[Bearbeiten]

Celebration belebt Walt Disneys Vision wieder. Konzeptionell als „ideale Stadt“ angedacht, ist Celebration als Kleinstadt im Stil von Main Street USA geplant, die nach Disneys Vorstellungen maximal 20.000 Einwohner haben soll. Für die Ausgestaltung der Häuser existieren enge Vorgaben, von denen keine Abweichung möglich ist. Die Kleinstadtidylle soll durch optische Harmonie gewährleistet werden.

Im Gegensatz zu den futuristischen Planungen für Epcot orientiert sich Celebration eher an der Vergangenheit. Die Stadtkonzeption verkörpert eine Rückbesinnung auf uramerikanische Werte von Nachbarschaft und Gemeinschaft, es gibt also auch keine Umzäunung wie bei den Gated Communitys. Das Gemeinwesen in Celebration wird weitreichend vom Disney-Konzern reglementiert, eine demokratisch gewählte Bürgervertretung in Form eines Stadtparlaments mit Bürgermeister existiert nicht, und die administrativen Aufgaben sind zum Teil privatisiert.[7] Jeder neue Bewohner muss sich vertraglich verpflichten, Disneys Regelwerk anzuerkennen, was unter anderem eine neunmonatige Anwesenheitspflicht einschließt. Des Weiteren gibt der Konzern Verhaltensregeln vor, die etwa Umbauten an den Häusern untersagen oder die Ausgestaltung des Gartens und die Gardinenfarbe vorschreiben.[8]

Kritik an Celebration[Bearbeiten]

An der Konzeption von Celebration wird grundsätzlich das Fehlen demokratischer Strukturen bemängelt, was durch Disneys Reglementierung der Bürger im Privaten durch die vertraglich fixierten Verhaltensregeln verschärfend flankiert wird. Claus Leggewie konstatiert: „Der ‚öffentliche Diskurs‘ in Celebration ist ebenso durchorchestriert wie die Haus- und Gartenarchitektur.“ Daneben kritisiert Frank Roost generell Disneys Bestreben, eine ideale Stadt der Zukunft mit dem dazugehörigen unter Kontrolle des Konzerns stehendes Gemeinwesen, unterwerfen zu wollen.[9]

Literatur[Bearbeiten]

  • Douglas Frantz, Catherine Collins: Celebration, U.S.A.: Living in Disney's Brave New Town. ISBN 0-8050-5561-4.
  • Thomas Hüetlin: Fort Alamo des Mittelstands. In: Der Spiegel 5/1999, S. 103-105.
  • Naomi Klein: No Logo Der Kampf der Global Player um Marktmacht. Ein Spiel mit vielen Verlierern und wenigen Gewinnern. Riemann-Verlag, 2001, 3. Auflage, ISBN 3-570-50018-7, S. 56f, 168f.
  • Ruth Eckdish Knack: Once upon a town. Lots of hype and Disney dollars could put new urbanism on the map. In: Planning, 62. Jg., Nr. 3, März 1996, S. 10.
  • Michael Lassell: Celebration: The Story of a Town. ISBN 0-7868-5405-7.
  • Claus Leggewie: 'Celebration – Eine Stadtutopie von vorgestern. I: Kursbuch, Nr. 131, Frankfurt am Main 1998, S. 119 – 128. ISBN 3-87134-131-2.
  • Alex Marshall, How cities work - Text A tale of two towns- S. 1-39. ISBN 0-292-75240-7.
  • Caroline E. Mayer: The Mickey House Club – The Washington Post, 15. Nov. 1996, Pg. A01.
  • Thomas Mördinger: Celebration City. Der totale Staat in Disney’s Stadt, Wien 1999.
  • Michael Pollan: Town-Building Is No Mickey Mouse Operation. In: New York Times Sunday Magazine, 14. Dezember 1997, S. 56 ff.
  • Frank Roost, Die Disneyfizierung der Städte - Teil III: Celebration: Simulation kleinstädtischer Idylle, ISBN 381002956-4.
  • Andrew Ross: The Celebration Chronicles: Life, Liberty, and the Pursuit of Property Value in Disney's New Town. ISBN 0-345-41752-6.
  • Jürgen Schäfer: Wohnen wie bei Mickymaus. In: Zeit-Magazin Nr. 31 vom 26. Juli 1996, S. 10ff.
  • Robert Schediwy: Städtebilder - Reflexionen zum Wandel in Architektur und Urbanistik. LIT Verlag Wien 2005, (speziell. S 331 ff) ISBN 3-8258-7755-8.

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Karin Seethaler: Zu schön, um schön zu sein, Artikel vom 19. Juli 2011 in der Serie eines tages im Portal SPIEGEL ONLINE, abgerufen am 19. Juli 2011
  2. Profile of General Population and Housing Characteristics: 2010. United States Census Bureau. Abgerufen am 13. Juli 2013.
  3. Sprachverteilung 2000. Modern Language Association. Abgerufen am 13. Juli 2013.
  4. Roost, Frank: Die Disneyfizierung der Städte. Großprojekte der Entertainmentindustrie am Beispielk des New Yorker Times Square und der Siedlung Celebration in Florida, Opladen 2000, S. 77
  5. Roost, Die Disneyfizierung der Städte, S. 77.
  6. zit. nach Thomas, Walt Disney – An American Original, S. 349
  7. Roost, Disneyfizierung, S. 87 ff.
  8. Hüetlin, Thomas: Fort Alamo des Mittelstands, in: Der Spiegel 5/1999, S. 103-105, S. 104.
  9. Roost, a.a.O., S. 72 ff. u S. 87 ff.