Charles Lloyd

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Charles Lloyd (Monterey Jazz Festival 2006; Foto: Luke Wroblewski)

Charles Lloyd (* 15. März 1938 in Memphis, Tennessee) ist ein US-amerikanischer Tenorsaxophonist und Flötist des Modern Jazz. Schon Mitte der 1960er Jahre brachte er die Errungenschaften des modalen Jazz mit einer an der Rockmusik orientierten Rhythmik zusammen und eroberte mit seiner Mischung aus Jazz, Rock, Blues und Folk Music als erster Jazzmusiker weltweit das junge Rock-Publikum.

Leben und Wirken[Bearbeiten]

Lloyd spielte 1955 erste professionelle Gigs mit Terry Trotter und Don Cherry. Seit 1956 studierte er an der University of Southern California Komposition und lernte Musiker wie Eric Dolphy, Ornette Coleman, Charlie Haden, Billy Higgins, Bobby Hutcherson oder Frank Strozier kennen. Ende der 1950er Jahre spielte er in der Band von B. B. King und bei Bobby Blue Bland. Anfang der 1960er Jahre wurde er Mitglied der Band von Gerald Wilson und im kammermusikalischen Quintett von Chico Hamilton; bei Hamilton wurde er rasch zum Hauptkomponisten. Nach einer kurzen Zeit Mitte der 1960er Jahre beim Cannonball Adderley Sextet gründete er zusammen mit den späteren Jazzstars Keith Jarrett, Cecil McBee und Jack DeJohnette sein eigenes Quartett. Nach Tourneen in Europa (einschließlich des damaligen Ostblocks) und Auftritten auf dem Newport und dem Monterey Jazz Festival[1] wurde das Quartett aufgrund geschickten Marketings und breit gefächertem Repertoires extrem populär.[2] Die Musik des Quartetts erreichte ein Publikum auch über den Jazz hinaus und ermöglichte ihm beispielsweise einen Auftritt im Fillmore West, wo sonst fast ausnahmslos bekannte Größen aus der Rockmusik gastierten. Anstelle von McBee war bereits 1967 Ron McClure Mitglied des Quartetts geworden, das sich 1969 auflöste. Lloyd zog sich von vereinzelten Aufnahmen (teilweise zusammen mit Musikern der Beach Boys) abgesehen aus der Szene zurück und arbeitete als Lehrer für Transzendentale Meditation.

Charles Lloyd (2006 mit Reuben Rogers und Eric Harland, Foto: Scott Williams)

In den achtziger Jahren überzeugte ihn Michel Petrucciani zu einer Rückkehr ins Musikgeschäft. Nach erfolgreichen Platten mit Petrucciani für das Elektra-Label und Blue Note Records wechselte Lloyd Ende der 1980er Jahre zu ECM. Dort spielte er zunächst teilweise mit skandinavischen Musikern aus dem ECM-Stamm zusammen. Seit 1999 arbeitet er wieder mit rein amerikanischen Bands, in denen er bislang mit Musikern wie z.B. Billy Higgins, Ralph Peterson, Geri Allen, Larry Grenadier, Brad Mehldau, Jason Moran oder Eric Harland zusammenspielte.

Lloyd vermag auf dem Saxophon und auf der Querflöte virtuos und zugleich sehr einprägsam zu spielen. Auf dem Tenorsaxophon beispielsweise sind die Einflüsse von Lester Young und Coleman Hawkins mit der hymnischen Haltung von John Coltrane geschickt und unterhaltsam verknüpft. Daneben setzt er gelegentlich auch das Taragato und die Gyaling, die tibetische Form der Oboe, ein. „Coltrane hat das Element der Spiritualität in die Musik eingebracht. Das hat mich geprägt,“ bekannte der Saxophonist in einem Interview.[3]

Diskographie (Auswahl)[Bearbeiten]

Titel Jahr Label Anmerkungen
Discovery! The Charles Lloyd Quartet 1964 Columbia mit Don Friedman (Piano), Eddie Khan (Bass), Richard Davis (Bass), Roy Haynes, J. C. Moses (Schlagzeug)[4]
Of Course of Course 1965 Columbia mit Gábor Szabó (Gitarre), Ron Carter (Bass), Tony Williams (Schlagzeug), Albert Stinson (Bass), Pete LaRoca (Schlagzeug), Robbie Robertson (Gitarre)
Dream Weaver 1966 Atlantic mit Jack DeJohnette (Schlagzeug), Keith Jarrett (Piano), Cecil McBee (Bass)
Forest Flower 1966 Atlantic Live beim Monterey Jazz Festival 1966 / mit Jack DeJohnette (Schlagzeug), Keith Jarrett (Piano), Cecil McBee (Bass), Ron McClure (Bass)
Montreux '82 1982 Elektra Live beim Montreux Jazz Festival Juli 1982 / mit Michel Petrucciani (Piano), Palle Danielsson (Bass), Sonship Theus (Schlagzeug)
A Night In Copenhagen 1983 Blue Note Live in Kopenhagen 11. Juli 1983, mit Bobby McFerrin (Gesang), Michel Petrucciani (Piano), Palle Danielsson (Bass), Woody Sonship Theus (Schlagzeug)
Fish out of Water 1989 ECM mit Bobo Stenson (Piano), Palle Danielsson (Bass), Jon Christensen (Schlagzeug)
Notes From Big Sur 1991 ECM mit Bobo Stenson (Piano), Anders Jormin (Bass), Ralph Peterson (Schlagzeug)
Acoustic Masters Vol. 1 1993 Atlantic mit Cedar Walton (Piano), Buster Williams (Bass), Billy Higgins (Schlagzeug)
The Call 1993 ECM mit Bobo Stenson (Piano), Anders Jormin (Bass), Billy Hart (Schlagzeug)
All My Relations 1994 ECM mit Bobo Stenson (Piano), Anders Jormin (Bass), Billy Hart (Schlagzeug)
Canto 1996 ECM mit Bobo Stenson (Piano), Anders Jormin (Bass), Billy Hart (Schlagzeug)
Voice in the Night 1999 ECM mit John Abercrombie (Gitarre), Dave Holland (Bass), Billy Higgins (Schlagzeug)
The Water Is Wide 2000 ECM mit Brad Mehldau (Piano), John Abercrombie (Gitarre), Larry Grenadier (Bass), Darek Oles (Bass), Billy Higgins (Schlagzeug)
Hyperion With Higgins 2001 ECM mit Brad Mehldau (Piano), John Abercrombie (Gitarre), Larry Grenadier (Bass), Billy Higgins (Schlagzeug)
Lift Every Voice 2002 ECM mit Geri Allen (Piano), John Abercrombie (Gitarre), Marc Johnson (Bass), Larry Grenadier (Bass), Billy Hart (Schlagzeug)
Jumping the Creek 2004 ECM mit Geri Allen (Piano), Robert Hurst (Bass), Eric Harland (Perkussion)
Sangam 2006 ECM Live Mai 2004 mit Zakir Hussain (Tabla, Perkussion) und Eric Harland (Perkussion, Piano)
Rabo de Nube 2008 ECM mit Jason Moran (Piano), Reuben Rogers (Kontrabass), Eric Harland (Perkussion)
Athens Concert 2011 ECM mit Maria Farantouri (Gesang), Jason Moran (Piano), Reuben Rogers (Kontrabass), Eric Harland (Perkussion), Socratis Sinopoulos (Lyra), Takis Farazis (Piano)
Hagar's Song 2012 ECM mit Jason Moran (Piano und Tamburin)

Lexigraphische Einträge[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Mit seinem dort aufgenommenen Album Forest Flower, das mehr als eine Million mal verkauft wurde, brachte Lloyd dem Publizisten Tom Conrad zufolge „die Avantgarde-Freiheiten, impressionistische Harmonien, Elemente von dem, was wir heute Weltmusik nennen, und Variationen auf Rock-Rhythmen zusammen. Die Mischung wirkte auf ihr Publikum wie ein Sirenen-Ruf.“ Zit. nach Kunzler
  2. Vgl. dazu Ian Carr: Keith Jarrett. The Man and His Music. London: Paladin, 1992, ISBN 0-586-09219-6
  3. Besprechung des Albums Mirror in Der Spiegel
  4. Informationen zur Besetzung bei Answers.com