Chris Barber

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Chris Barber, 1972 in Hamburg

Chris Barber (Christopher Donald Barber, * 17. April 1930 in Welwyn Garden City, Hertfordshire) ist ein britischer Posaunist, Kontrabassist, Sänger und Jazz-Bandleader, der trendsetzend die Entwicklung eines eigenständigen britischen Jazz beeinflusst hat.

Werdegang[Bearbeiten]

Barber studierte Posaune und Kontrabass an der Londoner Guildhall School of Music and Drama. Ab 1949 spielte er Posaune in der Jazzband von Humphrey Lyttelton, bevor er im Januar 1950 selbst eine Amateurband unter dem Namen Chris Barber’s New Orleans Band gründete. Die professionelle Chris Barber’s Jazzband entstand im Januar 1953 durch die Auflösung einer anderen Band unter Leitung von Ken Colyer, die sich aus den Mitgliedern Monty Sunshine (Klarinette), Lonnie Donegan (Banjo), Jim Bray (Bass) und Ron Bowden (Schlagzeug) rekrutierte. Als Ken Colyer’s Jazzmen fand ihr offizielles Debüt am 11. April 1953 in Kopenhagen statt, wo bis Mai 1953 auch 22 Aufnahmen für das neue dänische Plattenlabel Storyville Records entstanden. Am 2. September 1953 nahmen die Ken Colyer’s Jazzmen in London die LP New Orleans To London mit Barber auf. Hierauf war auch der Klassiker Isle of Capri enthalten, der von der BBC gespielt wurde und als Single beachtliche Umsätze einspielte. Pat Halcox (Trompete) schloss sich der Band am 31. Mai 1954 an und ersetzte den Musikpuristen Colyer, der im Streit über den Stil der Band gegangen war. Repertoire blieb weiterhin der traditionelle amerikanische Jazz im Stile von New Orleans, sowie Blues- und Folkgenres. Nun wurde Chris Barber zum Namensgeber und Leiter der Band, die jetzt die typische Traditional-Jazz-Besetzung aufwies. Am 10. September 1954 entstand für Storyville Records der Titel Ice Cream (#A45000), eine Coverversion des 1927 von Fred Waring And His Pennsylvanians und am 5. August 1944 durch George Lewis eingespielten Originals. Dieser Song ist seit langer Zeit Barbers Markenzeichen. Er kennzeichnet seit Jahrzehnten das Ende seiner Konzerte.

Erste Plattenaufnahmen unter Leitung von Chris Barber[Bearbeiten]

Wenige Tage später, am 13. Juli 1954, wurden insgesamt 8 Titel für die LP New Orleans Joys in London eingespielt. Man nannte sich Chris Barber's Jazz Band & Skiffle Group in der Besetzung Pat Halcox (Kornett), Chris Barber (Posaune und Kontrabass), Monty Sunshine (Klarinette), Lonnie Donegan (Banjo, Gitarre und Gesang), Jim Bray (Bass), Ron Bowden (Schlagzeug) und Beryl Bryden (Waschbrett bei den zwei Skiffle-Songs). Zwei der 8 Titel waren „Rock Island Line“ und „John Henry“ von der Lonnie Donegan Skiffle Group.[1] „Rock Island Line“ sollte für Lonnie Donegan zum größten Erfolg seiner Karriere werden und verhalf der Skifflemusik zum endgültigen Durchbruch. Am 1. Januar 1955 schloss sich Ottilie Patterson, eine begabte britische Bluessängerin, der Band an, in der sie (zwischen 1959 und 1983 Barbers Gattin) bis 1963 regelmäßig sang.

Es folgte eine Reihe von trendsetzenden LPs, die die Popularität des in England entstandenen „Trad Jazz“ weiter festigten. Aus den LPs wurden einige Singles ausgekoppelt, die jedoch nicht ihren Weg in die britische Hitparade fanden. Die Band konzentrierte sich auf LPs, unter denen sich auch einige Live-Mitschnitte befanden. Diese LPs enthalten die gesamte Bandbreite des spezifischen New Orleans-Jazz und –Blues und einiger Traditionals. Besonders zur Geltung kamen auf LPs die atmosphärischen Live-Mitschnitte aus Konzerten. Als lange verschollen galten in diesem Zusammenhang die Aufnahmen eines berühmten Konzerts in der Royal Festival Hall vom 18. April 1954, wo insgesamt 17 Titel einem begeisterten Publikum präsentiert wurden. Sie sind inzwischen auf CD erhältlich. Im April 1956 verließ Donegan die Band, um als Namensgeber der eigenen Band den Erfolg seines Hits Rock Island Line auszubauen. Für ihn kam kurzzeitig der Gitarrist und Banjo-Spieler Dick Bishop, allerdings lediglich für drei Monate. Lange genug, um bei der Aufnahmesession für die LP Chris Barber Plays (Vol. 3) mitzuspielen.

Millionenseller[Bearbeiten]

Chris Barber – Petite Fleur (Großbritannien)

Für diese LP griff Barber auch eine Komposition des aus New Orleans stammenden Sidney Bechet auf, die dieser erstmals am 21. Januar 1952 in Paris aufgenommen hatte: Petite fleur, in Bechets Originalfassung mit Sopransaxophon gespielt. Barber nahm den Instrumentalsong erstmals am 3. September 1955 auf, eine weitere Fassung vom 10. Oktober 1956 erschien dann auf der LP Chris Barber Plays (Vol. 3). Hierauf wird übrigens Joe Meek als Tontechniker – zuständig für die Balance – erwähnt. Weitere Fassungen folgten, immer mit Klarinettist Monty Sunshines vibratoreichem Solo, das einen glatten Übergang zu Dick Bishops zitherähnlichem Gitarrensolo gewährleistet. Erstmals als Single ausgekoppelt aus der LP Chris Barber Plays (Vol. 3) wurde die Semi-Jazz-Version, auf der Barber selbst nicht zu hören ist, ersichtlich im Jahre 1958. Nur in England erschien als B-Seite der Bugle Boy Rag, ansonsten weltweit der Wild Cat Blues. Pye Records entschloss sich im Januar 1959 zur Wiederveröffentlichung – mit Erfolg. Als Pye Nixa #NJ2026 kam sie am 13. Februar 1959 in die britischen Charts, wo sie bis auf Rang drei vordrang. Parallel in den USA veröffentlicht, erreichte sie hier Platz fünf der Pop-Hitparade und entwickelte sich zum Millionenseller und wurde Barbers Markenzeichen. Auch in Deutschland konnte der Titel nach seiner Veröffentlichung im März 1959 bis auf den zweiten Platz kommen.[2]

Barbers Band war als Folge dieses Hits die überhaupt erste britische Jazzband in den USA, die am 8. März 1959 live in der Ed Sullivan Show auftreten durfte und ebenso die erste britische Band, die beim Monterey Jazz Festival auftrat, am 2. Oktober 1959.

Chris Barber, 2010
Chris Barber 2014 Tonhalle Düsseldorf

Eddie Smith ersetzte rechtzeitig Bishop für Chris Barbers LP In Concert (aufgenommen am 15. Dezember 1956 in der Royal Festival Hall). Smith spielte Banjo auch auf Chris Barber Plays (Vol. 4), wo er ein seltenes Banjo-Solo bei When The Saints Go Marching In übernimmt. Aufgrund seiner musikalischen Wurzeln brachte Barber ab 1960 viele amerikanische Interpreten nach England, so Sister Rosetta Tharpe (Tour im November 1957), Brownie McGhee und Sonny Terry (Mai 1958), Muddy Waters (Oktober 1958) und Louis Jordan (Dezember 1962) und bereicherte mit diesen seine LP-Aufnahmen. 1967 nahm Christ Barber das Instrumentalstück Catswalk, komponiert 1960 von Paul McCartney und von den Beatles in Liverpool im gleichen Jahr aufgenommen, unter dem Titel Cat Call in einem Arrangement von George Martin (mit McCartney als Hintergrundsänger) auf und veröffentlichte es als Single.[3] In den siebziger Jahren übernahm Barber auch Rockelemente in seine Musik, tourte mit Wild Bill Davis (Juni 1976) und John Lewis (1978). Ab 1976 präsentierte er die Musik Duke Ellingtons. Im April 1980 erschien seine in Kooperation mit Dr. John entstandene LP Take Me Back to New Orleans, die ihn wieder auf die Wurzeln seines Erfolges zurückbrachte. Im Jahre 1991 wurde er wegen seiner Verdienste um die Musik mit dem Verdienstorden The Most Excellent Order of the British Empire (OBE) ausgezeichnet, 2001 hat er neben dem Standardformat seiner Band eine 11-köpfige Big Chris Barber Band gegründet. Am 28. Juni 2006 erhielt er die Ehrendoktorwürde der Universität Durham und am 28. September 2013 wurde er für seine Verdienste um die Popularisierung des Blues in Europa im Rahmen des Lahnsteiner Bluesfestivals mit dem dort jährlich vergebenen "Blues-Louis" ausgezeichnet. 2014 wurde er für sein Lebenswerk mit der German Jazz Trophy geehrt.

Besetzung der Band[Bearbeiten]

Die Big Chris Barber Band besteht aus:

Als Amy Roberts 2011 anfing, bei der Band zu spielen, studierte sie noch am Royal Northern College of Music und konnte deswegen nicht alle Termine wahrnehmen. Der niederländische Saxophonist Bert Brandsma hat oft für sie ausgeholfen, bis er 2012 festes Bandmitglied wurde.

Diskografie (Auswahl)[Bearbeiten]

Singles[Bearbeiten]

Storyville:

  • Down by the Riverside / Ice Cream (#A45000), 10. September 1954
  • Bugle Boy March / Maryland, My Maryland (#A45002), 1955
  • Tiger Rag / Precious Lord, Lead Me on (#A45003), 1955
  • When The Saints Go Marching In / South (#A45006), 1955

Pye-Nixa (Jazz-Label):

  • I Love My Baby / Kay-Cee Rider (#15109), November 1957
  • Tuxedo Rag / Brown Skin Mama (#2004), 1958
  • High Society / Papa-De-Da-Da (#2007), 1958
  • Whistlin' Rufus / Hushabye (#2011), 1958
  • Beale Street Blues / Jail-House Blues (#2015), 1958
  • Can’t You Line ‘em / Gipsy Dave (#2017), 1958
  • Old Rugged Cross / Bye And Bye (#2020), 1958
  • When The Saints Go Marchin' In (Part 1 and Part 2) (#2023), 1958
  • Petite Fleur / Bugle Boy March (#2026), 1958
  • Bourbon Street Parade / New Blues (#5018), Dezember 1958
  • Petite Fleur / Wildcat Blues (#2026), Januar 1959
  • Bill Bailey Won’t You Please Come Home / Wild Cat Blues (#2030), 1959
  • Lonesome / Creole Song (Columbia #4333), Oktober 1959
  • Revival (Columbia #2166), Januar 1962

LPs (in Klammern: Aufnahmedatum)[Bearbeiten]

Ken Colyers Jazzmen:

  • New Orleans To London (Decca LF 115): Goin‘ Home, Isle of Capri, Harlem Rag, La Harpe Street, Stockyard Strut, Cataract Rag, Early Bours, Too Busy (2. September 1953)

Chris Barber’s Jazzband:

  • New Orleans Joys (Decca LF 1152): Bobby Shaftoe, Chimes Blues, The Martinique, New Orleans Blues, Merrydown Rag, Stevedore Stomp; (als Lonnie Donegan Skiffle Group): Rock Island Line und John Henry; (13. Juli 1954)
  • The Lost Royal Festival Hall Tapes mit Titeln von Ken Colyers Jazzmen (2-9 und 16-18) und Ken Colyer’s Skiffle Group with Lonnie Donegan (10-13), jeweils mit Chris Barber. 2-9: Put on Your Old Grey Bonnet, Lord Lord Lord You Sure Been Good To Me, Harlem Rag, Original Tuxedo Rag, Michigan Water Blues, At A Georgia Camp Meeting, Black And Tan Fantasy, Burbon Street Rag. 10-13: This Train, The Cotton Song, Casey Jones, Good Morning Blues. 14-18: Easter Parade, We Sure Do Need Him Now, Joplin’s Sensation, Temple Blues, Bobby Shaftoe (18. April 1954)
  • On A Christmas Day / White Christmas (27. September 1954, Abbey Road-Studios)
  • Chris Barber's Jazzband (Live im Old Fellow Palais; Storyville SLP 100): Bugle Boy March, Down Home Rag, Makin’ Whoopee, Maryland My Maryland, Saint Georges Rag, Wabash Blues, South (10. Oktober 1954)
  • Royal Festival Hall: Bury My Body, Diggin’ My Potatoes (30. Oktober 1954); hier auch Barber in der Lonnie Donegan Skiffle Group (Donegan: Gesang/Gitarre, Pat Halcox (Piano) und Chris Barber (Kontrabass): Ice Cream (Gesang: Halcox) und Oh, Didn’t He Ramble (Gesang: Monty Sunshine))
  • Chris Barber Plays The Music of Clarence And Spencer Williams (Nixa 500): You Don’t Understand (3. März 1955), Everybody Loves My Baby, Careless Love, Papa De-Da-Da (8. März 1955), Tishomingo Blues, Wildcat Blues, Uggly Child (9. März 1955), High Society (18. März 1955)
  • Echoes of Harlem (Nixa NJL 1): Diga Diga Doo (13. Januar 1955), Here Comes My Blackbird (1. September 1955), Can’t We Get Together (9. September 1955), Doin’ The Crazy Walk, Baby, I Can’t Give You Anything But Love (16. September 1955), Magnolia’s Wedding Day, Dixie Cinderella, New St. Louis Blues (25. September 1955), Sweet Savannah Sue, Porgy (29. September 1955)
  • Chris Barber Plays (Vol. 2) (Nixa NJT 502): Whistlin’ Rufus, Big House Blues, April Showers (20. März 1956), One Sweet Letter From You, Hushabye (26. März 1956), We Shall Walk Through The Valley (4. April 1956)
  • Chris Barber Plays (Vol. 3) (Nixa NJT 505): Thriller Rag, Wabash Blues, Texas Moaner (9. Oktober 1956), Bugle Call Rag, Petite Fleur (10. Oktober 1956), Sweet Georgia Brown (15. Oktober 1956)
  • Chris Barber Plays (Vol. 4) (Nixa NJT 508): Old Rugged Cross, When You And I Were Young (26. August 1957), When The Saints Go Marching In, Bye And Bye, Olga, Pound of Blues, Just A Closer Walk With Thee (12. September 1957)
  • Sonny, Brownie And Chris (Nixa NJT 515): (2. Mai 1958)
  • Chris Barber Band Box (Vol 1) (Columbia 33SX 1158): Hot House Rag, Swanee River (16. Januar 1959), Give Me Your Telephone Number, I’m Gonna Wash That Man Right Out Of My Hair (22. Januar 1959), Elite Syncopation, The Favorite, The Entertainer, (25. Januar 1960), Hiawatha Rag, Si Tu Vois Ma Mére, Darling Nellie Gray, Golden Striker (29. Januar 1959), Squeeze Me (3. Februar 1959)
  • Chris Barber Band Box (Vol 2) (Columbia 33SX 1245): Bohemia Rag, St. George’s Rag, The Peach (12. Januar 1960), Swipsy Cakewalk, Cole Smoak, Reindeer Rag, Georgia Cakewalk (4. Februar 1960)
  • Chris Barber in Copenhagen (Live at the K.B. Hall): Market Street Stomp, Soudan, Beautiful Dreamer, Going To Town, Blue Turning Grey Over You, Margie, Rent Party, High Society (1. März 1960)
  • Best Yet(Columbia 33SX 1401): ‘T’ain’t What You Do (6. Oktober 1961), Lazy River, Slevedore Stomp, Moose March (13. Oktober 1961), Gonna Build A Mountain (27. Oktober 1961), We Shall Walk Through The Streets of The City, Basin Street Blues, Chiquita, Yvette, If You Can’t Be Good Be Careful, I Can’t Give You Anything But Love (9. Januar 1962).
  • Chris Barber in Berlin, 26. November 1968
  • Chris Barber's Travelling Band: Get Rolling, Black Lion Records 1970
  • Echoes of Ellington, Vol. 1, 3. Juni 1976
  • Echoes of Ellington, Vol. 2, 1976
  • Echoes of Ellington, 1978
  • Take me back to New Orleans, April 1980
  • Creole Love Call, Timeless Records 1982
  • Barbican Blues, Black Lion Records 20. April 1982
  • Stardust, Timeless Records 16. Mai 1988
  • Get Yourself To Jackson Square (mit Dr. John), Sonet Records 1989
  • Copulatin' Jazz: The Music of Perseverance Hall, 1993
  • Live at the BP Studienhaus, 28. November 1997 (Aufnahmen: 27. und 29. September 1997, Hamburg)
  • Cornbread, Peas & black Molasses, live, 1999
  • Chris Barber Memories Of My Trip, 2011

Literatur[Bearbeiten]

  • Gerard Bielderman und Julian Purser: A Life in Music: The Chris Barber Discography 1949–2001, Dezember 2001
  • Chris Barber (with Alyn Shipton): Jazz Me Blues: The Autobiography of Chris Barber (Sheffield: Equinox, 2014)

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Chris Barber – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Chris Barber's Recordings: New Orleans Joys, abgerufen am 22. April 2011
  2. Günter Ehnert (Hrsg.): Hit Bilanz. Deutsche Chart Singles 1956–1980. Hamburg: Taurus Press, 1990, S. 21.
  3. Barry Miles Paul McCartney: Many Years From Now 1998, S. 439 sowie Chris Ingham The Rough Guide to the Beatles 2006, S. 308