Glenn Miller

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Glenn Miller während seiner Dienstzeit beim US Army Air Corps
Chartplatzierungen
Erklärung der Daten
Alben
Glenn Miller
  DE 25 15.04.1963 (4 Wo.)
Glenn Miller-Story II
  DE 23 15.11.1963 (4 Wo.)
Die Glenn Miller-Story
  DE 41 15.05.1964 (4 Wo.)
Seine 20 größten Hits
  DE 5 15.11.1976 (8 Wo.)
  AT 3 15.04.1977 (12 Wo.)
Die Original-Aufnahmen seiner größten Erfolge
  DE 34 01.02.1977 (4 Wo.)
The Legendary Sound Of Glenn Miller And His Bigband
  DE 6 22.03.1982 (8 Wo.)
The Lost Recordings
  AT 4 19.03.1995 (11 Wo.)
Glenn Miller’s 100th Birthday
  AT 6 22.02.2004 (10 Wo.)
Singles
Moonlight Serenade
  UK 12 13.03.1954 (1 Wo.)
Moonlight Serenade / Little Brown Jug / In The Mood (Medley)
  UK 13 24.01.1976 (8 Wo.)
[1]

Alton Glenn Miller (* 1. März 1904 in Clarinda, Iowa; † 15. Dezember 1944) war ein US-amerikanischer Jazz-Posaunist, Bandleader, Komponist und Arrangeur.

Leben[Bearbeiten]

Seine Kindheit verbrachte Miller in Iowa, Nebraska, Missouri und Colorado.[2] Im Hochschulorchester von Fort Morgan spielte er Zugposaune, womit er zwei Jahre des Studiums finanzierte. Nach einem Abstecher in die Universität von Colorado trat er 1926 der „Ben Pollack Band“ bei, die er zwei Jahre später wieder verließ. Von 1929 bis 1937 spielte er als unabhängiger Posaunist bei Red Nichols, Benny Goodman, Ray Nobles American Band und den Dorsey Brothers. Mit seiner ersten eigenen Band machte Miller 1937 einige Aufnahmen für Columbia („Solo Hop“, April 1935, Millers erster Hit, der Rang 7 erreichte), Brunswick („Doin’ the Jive“", in dem Rap-artiger Sprechgesang verwendet wird, um den titelgebenden Tanz zu erklären, vom 29. November 1937) und Decca, aber noch im selben Jahr ging die Gruppe auseinander.

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Anfangs arbeitete Miller als Arrangeur und machte Aufnahmen in wechselnden Besetzungen, bis er im Januar 1938 mit „Every Day’s a Holiday“ bei Brunswick seinen zweiten Hit in den nationalen Charts platzieren konnte und im Frühjahr 1938 seinen Durchbruch einleitete. Seine ab Dezember 1937 entstandenen 78er wie „My Reverie“, „The Lady’s In Love with You“, „Little Brown Jug“ sowie seine ersten Nummer-eins-Hits „Stairway to the Stars“ im Juni und „Moon Love“ (nach dem Hornthema im zweiten Satz von Tschaikowskys 5. Sinfonie) im Juli 1939 erschienen nun hauptsächlich beim Sublabel Bluebird von RCA Victor. Er gründete eine neue Band und bekam einen Dreimonatsvertrag im Glen Island Casino auf Long Island. Die dort gezahlten Gagen reichten zwar weiterhin nicht aus, um die Band dauerhaft zu sichern, aber aus dem Casino wurden regelmäßig Radioübertragungen gesendet, die seinen neuen „Sound“, in dem die Klarinette den Saxophonsatz führte, bekannt machten.

Ende 1939 wurde er für das Jubiläumskonzert der ASCAP in der New Yorker Carnegie Hall eingeladen. Gespielt wurden dort Musikstücke wie „Moonlight Serenade“, „Little Brown Jug“ und „In the Mood“. Die Eigenkomposition „Moonlight Serenade“ wurde Millers dritter Nummer-1-Hit. Insbesondere mit „Moonlight Serenade“ und „In the Mood“ wird er bis heute identifiziert. Wenig bekannt ist, dass die Glenn Miller Band ein breites Spektrum an Instrumental- und Gesangsmelodien formte und auch klassische Akzente setzte. 1940 spielte die Glenn Miller Band im Cafe Rouge des Hotel Pennsylvania. Es folgten im Sommer Gigs im Wardham Park Hotel in Washington und anderen Städten. 1940 wurden Klassiker wie „Pennsylvania 6-5000“ und „Tuxedo Junction“ sowie 1941 „Chattanooga Choo Choo“ und „String of Pearls“ veröffentlicht. Glenn Miller komponierte außer „Moonlight Serenade“ keinen seiner Hits selber; einer seiner größten Erfolge, „In the Mood“, stammt von dem Komponisten Joe Garland. Seine erste Schallplatte wurde kaum verkauft, da er dort dieselben Musikstücke aufgenommen hatte wie Swing-König Benny Goodman.

Am 10. Februar 1942 erhielt Glenn Miller die erste goldene Schallplatte der Musikgeschichte für das Lied „Chattanooga Choo Choo“, das er mit seinem Orchester auch in dem Spielfilm Adoptiertes Glück spielte. 1942 wirkte er mit seiner Band in dem Film Orchestra Wives mit. Im September 1942 verließ Miller trotz der bis dahin steilen Karriere sein Orchester und ging aus Patriotismus zu den amerikanischen Luftstreitkräften, denn er war ein erklärter Gegner des Nationalsozialismus. Dort leitete er das „Army Air Force Orchestra“, das deutlich jazz-orientierter war als Millers vorherige, eher kommerziell ausgerichtete Big Band. Dies war nicht zuletzt das Verdienst so hervorragender Arrangeure wie Jerry Gray, der es unter anderem verstand, die im „Army Air Force Orchestra“ enthaltene Streichergruppe nahtlos in den Big Band-Sound zu integrieren – für einen Jazz-Arrangeur keine leichte Aufgabe. Wohl das spektakulärste Arrangement von Jerry Gray war „American Patrol“, durchaus angemessen angekündigt als „And now, here's the biggest tune of the books!“.

In London erlebte Miller die deutschen V1-Angriffe. Unter anderem spielte die „Army Air Force Band“ zahlreiche Aufnahmen in den Abbey Road Studios ein, teilweise mit Live-Übertragungen durch die BBC London, der „Wehrmacht Hour“, mit der Ansagerin Ilse Weinberger in deutscher Sprache. Dort entstanden Aufnahmen in hervorragender Mono-Qualität, die den hohen Standard des Orchesters widerspiegeln.

Erfolgreicher Musiker und Geschäftsmann[Bearbeiten]

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Glenn Miller war ein Perfektionist in Bezug auf Arrangements, die er selbst schrieb bzw. mitschrieb, sowie ein begnadeter Geschäftsmann. Seine Band war nicht nur eine Musikkapelle, sondern sie war wie eine Firma organisiert. Die Musiker waren versichert, es gab eine eigene PR-Abteilung sowie Arbeiter, die den Aufbau der Bühne erledigten. Dies alles erfolgte in einer sozialverträglichen Art und Weise; ein Vorbild, dem später viele Bands folgten.

Miller war ein eigensinniger Mensch und folgte oft nur seinen Sympathien. So geschah es öfter, dass talentierte Musiker sein Orchester verließen, da sie mit seinem Charakter nicht zurechtkamen.

Seit 1928 war Glenn Miller verheiratet. Laut seines Biografen George T. Simon bestand der einzige Streitpunkt mit seiner Frau Helen darin, wie herum man Toilettenpapierrollen aufhängen sollte.

Flugzeug mit Miller verschollen[Bearbeiten]

Eine Avro Lancaster über den Wolken
Eine Maschine vom Typ „Noorduyn Norseman“

Nachdem Paris durch die Alliierten befreit war, sollte im Dezember 1944 das „Army Air Force Orchestra“ dort im Olympia auftreten. Glenn Miller starb aber vorher unter bis heute nicht genau geklärten Umständen. Es wird angenommen, dass das Flugzeug, mit dem er am 15. Dezember 1944 nach Frankreich unterwegs war, über dem Ärmelkanal wegen dichten Nebels von Bomben britischer Flugzeuge getroffen wurde, die dort ihre restliche Bombenlast abwarfen. Ungefähr 138[3] viermotorige Lancaster-Bomber der „RAF No.3 Group“[4] kamen mit voller Bombenlast zurück: Der Luftangriff auf die deutsche Stadt Siegen war abgebrochen worden,[5] da die zum Schutz der Bomber dienenden Jäger wegen schlechten Wetters nicht starten konnten. Die überzähligen Bomben wurden damals üblicherweise über dem Ärmelkanal abgeworfen, da eine Landung mit der brisanten Ladung zu gefährlich gewesen wäre. Der Navigator Fred Shaw beobachtete noch die fallenden Bomben, als er eine kleine, einmotorige Propellermaschine direkt unter dem Bomber im Bombenhagel sah. Da die Maschine von Glenn Miller zur selben Zeit auf Gegenkurs von London nach Paris war, gilt es als recht wahrscheinlich, dass Miller in dieser unglückseligen Maschine war.[6][7] Im Zweiten Weltkrieg passierte es bei den großen Bombenangriffen auf Flächenziele relativ häufig, dass tiefer fliegende – meist eigene Flugzeuge – von herabfallenden Bomben getroffen wurden und daher in der Luft zerbrachen.[8] Das Wrack der zivilen Noorduyn Norseman wurde bisher nicht gefunden. Da im Ärmelkanal aus der Luftschlacht um England extrem viele Wracks auf dem Grund liegen, ist eine Ortung eher unwahrscheinlich. Millers Verschwinden wurde erst am Heiligen Abend 1944 offiziell bekanntgegeben.[9]

Legendenbildung[Bearbeiten]

Ähnlich wie bei anderen früh verstorbenen Musikstars, existieren auch bei Miller viele Gerüchte und Versionen um dessen Tod. Die Propaganda beider Kriegsparteien versuchte aus den Todesumstände das maximal Beste für ihre jeweiligen Ziele zu verbreiten. Die reine Faktenlage ist durch die Kriegswirren bedingt sehr dünn und auch zum Teil widersprüchlich, was Legendenbildung natürlich stark förderte. Es existiert in der zugänglichen Archiven wenig belastbares Material, was natürlich zur Behauptung führen kann, dies wäre absichtlich so. Zur damaligen Zeit kamen Millionen von Menschen kriegsbedingt zu Tode und auch der Absturz oder das Vermissen eines einzelnen Flugzeuges war normaler Alltag. Es wurde damals keine besondere öffentliche Untersuchung nach heutigem Maßstab eingeleitet, da es aus damaligen Sicht der Behörden während des Krieges auch wesentlich dringendere Dinge gab. Zeitzeugen, die auf Grund ihrer damaligen Position etwas Gehaltvolles zur Aufklärung hätten beitragen können, wären heute an die 100 Jahre alt oder sind längst verstorben. Daher wird eine absolut gesicherte Version über die wahren Todesumstände des Musikers wohl sehr schwer bis nahezu unmöglich sein.

Weitere Theorien[Bearbeiten]

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Es gibt auch andere Todestheorien: So soll Glenn Miller angeblich nicht bei einem Flugzeugabsturz gestorben sein, sondern an Lungenkrebs. Dies soll unterdrückt worden sein, weil er bis 1942 eine von einem großen Tabakkonzern gesponserte Radiosendung bespielte; es ist aber schon deshalb unwahrscheinlich, weil der Zusammenhang von Lungenkrebs und Zigarettenrauchen damals noch nicht allgemein bekannt und – zumindest in den Vereinigten Staaten und dem Vereinigten Königreich – auch noch nicht wissenschaftlich belegt war.

Eine andere Theorie lautet „Absturz wegen Tragflächenvereisung“, was bei Nebel und sehr niedrigen Temperaturen durchaus wahrscheinlich ist.

Im Übrigen stand der in Frage kommende Luftraum zu diesem Zeitpunkt unter totaler Kontrolle der alliierten Luftstreitkräfte. Dies und auch die Tatsache, dass kein deutscher Jagdflieger sich in diesem Luftraum befand und auch keinen Luftsieg für diesen Abschnitt für sich beanspruchte, zeigt, dass ein Abschuss durch ein deutsches Jagdflugzeug unwahrscheinlich ist. Die Wehrmacht begann am 16. Dezember 1944 ihre Ardennenoffensive; Kraftstoff war auf deutscher Seite damals ein sehr knappes Gut.

Der Film Die Glenn Miller Story, der sich ansonsten manche Freiheiten mit der biographischen Wirklichkeit erlaubt, hält sich an die offizielle Todesursache, den undokumentierten Flugzeugabsturz.

Nach Millers Tod wurde das Army Air Force Orchestra bis zu seiner Auflösung nach dem 17. November 1945 von Arrangeur Jerry Gray weitergeleitet, später ein ziviles Glenn Miller Orchestra vom langjährigen Band-Saxophonisten und -Sänger Tex Beneke.

Millers Name wird auf dem Cambridge American Cemetery and Memorial an der Mauer der Vermissten aufgeführt.

Werke (Auswahl)[Bearbeiten]

Bekannte Bandmitglieder[Bearbeiten]

Bekannte Sänger/-innen der Bigband[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • George T. Simon: Glenn Miller and His Orchestra. Da Capo Press (1980). ISBN 0-306-80129-9
  • George T. Simon: Glenn Miller: Sein Leben-Seine Musik. Droemersche Verlagsanstalt Th. Knaur (1991). ISBN 3-426-02412-8

Filme[Bearbeiten]

mit Glenn Miller[Bearbeiten]

über Glenn Miller[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Glenn Miller – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Chartplatzierungen
  2. Brianne Mueller: Biographie von Glenn Miller. In: Free Info Society, abgerufen am 16. September 2010
  3. Unterschiedliche Anzahl in den Quellen: auf der offiziellen Seite sind es 138, in anderen 139 Bomber.
  4. [1] engl. Webseite über die 3.Group
  5. [2] Dokumentation über den abgebrochen RAF-Bombenangriff vom 15. Dezember 1944
  6. [3]SPIEGEL.de: Verirrt über den Wolken (Abschnitt: „Tod eines Superstars“)
  7. [4] DER SPIEGEL: Glenn Miller von „Friendly Fire“ getötet?
  8. Beispiel:Deutsche Luftwaffe 8.Sept. 1943, Kampfgeschwader 55 über Nowo-Ekonomtschenkoje: He-111 wird von Bomben einer höher fliegenden He-111 getroffen und zerstört
  9. Stille Nacht an allen Fronten ZDF zeigt Dokumentarfilm über das letzte Weihnachtsfest im Zweiten Weltkrieg, abgerufen am 26. Dezember 2010