Clipperton-Insel

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Clipperton
(Île de la Passion)
Palmen auf der Clipperton-Insel
Palmen auf der Clipperton-Insel
Gewässer Pazifischer Ozean
Geographische Lage 10° 18′ N, 109° 13′ W10.3-109.21666666667Koordinaten: 10° 18′ N, 109° 13′ W
Karte von Clipperton(Île de la Passion)
Anzahl der Inseln 1 Ringinsel
6 Binneneilande
Hauptinsel Clipperton
Länge 4 km
Breite 2,9 km
Landfläche 1,7 km²
Lagunenfläche 7,2 km²
Höchste Erhebung Rocher Clipperton
29 m
Einwohner (unbewohnt)
Karte der Clipperton-Insel
Karte der Clipperton-Insel

Die Clipperton-Insel (französisch: Île Clipperton oder Île de la Passion) liegt im Pazifischen Ozean etwa 1000 km südwestlich von Mexiko. Sie ist ein unbewohntes Atoll und französisches Überseegebiet.

Geografie[Bearbeiten]

Clipperton ist ein typisches Atoll, das einem absinkenden Vulkankomplex aufgelagert ist, wobei die oberste „Spitze“ des ehemaligen Vulkans – ein Teil des erodierten Kraterwalles – am Rocher Clipperton (Clipperton Rock) erhalten geblieben ist. Dieser stellt mit 29 m auch die höchste Erhebung der Insel dar, ansonsten erhebt sich die Insel nur 2 – 3 m aus dem Pazifik. Die Landfläche der Insel beträgt nur 1,7 km², die eingeschlossene Lagune mitgerechnet sind es jedoch 8,9 km². Der Umfang des Atolls ist 11,8 km, die Breite des die Lagune umgebenden Landrings schwankt zwischen 360 und 40 m. Die Länge des gesamten Atolls beträgt 4 km, seine Breite 2,9 km.[1]

Innerhalb der Lagune im Nordwesten liegen die Îles Eggs, eine Gruppe zweier annähernd runder Koralleninselchen mit einer Gesamtfläche von weniger als 1000 m², die nur wenig über das Wasser ragen. Weitere noch kleinere Inseln sind Îlot vert, Îlots Ouest und Île aux Sterns, alle im Nordwesten und Westen der Lagune. Nur auf diesen kleinen Inseln können Seevögel ungestört brüten, da sie für die Landkrabben (Spezies Johngarthia planatus), die die Ringinsel in großer Menge dominieren (11 Mio. Tiere, d. h. mehr als sechs pro Quadratmeter Landfläche), unerreichbar sind.

Die Fauna der Lagune ist auf einige Arten von Wirbellosen beschränkt. Fische kommen darin nicht vor.

Die Lagune weist einige unterschiedlich tiefe Becken auf, darunter Fosse Orientale (im Osten mit einer Tiefe bis zu 44 m), sowie Trou „Sans Fond“, eine Grube im Südosten mit einem Durchmesser von 240 m und einer Tiefe von mehr als 92 . Jacques-Yves Cousteau unternahm während seiner Expedition von 1978 einen Tauchgang in diese Tiefe und stellte dabei Schwefelsäure in der Tiefe fest. Die Schwefelsäure entsteht durch die Verrottung von Pflanzenresten, wenn kein Sauerstoff (mehr) vorhanden ist.

Dem Atoll ist ein Korallenriff vorgelagert. Auf Grund dieser Abgeschiedenheit wird die Insel selten besucht. An mehreren Stellen außerhalb des Riffes kann geankert werden, aber eine Einfahrt in die Lagune ist nicht möglich, da der Ring seit über 150 Jahren geschlossen ist. Gelegentlich gehen jedoch wetterbedingt hohe Wellen über die niedrigeren und schmaleren Stellen des Landrings und erreichen die Lagune.

Das Atoll wurde erstmals 1839 von Edward Belcher kartiert, der zwei Öffnungen im Landring vorfand. Im November 1858 stellte Gabriel Le Coat de Kerveguen fest, dass der Ring geschlossen war, und soweit bekannt, ist er seitdem ohne Unterbrechung bis heute geschlossen. Es wird vermutet, dass der Ringschluss durch die Auswirkungen eines Tropensturms erfolgte. Die früheren Öffnungen sind noch heute leicht festzustellen, ein Gebiet losen Sandes im Nordosten, sowie der Landstreifen gegenüber dem Isthmus im Südosten.[2]

Verwaltung[Bearbeiten]

Seit 21. Februar 2007 untersteht die Clippertoninsel nicht mehr der Hoheitsgewalt Französisch-Polynesiens, sondern wird nun unmittelbar vom französischen Minister für die überseeischen Gebiete verwaltet.[3] Damit befindet sich die Clippertoninsel im Staatseigentum der Französischen Republik („la propriété privée de l'État“). Clipperton hat seit 1. Januar 2008 den INSEE-Code 989 01 (vorher: 987 99)[4] und den ISO-3166-2-Code FR-CP. Außerdem hat Clipperton einen ausnahmsweise reservierten Code ISO 3166-1:CP. Dieser Code existiert nur aufgrund der Verwendung in anderen Standards und sollte nicht für eine Kodierung nach ISO 3166-1 verwendet werden.

Flora und Fauna[Bearbeiten]

Im sehr gemäßigten Klima des Atolls wachsen hauptsächlich Kokospalmen und kniehohes Gestrüpp. Die Tierwelt ist artenreich, neben Schildkröten findet man endemische Arten von Insekten und Krabben (Kokoskrabben) sowie verschiedene Vogelarten. Seeschwalben leben auf der Insel in einer einzigartigen Symbiose mit Tölpeln zusammen. Die Krabben haben inzwischen einen Großteil der übrigen Fauna und Flora dezimiert. Die letzten verwilderten Schweine, die zu den Zeiten der Piraten, Entdecker und Eroberer als Notvorrat auf der Insel zurückgelassen wurden, wurden 1958 eliminiert. Die Schweine hatten die Krabben noch ein wenig kontrolliert, jetzt sind diese die Herren der Insel. Eine kleine Insel innerhalb der Lagune ist krabbenfrei und daher Brutstätte der Vögel.

Geschichte[Bearbeiten]

Die isoliert liegende Insel wurde mit hoher Wahrscheinlichkeit 1521 von Ferdinand Magellan entdeckt und später nach dem Piraten John Clipperton benannt, der das Riff zu Beginn des 18. Jahrhunderts als Unterschlupf benutzt haben soll. Nachweislich entdeckt wurde die Insel am Karfreitag, den 3. April 1711 durch die zwei französischen Fregatten La Princesse und La Découverte, die von den Kapitänen Martin de Chassiron und Michel du Bocage befehligt wurden. Auf der ersten gezeichneten Karte wird sie deshalb auch als Île de la Passion erwähnt.

Die USS LST-563 (LST= Landing Ship Tanks), gestrandet vor Clipperton, Dezember 1944

1855 wurde die Insel durch den französischen Leutnant Le Coët de Kerveguen für Frankreich annektiert. Zwischen 1892 und 1897 bauten amerikanische Minengesellschaften (wie die Oceanic Phosphat Company) Guano ab. Diese begründeten ihren Anspruch mit dem Guano Islands Act. Mexiko meldete ebenfalls Besitzansprüche an und errichtete 1905 eine Garnison, um seine Souveränität über die Insel zu untermauern. Um den Besitzanspruchsstreit beizulegen, einigten sich Frankreich und Mexiko, den italienischen König Viktor Emanuel III. als Schiedsrichter einzusetzen. Dieser entschied 1931, die Insel sei französisches Hoheitsgebiet. Am 12. Juni 1935 wurde die Insel durch das Schiff Jeanne d'Arc wieder offiziell in französischen Besitz genommen. Zwischen Clipperton und Frankreich liegen 11.000 km und zum nächsten französischen Territorium, Französisch-Polynesien, sind es etwa 4.000 km.

In den Wirren der mexikanischen Revolution geriet die Garnison mit zehn Soldaten unter der Führung von Hauptmann Ramón Arnaud mit ihren Familien in Vergessenheit. Ramón Arnaud und seine Männer ertranken, als sie ein kleines Boot aussetzten, weil sie glaubten, Schiffe gesehen zu haben. Ohne Versorgung vom Festland überlebten nur wenige Frauen und Kinder[5] sowie als einziger Mann der Leuchtturmwärter Victoriano Álvarez, der die Frauen zwei Jahre lang misshandelte, vergewaltigte und quälte, bis eine Frau am 17. Juli 1917 den Mut aufbrachte, ihn mit einem Hammer umzubringen. Noch am selben Tag wurden die vier Frauen und ihre Kinder vom amerikanischen Patrouillenboot USS Yorktown gerettet. Der Stoff wurde Gegenstand einiger Romane[6], die sich allerdings teilweise sehr weit von den wirklichen Ereignissen entfernen.

Während des Zweiten Weltkriegs besetzten die USA die Insel, um dort eine Wetterstation zu errichten („Island X“). Nach Kriegsende verließen die Amerikaner Clipperton jedoch wieder. Pläne, das Eiland als Zwischenstation für Pazifik-Überflüge auszubauen, wurden bald wieder fallen gelassen, da der technische Fortschritt bald Nonstop-Direktflüge ermöglichte. Die Insel ist seither unbewohnt. Das Betreten ist nur für wissenschaftliche Zwecke erlaubt.

Es existieren auf der Insel zahlreiche Hinterlassenschaften vorangegangener Missionen, darunter Camp Bougainville. Benutzbar ist nach wie vor eine ca. 1,2 km lange Schotterpiste, die für Flugzeuge entsprechender Reichweite geeignet ist.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Clipperton-Insel – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
 Wikimedia-Atlas: Clipperton-Insel – geographische und historische Karten

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Clipperton - Territoire (Französisch) Abgerufen am 31. Juli 2008. (im Artikeltext der Quelle auf „3km sur 4km“ klicken)
  2. Marie Hélène Sachet: Geography and land ecology of Clipperton Island. Atoll Research Bulletin (ISSN 0775630), No. 86, 28. Februar 1962, 115 Seiten, PDF
  3. http://www.worldstatesmen.org/Fr_minor.html
  4. http://www.insee.fr/fr/methodes/default.asp?page=nomenclatures/cog/outremer.htm#clipperton
  5. Jimmy M. Skaggs, CLIPPERTON, Walker & Company, New York, ISBN 0-8027-1090-5
  6. z. B. Ivo Mansmann, CLIPPERTON, Mitteldeutscher Verlag, Halle-Leipzig, ISBN 3-354-00709-5