Bristol Britannia

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Dieser Artikel beschreibt das Flugzeug; der Sportwagen wird unter Bristol Britannia (Auto) erläutert.
Bristol 175 Britannia
Bristol Britannia (1964)
Typ: Verkehrsflugzeug, Transportflugzeug
Entwurfsland: Vereinigtes KonigreichVereinigtes Königreich Vereinigtes Königreich
Hersteller: Bristol Aeroplane Company
Erstflug: 16. August 1952
Produktionszeit: bis 1959
Stückzahl: 85
Bristol Britannia (1964)
Eine Bristol Britannia auf dem Flughafen Manchester im Jahr 1965
DIA Eine Britannia 312 der DIA im Jahr 1971
Globe Air Bristol 175 Britannia 313 at Schiphol
Eine Bristol 175 Britannia der Young Cargo
Triebwerke einer Bristol Britannia

Die Bristol Type 175 Britannia war ein in den Jahren 1952 bis 1959 von der britischen Bristol Aeroplane Company gebautes Langstreckenflugzeug für den zivilen und militärischen Einsatz. Angetrieben wurde es von vier Turboprop-Triebwerken Bristol Proteus, die im eigenen Unternehmen entwickelt worden waren.

Aufgrund ihrer sehr leisen Triebwerke wurde die Britannia als „Der flüsternde Riese“ („The Whispering Giant“) bekannt, was sich allerdings auf den von außen wahrgenommenen Lautstärkepegel bezog und weniger auf die Geräuschkulisse innerhalb des Flugzeugs selbst. Es wurden 85 Exemplare gebaut, die teilweise bis in die 1990er Jahre im Einsatz blieben.

Der Name „Britannia“ wurde ab 1982 vom britischen Automobilhersteller Bristol Cars Ltd. für ein sportliches Coupé verwendet.

Geschichte[Bearbeiten]

Die Planung der Britannia begann im Jahre 1943, als ein Ausschuss des britischen Verkehrsministeriums unter Lord Brabazon Entwürfe für zivile Flugzeuge für die Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg prüfte. Einer der diskutierten Vorschläge sah ein viermotoriges Langstreckenflugzeug mit 48 Sitzplätzen für den Einsatz auf den so genannten Empire-Routen zwischen Großbritannien und den britischen Kolonien in Afrika vor. Den Zuschlag für dieses übrigens als unwichtig eingestufte Projekt erhielten die Bristol-Werke.

Als am 16. August 1952 der Prototyp der Britannia zu seinem Erstflug abhob, zeigte die BOAC – damals die einzige britische Fluglinie, die Langstrecken bediente – bereits reges Interesse an diesem Muster. Schließlich wurden aber nur 10 Exemplare der so genannten Serie 102 an die BOAC verkauft. Diese Maschinen konnten bereits 90 Passagiere befördern.

1956 erlebte eine als Serie 300 bezeichnete, vergrößerte Version der Britannia ihren Erstflug und wurde von der BOAC bestellt, dann aber zu Gunsten der Serie 310 storniert. Diese Serie 310 zeichnete sich durch eine höhere Reichweite aus, die bereits einen Nonstopflug über den Nordatlantik in beiden Richtungen ermöglichte. Schließlich entstanden noch die Serien 252 und 253 als Militärtransporter für die Royal Air Force. Weitere Käufer der verschiedenen Britannia-Versionen waren Fluglinien wie die Canadian Pacific Airlines oder die El Al.

In der Zwischenzeit waren die ersten Strahlflugzeuge wie die britische De Havilland Comet oder die Muster Douglas DC-8 und Boeing 707 aus den USA auf dem Markt erschienen. Die Britannia mit ihrem Turboprop-Antrieb wurde so quasi über Nacht zum alten Eisen. Die Produktion wurde daraufhin beendet.

Canadair erwarb 1954 die Lizenz für Nachfolgemodelle. Daraus entstand neben dem Seeaufklärer CL-28 Argus auch die CL-44, die bei Heavylift bis vor wenigen Jahren noch im Einsatz stand.

Zwischenfälle[Bearbeiten]

  • Am 22. Juli 1962 meldete die Besatzung einer Bristol Britannia 314 der Canadian Pacific Airlines nach dem Start vom Flughafen Honolulu einen Triebwerksausfall. Die Maschine kehrte zum Flughafen zurück und schlug beim Versuch einer Notlandung neben der Landebahn auf. Der Unfall forderte 27 Todesopfer.[1]
  • Am 29. Februar 1964 stürzte eine Britannia 312 (British-Eagle-Flug 802/6) der British Eagle International Airlines in 2600 m Höhe an der östlichen Bergflanke des Glungezers, eines 2677 m hohen Berges in der Nähe von Innsbruck in Tirol ab. Alle 75 Passagiere und die gesamte achtköpfige Crew verloren ihr Leben. Der Unfall erfolgte durch eine Fehlentscheidung der Piloten über die Flughöhe während einer Warteschleife um den Flughafen Innsbruck.[2]
  • Am 20. April 1967 stürzte eine Britannia 313 der schweizerischen Globe Air bei schlechtem Wetter in der Nähe von Nikosia (Zypern) wegen ungenügender Flughöhe ab. Siehe Flugzeugkatastrophe von Nikosia

Technische Daten (Britannia 310)[Bearbeiten]

Kenngröße Daten
Besatzung 4 – 7
Passagiere 139
Länge 37,87 m
Spannweite 43,36 m
Höhe 11,43 m
Startgewicht 83.990 kg
Reisegeschwindigkeit 575 km/h
Höchstgeschwindigkeit 639 km/h
Dienstgipfelhöhe 7.315 m
Reichweite 6.869 km
Triebwerke 4 Propellerturbinen Typ Bristol Proteus 765
mit 2.775 kW und Vierblatt-Propeller

Siehe auch[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Bristol Britannia – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Aviation Safety Network, 22. Juli 1962 [1]
  2. Bristol 175 Britannia 312 Flight 802/6 accident