Die letzte Brücke

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Filmdaten
Deutscher Titel Die letzte Brücke
Originaltitel Die letzte Brücke / Poslednji most
Die letzte Brücke Logo 001.svg
Produktionsland Österreich
Jugoslawien
Originalsprache Deutsch
Erscheinungsjahr 1954
Länge 104 Minuten
Altersfreigabe FSK 12
Stab
Regie Helmut Käutner
Drehbuch Helmut Käutner
Norbert Kunze
Produktion Carl Szokoll
Musik Carl de Groof
Kamera Elio Carniel
Schnitt Paula Dworak
Hermine Diethelm
Besetzung

Die letzte Brücke ist ein österreichisch-jugoslawisches Kriegs- und Partisanendrama von Helmut Käutner aus dem Jahre 1953. In den Hauptrollen spielen Maria Schell und Bernhard Wicki.

Handlung[Bearbeiten]

Während des Zweiten Weltkriegs auf dem Balkan, im von deutschen Truppen besetzten Jugoslawien. Die Oberschwester und Lazarettärztin Helga Reinbeck, die zusammen mit einem Arzt das deutsche Lazarett Bjelo Jezero leitet, liebt Martin Berger, einen deutschen Offizier, dessen Truppe unter fortwährendem Beschuss jugoslawischer Partisanen steht. Eines Tages wird Helga aus dem Lager gelockt und von den Partisanen entführt. Der Grund: Sie soll dem einzigen Arzt, der auf der anderen Seite steht, das Leben retten. Aber die Operation misslingt.

Helga fühlt sich nunmehr auch für die Partisanen verantwortlich, die ab jetzt über keinerlei medizinische Versorgung verfügen. Aus der natürlichen Feindschaft erwächst allmählich Vertrauen, Fürsorge und Verständnis. Die ihr gegenüber gezeigte Mitmenschlichkeit erweckt in ihr die Erkenntnis, dass der „Feind“ ebenso menschliche Gefühle hat und nicht weniger wert ist als die „eigenen Leute“. Und so sieht sie es als Akt der Humanität, den Verwundeten unter den Partisanen zu helfen und sie zu pflegen wie sie es bereits zuvor bei deutschen Landsern getan hat. Rasch freundet sie sich mit dem Partisanenführer Boro an

Als eines Tages eine Typhus-Epidemie ausbricht, versucht Helga Reinbeck trotz aller Gefahren, Medikamente zu den jugoslawischen Partisanen zu schmuggeln, die von englischen Flugzeugen hinter den deutschen Linien abgeworfen wurden. Bei diesem lebensgefährlichen Einsatz kommt die sie begleitende Partisanin Militza ums Leben. Die deutsche Seite wird auf diese Aktion aufmerksam. Um die Medikamente dem „Gegner“ zukommen zu lassen, muss Helga schließlich eine Brücke überqueren, die sich zwischen den feindlichen Linien befindet. Im entscheidenden Moment, als die deutsche Ärztin endgültig zu ihren eigenen Leuten zurückkehren will, wird das Feuer von beiden Seiten eröffnet. Ein Querschläger trifft Helga, sie stirbt.

Hintergrund[Bearbeiten]

Die Dreharbeiten fanden zwischen dem 7. September und dem 5. November 1953 in Jugoslawien statt. Drehorte waren Mostar und die Gegend rund um die Neretva.

Der Film erlebte seine Erstaufführung am 11. Februar 1954 sowohl in Wien als auch in Berlin.

Auf den Filmfestspielen von Cannes wurde Helmut Käutner 1954 für Die letzte Brücke mit zwei Preisen bedacht. Maria Schell erhielt eine spezielle Erwähnung für ihre darstellerische Leistung. 1955 nahm Schell den finnischen Jussi-Filmpreis entgegen. Der internationale Erfolg des Films ermöglichte der Künstlerin nunmehr auch ernste Rollen in ausländischen Filmen (vor allem in Frankreich und den USA).

Für den 34-jährigen Bernhard Wicki, der glaubhaft einen humanistisch geprägten Partisanenanführer verkörpert, bedeutete Die letzte Brücke der Durchbruch als Schauspieler. Sechs Jahre später, 1959, thematisierte er den Irrsinn des Krieges mit Die Brücke erstmals auch als Regisseur.

Tilla Durieux war unter den mitwirkenden deutschsprachigen Künstlern die einzige, die tatsächlich den Zweiten Weltkrieg auf der Seite der jugoslawischen Partisanen stand und sich als Jüdin vor den deutschen Besatzern im Untergrund versteckt hielt.

Die Filmbauten stammen von Otto Pischinger, dem Wolf Witzemann assistierte. Käutners Regieassistent Horst Hächler, der in Die letzte Brücke auch eine Nebenrolle übernommen hatte, wurde vier Jahre später (1957) Maria Schells Ehemann.

Kritiken[Bearbeiten]

Curt Riess‘ Erinnerungsbuch 'Das gibt‘s nur einmal' lobte vor allem Käutners Leistung und die seiner beiden Hauptdarsteller: „Ein großes Thema -- von Käutner nicht verniedlicht, nicht ungefährlich gemacht. Das Beste, was man über seine Regie sagen kann, ist, daß man sie kaum spürt. Die großen Szenen wirken nicht wie Szenen, sondern wie Aufnahmen, die aus einer Wochenschau geschnitten sind: dokumentarisch. Bernhard Wicki als Jugoslawe ist so echt, daß man fast überall glaubt, es mit einem Einheimischen zu tun zu haben. Die Schell ist vollendet: einfach, klar, überzeugend, mitreißend -- und nicht einen Augenblick lang sentimental.“[1]

In Heinrich Fraenkels 'Unsterblicher Film' ist zu lesen: „Mit dem Film Die letzte Brücke hat Helmut Käutner ein kompromißlos ernstes und künstlerisch vollendetes Werk geschaffen, und damit einem deutschen (sic!) Film zu verdienter Weltgeltung verholfen.“[2]

Reclams Filmführer urteilt: „Ein ernstgemeinter Versuch zur Versöhnung und zum Verständnis. Der Film argumentiert nicht politisch und nimmt für keine der beiden Seiten Stellung; er zeigt einen Menschen, der erkennen muß, daß auch die andere Seite gute Argumente für sich hat. Aber dieses menschliche Problem wird mit mehr Ernsthaftigkeit und Realismus geschildert, als es damals im deutschsprachigen Film üblich war.“[3]

Das Lexikon des Internationalen Films schrieb: „Der Film ist darstellerisch und formal anspruchsvoll, appelliert eindringlich an die Versöhnlichkeit und leider stellenweise zu sehr an die Emotionen der Zuschauer.“[4]

Das große Personenlexikon des Films erinnerte in der Käutner-Biografie daran, dass dem Regisseur nach einer Reihe von spektakulären Flops (Der Apfel ist ab, Königskinder, Epilog, Weiße Schatten, Käpt’n Bay-Bay) mit Die letzte Brücke ein Comeback beschieden war.[5] Bis zu diesem Zeitpunkt, so kann man außerdem in 'Das gibt‘s nur einmal' lesen, war Käutner „nach Ansicht sämtlicher Produzenten ein erledigter Mann“.[6]

Der Onlineauftritt von Cinema nannte den Film „Ein Mahnmal für die Menschlichkeit“[7]

Halliwell's Film Guide kritisierte: „Message melodrama, very ably put together with a bleakly tragic climax; but nothing at all new“.[8]

Leonard Maltins Movie & Video Guide lobte die Hauptdarstellerin: „Schell gives a well modulated performance as German doctor captured by Yugoslavian Partisans during WW2“.[9]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Curt Riess: Das gibt‘s nur einmal, Das Buch des deutschen Films nach 1945. Hamburg 1958, S. 354f.
  2. Heinrich Fraenkel: Unsterblicher Film. Die große Chronik. Vom ersten Ton bis zur farbigen Breitwand. München 1957, S. 335
  3. Reclams Filmführer. Von Dieter Krusche, Mitarbeit: Jürgen Labenski. Stuttgart 1973, S. 386.
  4. Klaus Brüne (Red.): Lexikon des Internationalen Films Band 5, S. 2212. Reinbek bei Hamburg 1987.
  5. Vgl. Kay Weniger: Das große Personenlexikon des Films, Band 4, Berlin 2001, S. 324
  6. Das gibt‘s nur einmal, S. 353
  7. Die letzte Brücke in cinema.de
  8. Leslie Halliwell: Halliwell‘s Film Guide, Seventh Edition, New York 1989, S. 579
  9. Leonard Maltin: Movie & Video Guide, 1996 edition, S. 724

Literatur[Bearbeiten]

  • Norbert Grob: Die letzte Brücke. In: Filmgenres. Kriegsfilm. Hg. von Thomas Klein, Marcus Stiglegger und Bodo Traber. Stuttgart: Reclam 2006, S. 97-100 [mit Literaturhinweisen]. ISBN 978-3-15-018411-0.

Weblinks[Bearbeiten]