Der Hauptmann von Köpenick (1956)

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Filmdaten
Originaltitel Der Hauptmann von Köpenick
Der Hauptmann von Köpenick 1956 Logo 001.svg
Produktionsland Bundesrepublik Deutschland
Originalsprache Deutsch
Erscheinungsjahr 1956
Länge 93 Minuten
Altersfreigabe FSK 12
Stab
Regie Helmut Käutner
Drehbuch Carl Zuckmayer
Helmut Käutner
Produktion Gyula Trebitsch
Musik Bernhard Eichhorn
Kamera Albert Benitz
Schnitt Klaus Dudenhöfer
Besetzung

Der Hauptmann von Köpenick ist ein deutscher Farbfilm nach dem gleichnamigen Theaterstück von Carl Zuckmayer. Der Film wurde von der Real-Film in den Real-Filmstudios in Hamburg produziert und am 16. August 1956 im Ufa-Palast Köln uraufgeführt.

Handlung[Bearbeiten]

Die Handlung beruht auf Zuckmayers bekanntem Drama: Es erzählt die Geschichte des durch seinen genialen Coup im Oktober des Jahres 1906 weltberühmt gewordenen Kriminellen Wilhelm Voigt. Und es nimmt diesen Coup zum Anlass für eine kritische Darstellung des Militarismus im deutschen Kaiserreich. Die in Drama und Film erzählte Vorgeschichte der Begebenheit ist jedoch in weiten Teilen eine Fiktion.

Der Schuster Wilhelm Voigt wird nach 15 Jahren Haft, die er wegen verschiedener Betrügereien aufgebrummt bekommen hat, aus dem Strafgefängnis Berlin-Plötzensee entlassen. Er hat vor, ein ehrlicher Mensch zu werden, aber überall, wo er sich bewirbt, fragt man ihn, beginnend mit den Worten: „Haben Sie gedient?“ nach seinem Vorleben. Voigt kann keine Arbeit bekommen, solange er keinen Pass hat, und keine Aufenthaltsgenehmigung im jeweiligen Bezirk (und damit auch keinen Pass), solange er keine Arbeit hat. Deshalb bricht er in ein Potsdamer Polizeirevier ein, um sich einen Pass zu verschaffen, wird erwischt und zu zehn Jahren Zuchthaus in Berlin-Sonnenburg verurteilt.

In der Gefängnisbibliothek entdeckt er die preußische Felddienstordnung und lernt sie auswendig. Zudem bildet der Gefängnisdirektor seine Häftlinge in militärischem Gehabe aus. Nach seiner Haftentlassung kommt Voigt zunächst bei seiner Schwester und deren Mann unter und kümmert sich hingebungsvoll um ein tuberkulosekrankes Mädchen, das als Untermieterin ein Zimmer bei seiner Schwester bewohnt. Als seine Resozialisierung aber an der Bürokratie erneut scheitert, plant er seinen nächsten Coup. Beim Trödler Krakauer erwirbt er eine gebrauchte Hauptmannsuniform (die vom Köpenicker Bürgermeister abgelegt worden war). Nachdem er sie angezogen hat, ist er mit einem Schlag scheinbar ein anderer Mensch, denn alle erweisen dem vermeintlichen Hauptmann höchsten Respekt. Voigt nutzt diese Autorität, um mit einigen auf der Straße angetroffenen Soldaten das Rathaus von Köpenick zu besetzen, den Bürgermeister zu verhaften und die Stadtkasse zu beschlagnahmen. Nur den erhofften Pass kann er sich nicht beschaffen, da es im Rathaus Köpenick keine Passabteilung gibt.

Schließlich stellt sich Voigt einige Tage später selbst auf dem Polizeipräsidium und gibt die ganze Geschichte unter allgemeiner Erheiterung zum Besten. Voigt wird wieder einmal verurteilt, diesmal aber vom Kaiser begnadigt und erhält ein ganz besonderes Geschenk: seinen Pass. Letztlich kommt er aber zu der Erkenntnis, diesen „überwartet“ und auch nicht mehr nötig zu haben, da er ja nun der berühmte Hauptmann von Köpenick sei.

Sonstiges[Bearbeiten]

Erst auf Drängen von Regisseur und Drehbuchautor Helmut Käutner (der den Stoff bereits in einem 1945 produzierten Hörspiel verarbeitet hatte) erhielt Heinz Rühmann die Titelrolle, da die Produzenten Walter Koppel und Gyula Trebitsch, beide jüdische Nazi-Verfolgte, gegen den durch seine Tätigkeit und Popularität während der Nazizeit vorbelasteten Schauspieler erhebliche Bedenken hatten. Unter anderem waren für die Titelrolle Curd Jürgens oder Hans Albers vorgesehen.

Der Film wurde in Eastmancolor gedreht.

Da nicht an den Originalschauplätzen in Ostberlin gedreht werden konnte, entstanden die wenigen Außenaufnahmen in Hamburg. So diente etwa das Finanzamt am Schlump im Stadtteil Eimsbüttel als Köpenicker Rathaus.

Ilse Fürstenberg spielte, wie schon in der Verfilmung von 1931, die Schwester Marie Hoprecht. Leonard Steckel stellte in der Verfilmung von 1931 den Trödler Krakauer dar und spielte in dem 1956-er Film den Adolph Wormser.

Seit einiger Zeit gibt es in Fernsehausstrahlungen der restaurierten und formattechnisch angepassten Fassung des Filmes eine kurze zusätzliche Sequenz, die noch nicht den Weg auf ein Heimkinoformat gefunden hat (dort gibt es bis dato die ursprüngliche, unrestaurierte Version zu sehen). Diese befindet sich in der Rekrutierungsszene der beiden Militäreinheiten und zeigt eine zusätzliche Einstellung des Gefreiten, der den Befehl des 'Hauptmannes' Rühmann wiederholt. Die an den Befehl anschließende Einstellung, die die Formierung der Truppe für den Marsch zeigt, erfuhr eine Verlängerung.

Rezeption[Bearbeiten]

Heinz Rühmann interpretierte den Hauptmann von Köpenick nicht anprangernd, sondern liebenswürdig-verschmitzt und traf damit die Erwartungen seines Publikums. Bei der festlichen Premiere in Köln herrschte nach Schluss der Vorstellung zunächst völlige Stille, danach aber gab es anhaltenden Beifall.

Der Film wurde ein enormer Publikumserfolg mit zehn Millionen Zuschauern in den ersten fünf Monaten. Er wurde in 53 Länder exportiert und mit zahlreichen Preisen ausgezeichnet, darunter am 21. Juni 1957 mit dem Deutschen Filmpreis. Der Hauptmann von Köpenick war der erste deutsche Nachkriegserfolg in den USA und wurde für den 1957 erstmals vergebenen Oscar in der Kategorie "Bester fremdsprachiger Film" nominiert.

Auszeichnungen[Bearbeiten]

Kritiken[Bearbeiten]

Carl Zuckmayers Geschichte vom vorbestraften Schuster Wilhelm Voigt, der sich in der Uniform eines Hauptmanns über die bürokratischen Hemmnisse beim Erlangen eines Passes hinwegzusetzen versucht, in einer ganz auf den Hauptdarsteller zugeschnittenen, menschlich-komödiantischen Film-Version. Aber die Verfilmung von Richard Oswald, 1931, war doch besser.

Heyne Filmlexikon 1996

Wie er unsicher durch die falsche Weltordnung taumelt, wie er kapituliert und erst still und dann aus der Verzweiflung heraus übermütig wird - das ist die Sternstunde in der Laufbahn dieses Schauspielers. Rühmann macht keine Faxen. Er ist im besten Sinne tragikomisch. Er ist immer da, gibt nicht nur Gesicht und Stimme her, er spielt ganz, bis in die Füße.

Der Abend 1. Sep. 1956

Man schaue sich Rühmann genau an, Auge in Auge sozusagen, und man wird keinen Augenblick lang an den Bruchpiloten Quax denken, man denkt an Grock, an Chaplin, an Charlie Rivel.

Die Welt 18. Aug. 1956

Es ist die Glanzrolle für den schon totgesagten Komödianten Heinz Rühmann, seine beste Interpretation seit Jahren.

Neue Ruhr-Zeitung 17. August 1956

Prächtige Ironisierung der Allgewalt der preußischen Uniform. Eine der gelungensten deutschen Filmkomödien. Sehenswert.

Handbuch V der katholischen Filmkritik: 3. Auflage, Verlag Haus Altenberg, Düsseldorf 1963, S. 178

Eine hervorragend gespielte Tragikomödie, aufgehellt durch komische Momente und warmen Humor, dicht in Milieuzeichnung und Atmosphäre. Eine satirische Lektion über die Allgewalt der Uniform in Preußen, die eine Weltanschauung ad absurdum führt.

Lexikon des Internationalen Films

Literatur[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]